Alexander Cozens (1717 – 1786) - Analyse seiner „New Method...“ (1786) unter Berücksichtigung von „Zufall, Spontaneität und Automatismus“

Betrachtung seiner Studien unter dem Aspekten von „Zufall, Spontaneität und Automatismus“


Hausarbeit, 2001

30 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsübersicht

Biographie

I. Alexander Cozens „New Method of assisting the Invention in Drawing Original Compositions of Landscapes“ (1786) unter den Gesichtspunkten von „Zufall“, „Spontaneität“ und „Automatismus“
1. Alexander Cozens „New Method...“ - vom „Klecks“, über die „Skizze“ zur „Landschaftsmalerei“
1.1 Regel „To make Drawing Ink“
1.2 Regel „To make Transparent Paper“
1.3 Regel „To form a Blot“
1.4 Regel „To make a Sketch from a Blot with a Hair Pencil, as a Preparation for a finished Drawing
1.5 Regel „To finish with a Camel´s-Hair Brush, a Sketch that is made out from a Blot“
2. Alexander Cozens „New Method“ und der „bewußte“ Einfluß „pittoresker Ideen“
3. Alexander Cozens „New Method...“ vor Hintergrund der empirischen Erkenntnistheorie des 18. Jahrhunderts
4. Alexander Cozens „New Method...“ und „Zufall, Spontaneität und Automatismus“
4.1 Das „gestische Verfahren“
4.2 Das „bewußte“ Studium von Landschafts- und Wolkenkompositionen

II. Schlußbetrachung
„Spontaneität, Zufall und Automatismus“ und ihre Bedeutung für die „New Method...“ von Alexander Cozens
Literaturliste

Biographie

1717: Alexander Cozens wird als Sohn englischer Eltern (Richard Cozens und Mary Davenport) in Rußland geboren.

1727: Er wird mit seinem Bruder Peter zur Ausbildung nach Großbritannien geschickt.

1746: Alexander Cozens begibt sich für weitere Studien nach Italien, wo 34 Landschaftsstudien unter dem Einfluß von Claude-Joseph Vernet () entstehen.

1749-54: Er wird als Zeichenlehrer ans Christ`s Hospital berufen.

1750: Cozens heiratet die Schwester des Portätmalers Edge Pine. Sie bekommen 2 Kinder, u.a. den späteren Landschaftsmaler John Robert Cozens ().

1761: A. Cozens wird Mitglied der Society of Artists.

1763-68: Er erhält eine Stelle als Zeichenlehrer am Eton-College und am königl. Hof.

1772-81: Es folgen mehrere Ausstellungen in der Royal Academy.

23.04.1786: Alexander Cozens verstirbt in London.

I. Alexander Cozens „New Method of assisting the Invention in Drawing Original Compositions of Landscapes“ (1786) unter den Gesichtspunkten von „Zufall“, „Spontaneität“ und „Automatismus“

„Es sind die Betrachter, die die Bilder kreieren...“

(Justinius Kerner)

Der englische Landschaftsmaler Alexander Cozens, der 1717 in Rußland geboren wurde und am 23.04.1786 in London verstarb, hat neben einem großen Werk an Aquarellbildern - und gerade durch diese bedingt - auch als Theoretiker gelehrt und Abhandlungen zur Schönheit, Natur und deren technischer Umsetzung in die Malerei geschaffen:

- „Essay to facilitate the Invention of Landscape“, 1759
- „The Shape, Skeleton and Foliage of Treees“, 1771
- „Treatise on Perspective“, 1777
- „The Economy of Beauty“, 1778
- „Principles of Beauty“, 1785
- „New Method of assisting the Invention in Drawing Original Compositions of Landscape“, 1786
- „Delineations...of Forest Trees“, Neuaufl. von 1771
- „The Various Species of Composition of Landscape in Nature...“, ca. 1775
- „Reminiscenes“, veröffentl. 1830

Unter diesen Schriften ragt ein Werk heraus: Die „New Method of assisting the Invention in Drawing Original Compositions of Landscape“ von 1786, welche in ihrer Themenwahl an sein früheres Werk „Essay to Failitate the Invention of Landskips“ von 1759, sowie an seine 16 undatierten Studien („The Various Species of Composition of Landscape in Nature“) Leonardo da Vincis „Handbuch der Malerei“ anknüpft[1].

Aufgrund ihrer neuartigen Technik, dem „Blotting“ („Klecksen“) führt das in wenige Auflagen umfassende[2] und erst 1920 von E. Horsman Coles wiederentdeckte Werk in eine geradezu moderne und für damalige Verhältnisse unkonventionelle Malweise ein. Im folgenden soll daher einerseits die Entwicklung und die neue Methode des „Blottings“ (1.) als neuartigem Verfahren aufgezeigt werden.

