Heutige Unternehmen existieren im Umfeld einer wachsenden Komplexität und Dynamik der Unternehmensumwelt, verursacht durch Globalisierung, Deregulierung der Märkte, sinkenden Lebenszyklen von Produkten und Dienstleistungen und raschem technologischen Fortschritt. Negative Einflüsse durch Fehlentscheidungen des Managements oder durch externe, nicht beherrschbare Faktoren können in dieser dynamischen Umgebung sehr schnell zu einer Gefährdung der Wettbewerbsfähigkeit und des Fortbestands eines Unternehmens führen.
Jede in einem Unternehmen zu treffende Entscheidung ist mit einem gewissen Risiko verbunden. In einer Umwelt, die durch steigenden Kostendruck und gleichzeitiger Forderung nach Hochverfügbarkeit von technischen Produkten und Dienstleistungen charakterisiert wird, ist alleine der reaktive Umgang mit Risiken nicht mehr ausreichend. Risiken müssen im Rahmen einer wertorientierten Unternehmensführung präventiv in einem effizienten und zielgerichteten Risikomanagementprozess identifiziert, bewertet, aggregiert und bewältigt werden.
Das Qualitätsmanagementsystem leistet dabei einen entscheidenden Beitrag zur Verringerung und Vermeidung von Qualitätsrisiken, sowie zur Minimierung von Prozessabweichungen, und damit Prozessrisiken. Beide Managementbereiche stehen in einer wechselseitigen Beziehung: „Gutes Qualitätsmanagement senkt die Risiken, gutes Risikomanagement steigert die Qualität“.
Dennoch herrschen in der Praxis meist beide Managementansätze als Insellösungen vor und werden nicht aktiv im Rahmen einer wertorientierten Unternehmenssteuerung integriert. Dadurch steigt die Komplexität auf Managementebene, Synergien können nicht realisiert werden und die Verteilung von Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten ist unklar. Zudem können Redundanzen in den Aktivitäten auftreten und die Reaktionsgeschwindigkeit des Managements wird verlangsamt.
Ziel dieser Arbeit ist die Entwicklung eines Ansatzes für ein Managementsystem, welches sowohl das Qualitäts- als auch das Risikomanagementsystem integriert.Zusätzlich soll ein Überblick über die Grundlagen, Herkunft und Methoden des Risikomanagements vermittelt werden. Aufbauend auf der Beschreibung eines Risikomanagementsystems und eines Qualitätsmanagementsystem sollen Schnittstellen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Systemen verdeutlicht werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Ziel der Arbeit
1.3 Gang der Arbeit
2 Grundlagen des Risikomanagement
2.1 Definition Risiko
2.1.1 Qualitative Beschreibung von Risiko
2.1.2 Quantitative Beschreibung von Risiko
2.2 Wahrnehmung und Messung von Risiko
2.3 Gesetzliche Vorlagen, Trends
2.3.1 Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG)
2.3.2 Basel II
2.3.3 Sarbanes-Oxley Act
2.4 Risikomanagement im Controlling
2.5 Methoden des Risikomanagements
2.5.1 Risikobewältigung
2.5.2 Business Continuity Management (BCM)
2.5.2.1 Krisenmanagement
2.5.2.2 Notfallplanung
2.6 Entwicklung des Risikomanagements
3 Risikomanagementsysteme
3.1 Einführung Managementsysteme
3.1.1 Management
3.1.2 Managementsystem
3.2 Normatives und strategisches Risikomanagement
3.2.1 Risikopolitik
3.2.2 Risikostrategie
3.3 Risikomanagementsysteme in der Praxis
3.3.1 ISO DIN EN 14971:2000
3.3.2 AS/NZS 4360:2004
3.4 Operatives Risikomanagement (Risikomanagementprozess)
3.4.1 Risiko erkennen - Risikoidentifikation
3.4.2 Risiko beurteilen - Risikoanalyse
3.4.3 Risiko beherrschen - Risikosteuerung
3.4.4 Maßnahmen überwachen - Risikokontrolle
3.4.5 Querschnittsfunktion: Risikokommunikation
4 Qualitätsmanagementsysteme
4.1 Der Begriff Qualität
4.2 Aufbau eines Qualitätsmanagementsystems
4.2.1 Qualitätsplanung
4.2.2 Qualitätslenkung
4.2.3 Qualitätssicherung
4.2.4 Qualitätsverbesserung
4.3 Qualitätsmanagement nach DIN EN ISO 9000ff:2005/2000
4.4 Erweiterung zum Total Quality Management
5 Schnittpunkte Risiko- und Qualitätsmanagementsystem
5.1 Methodik des Vergleichs der Managementsysteme
5.2 Einordnung von Qualität und Risiko in das jeweils andere Managementsystem
5.2.1 Qualität aus der Sichtweise des Risikomanagementsystems
5.2.2 Risiko aus der Sichtweise des Qualitätsmanagementsystems
5.2.3 Zwischenfazit
5.3 Schnittpunkte auf normativer und strategischer Ebene
5.4 Schnittpunkte auf operativer Ebene
5.4.1 Vergleich der operativen Prozesse
5.4.2 Verwendete Werkzeuge
6 Integriertes Managementmodell
6.1 Begriffbestimmung
6.2 Grenzen der Integrationsmöglichkeiten
6.3 Integration mit Hilfe der Balanced Scorecard
6.3.1 Grundlagen der Balanced Scorecard
6.3.2 Integration von Qualitäts- und Risikomanagement mit der Balanced Scorecard
6.4 EFQM – Business Excellence Modell
6.5 ONR 49000ff
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist die Entwicklung eines Ansatzes für ein Managementsystem, das sowohl das Qualitäts- als auch das Risikomanagementsystem integriert. Dabei wird untersucht, wie Schnittstellen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen diesen Systemen genutzt werden können, um eine ganzheitliche, wertorientierte Unternehmenssteuerung zu ermöglichen.
