Der Unternehmensbereich der Logistik ist für viele Betriebe ein bedeutender Wettbewerbsfaktor geworden. Die Logistik ist zwar kostenintensiv, aber eine essentielle Voraussetzung um am Wettbewerb teilzunehmen. Dabei können die anfallenden Logistikkosten bis zu 35% des Umsatzes ausmachen. Um die Logistik eines Unternehmens effizient zu gestalten und sie als Wettbewerbsfaktor optimal zu nutzen muss das Logistik-Management zielgerichtete Entscheidungen treffen. Das Ziel muss dabei sein das Verhältnis von Input und Output der Logistik, die Logistikeffizienz, unter Berücksichtigung der Unternehmensstrategie zu optimieren. Die Problematik im Bereich der Logistik liegt dabei darin, dass es schwierig ist dessen komplexe serviceorientierte Leistungsziele durch Kennzahlen einheitlich zu bewerten. Daher rührt auch das multikriterielle Zielsystem der Logistik. Um dennoch durch Entscheidungen zu einer optimalen Zielereichung zu gelangen ist es daher nötig die mehrdimensionale Zielsetzungen der Logistik durch die Artikulation einer Artenpräferenz in einer Zielgröße abzubilden und bewertbar zu machen.
Im Rahmen dieser Arbeit soll untersucht werden wie die Ziele der Logistik in Form von Kennzahlen und Kennzahlensystemen operationalisiert werden können und wie Logistik-Kennzahlensysteme (KZS) zur Entscheidungsfindung, vor allem im Kontext der Entscheidungstheorie, genutzt werden können. Zu diesem Zweck soll evaluiert werden, wie ausgesuchte Beispiele für Logistik-KZS dort einzuordnen sind und wie sie die allgemeinen Anforderungen an Logistik-KZS erfüllen. Dazu sollen zunächst die Charakteristika der Logistik und die verschiedenen Ansätze zur Entscheidungstheorie beschrieben werden. Anschließend soll eine Herleitung und Beschreibung des logistischen Zielsystems erfolgen, vor allem um Besonderheiten und Schwierigkeiten bei dessen Operationalisierung zu untersuchen. Weiterhin soll auf Kennzahlensysteme als entscheidungsbezogenes Informations- und Managementinstrument eingegangen werden um daran anschliessend die Anforderungen an Logistik-KZS abzubilden und Generierungsmöglichkeiten für Logistikkennzahlen bzw. -kennzahlensysteme zu beschreiben. Abschließend erfolgt eine Vorstellung ausgewählter Beispiel-Kennzahlensysteme und deren kritische Bewertung an Hand der Entscheidungstheorie.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Grundlagen der Logistik
2.1.1 Der Logistikbegriff
2.1.2 Logistische Funktionen im Unternehmen
2.1.3 Planungs- und Entscheidungsfelder der Logistik
2.2 Entscheidungstheoretische Grundlagen
2.2.1 Die Entscheidungstheorie
2.2.2 Ziele und Zielsysteme
2.2.3 Das Grundmodell der Entscheidungstheorie
2.2.4 Entscheidungsmethoden bei multikriterielle Entscheidungsproblemen
3 Das Zielsystem der Logistik
3.1 Herleitung des Zielsystems
3.2 Die Logistikleistung
3.3 Die Logistikkosten
3.4 Die Logistikeffizienz
4 Kennzahlensysteme als entscheidungsbezogenes Informationsinstrument
4.1 Der Kennzahlenbegriff
4.2 Kennzahlensysteme
4.2.1 Begriffsabgrenzung
4.2.2 Funktionen von Kennzahlensystemen
5 Logistik-Kennzahlensysteme in der Praxis
5.1 Anforderungen an Logistik-Kennzahlensysteme
5.2 Ansätze zur Ableitung der Logistik-Kennzahlen
5.2.1 Der top-down Ansatz
5.2.2 Der bottom-up Ansatz
5.2.3 Das Gegenstromverfahren
5.3 Vorstellung und Bewertung ausgewählter Kennzahlensysteme
5.3.1 Das Logistik-Controlling-Kennzahlensystem nach Reichmann
5.3.2 Das LogiBEST Kennzahlensystem
5.3.3 Das ganzheitliche Logistik-Kennzahlensystem nach Weber
5.3.4 Logistik-Balanced Scorecards
5.4 Kritische Reflektion in Hinblick auf das Entscheidungsmodell
6 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie logistische Ziele operationalisiert und durch Kennzahlensysteme unterstützt werden können, um eine effiziente Entscheidungsfindung im Rahmen der Entscheidungstheorie zu ermöglichen. Dabei liegt der Fokus auf der Lösung multikriterieller Zielkonflikte in der Logistik.
