Die Entwicklung Valentíns und der Einfluss Molinas auf dessen politische Überzeugungen in Manuel Puigs 'El beso de la mujer araña'


Seminararbeit, 2006

21 Seiten, Note: 1.3


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Die Entwicklung Valentíns und der Einfluss Molinas auf dessen politische Überzeugungen in Manuel Puigs „El beso de la mujer araña“
2.1 Über den Autor
2.2 Der Roman und seine Charaktere
2.3 Die Entwicklung Valentíns durch den Einfluss Molinas
2.3.1 Valentíns „Kampf“ gegen Molinas Verführungstaktiken
2.3.2 Emotionalisierung Valentíns durch Molina
2.3.3 Entdeckung der „Weiblichkeit“

3 Fazit

4 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In der vorliegenden Arbeit sollen die Entwicklung des Protagonisten Valentín aus Manuel Puigs „El beso de la mujer araña“ und der Einfluss des zweiten Hauptcharakters Molina auf dessen politischen Überzeugungen untersucht werden.

Hierbei werde ich mich, nach einer kurzen, aber zum Verständnis der Hintergründe zwingenden, Einführung über Autor, Werk und Charaktere, vor allem der Emotionalisierung Valentíns durch Molina und der Rolle der Sexualität bzw. der Geschlechter widmen. Die Betonung dieser Aspekte bei der Untersuchung ergibt sich zwangsläufig aus der Tatsache, dass jene nicht von der politischen Entwicklung Valentíns im Roman zu trennen sind bzw. immer wieder mit einfließen.

Hierbei soll vor allem der Frage nachgegangen werden, inwieweit diese Aspekte Valentíns persönliche und politische Entwicklung beeinflussen und welche Rolle Molina dabei zukommt. Als Basis, von welcher diese Entwicklung schließlich betrachtet werden soll, werde ich vorweg noch eine Analyse von Valentíns Abwehrmechanismen gegen die Beeinflussung durch Molina vornehmen, um schließlich in den darauffolgenden Punkten zu untersuchen, ob ihm dies gelungen ist oder inwieweit Molinas Einfluss auf Valentín überwiegt.

Abschließend möchte ich mich dann mit der Frage beschäftigen, ob und inwieweit tatsächlich – vor allem im Hinblick auf Valentíns politische Überzeugungen – relevante Veränderungen stattgefunden haben.

2 Die Entwicklung Valentíns und der Einfluss Molinas auf dessen politische Überzeugungen in Manuel Puigs „El beso de la mujer araña“.

2.1 Über den Autor

Manuel Puig wurde 1932 in General Villegas, Argentinien, geboren. Schon seit seiner Zeit als Regieassistent bei diversen Filmproduktionen war sein Interesse am Film, welches sich auch in den Thematiken seiner Romane widerspiegelt, erkennbar. Mit seinem ersten Werk „La traición de Rita Hayworth“ setzte er die Orientierungspunkte, nach denen sich auch seine folgenden Werke, wie u.a. „El beso de la mujer araña“, richten sollten – die Hollywood-Filmwelt der 50er Jahre. Bis zu seinem Tod 1990 bewegten sich sowohl seine Geschichten als auch sein persönliches Interesse in dieser Welt. Als Homosexueller hatte er jedoch auch eine politische Mission, die sich wie ein roter Faden durch sein Leben zog: Er wollte sowohl die Opfer als auch die Täter der in Lateinamerika weit verbreiteten Homophobie durch Aufklärung einander annähern[1].

2.2 Der Roman und seine Charaktere

Zur Zeit der argentinischen Diktatur teilen sich die beiden Protagonisten Valentín Arregui Paz, der beschuldigt wird, Arbeiter zu einem Streik aufgewiegelt zu haben, und Luis Alberto Molina, der wegen Verführung Minderjähriger einsitzt, eine Zelle. Der Roman enthält allerdings keine expliziten Beschreibungen der beiden Protagonisten, da ihre Auftritte fast ausschließlich, mit Ausnahme der Einschübe amtlicher Dokumente[2] und Valentíns Traum am Ende des Buches, in Dialogform stattfinden. Die Filmerzählungen Molinas, die das ganze Buch durchziehen und den zweiten großen Textteil des Werkes bilden, geben ebenfalls nur indirekt Aufschluss über die Charaktere bzw. v.a. über Molina, der durch die Auswahl der erzählten 40er und 50er Jahre-Filme und die Art, in der er diese wiedergibt, charakterisiert wird.

Die beiden Charaktere könnten unterschiedlicher nicht sein: So präsentiert sich der homosexuelle Molina von Anfang an als emotionaler Mensch mit einem Faible für kitschige Hollywood-Klassiker, die alle eines gemeinsam haben: ihr zentrales Thema ist die Liebe. Molina zeichnet sich durch ein hohes Maß von Unbekümmertheit und Desinteresse gegenüber politischen Idealen und gesellschaftspolitischen Ereignissen aus. Bezeichnend ist seine Fähigkeit, politische Hintergründe sowohl in seinem Leben als auch bei der Auswahl seiner Lieblingsfilme zu ignorieren. So ist er z.B. in der Lage, die rührselige Liebesgeschichte um die Französin Leni, die sich in den deutschen Nationalsozialisten Werner verliebt, völlig von der ihr innewohnenden politischen Botschaft zu trennen („aparte de eso es una obra de arte“)[3]. An diesem Beispiel lässt sich die Unterschiedlichkeit der beiden Charaktere besonders trefflich verdeutlichen, denn Valentíns Urteil über den Film ist vernichtend: „Es una inmundicia nazi“[4].