Zum anderen sollen die gegensätzlichen Ideale der „pittoresken“ Landschaftsmalerei (2.) und das klassische Ideal der empirischen Erkenntnistheorie des 18. Jahrhunderts (3.) einander gegenübergestellt werden und zugleich in Beziehung zu „Zufall, Spontaneität und Automatismus“ gesetzt werden (4.). Es ist zu untersuchen, ob Cozens „zufällige“ Methode des „Klecksens“, die ein geprägtes, subjektives Bewußtsein im Transformationsprozeß ablehnt oder sogar bestreitet, wirklich ohne die verschiedenen Einflüsse auskommt, bzw. ob zu reiner Objektivität („wirklicher Landschaft“) gelangen kann...

1. Alexander Cozens „New Method...“ - vom „Klecks“, über die „Skizze“ zur „Landschaftsmalerei“

Those Rules which are discover´d, not devis´d,

Are nature still, but Nature methodiz´d:

Nature, like Monarchy, is but restrain´d

By the same Laws whih first herself ordain´d. (Pope)

Als der Landschaftsmaler Alexander Cozens, der sich zunehmend mit der Malerei mit Tusche widmete - möglicherweise von chinesischen Tuschezeichnungen beeinflußt von denen er selbst 6 Stück besaß[3], stößt er wohl zufällig auf sein neues Verfahren, dem „Blotting“, welches er alsdann in der theoretischen Schrift „New Method“ von 1786 ausführt. Auf 33 Seiten beschreibt er die Transformation vom Tintenklecks zur fertigen Landschaftskomposition. Zur Anleitung stattet er sein Werk mit 28 Seiten Anschauungsbeispiele (S. I–XIII) aus, unter ihnen 16 Reproduktionen aus wässeriger Tusche (S. I-VIII), 6 aus Tinteklecksen entstandenen Zeichnungen (S. XII-XIII), sowie 5 Abbildungen mit je 4 verschiedenen Wolkenformationen (S. IX-XI).

Die Einleitung in die „New Method...“ befaßt sich mit idealen Landschaftskompositionen, welche sich auf den Einfluß zeitgenössischer Abhandlungen, wie William Mason´s Gedicht “The English Garden“[4], stützen. Cozens macht in diesem Paragraphen deutlich, daß er eine neue Art von Landschaftskomposition zu schaffen versucht und kritisiert, daß die vergangenen Landschaftsmaler versäumt hätten, neue Ideen mit bereits vorhandenem Wissen zu verknüpfen. Zu viel Zeit sei verschwendet worden, die Werke anderer und sogar der Natur zu kopieren, anstatt schnell das aus sich hervorzubringen, was im Innersten als Idee bereits besteht.

Dieser Einführung folgt die Entstehungsgeschiche seiner Idee des „Klecksens“...

Cozens erzählt, er habe eines Tages im Unterricht das Bedürfnis gefühlt, seinem begabten Schüler fort von dem Kopieren zur „wirklichen“ Komposition der Landschaft zu führen. Er begann schnell und in gewisser Weise „unbewußt“ eine Landschaft auf ein Stück Papier zu skizzieren, in der Hoffnung etwas festzuhalten, was einen Hinweis für eine allgemeingültige Regel darstellen könnte“the ideas of an ingenious mind disposed to the art of designing“. In der Ausführung bemerkte er, daß die vorherigen Flecken auf dem Papier ihn bei der Skizze zur Landschaft beeinflußt hatten. Als er dann mit stärkerer Tinte Kleckse auf einem anderen Stück Papier verteilte, gab er es an einen Schüler mit dem Auftrag daraus eine Landschaft zu entwickeln...

Diese Idee hatte großen Erfolg bei den Schülern und so begann Cozens die anfangs noch sehr einfache, helle Tinte zu variieren und für eine tragischere Stimmung auch durch dunklere zu ersetzen. Ganz im Sinne Leonardos „Handbuch der Malerei“[5] glaubte er eine Methode gefunden zu haben, die der „Erfindung der Landschaft assistierte“.

Dieser erzählerischen Einführung folgen 5 Regeln zur „Findung“ der Landschaft aus Tintenklecksen, die eine eingehende Beschreibung der Herstellung seiner Materialien beinhalten. Es wird dabei deutlich, welchen Wert Cozens auf genaue Technik und Handhabung der „Blots“ legt. Er gibt genaue Anweisungen für die Herstellung der Tinte und betont ständig die Bedeutung der Tinte für das Verfahren. Seine eigene, besondere Tinte ließ er übrigens eigens von dem Experten William Pether (1731-95) herstellen[6] und z.T. wird zum Herstellungsverfahren der Tinte sogar behauptet, daß Cozens mit Zucker angereicherte Tinte zur Dickflüssigkeit verwendete hätte und diese mit seiner Kupferstichtechnik vermischte[7].