- Grundlagen der Logistik und der Entscheidungstheorie
- Herleitung und Struktur des logistischen Zielsystems
- Entwicklung und Bewertung von Logistik-Kennzahlensystemen
- Vergleich verschiedener Ansätze zur Kennzahlenableitung (top-down, bottom-up, Gegenstromverfahren)
- Kritische Analyse ausgewählter Praxisbeispiele (Reichmann, LogiBEST, Weber, Balanced Scorecard)
Auszug aus dem Buch
2.2.3 Das Grundmodell der Entscheidungstheorie
Da Erkenntnisse über die Auswirkungen einzelner Handlungsalternativen auf die Ziele in aller Regel nicht durch Experimente an einem realen Betrieb gewonnen werden können, ergibt sich die Notwendigkeit der Verwendung von Modellen. Ein Modell dient dabei immer der vereinfachten Abbildung der Realität und ist aus verschiedenen Elementen, sowie ihren Eigenschaften und Verbindungen aufgebaut. Für die Entscheidungstheorie existiert dazu ein Grundmodell, das versucht alle Entscheidungsprobleme prinzipiell auf eine gemeinsame Grundstruktur zurückzuführen. Entscheidungstheoretische Modelle versuchen dabei mehr oder weniger komplexe Entscheidungssituationen formal abzubilden. Durch die rationale Auswahl der optimalen Alternative und die Prämisse der freien Wahl der Ziele durch den Entscheider, lässt sich das nachfolgend dargestellte Modell auch als praktisch normatives Grundmodell bezeichnen.
Als Basiselemente des Modells sollen zunächst das Entscheidungsfeld und das Zielsystem erläutert werden. Das Entscheidungsfeld enthält Informationen über die Handlungsalternativen, die möglichen Umweltzustände und deren Einfluss sowie die bewerteten Konsequenzen der Entscheidungen. Der Aktionsraum, der die Handlungsalternativen abbildet, ist als „Menge aller Aktionen, die dem Entscheidungsträger offen stehen“ definiert, wobei dabei immer die Unterlassungsalternative mit eingeschlossen ist. Dabei beschreibt erst die Menge aller Ausprägungen der Aktionsparameter eine Aktion umfassend. Das Modellelement des Zustandsraumes beschreibt die für das Entscheidungsproblem relevanten Umweltfaktoren und deren Ausprägung. Besteht der Fall, dass der wahre Umweltzustand unbekannt ist, spricht man von einer unsicheren Situation, im Gegensatz zur Situation der Sicherheit in der dieser bekannt ist. Die jeweils von einer bestimmten Aktion und einem Umweltzustand determinierte Handlungskonsequenz bringt dann die entsprechende Ergebnisfunktion zum Ausdruck. Die Gesamtheit der Elemente des Entscheidungsfeldes und ihrer möglichen Ausprägungen kann dann in Form einer Ergebnismatrix aufgestellt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung der Logistik als Wettbewerbsfaktor ein und definiert das Ziel der Arbeit, die Operationalisierung logistischer Ziele durch Kennzahlensysteme für eine fundierte Entscheidungsfindung.
