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Parodie auf einen Diktator: García Márquez’ "El otoño del patriarca"

Title: Parodie auf einen Diktator: García Márquez’ "El otoño del patriarca"

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 22 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Achim Binder (Author)

Romance Studies - Spanish Studies
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Als Gabriel García Márquez seinen Roman El otoño del patriarca 1975 im Jahr von Francos Tod veröffentlichte, konnte er bereits auf die fast fünfzigjährige literarische Tradition der „novela de la dictadura“ zurückblicken. Dieses Genre, auf spanischer Seite durch Valle-Incláns Tirano Banderas (1927) vertreten, wurde maßgeblich durch Literatur des lateinamerikanischen Kontinents geprägt – eine Tatsache, die in Anbetracht der vergangenen und gegenwärtigen hispanischen Diktaturen kaum überrascht.
Maßgebliche Vorläufer des Diktatur-Romans sind La sombra del caudillo (1929) von Martín Luis Guzmán, El señor presidente (1946) von Miguel Ángel Asturias, La muerte de Artemio Cruz (1962) von Carlos Fuentes, El recurso del método (1973) von Alejo Carpentier, El secuestro del General (1973) von Demetrio Aguilera Malta sowie Yo el supremo (1973) von Augusto Roa Bastos.
Die historischen Vorlagen für García Márquez’ Roman reichen von Perón (Argentinien) über Stroessner (Paraguay), von Pinochet (Chile) über Somoza (Nicaragua) bis Franco. Aus diesen Gestalten, die in Form von „caciques“, „caudillos“ oder „patrones“ schon in der frühesten Geschichte Lateinamerikas vorkommen, setzt sich die Figur des „patriarca“ von García Márquez zusammen.
Sowohl die mythologische Dimension als auch die primitiv-animalischen Elemente finden in dieser Figur ihre Entsprechung, mehr noch, sie werden satirisch überhöht. Auf diese Weise entstellt García Márquez den Patriarchen derart, dass er nicht mehr als Charakterfigur, sondern nur noch als groteskes Zerrbild, als absurde Imitation scheinbar willkürlicher Versatzstücke aus Geschichte und Literatur erscheint. „El patriarca es a menudo, más que un arquetipo, una caricatura o una máscara de carnaval.”
Diese Parodierung des Patriarchen findet auf machtpolitischer, sozialer und religiöser Ebene statt, wobei dabei besonders letztere eine herausragende Rolle spielt.
Eine Untersuchung dieses „Mechanismus“ der Parodie, wie ihn Rodríguez Vergara bezeichnet, wird daher Gegenstand dieser Arbeit sein. Es soll gezeigt werden, wie bei der Parodierung des Patriarchen Intertextualität und Karnevalisierung eine zentrale Rolle spielen und welche weiteren Stilmittel García Márquez verwendet, um die ironische Brechung der Figur des Patriarchen zu bewirken.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Funktion und Intention der Parodie

3. Parodie auf die Macht des Patriarchen

3.1 „Zoomorfismo“

3.2 Karnevalisierung

3.3 Religiöse Parodie

4. Schlussbemerkung

5. Bibliographie

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die erzählerischen Mechanismen der Parodie in Gabriel García Márquez' Roman „El otoño del patriarca“. Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch Intertextualität, Karnevalisierung und eine groteske Überzeichnung der Diktatorfigur eine ironische Brechung von Machtansprüchen erreicht wird, die den Protagonisten als absurdes Zerrbild entlarvt.

  • Parodie als literarisches Verfahren der Machtkritik
  • „Zoomorfismo“: Die Entmenschlichung der Diktatur
  • Bachtins Theorie der Karnevalisierung in der Romanstruktur
  • Religiöse Parodie und die Demontage des Messias-Mythos
  • Das Spannungsfeld zwischen Diktatur, Groteske und Ironie

Auszug aus dem Buch

3.1 „Zoomorfismo“

Einen wesentlichen Beitrag leistet dabei neben der Karnevalisierung eine Methode, die Canfield als „zoomorfismo“ bezeichnet. Sie besteht darin, die Macht und Autorität des Patriarchen durch das Einbrechen des Animalischen auf allen Ebenen zu parodieren. Bereits die äußere Erscheinung des Patriarchen steht im Zeichen des parodierenden „zoomorfismo”. Es werden ihm „las virtudes seniles de las tortugas y los hábitos de los elefantes“ zugeschrieben; er blinzelt “sin cerrar los ojos como las iguanas” und er hat die Kraft eines „bisonte“. Seine Lippen sind „labios de murciélago“, seine Bewegungen ein „raro andar de armadillo“ und er hat „el olfato exquisito de tigre cebado.“

Besonders auffällig in Bezug auf den „zoomorfismo” ist die Invasion der Kühe am Palast des Patriarchen, die nach seinem Tod aus ihren Ställen ausbrechen und die Regierungsgebäude in Schutt und Asche legen: Vimos las oficinas y las salas oficiales en ruinas por donde andaban las vacas impávidas comiéndose las cortinas de terciopelo y mordisqueando el raso de los sillones, […] vimos un comedor comido por las vacas, la sala de música profanada por estropicios de vacas.