- Grundlagen, Herkunft und Methoden des Risikomanagements
- Struktur und Prozesse von Qualitätsmanagementsystemen
- Analyse der Schnittstellen zwischen Risiko- und Qualitätsmanagement
- Methoden zur Integration der Managementsysteme (z.B. Balanced Scorecard, EFQM-Modell)
- Wertorientierte Unternehmenssteuerung als Integrationsrahmen
Auszug aus dem Buch
2.1 Definition Risiko
Die genaue Herkunft des Wortes „Risiko“ ist nicht eindeutig geklärt, es leitet sich wahrscheinlich aus dem frühitalienischen „risicare“ (wagen) ab, dessen Ursprung im Wort „risco“ (Klippe, die es zu Umschiffen gilt) liegt, welches wiederum aus dem griechischen „riza“ (Wurzel oder Klippe) abgeleitet werden kann.3
Risiko ist untrennbar verknüpft mit den Begriffen Gefahr (als Ursache des Risikos) und Schaden (als Wirkung des Risikos). In einer weiten Fassung kann unter Risiko aber auch das symmetrische Paar Risiko und Chance verstanden werden, entsprechend zwischen einem in der Auswirkung positiven (Nutzen) und negativen Risiko (Schaden) unterschieden werden. Die vorliegende Arbeit konzentriert sich dabei auf das negative Risiko im Sinne einer Bedrohung für ein Unternehmen.
Risiko entsteht aus der Unvorhersehbarkeit der Zukunft, die unsichere Ereignisse als Grundlage für Veränderungen hervorrufen kann. Im Rahmen der Entscheidungstheorie liefert Knight 1921 einen ersten Ansatz zur möglichen Abgrenzung von Unsicherheit und Risiko: To preserve the distinction … between the measurable uncertainty and an unmeasurable one we may use the term "risk" to designate the former and the term "uncertainty" for the latter.4
Obwohl dieser Ansatz im modernen Risikomanagement nicht geeignet ist, da unternehmerische Entscheidungen kaum objektive Wahrscheinlichkeiten angeben, zeigt er die Verbindung des Risikoereignisses mit der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Das Risiko kann somit als berechenbar und damit gleichbedeutend als steuerbar betrachtet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigende Komplexität und Dynamik der Unternehmensumwelt und verdeutlicht die Notwendigkeit eines integrierten Risiko- und Qualitätsmanagements.
2 Grundlagen des Risikomanagement: Dieses Kapitel erläutert die Definition von Risiko, rechtliche Anforderungen sowie Methoden des Risikomanagements, einschließlich Business Continuity Management.
3 Risikomanagementsysteme: Hier werden Aufbau, normative Grundlagen und der operative Risikomanagementprozess systematisch beschrieben.
4 Qualitätsmanagementsysteme: Dieses Kapitel definiert Qualität, beschreibt den Aufbau von Qualitätsmanagementsystemen und erläutert die Normenreihe DIN EN ISO 9000ff sowie Total Quality Management.
5 Schnittpunkte Risiko- und Qualitätsmanagementsystem: Die Untersuchung von Schnittstellen auf normativer, strategischer und operativer Ebene verdeutlicht die komplementären Aufgaben dieser Managementbereiche.
6 Integriertes Managementmodell: Das Kapitel diskutiert Integrationsmöglichkeiten, insbesondere durch die Balanced Scorecard, das EFQM-Modell und das Regelwerk ONR 49000ff.
7 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Möglichkeiten einer wertorientierten Integration der beiden Managementsysteme.
Schlüsselwörter
Risikomanagement, Qualitätsmanagement, Integriertes Managementsystem, Unternehmensführung, Wertorientierung, Balanced Scorecard, EFQM-Modell, Risikobewältigung, Risikoanalyse, Qualitätssicherung, Unternehmensziele, KonTraG, Basel II, Prozessorientierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Zusammenführung von Risiko- und Qualitätsmanagementsystemen zu einem integrierten, wertorientierten Managementansatz für Unternehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Grundlagen des Risikomanagements, die Systematik des Qualitätsmanagements sowie Methoden zur deren methodischen und strategischen Integration.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Entwicklung eines Konzepts zur Integration von Qualitäts- und Risikomanagement, um Synergien zu nutzen und die Unternehmenssteuerung zu optimieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und dem Vergleich von Managementansätzen, unterstützt durch die Einordnung in das St. Galler Modell und praxisorientierte Integrationsmodelle wie die Balanced Scorecard.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Grundlagen beider Systeme, die Analyse ihrer Schnittstellen und die Bewertung von Modellen (BSC, EFQM, ONR 49000ff) zur praktischen Systemzusammenführung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind u.a. Risikomanagement, Qualitätsmanagement, Integrierte Managementsysteme, Wertorientierung und Unternehmenssteuerung.
Wie unterscheidet sich die Risiko-Sichtweise von der Qualität-Sichtweise?
Das Risikomanagement zielt primär auf die Sicherung von Unternehmenswerten durch den Umgang mit Unsicherheit ab, während das Qualitätsmanagement auf die Optimierung der Werte durch Prozessverbesserung fokussiert.
Warum ist eine Integration der Systeme in der Praxis oft schwierig?
Die Integration scheitert häufig an organisatorischen Widerständen, unterschiedlichen Fachdomänen (Technik vs. Controlling) und dem Bestreben, etablierte Managementsysteme als isolierte Domänen zu bewahren.
- Quote paper
- Markus Bauernfeind (Author), 2006, Integriertes Risiko- und Qualitätsmanagement, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75370