1.1 Regel „To make Drawing Ink“

In seiner erstern Regel der „New Method“ befaßt sich Cozens mit dem Herstellungsverfahren und den Zutaten „Lamp-black, powdered gum arabic, writing ink“[8] für seine schwarze Tinte.

1.2 Regel „To make Transparent Paper“

Die zweite Regel befaßt sich mit der Herstellung des Transparentpapiers aus „varnish and turpentine“ gemischt und über den Feuer getrocknet.

1.3 Regel „To form a Blot“

Neben der Verwendung technischer Hilfsmittel weist Cozens in seiner 3. Regel als erstes auf den inneren, unbewußten Prozeß des Künstlers während seines Schaffensprozesses:

„Possess your mind strongly with a subject.“[9]

Der Pinsel soll alsdann in eine Mischung aus Wasser und Tinte getaucht werden und über das Blatt in verschiedenster Art und Weise gestrichen werden. Dabei soll es der ausführende vermeiden, bereits Formen entstehen zu lassen.

Zugleich soll eine große Anzahl der „Kleckse“ hergestellt werden, um auf ein breites Spektrum von Ideen für spätere Landschaften zurückgreifen zu können. „From a frequent use of blotting in this manner, the designer will acquire freedom of hand, a knowledge of proportion, and a facility of execution.“[10]

Cozens unterscheidet helle und dunkle „Klecks“. Die hellen können sofort verwendet werden, während die dunklen über Transparentpapier gelegt werden sollen. Um noch mehr „zufällige“ Resultate zu erreichen, soll das Papier zerknittert und wieder aufgefaltet werden.

[...]


[1] A.P. Oppé, Alexander & John Robert Cozens, London, 1952, S. 45, 58

[2] Ausstellungskatalog, Zale Center, New Haven, 1980, S. 31

[3] Kim Sloan Alexander and J.R. Cozens. The Poetry of Landsape, New Haven and London 1986, S. 76

[4] William Mason, The English Garden. New edition with a Commentary by. W. Burgh, Esq., York, 1783, S. 121

[5] Leonardo da Vinci, Treatise of Painting, London, 1721, S. 34

[6] Ausstellungskatalog, Yale Center, New Haven, 1980, S.31

[7] Alan Shestack, Lift ground prints by Alexander Cozens, Artist`s Proof, 8, 1968, S. 82-86; Henri Zerner, Alexander Cozens et sa Méthode pour l`Invention des Paysages, L‘ Oeil, 136, 1966, S. 28-33

[8] Alexander Cozens, A New Method...“, London, 1786, S. 20 f.

[9] Alexander Cozens, A New Method..., London, 1786, S. 23

[10] Alexander Cozens, A New Method..., London, 1786, S. 24

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Alexander Cozens (1717 – 1786) - Analyse seiner „New Method...“ (1786) unter Berücksichtigung von „Zufall, Spontaneität und Automatismus“
Untertitel
Betrachtung seiner Studien unter dem Aspekten von „Zufall, Spontaneität und Automatismus“
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Kunstgesch. Institut)
Veranstaltung
Englische Malerei
Note
2
Autor
Jahr
2001
Seiten
30
Katalognummer
V75482
ISBN (eBook)
9783638800273
ISBN (Buch)
9783638803052
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Alexander Cozens beschreibt die technischen Aspekte des „Blottings“ (Klecksen) 5 Regeln seiner „New Method...“ (1786): Die 1. Regel beschreibt zuallererst das Herstellungsverfahren einer Tuschezeichnung. Die 2. Regel spricht dann vom „Transparentpapier“, welches über die „Kleckse“ („Blots“) gelegt wird, um die Formen der Skizze aufzuzeigen. Die 3. Regel führt in das Herstellungsverfahren der „Blots“ selbst ein. Die 4. Regel erläutert die Methode der Übertragung des „Blots“ in eine Landschaftsskizze. Die 5. Regel beschreibt letztendlich die Vollendung der gewonnenen Skizze.
Schlagworte
Alexander, Cozens, Analyse, Method, Berücksichtigung, Spontaneität, Automatismus“, Englische, Malerei
Arbeit zitieren
M.A. Martina Merten (Autor), 2001, Alexander Cozens (1717 – 1786) - Analyse seiner „New Method...“ (1786) unter Berücksichtigung von „Zufall, Spontaneität und Automatismus“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75482

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