Der Fremdsprachenunterricht in der Grundschule wurde inzwischen in den Rahmenplänen der einzelnen Bundesländer aufgenommen und in den Schulen umgesetzt. Um dies zu erreichen, war ein langwieriger Prozess der Schulversuche und Konzeptionssuche notwendig. Herausgestellt hat sich, dass von allen zur Wahl stehenden Sprachen Englisch mit Abstand am häufigsten gewählt wurde, weil die Bedeutung als Weltsprache sowohl von den Lehrern als auch den Eltern recht hoch eingeschätzt wird. Da Englisch jedoch nicht die einzige Fremdsprache an Grundschulen ist, wird im Folgenden hauptsächlich „Fremdsprachunterricht“ an sich thematisiert, wobei dafür geltende Prinzipien – abgesehen vom Begegnungscharakter durch Kontakt mit den Nachbarstaaten – für den Englischunterricht selbstverständlich ebenfalls gelten.
Es werden kurz die Grundlagen des frühen Fremdsprachenunterrichts und die wichtigsten Konzeptionen zum Fremdsprachenunterricht in der Grundschule dargelegt und diskutiert. Im Anschluss wird zunächst der Sprachunterricht an Waldorfschulen erläutert, weil dieser seit bereits 1919 erteilt wird. Anschließend wird das Konzept der „Language Awareness“, das seine Ursprünge in Großbritannien hat, vorgestellt. Aus Kanada und Schulbezirken in Grenznähe stammen die Immersionsmodelle, die einen Teil oder den gesamten Unterricht in der zu erlernenden Zielsprache vorsehen. Als eine unbewusste Form des sprachlichen und interkulturellen Lernens gelten die Begegnungssprachenmodelle, die ihr Hauptaugenmerk auf authentische Begegnungen mit der Zielsprache legen. Die beiden gut dokumentierten Formen des Begegnungssprachenunterrichts aus Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen werden ebenfalls erläutert.
Im Anschluss wird ein Überblick über die Umsetzung des Fremdsprachenunterrichts in den Bundesländern, den Bremer Rahmenplan Englisch und Methoden des Fremdsprachenunterrichts gegeben.
Diese Hausarbeit wurde im didaktischen Fach Englisch an der Universität Bremen verfasst und mit 1,0 (sehr gut) benotet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Warum Fremdsprachenunterricht in der Grundschule?
3 Konzeptionen des Fremdsprachenunterrichts in der Grundschule
3.1 Fremdsprachenunterricht an Waldorfschulen
3.2 Language Awareness
3.3 Immersionsmodelle
3.4 Begegnungssprachenmodelle
3.4.1 Lerne die Sprache deines Nachbarn (Baden Württemberg)
3.4.2 Begegnung mit Sprachen (Nordrhein-Westfalen)
3.5 Systematischer Fremdsprachenunterricht
3.6 Englischunterricht in der Grundschule heute
3.6.1 Regelungen der Bundesländer
3.6.2 Rahmenplan Englisch des Landes Bremen
3.6.3 Methoden des Fremdsprachenunterrichts an Grundschulen
4 Abschlussbetrachtung und Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht verschiedene Konzeptionen des Fremdsprachenunterrichts in der Grundschule, vergleicht deren theoretische Grundlagen sowie praktische Umsetzung und analysiert die aktuelle Situation des Englischunterrichts in den deutschen Bundesländern.
- Theoretische Begründungen für einen frühen Fremdsprachenerwerb.
- Analyse unterschiedlicher didaktischer Modelle (Waldorf-Ansatz, Language Awareness, Immersionsmodelle, Begegnungssprachen).
- Methodik und Organisation des systematischen Fremdsprachenunterrichts.
- Überblick über länderbezogene Regelungen und Curricula am Beispiel Bremens.
- Methodenvielfalt im frühen Englischunterricht (Handlungsorientierung, Storytelling, Total Physical Response).
Auszug aus dem Buch
3.6.3 Methoden des Fremdsprachenunterrichts an Grundschulen
Der Fremdsprachenunterricht an Grundschulen, speziell der frühe Englischunterricht, unterscheidet sich klar vom Fremdsprachenunterricht in der Sekundarstufe. Dieser Unterschied beruht nicht nur auf unterschiedlichen Organisationsformen, sondern vor allem auf der Wahl der Unterrichtsmethoden. Im Gegensatz zu dem meist stark lehrgangsorientierten Unterricht in der Sekundarstufe wird für die Grundschule eine deutliche Methodenvielfalt angestrebt, die in hier kurz vorgestellt werden soll.
Die Einführung neuer Vokabeln findet weniger an Texten orientiert statt, sondern häufig durch eine Vorentlastung vor der inhaltlichen Arbeit. Eine solche Vokabelvorentlastung kann mithilfe von Bildkarten oder in spielerischen Situationen umgesetzt werden. Das Schriftbild wird zu diesem Zeitpunkt noch nicht eingeführt, da das Hauptaugenmerk im frühen Sprachenunterricht auf dem Mündlichen liegt. Aber auch reale Materialien, Gestik oder Mimik sind für die Einführung neuer Wörter und die Weiterarbeit hilfreich. Für die Wortschatzarbeit sind außerdem Wiederholungen und die Arbeit in Wortfamilien geeignete Methoden (vgl. KLIPPEL, 2000; SCHMID-SCHÖNBEIN, 2001).
