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Das Bildungswesen und die Chancen(un)gleichheit

Title: Das Bildungswesen und die Chancen(un)gleichheit

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 12 Pages , Grade: 1-

Autor:in: Susanne Lifka (Author)

Didactics - Politics, Political Education
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Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland ist die Chancengleichheit als Staatsziel festgeschrieben, und damit ein grundlegender Bestandteil der Demokratie:
„Niemand darf wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“
Die normierte Forderung nach der Gewährung gleicher Chancen für jeden Bürger eines Landes unabhängig von seinem Geschlecht, seiner Herkunft, Religion oder Hautfarbe geht auf die Philosophie der Aufklärung zurück.
„Die Grundlage [...] der Aufklärung war die Überzeugung, dass alle Menschen von Natur aus gleich sind, weil sie vernunftbegabte Wesen sind.“
Aus dem Gebot der Chancengleichheit resultiert zwangsläufig und zuallererst das Gebot der Gleichheit der Bildungschancen, weil Bildung die Grundvoraussetzung der sozialen und insbesondere der beruflichen Chancengleichheit ist. Dies bedeutet im Hinblick auf die Schulausbildung, dass der Zugang zu allen Bildungswegen Kindern aus allen sozialen Schichten grundsätzlich offen stehen muss. Altbundeskanzler Willy Brandt machte mit der Forderung „mehr Demokratie zu wagen“ die Verwirklichung von Chancengleichheit sogar demonstrativ zum Thema der Politik.
Die Ergebnisse der PISA – Studie zeigen aber, dass die Verwirklichung der Chancengleichheit im deutschen Bildungssystem von der Institution Schule unzureichend umgesetzt wird. Da dies jedoch die Pflicht der Schule als staatliche Institution ist, besteht auf diesem Gebiet noch erhöhter Handlungsbedarf.
Im folgenden werden wir die politische Situation, in der in den 60er und 70er Jahren Forderungen wie Bildung für alle und mehr Chancengleichheit erhoben wurden, darstellen. Des Weiteren werden wir versuchen die Ursachen für die bestehende Chancenungleichheit im Bildungssystem aufzuzeigen, um abschließend auf einen möglichen Lösungsansatz einzugehen. Dabei werden wir auf empirische Untersuchungen verschiedener Autoren zurückgreifen.

Excerpt


Gliederung

1. Einleitung

2. Die Situation der 60er und 70er Jahre – Verwirklichung des Art. 3 des GG durch Reformen?

3. Chancengleichheit: Reproduktion oder Reduktion durch das Schulsystem?

4. Integrierte Gesamtschule als Schule der Zukunft?

5. Schluss

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die anhaltende Problematik der Bildungsbenachteiligung im deutschen Schulsystem. Ziel ist es, die bildungspolitischen Entwicklungen seit den 1960er Jahren kritisch zu hinterfragen, Ursachen für die Reproduktion von Bildungsungleichheit zu identifizieren und die integrierte Gesamtschule als potenziellen Lösungsansatz zu diskutieren.

  • Historische Entwicklung der bildungspolitischen Reformbemühungen in den 60er und 70er Jahren.
  • Analyse der Chancenungleichheit und ihrer Ursachen in Bezug auf soziale Schichten und Migrationshintergründe.
  • Untersuchung der institutionellen Diskriminierung innerhalb des gegliederten Schulsystems.
  • Evaluierung der integrierten Gesamtschule als Instrument zur Förderung der Chancengleichheit und demokratischen Sozialisation.

Auszug aus dem Buch

Chancengleichheit: Reproduktion oder Reduktion durch das Schulsystem?

Im Verlauf des 20.Jahrhunderts kristallisierten sich die Migrantenkinder und die Kinder bildungsferner Schichten, als die am stärksten durch das Schulsystem benachteiligten Gruppen heraus. Dies schlägt sich auch in den Ergebnissen der PISA - Studie nieder, welche besagen, dass der Anteil der Kinder von finanziell schlechter gestellten Eltern an den Hauptschulen immer noch wesentlich höher ist, als der Anteil der Kinder von besser gestellten Eltern. Des Weiteren zeigt sich eine ähnliche Verteilung auf die verschiedenen Schularten bei den Kindern mit Migrationshintergrund.

