Queen(s) of Crime: Agatha Christie vs. Ingrid Noll - Analyse und Vergleich des Kriminalromans 'Die Apothekerin' und des Detektivromans 'Die Tote in der Bibliothek'


Seminararbeit, 2006

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Queen(s) of Crime - Agatha Christie vs. Ingrid Noll - Analyse und Vergleich des Kriminalromans Die Apothekerin und des Detektivromans Die Tote in der Bibliothek
2.1 Definitionen
2.2 Kriminalroman vs. Detektivroman

3. Agatha Christies Die Tote in der Bibliothek – Ein Detektivroman
3.1 Fair play, clues & red herrings.
3.2 Der Detektiv
3.3 Figurengestaltung und das historische englische Gesellschaftsbild
3.4 Das Phänomen Christie

4. Ingrid Nolls Die Apothekerin – Ein Kriminalroman(?)
4.1 Ein Kriminalroman?
4.2 Eine Crime Novel?
4.3 Feministische Literatur?

5. Schlussbemerkung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Dame Agatha Mary Clarissa Christie (1890-1976). Wer kennt diesen Namen nicht? Sie ist die ‚Queen of crime’, die in ihrem Leben über 70 Kriminalromane, Kurzgeschichten und Bühnenstücke geschrieben hat. Vor allem hat sie es aber geschafft, sich über so viele Jahre und sogar noch bis über ihren Tod hinaus ganz oben an der Spitze der Kriminalliteratur zu halten. Doch wie kommt es, dass auch heute noch im neuen Jahrtausend so viele Bücher von Christie gerne gelesen und als Meisterwerke betrachtet werden? Ist es der Unterhaltungseffekt? Oder einfach nur weil man sagt, „das ist Kult“? Oder vielleicht weil es auch heute noch niemandem gelingt vor Miss Marple den Mörder zu identifizieren?

Einige dieser Fragen und auch die Frage, was den Kriminalroman so spannend und beliebt macht, sollen in dieser Arbeit beantwortet werden. Und dennoch bleiben einige Fragen offen, wie z.B. die Frage, ob es sich bei Ingrid Noll s Bestseller Die Apothekerin tatsächlich um einen Kriminalroman handelt.

Im Folgenden soll nun anhand der beiden vorherig genannten Autorinnen der Unterschied zwischen dem Kriminal und dem Detektivroman deutlich gemacht werden.

2. Queen(s) of Crime - Agatha Christie vs. Ingrid Noll - Analyse und Vergleich des Kriminalromans Die Apothekerin und des Detektivromans Die Tote in der Bibliothek

2.1 Definitionen

Der Krimi: Eine der beliebtesten Literaturgattungen unserer Zeit. Doch was ist es, das den Krimi für uns so interessant macht? Mord? Intrige? Verbrechen? Rätsel? Verfolgung? Aufklärung? Und gibt es eine präzise Definition für die Gattung „Krimi“?

Zunächst einmal ist es wichtig eines zu wissen: Es gibt einen Unterschied zwischen dem Kriminalroman (kurz „Krimi“) und dem Detektivroman. Obwohl sich allgemein bei den meisten Leuten die Kurzform „Krimi“ eingebürgert hat, handelt es sich bei der Lektüre doch öfter als man denkt um einen Detektivroman. Aber wie lassen sich diese beiden Arten genau definieren? Laut Richard Alewyn hat der Kriminalroman „überhaupt keine definierbare Grenze – außer gegenüber dem Detektivroman. Denn so nebelhaft die Konturen des Kriminalromans, so scharf sind die des Detektivromans.“[1] Doch wo genau liegt denn nun der Unterschied zwischen einem Kriminal- und einem Detektivroman? Alewyn beschreibt diesen Unterschied einfach und präzise: „Das ist nicht Sache des Stoffs, sondern der Form.“[2]

2.2 Kriminalroman vs. Detektivroman

Die Handlung besteht ganz grob strukturiert aus drei Teilen: Mord, Ermittlung und Auflösung.[3] Die wichtigsten Elemente, sowohl im Kriminal- als auch im Detektivroman enthalten, sind der Mord (wobei hier erwähnt werden sollte, dass Mord viel ausschließlicher im Detektiv- als im Kriminalroman vorzufinden ist), der Mörder, das Opfer, das Motiv, der Tathergang und dessen Ausgang.[4]

Ein wesentlicher Unterschied liegt in der Erzählform: Beim Kriminalroman findet man eine progressive, parallele Erzählform vor; so auch in Ingrid Nolls Die Apothekerin: Es wird die Lebensgeschichte der Hella Moormann erzählt. Nach und nach, also in chronologischer Reihenfolge, passiert ein Todesfall nach dem anderen. Der Leser kennt die Ausgangssituation und erlebt die Morde direkt in dem Moment, in dem sie geschehen, mit. Der Roman endet jedoch nicht, wie der Detektivroman, mit der Aufklärung der Morde, sondern mit einem offenen Ende und der Spekulation über einen weiteren Mord. Eine kleine Besonderheit in der Erzählform liegt darin, dass die eigentliche sukzessiv erzählte Handlung in eine Rahmenhandlung eingebettet ist. Man kann sich dieses auf zwei Ebenen vorstellen: Die erste Ebene ist die Erzählung in der Rahmenhandlung, sprich die Szenen im Krankenhaus. Und eben in dieser Ebene werden die verschiedenen Morde rückblickend berichtet. Dennoch erlebt der Leser die Morde auf einer zweiten Ebene wiederum parallel mit. Er wird nur hin und wieder auf die erste Ebene zurückgeholt. Dies fällt dem Leser auch optisch auf, da die Szenen im Krankenhaus kursiv gedruckt sind, z.B.:

„Ein alter Spruch fiel mir ein: Wer schläft, der sündigt nicht, wer vorher sündigt, schläft besser.“Frau Hirte stieß ein böses Lachen aus. Levin erwartete mich erst am nächsten Nachmittag, […].“[5]

Dagegen ist Agatha Christies Die Tote in der Bibliothek etwas anders aufgebaut: Im Gegensatz zum Kriminalroman wird die Handlung rückläufig erzählt. Sie beginnt mit dem Fund der Leiche in der Bibliothek als Ausgangssituation, beschäftigt sich dann mit den typischen Fragen nach Täter, Motiven, Verdächtigen, Alibis und endet schließlich mit der Auflösung des Hergangs der Tat und der Überführung der Mörder.