Doch auch zu Lebzeiten des Patriarchen tummeln sich am Palast allerlei Figuren, die der Literatur des Karneval nahe stehen: „Las vacas y las gallinas vagan libremente por los salones de la casa presidencial, […] y toda una corte de enfermos y lisiados sirven de termómetro a su poder absoluto.”

García Márquez’ parodistische Absicht wird besonders daran deutlich, dass dem Diktator auf der einen Seite kosmische Kräfte und die Macht über die Zeit zugeschrieben werden („un hombre cuyo poder había sido tan grande que alguna vez preguntó qué horas son y le habían contestado las que usted ordene mi general“), er auf der anderen Seite jedoch nur über eine armselige Gruppe von Kranken, Irren, Aussätzigen und Tieren herrscht: „Arrastraba sus lentas patas de bestia meditativa en busca de nuevas fórmulas para entretener a los paralíticos que suplicaban de sus manos la sal de la salud.”

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel verortet García Márquez' Werk in der Tradition des lateinamerikanischen Diktaturromans und führt in die zentrale These ein, dass der Patriarch durch satirische Übersteigerung zur grotesken Karikatur entstellt wird.

2. Funktion und Intention der Parodie: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Parodie und Satire erläutert, insbesondere unter Rückgriff auf Linda Hutcheon und den Begriff der „Transkontextualisierung“.

3. Parodie auf die Macht des Patriarchen: Dieses Hauptkapitel analysiert die verschiedenen Stilmittel, mit denen García Márquez die absolute Macht des Diktators unterwandert.

3.1 „Zoomorfismo“: Untersuchung der animalischen Metaphorik und der Invasion der Kühe als Methode, um die Autorität des Patriarchen lächerlich zu machen und zu entwerten.

3.2 Karnevalisierung: Anwendung von Michail Bachtins Konzept, um aufzuzeigen, wie die Vermischung von Hohen und Niedrigen sowie Heiligen und Profanen die Diktatur als „umgestülpte Welt“ darstellt.

3.3 Religiöse Parodie: Analyse der intertextuellen Bezüge zur Bibel, durch die die pseudoreligiöse Inszenierung und der Messias-Anspruch des Diktators parodiert werden.

4. Schlussbemerkung: Zusammenfassung der Ergebnisse, wonach die Parodie als unverzichtbares Mittel dient, um das „gran animal mitológico“ des lateinamerikanischen Diktators kritisch und realistisch zu erfassen.

5. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Parodie, Diktaturroman, Gabriel García Márquez, El otoño del patriarca, Karnevalisierung, Zoomorfismo, Ironie, Machtkritik, Lateinamerika, Intertextualität, Satire, Machtmissbrauch, Michail Bachtin, Literaturwissenschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie Gabriel García Márquez in seinem Roman „El otoño del patriarca“ die Figur des Diktators durch parodistische Verfahren entlarvt und kritisiert.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Fokus stehen die literarische Parodie, das Verhältnis von Macht und Sprache, die Karnevalisierung gesellschaftlicher Zustände sowie die demontierende Nutzung religiöser Metaphorik.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie García Márquez durch spezifische Stilmittel den Mythos der allmächtigen Diktatur bricht und den Patriarchen als absurdes, groteskes Zerrbild darstellt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich primär auf eine literaturwissenschaftliche Analyse, insbesondere unter Einbeziehung der Theorien von Michail Bachtin zur Karnevalisierung und Linda Hutcheon zur Parodie.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des „Zoomorfismo“, die Anwendung der karnevalistischen Weltordnung auf das Diktatorenregime sowie die Analyse der „parodia sacra“ als Mittel zur Entheiligung des Machtanspruchs.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Die zentralen Begriffe sind Parodie, Karnevalisierung, Machtkritik, Diktatur, Ironie, Intertextualität und die groteske Stilisierung des „caudillo“.

Warum spielt die Figur der Mutter in der Analyse eine Rolle?

Die Mutterfigur dient als zentrale Parodie auf das biblische Marienbild, wodurch die Heiligsprechung des Diktators selbst und seine kindliche Machtlosigkeit gegenüber dem Tod bloßgestellt werden.

Welche Bedeutung hat der „Zoomorfismo“ für den Roman?

Er dient als Methode, um die Macht des Diktators durch die Zuweisung animalischer Züge auf allen Ebenen – von der äußeren Erscheinung bis zur Palastumgebung – zu untergraben.

Wie korrespondiert der Karneval mit der Diktatur im Buch?

Der Karneval dient als Strukturmodell für die „umgestülpte Welt“, in der Hierarchien temporär aufgehoben werden, was García Márquez nutzt, um die Absurdität der Diktatur hervorzuheben.

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Details

Title
Parodie auf einen Diktator: García Márquez’ "El otoño del patriarca"
College
University of Tubingen  (Neuphilologische Fakultät)
Course
HS La literatura del boom en Latinoamérica
Grade
1,0
Author
Achim Binder (Author)
Publication Year
2006
Pages
22
Catalog Number
V75369
ISBN (eBook)
9783638738101
ISBN (Book)
9783638738392
Language
German
Tags
Parodie Diktator García Márquez’ Latinoamérica
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Achim Binder (Author), 2006, Parodie auf einen Diktator: García Márquez’ "El otoño del patriarca", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75369
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