In diese Ungleichverteilung der Bildungschancen spielen mehrere Faktoren hinein, die diese positiv oder negativ beeinflussen können. Bourdieu spricht in diesem Zusammenhang von drei unterschiedlichen Kapitalarten. Dies sind das ökonomische, das kulturelle und das soziale Kapital. Wir werden in diesem Zusammenhang speziell auf das kulturelle Kapital eingehen, welches sich kurz als die Bildung definieren lässt. Je größer das kulturelle und das ökonomische Kapital, also der finanzielle Status, der Eltern ist, desto leichter fällt es dem Kind sich kulturelles Kapital anzueignen. Hierbei ist zu beachten, dass das ökonomische und kulturelle Kapital der Eltern von vorneherein ungleich verteilt ist. Bourdieu ist der Ansicht, dass sich Schulerfolge in Beziehung zum kulturellen Kapital der Schüler setzen lassen und nicht auf natürliche Fähigkeiten zurückzuführen sind. Diese Feststellung bewirkt eine Verwerfung des Leistungsprinzips, dem zufolge schulische Erfolge und Misserfolge auf individuelle Leistungen bzw. Fähigkeiten oder Begabungen zurückzuführen sind. Da dieses Prinzip offenkundige Ursachen für ungleiche Startchancen ignoriert, versäumt es die Schule Kindern aus bildungsfernen Schichten „die Techniken und das Wissen zu vermitteln“, welches sie im Elternhaus nicht erworben haben.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung verortet die Chancengleichheit als grundlegendes demokratisches Staatsziel und stellt den Bedarf an einer kritischen Auseinandersetzung mit dem deutschen Bildungssystem aufgrund aktueller Studienergebnisse dar.

2. Die Situation der 60er und 70er Jahre – Verwirklichung des Art. 3 des GG durch Reformen?: Dieses Kapitel beleuchtet den historischen Reformschub der 60er und 70er Jahre, analysiert die damals angestrebten bildungspolitischen Ziele und untersucht, inwieweit diese zu einer tatsächlichen gesellschaftlichen Veränderung führten.

3. Chancengleichheit: Reproduktion oder Reduktion durch das Schulsystem?: Der Autor diskutiert hier Faktoren wie das kulturelle Kapital nach Bourdieu sowie institutionelle Diskriminierung, die dazu beitragen, dass das Schulsystem Ungleichheiten eher reproduziert als abzubauen.

4. Integrierte Gesamtschule als Schule der Zukunft?: Hier werden die Thesen von Preuss-Lausitz erörtert, die in der integrierten Gesamtschule eine notwendige Alternative zum traditionellen, nach Leistung trennenden Schulsystem sehen, um bessere Bedingungen für Heterogenität und soziale Teilhabe zu schaffen.

5. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass das deutsche Bildungssystem trotz zahlreicher Reformen die Chancengleichheit für alle Schüler weiterhin nicht vollständig einlösen kann und plädiert für die Stärkung integrativer Schulformen.

Schlüsselwörter

Bildungschancen, Chancengleichheit, Bildungsreform, Schulsystem, soziale Ungleichheit, kulturelles Kapital, Migrationshintergrund, Bildungsbeteiligung, Gesamtschule, PISA-Studie, Selektion, Bildungsbenachteiligung, soziale Schichten, Demokratisierung, Schulpolitik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Problematik der Bildungschancengleichheit in Deutschland und untersucht, wie das Schulsystem soziale Ungleichheiten sowohl historisch als auch aktuell beeinflusst.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zentrale Themen sind die bildungspolitischen Reformen der 1960er/70er Jahre, die Auswirkungen der sozialen Herkunft und des Migrationshintergrunds auf den Schulerfolg sowie die Rolle der Gesamtschule als mögliche Alternative.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel besteht darin, die Ursachen für die persistierende Chancenungleichheit im Bildungswesen aufzuzeigen und zu ergründen, warum diese trotz Reformen häufig in eine Reproduktion statt in eine Reduktion der Benachteiligungen mündet.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung empirischer Untersuchungen und Thesen verschiedener Erziehungswissenschaftler, um die bildungspolitische Situation zu interpretieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Reformdebatten, eine soziologische Betrachtung der Bildungsbarrieren durch Kapitalformen und eine Diskussion über die Eignung der Gesamtschule zur Förderung der Integration.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Bildungschancengleichheit, soziale Ungleichheit, kulturelles Kapital, institutionelle Diskriminierung und das Konzept der integrierten Gesamtschule.

Welche Rolle spielt die „Kunstfigur“ von Dahrendorf in der Argumentation?

Die Kunstfigur dient als historischer Referenzpunkt, um die geschlechtsspezifischen, schichtspezifischen, regionalen und konfessionellen Benachteiligungen der 1960er Jahre zu beschreiben, wobei der Autor verdeutlicht, dass dieses Modell für die heutige Analyse aufgrund neuerer Diskriminierungsformen (insbesondere bei Migranten) angepasst werden muss.

Warum wird die „Selbsteliminierung“ von Schülern als Faktor genannt?

Die Selbsteliminierung bezeichnet den Prozess, bei dem Eltern aus bildungsfernen Schichten aufgrund des Erwartungsdrucks oder niedriger Erfolgsaussichten von einer Schullaufbahn am Gymnasium absehen, selbst wenn die Kinder theoretisch dazu in der Lage wären.

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Details

Title
Das Bildungswesen und die Chancen(un)gleichheit
College
University of Frankfurt (Main)  (Politologie)
Grade
1-
Author
Susanne Lifka (Author)
Publication Year
2002
Pages
12
Catalog Number
V7545
ISBN (eBook)
9783638147736
Language
German
Tags
Bildung Chancengleichheit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Susanne Lifka (Author), 2002, Das Bildungswesen und die Chancen(un)gleichheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7545
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