Die Arbeit widmet sich drei wesentlichen Kategorien im Denken Arnold Bergstraessers zu einem funktionierenden staatlichen Gemeinwesens, die allesamt ihre grundsätzliche Ausprägung und den Anlass für ihre spätere Forcierung im Erleben des Ersten Weltkrieges fanden bzw. durch diesen und dessen Ausgang und Folgen maßgebliche Beeinflussung erhielten.
Folgende Fragen werden erörtert: Welche Staats- und/ oder Regierungsform, wenngleich nicht direkt von Bergstraesser thematisiert, so doch in deutlich kontextualisierender Form, sollte seiner Meinung nach ein stabiles Deutschland annehmen? Von welchen Vorbildern sollte es sich leiten lassen – strukturell wie ideell? Welche Rolle spielte hierzu die nationale Vergangenheit und die damit verbundenen Erfahrungen?
Ein weiterer zentraler Punkt in den Ausführungen Bergstraessers dieser Zeit war die Bedeutung der Ökonomie im Spiel der gesamtgesellschaftlichen Kräfte. Welches Verhältnis sollte diese zur Politik einnehmen, welche Funktionen erfüllen? Worin bestand nach Bergstraesser der Zweck ökonomischen Handelns und wo lagen dessen institutionell zu bekräftigende Grenzen?
Abschließend problematisieren die Überlegungen die Maßgeblichkeit der Erziehung, vornehmlich der Jugend, in einem neuen nachmonarchistischen deutschen Staat. Arnold Bergstraesser räumt der Jugend aufgrund ihrer Formbarkeit und mangels eigener wesensprägender Erfahrungen für das Gelingen eines neuen Staatswesens große Bedeutung ein. Welche Position nimmt Bergstraesser hierbei im Vergleich zu in der Weimarer Republik gängigen Auffassungen ein und wie begründet er sie? Bevorzugt er tendenziell liberale oder konservative, neuartige oder traditionelle Erziehungsmuster und welchen Institutionen möchte er die Jugend seiner Zeit in punkto Erziehung anvertraut wissen?
Sämtliche voranstehende Fragestellungen stehen im Kontext von Bergstraessers Beurteilung des republikanischen Deutschlands zum Zeitpunkt der Krise am Vorabend des nationalsozialistischen Erfolges, weshalb vornehmlich die Schriften dieser Zeit aus seiner Feder hier Berücksichtigung finden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Aufbau
1.3 Forschungsstand
2 Arnold Bergstraessers Vorstellungen von der „fortschrittlichen“ Organisation der gesellschaftlichen Kräfte
2.1 Die geistigen Wurzeln Deutschlands zwischen Tradition und Moderne in Zeiten der politischen und wirtschaftlichen Krise – Ein Balanceakt?
2.2 Die Bedeutung der Wirtschaft nur als Substitut der Politik?
2.3 Die besondere Rolle der Erziehung – Schulung der Jugend als Vorbedingung für den idealen Staat?
3 Zusammenfassung und Bewertung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das politische und gesellschaftliche Denken von Arnold Bergstraesser während der Krise der Weimarer Republik. Ziel ist es, seine Positionen zu Demokratie, Parlamentarismus und zum idealen Staatsaufbau in einem schwierigen ideologischen Umfeld zu analysieren und seine Affinität zu autokratischen sowie national orientierten Ordnungsmodellen aufzuzeigen.
- Analyse von Bergstraessers Kritik am parlamentarischen System der Weimarer Republik.
- Untersuchung des Verhältnisses von Wirtschaft und Politik im Sinne einer staatlichen Lenkung.
- Betrachtung der Bedeutung von Erziehung und Jugend für die Stabilität des Staates.
- Einordnung von Bergstraessers Denken in den Kontext der sogenannten „Konservativen Revolution“.
- Reflexion über die Entwicklung von einer demokratischen zu einer autoritären Staatsauffassung nach 1933.
Auszug aus dem Buch
2.1 Die geistigen Wurzeln Deutschlands zwischen Tradition und Moderne in Zeiten der politischen und wirtschaftlichen Krise – Ein Balanceakt?
Aus dem Titel des Unterkapitels geht bereits hervor, dass nach Auffassung des Autors Arnold Bergstraesser eine der parlamentarischen Demokratie, zumindest unter den Bedingungen der Weimarer Republik, die nicht zuletzt durch wirtschaftliche Rezession und hohe Reparationsverpflichtungen gegenüber den Siegermächten der Entente gekennzeichnet waren, wenigstens zurückhaltende, eher ablehnende Haltung einnahm.