Für den Fremdsprachenunterricht in der Grundschule ist Handlungsorientierung ein besonders bedeutsames Kennzeichen. In Verbindung mit Bewegungen und sinnvollen Handlungen können die Kinder neuen und wiederholten Wortschatz viel besser verinnerlichen. In diesem Zusammenhang bieten sich zahlreiche unterschiedliche Varianten von Spielen an. Neben mündlichen Spielen sind Brettspiele und Bewegungsspiele denkbar. Dabei können diese Spiele ebenfalls neu eingeführt werden oder bereits bekannten Spielen entsprechen (vgl. KLIPPEL, 2000; BEDSON, 2003a, 2003b; JÜNGST, 2003).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Darstellung der Relevanz des Fremdsprachenunterrichts in Grundschulen und Vorstellung der in der Arbeit behandelten Konzeptionen.
2 Warum Fremdsprachenunterricht in der Grundschule?: Erläuterung der Argumente für einen frühen Spracherwerb, wie die kritische Phase, sowie die Bedeutung interkulturellen Lernens.
3 Konzeptionen des Fremdsprachenunterrichts in der Grundschule: Überblick über verschiedene Ansätze, von Waldorf-Methoden über Language Awareness bis hin zu Immersions- und Begegnungsmodellen.
3.1 Fremdsprachenunterricht an Waldorfschulen: Beschreibung des seit 1919 bestehenden Konzepts, das den Fokus auf frühes, nachahmendes Lernen ohne Notendruck legt.
3.2 Language Awareness: Erläuterung des Konzepts der Sprachbewusstheit, das das Verständnis für sprachliche Strukturen und Unterschiede fördern soll.
3.3 Immersionsmodelle: Darstellung von Teil- und Totalimmersion als Ansätze, bei denen die Zielsprache als Arbeitsmedium für inhaltliches Lernen dient.
3.4 Begegnungssprachenmodelle: Untersuchung von anlassbezogenen Modellen wie „Lerne die Sprache deines Nachbarn“ und Begegnung mit Sprachen zur Sensibilisierung.
3.5 Systematischer Fremdsprachenunterricht: Gegenüberstellung des bewussten, curriculumorientierten Lernens zum Begegnungsmodell.
3.6 Englischunterricht in der Grundschule heute: Analyse der länderweiten Umsetzung, der Bremer Rahmenvorgaben und spezifischer didaktischer Methoden für Grundschulkinder.
4 Abschlussbetrachtung und Ausblick: Diskussion der Herausforderungen wie Lehrerausbildung und Leistungsbewertung sowie ein positiver Rückblick auf die Lernmotivation der Kinder.
Schlüsselwörter
Fremdsprachenunterricht, Grundschule, Englischunterricht, Konzeptionen, Sprachbewusstheit, Language Awareness, Immersion, Begegnungssprachen, Handlungsorientierung, Lehrplan, Interkulturelles Lernen, Methodenvielfalt, Primarstufe, Fremdsprachenfrühbeginn.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der theoretischen Einordnung und praktischen Ausgestaltung des Fremdsprachenunterrichts in deutschen Grundschulen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die didaktischen Ansätze wie Waldorf-Pädagogik, Language Awareness, Immersionsmodelle und Begegnungssprachen sowie deren methodische Umsetzung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Vielfalt der Konzeptionen für den frühen Fremdsprachenerwerb aufzuzeigen und die aktuelle Situation in den Bundesländern zu reflektieren.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die verschiedene fachdidaktische Ansätze und Rahmenpläne miteinander vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begründung, die Vorstellung konkreter Modelle sowie einen Überblick über die aktuelle Praxis an Grundschulen inklusive methodischer Tipps.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Fremdsprachenunterricht, Grundschule, Handlungsorientierung, Sprachbewusstheit und interkulturelles Lernen.
Wie unterscheidet sich systematischer Unterricht von Begegnungsmodellen?
Systematischer Unterricht folgt einem festen Curriculum mit dem Ziel sprachlicher Kompetenz, während Begegnungsmodelle primär die Sensibilisierung für andere Kulturen ohne Systemzwang anstreben.
Welche Rolle spielt der Rahmenplan für das Land Bremen?
Der Rahmenplan dient als Beispiel für die Operationalisierung von Kompetenzzielen und benennt konkrete Themenfelder, die an der Lebenswelt der Kinder orientiert sind.
Warum wird "Storytelling" als Methode hervorgehoben?
Storytelling ist bei Kindern sehr beliebt, da es über den Gesamtkontext und visuelle Unterstützung das Verständnis komplexerer Inhalte in der Fremdsprache ermöglicht.
Welche Herausforderungen bei der Umsetzung werden im Fazit genannt?
Genannt werden unter anderem der Zeitmangel in der Stundentafel, große Klassen, heterogene Sprachvoraussetzungen und die Notwendigkeit einer verbesserten Lehrerausbildung.
- Quote paper
- Dipl.-Geogr. Elena Haupt (Author), 2007, Konzeptionen des Fremdsprachenunterrichts in der Grundschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75410