Valentín ist ernsthaft, belesen und gebildet. Sein einziger Lebensinhalt ist der politische Kampf, für den er alle Entbehrungen auf sich nimmt, die ihm das Leben als Revolutionär abverlangt[5]. Auch Valentín lebt in einer Traumwelt[6], da er auf seine Weise genauso engstirnig[7] ist wie Molina. Er versucht sich durch die Aufrechterhaltung einer harten äußeren Schale vor Einflüssen zu schützen, die ihn von seinem Weg, dem Leben als marxistischer Revolutionär, abbringen könnten. Wie Molina nimmt auch er nur eine Selektion der Realität wahr, da er fürchtet der andere Teil könnte nicht in sein Weltbild passen bzw. seine Einteilung der Welt in Gut (Revolution des Proletariats) und Böse (Bürgertum) verkomplizieren. Pamela Bacarisse merkt hierzu an, dass ihn diese Abwehrhaltung „kalt und mechanisch“[8] wirken lasse. Valentín nimmt die offene Emotionalität Molinas, die für ihn gleichbedeutend ist mit Schwäche und Weiblichkeit, als Bedrohung wahr. Er hat, gerade zu Beginn des Romans, fast paranoide Züge, da er alles, was bei ihm selbst menschliche Regungen auslöst, sei es die Zuneigung Molinas oder auch dessen stark emotionalisierte Geschichten, als potentiellen feindlichen Akt ansieht. Tragischerweise entpuppt sich dieses tiefe Misstrauen für den Leser als nicht völlig unbegründet.

So erfährt man zu Beginn des zweiten Teils von der Kooperation Molinas mit der Gefängnisleitung, die über ihn Informationen über Valentín gewinnen will, indem sie Molina die Perspektive eröffnet durch eine frühzeitige Entlassung, seine schwer kranke Mutter vor ihrem Tod wiederzusehen. Trotz aller anfänglicher Vorsicht öffnet sich Valentín, geschwächt von einer Lebensmittelvergiftung, gegenüber Molina, der ihn durch seine Krankenpflege und das Erzählen der Filme immer mehr an sich bindet. Doch auch Molina entwickelt mehr und mehr Gefühle für Valentín und entschließt sich schließlich, diesem sogar zu helfen, indem er Valentíns Kampfgefährten nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis eine Nachricht überbringt. Als diese jedoch bemerken, dass Molina noch immer vom Geheimdienst beschattet wird, beschließen sie, ihn zu eliminieren. Valentín wird nach Molinas Entlassung gefoltert, wobei es in der Sekundärliteratur umstritten ist, ob er schließlich seinen Verletzungen erliegt oder nicht. Aus Platzgründen kann an dieser Stelle auf jene Diskussion nicht eingegangen werden. Vielmehr möchte ich mich im Folgenden mit der zu Beginn des Romans noch undenkbaren Entwicklung beschäftigen, die die beiden Charaktere im Verlauf der Geschichte durchleben.

2.3 Die Entwicklung Valentíns durch den Einfluss Molinas

2.3.1 Valentíns „Kampf“ gegen Molinas Verführungstaktiken

Zu Beginn des Romans scheinen Molina und Valentín wenig kompatibel. Während Molina in seiner fiktiven Welt der Liebesfilme schwelgt und seinen Emotionen in jeder Hinsicht freien Lauf lässt, blockt Valentín jede Art vom Emotionalität und alles, was diese auslösen könnte, rigoros ab. Er verkörpert Vorstellungen von Enthaltsamkeit und Strenge und glaubt, sich keine menschlichen Schwächen leisten zu können[9]. Dies lässt sich im Verlauf der Geschichte wiederholt aus Valentíns Äußerungen bezüglich der Erzählungen Molinas schließen. Er wirft Molina vor, die Realität zu verfälschen[10], denn Phantasie ist für ihn nur ein Hindernis auf dem Wege zu einer Veränderung der Gesellschaft, da sie die Menschen von den aktuellen Missständen ablenkt und somit ihre revolutionäre Energie untergräbt. Er zwingt sich selbst zu einer asketischen Lebensweise in der Zelle, indem er sich, in einer an Selbstkasteiung erinnernden Weise, jeder Art von Komfort bzw. Genuss verweigert und sich durch die tägliche Lektüre politischer Schriften fortwährend an seine Aufgabe erinnert.

[...]


[1] Jill Levine, Suzanne, „Manuel Puig and the spider woman: His life and fictions“, New York, 2000, S. 258.

[2] Puig, Manuel, „El beso de la mujer araña“, Barcelona, 2002 (1976), S.150 ff.

[3] Ebd. S. 63.

[4] Ebd. S. 63.

[5] Schlickers, Sabine, „Verfilmtes Erzählen – Narratologisch-komparative Untersuchung zu „El beso de la mujer araña“, Frankfurt, 1997, S.222.

[6] Ebd. S. 223.

[7] Bacarisse, Pamela, „The Necessary Dream – A study of the novels of Manuel Puig“, Cardiff, S. 98/99.

[8] Ebd. S. 98/99.

[9] Schlickers, S.223.

[10] Ebd., S. 223.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung Valentíns und der Einfluss Molinas auf dessen politische Überzeugungen in Manuel Puigs 'El beso de la mujer araña'
Hochschule
Universität zu Köln
Veranstaltung
La novela latinoamericana y el discurso político
Note
1.3
Autor
Jahr
2006
Seiten
21
Katalognummer
V75477
ISBN (eBook)
9783638800235
ISBN (Buch)
9783638803014
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklung, Valentíns, Einfluss, Molinas, Manuel, Puigs
Arbeit zitieren
Stefan Bölingen (Autor:in), 2006, Die Entwicklung Valentíns und der Einfluss Molinas auf dessen politische Überzeugungen in Manuel Puigs 'El beso de la mujer araña', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75477

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