In der 1930 entstandenen Schrift „Deutschland und die europäische Politik“ konkretisiert Bergstraesser eindruckvoll deutlich, inwiefern sich für ihn und wodurch die parlamentarische Demokratie seit 1918/ 1919 diskreditiert oder wenigstens als ineffektiv für die praktische Politik erwiesen habe. Er schreibt, dass sich „Zugleich ... des zu Ende gehenden Jahres erwiesen [habe], daß die deutsche parlamentarische Demokratie der Aufgabe bisher nicht gewachsen war oder gewachsen sein konnte, die ihr durch die Parlamentarisierung des Regimes gestellt war: Regierungswahl und Interessenvertretung in der selben Körperschaft durchzuführen.“
Er sieht das Parlament in seinen Fähigkeiten überfordert, wenn es sowohl der Interessenvertretung wie der Regierungswahl nachzukommen habe. Bergstraesser verwirft den Pluralismus der Meinungen und Interessengruppen, welche die Arbeit des Parlaments zu beeinträchtigen drohen. Ihm missfällt die Vielstimmigkeit in der deutschen Innenpolitik, die durch die Krisenzeit vor und während der Weltwirtschaftskrise noch verstärkt festzustellen war und mit deren Bewältigung sich der deutsche Parlamentarismus als zu lösen unfähig erwies. Dies führe seiner Meinung nach zur Verhinderung eines kraftvollen Auftretens Deutschlands nach außen. Er sieht das Reich zumindest innereuropäisch ins Hintertreffen geraten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die historische Ausgangslage der Weimarer Republik ein, stellt die Person Arnold Bergstraesser vor und formuliert die zentralen Fragestellungen sowie den Aufbau der Untersuchung.
2 Arnold Bergstraessers Vorstellungen von der „fortschrittlichen“ Organisation der gesellschaftlichen Kräfte: Der Hauptteil analysiert Bergstraessers Kritik am parlamentarischen System, seine Konzepte zur staatlich gelenkten Wirtschaft und seine erziehungspolitischen Forderungen als Mittel zur Stärkung der nationalen Gemeinschaft.
3 Zusammenfassung und Bewertung: Das abschließende Kapitel resümiert Bergstraessers Denken, ordnet es in den zeitgenössischen Kontext der „Konservativen Revolution“ ein und bewertet seine Hinwendung zum autoritären Staat.
Schlüsselwörter
Arnold Bergstraesser, Weimarer Republik, Demokratie, Parlamentarismus, Autoritarismus, Wirtschaftsordnung, Erziehungspolitik, Gemeinschaft, Konservative Revolution, Nation, Staatswissenschaft, Politische Krise, 1933, Autarkie, Gesellschaftsordnung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert das politische Denken von Arnold Bergstraesser während der Krise der Weimarer Republik mit Fokus auf seine Vorstellungen von Staat, Gesellschaft, Wirtschaft und Erziehung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Kritik an der parlamentarischen Demokratie, die Rolle der Wirtschaft im Staat, die Bedeutung der Erziehung zur Formung des politischen Menschen sowie die Suche nach einer nationalen Identität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Bergstraessers Präferenzen zwischen demokratischen und autoritären Staatsformen herauszuarbeiten und zu beleuchten, wie er den Wandel Deutschlands zur Zeit der Weltwirtschaftskrise und dem Aufstieg des Nationalsozialismus wahrnahm.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine textanalytische Methode, indem er Bergstraessers Schriften aus der Krisenzeit (ca. 1927–1933) systematisch auswertet und in den historischen sowie ideengeschichtlichen Kontext einordnet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung geistiger Wurzeln in Zeiten der Krise, die Rolle ökonomischer Faktoren und die spezifische Bedeutung von Erziehungsarbeit für den idealen Staat.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist charakterisiert durch Begriffe wie „organischer Staatsgedanke“, „Antiparlamentarismus“, „Gemeinschaft“, „Autarkie“ und die kritische Auseinandersetzung mit der „Konservativen Revolution“.
Wie bewertet der Autor Bergstraessers Verhältnis zur Demokratie?
Der Autor zeigt auf, dass Bergstraesser der parlamentarischen Demokratie ablehnend gegenüberstand, da er sie als ineffektiv empfand und stattdessen autoritäre sowie kollektivistische Lösungen bevorzugte.
Welche Rolle spielt der Begriff „Gemeinschaft“ bei Bergstraesser?
Für Bergstraesser ist „Gemeinschaft“ der zentrale Begriff, der die liberale „Gesellschaft“ ersetzen soll; er sieht darin eine organische Einheit, der sich das Individuum unterordnen muss, um dem Staat zu dienen.
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- M.A. Michael Kunze (Author), 2004, Arnold Bergstraesser zur Krise der Weimarer Republik - Autokratie vs. Demokratie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75540