2 Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen der Logistik sowie die entscheidungstheoretischen Ansätze, die zur Modellierung und Lösung logistischer Probleme dienen.
3 Das Zielsystem der Logistik: Hier wird das logistische Zielsystem hergeleitet, wobei die Schwerpunkte auf der Logistikleistung, den Logistikkosten und der Logistikeffizienz als Oberziel liegen.
4 Kennzahlensysteme als entscheidungsbezogenes Informationsinstrument: Dieses Kapitel definiert den Kennzahlenbegriff sowie Kennzahlensysteme und erläutert deren Rolle als Instrumente der Entscheidungsunterstützung und Steuerung.
5 Logistik-Kennzahlensysteme in der Praxis: Der Hauptteil der Arbeit analysiert Anforderungen an Logistik-Kennzahlensysteme, stellt Methoden zur Kennzahlenableitung vor und bewertet ausgewählte Systeme anhand ihrer Eignung für das Entscheidungsmodell.
6 Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert die Ergebnisse der Arbeit und identifiziert weiteren Forschungsbedarf hinsichtlich der praktischen Umsetzung und der Lösung von Mehrfachzielproblematiken.
Schlüsselwörter
Logistik, Kennzahlensysteme, Logistikeffizienz, Logistikleistung, Logistikkosten, Entscheidungstheorie, Nutzwertanalyse, Zielsystem, Prozesskostenrechnung, Balanced Scorecard, Benchmarking, Controlling, Entscheidungsmodell, Artenpräferenz, Logistikmanagement
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Konzeption und dem Einsatz von Kennzahlensystemen im Bereich der Logistik, um eine effiziente Entscheidungsfindung bei mehrfacher Zielsetzung zu unterstützen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die logistische Zielsystematik, entscheidungstheoretische Grundlagen, verschiedene Kennzahlensysteme in der Praxis sowie deren Eignung für eine effiziente Steuerung von Logistikprozessen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, wie Ziele der Logistik durch Kennzahlen operationalisiert werden können und wie entsprechende Kennzahlensysteme (KZS) als Instrumente zur Entscheidungsfindung im Kontext der Entscheidungstheorie genutzt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt einen deduktiven sowie induktiven Ansatz (top-down, bottom-up und Gegenstromverfahren) und evaluiert bestehende Ansätze wie die Nutzwertanalyse und das AHP-Verfahren im Kontext logistischer Entscheidungsprobleme.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil (Kapitel 5) widmet sich den Anforderungen an Logistik-Kennzahlensysteme, den Ableitungsmethoden und der detaillierten Vorstellung sowie Bewertung von Systemen wie dem Logistik-Controlling nach Reichmann, LogiBEST, dem System von Weber und der Balanced Scorecard.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Logistik, Kennzahlensysteme, Logistikeffizienz, Entscheidungstheorie, Zielsystem, Logistikleistung und Nutzwertanalyse.
Was unterscheidet das Gegenstromverfahren von anderen Ansätzen zur Kennzahlenableitung?
Im Gegensatz zur einseitigen top-down oder bottom-up Planung kombiniert das Gegenstromverfahren beide Vorgehensweisen, um strategische Ziele mit operativen Prozessrealitäten abzugleichen und eine höhere Realisierbarkeit zu gewährleisten.
Warum ist die Logistikeffizienz als Spitzenkennzahl so komplex?
Die Komplexität ergibt sich daraus, dass Logistikeffizienz ein abstrakter Begriff ist, der verschiedene, oft konfliktäre Leistungs- und Kostenziele vereint, die nur durch eine mathematische oder wertbasierte Gewichtung (z.B. mittels Nutzwertanalyse) aggregiert werden können.
- Quote paper
- Dipl. Wirtschaftsing. Guido Krebs (Author), 2007, Kennzahlensysteme bei mehrfacher Zielsetzung im Logistikbereich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75556