Fachliteratur, die sich mit der Geschichte der griechischen Kunst beschäf-tigt, verweist bei der Problematik der Malerei als „Notbehelf“ oftmals auf die Vasenmalerei der jeweiligen Epochen, um auf diese Weise eine unge-fähre Vorstellung über die Gemälde, sowie die Technik der Maler und zeichnerische Entwicklung zu vermitteln.
Die technischen Möglichkeiten waren bis ca. in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts noch begrenzt, um eine detaillierte Forschung über die Malerei der Archaik und des Hellenismus auf den wenigen erhaltenen Originalen dieser Epochen durchführen zu können.
So konnte oft nur ein Bezug über antike Schriftsteller wie Plinius oder Pausanias hergestellt werden, um dem Leser eine Vorstellung über die Farbenpracht, das Können und die verlorenen Werke anerkannter Künst-ler zu vermitteln.
Heute verfügt die Wissenschaft allerdings über Methoden, die es ermögli-chen, diesen Verlust wieder sichtbar zu machen und mögliche Fehler bei Rekonstruktionen zu korrigieren. Auf vielen Werken kann eine fotografi-sche Normalaufnahme von dem „verborgenen“ Bild nichts vermitteln. Da-gegen tritt in einer UV-Aufnahme die Darstellung hervor und läßt sich er-fassen. Die verlorene Farbe wird so wieder sichtbar und gibt der Darstel-lung ihre Substanz zurück. Eben dieses Verfahren und die Methode der Streiflichtaufnahme ermöglichen es eine eventuelle Rekonstruktion der Stelen von Prinias herstellen und den Stellenwert dieser Werke neu defi-nieren zu können. Lange Zeit wurden diese Grabmonumente für frühe Zeugnisse der Reliefkunst gehalten, obwohl Farbspuren schon bei der Auffindung registriert wurden. So stellen sich die Fragen, welchen Stel-lenwert die ursprüngliche Farbigkeit bei diesen Stelen hatte und welche Stufe der Malereientwicklung repräsentieren sie. Ausgangspunkt für diese Fragestellung bildet das Kapitel über die Prinias-Stelen aus Nadia Kochs Buch „De picturae initiis - Die Anfänge der griechischen Malerei im 7. Jh. v. Chr.“
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die früharchaische Malerei
- Die Stelen von Prinias, ein Beispiel für früharchaische Tafelmalerei
- Darstellungsweise und Farbigkeit dieser Grabmonumente
- Literaturnachweise
- Bildnachweise
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der Analyse und Datierung der Prinias-Stelen, einem wichtigen Beispiel für früharchaische Tafelmalerei in Griechenland. Die Untersuchung zielt darauf ab, die Bedeutung der ursprünglichen Farbigkeit dieser Grabmonumente zu beleuchten und ihren Stellenwert in der Entwicklung der griechischen Malerei zu bestimmen.
- Die Bedeutung der frühen griechischen Malerei im Kontext der antiken Quellen und Forschung
- Die Entwicklung der Tafelmalerei in der Früharchaik
- Die Rolle der Stelen von Prinias als Beispiel für frühe Tafelmalerei
- Die Bedeutung der Farbigkeit und Darstellungsweise der Stelen
- Die Rekonstruktion und Interpretation der Stelen im Licht moderner Forschungsmethoden
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die Problematik der Erforschung der griechischen Malerei im Vergleich zur Vasenmalerei dar und skizziert die Schwierigkeiten, die sich aus der mangelnden Überlieferung von Originalen ergeben. Sie führt außerdem moderne Forschungsmethoden ein, die zur Untersuchung der Stelen von Prinias eingesetzt werden können.
Das Kapitel über die früharchaische Malerei befasst sich mit der Rolle literarischer Quellen und der Bedeutung der Tafelmalerei als transportable Kunstform. Es beleuchtet die frühen Beispiele für griechische Tafelbilder, die in Pitsa bei Korinth gefunden wurden, sowie die Verwendung von Stein als Malgrund.
Das Kapitel über die Stelen von Prinias analysiert die Fundumstände und die unterschiedlichen Theorien über die ursprüngliche Verwendung dieser Grabmonumente. Es werden die Darstellungsweise und die Bedeutung der Farbigkeit auf den Stelen diskutiert, die Hinweise auf die frühe Entwicklung der griechischen Malerei liefern.
Schlüsselwörter
Früharchaische Malerei, Stelen von Prinias, Tafelmalerei, Grabmonumente, Farbigkeit, Darstellungsweise, Rekonstruktion, UV-Aufnahme, Streiflichtaufnahme, griechische Kunst, antike Quellen, Plinius, Pausanias, Boularchos, Kandaules, Pitsa, Korinth.
Häufig gestellte Fragen
Was sind die Stelen von Prinias?
Die Stelen von Prinias sind bedeutende Grabmonumente der griechischen Früharchaik, die als wichtige Beispiele für frühe Tafelmalerei auf Stein gelten.
Warum wurde die Malerei lange Zeit als „Notbehelf“ betrachtet?
Da nur wenige Originalgemälde der Archaik erhalten blieben, musste die Forschung oft auf die Vasenmalerei ausweichen, um eine Vorstellung von der damaligen Maltechnik zu erhalten.
Welche modernen Methoden werden zur Untersuchung der Stelen eingesetzt?
Wissenschaftler nutzen heute UV-Aufnahmen, um verlorene Farben sichtbar zu machen, sowie Streiflichtaufnahmen zur Erfassung der Oberflächenstruktur und möglicher Vorzeichnungen.
Welche antiken Schriftsteller geben Auskunft über die griechische Malerei?
Wichtige literarische Quellen sind Plinius der Ältere und Pausanias, die in ihren Schriften über berühmte Künstler und die Farbenpracht verlorener Werke berichten.
Was ist das Besondere an der Farbigkeit der Prinias-Stelen?
Obwohl sie lange für reine Reliefkunst gehalten wurden, belegen Farbspuren, dass die Bemalung ein wesentlicher Bestandteil der Darstellung war, was neue Rückschlüsse auf die Entwicklung der Malerei im 7. Jh. v. Chr. erlaubt.
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- Britta Heidel (Autor), 2004, Analyse und Datierung der Prinias-Stelen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75624