Um es noch einmal kurz zusammenzufassen: „Der Kriminalroman erzählt die Geschichte eines Verbrechens, der Detektivroman die Geschichte der Aufklärung eines Verbrechen.“[6]

3. Agatha Christies Die Tote in der Bibliothek – Ein Detektivroman

3.1 Fair play, clues & red herrings

Ein weiterer Unterschied ist in der Erzählperspektive zu finden: In Die Tote in der Bibliothek erhält der Leser seine Informationen von einem allwissenden Erzähler.

Dennoch geschieht es oft - gerade bei Agatha Christie - dass wichtige Informationen, die z.B. dem Detektiv bereits bekannt sind, dem Leser verschwiegen werden. So war es z.B. in für Miss Marple kein Problem die beiden Täter, Mark Gaskell und Josephine Turner, zu überführen, ganz im Gegensatz zum Leser. Miss Marple ging anhand eines Verdachtes auf S. 175[7] ins Rathaus um sich die Ehe-Informationen über die beiden Täter einzuholen. Der Leser jedoch erhält diese Info erst auf S. 183[8] als Miss Marple schon in vollem Gange ist, den Täter zu überführen: „Wie wir jetzt wissen, waren Mark und Josie seit einem Jahr verheiratet.“[9] Das Personalpronomen ‚wir’ bezieht sich dabei nicht wirklich auf den Leser. Dieses Wort scheint sogar zu implizieren, dass jeder außer dem Leser über diese Tatsache Bescheid wusste.

Agatha Christie bricht hier eine ‚Goldene Regel’, die man beim Schreiben von Kriminalromanen beachten sollte: die Regel des ‚fair play’. „Die Forderung des ‚fair play gilt als erfüllt, wenn dem Leser keine wichtigen Informationen vorenthalten werden.“[10] Diese Forderung wird hier, wie gesagt, nicht erfüllt. Doch genau das ist eine der Besonderheiten der Dame Agatha Christie: Sie bricht gerne mal die ein oder andere Regel, wie wir noch öfter im Laufe dieser Arbeit sehen werden.

Peter Nusser schreibt in seinem Buch Der Kriminalroman:

„Das sogenannte >fair play<, die Chancengleichheit von Detektiv und Leser bei der Arbeit […] des Enträtselns, ist entscheidend davon abhängig, daß [sic] der Erzähler die clues deutlich darstellt, d.h. Informationen, aus denen Schlüsse gezogen werden können, nicht verschweigt.“[11]

Nusser spricht bei wichtigen Informationen von so genannten ‚clues’ (dt.: Indiz, Spur):

„Ein Clue ist ein Kryptogramm: ein Gegenstand, ein Sachverhalt, ein Vorkommnis, eine Geste, die eine Frage provoziert und zugleich eine Antwort verbirgt. Die Kunst der Detektion besteht darin, Clues zu sehen und zu lesen.“[12]

Selbstverständlich wurden auch in Die Tote in der Bibliothek solche clues von der Autorin versteckt. In diesem Fall handelte es sich bei den entscheidenden clues, die letztendlich Miss Marple zur Lösung des Falles verhalfen, um die Nägel und Zähne der Toten („Es gibt nichts, was zu trivial wäre, um nicht zum Clue werden zu können.“[13] ).

„[…] weil dieses arme kleine Mädchen auch ihre Nägel biß [sic] und weil ihre Vorderzähne ein wenig vorstehen.“[14]

„[…] winzige, eingebogene Mäusezähnchen […]“[15]

[...]


[1] Alewyn (1998), S. 52f.

[2] Ebd., S. 53.

[3] Suerbaum (1984), S.14.

[4] Alewyn (1998), S. 53.

[5] Noll (1996), S. 110f.; Hervorhbg. i. O.

[6] Alewyn (1998), S. 53.

[7] Christie (1978), S. 175.

[8] Ebd., S. 183.

[9] Ebd.

[10] Leonhardt (1990), S. 127.

[11] Nusser (2003), S. 24f.

[12] Alewyn (1998), S. 61f.

[13] Alewyn (1998), S. 62.

[14] Christie (1978), S. 20.

[15] Ebd., S. 100.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Queen(s) of Crime: Agatha Christie vs. Ingrid Noll - Analyse und Vergleich des Kriminalromans 'Die Apothekerin' und des Detektivromans 'Die Tote in der Bibliothek'
Hochschule
Universität des Saarlandes  (Germanistik)
Veranstaltung
Proseminar: Der Kriminalroman
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
17
Katalognummer
V75361
ISBN (eBook)
9783638738064
ISBN (Buch)
9783638755498
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Queen(s), Crime, Agatha, Christie, Ingrid, Noll, Analyse, Vergleich, Kriminalromans, Apothekerin, Detektivromans, Tote, Bibliothek, Proseminar, Kriminalroman
Arbeit zitieren
Eva Sammel (Autor), 2006, Queen(s) of Crime: Agatha Christie vs. Ingrid Noll - Analyse und Vergleich des Kriminalromans 'Die Apothekerin' und des Detektivromans 'Die Tote in der Bibliothek', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75361

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