In der heutigen Zeit spielen Medien in nahezu allen Lebensbereichen eine wichtige Rolle. Die Wissenschaft hat insbesondere auf die rasante Entwicklung der sogenannten Neuen Medien mit der Ausdifferenzierung unterschiedlichster Disziplinen reagiert, wie beispielsweise der Medienwissenschaft oder der Medienpädagogik. Doch die wachsende Bedeutung von Medien geht einher mit einer zunehmenden Unübersichtlichkeit bezüglich der Frage, was man denn eigentlich unter dem Begriff Medium versteht. Aus diesem Grund scheint sich derzeitig eine weitere Disziplin herauszubilden, nämlich die Medienphilosophie, die Gegenstand der vorliegenden Hausarbeit ist. Zwei Kernfragen stehen im Mittelpunkt: Zunächst muß danach gefragt werden, was der Begriff Medium in seinen unterschiedlichen Verwendungsweisen bedeutet. Anschließend gilt es zu klären, was genau man sich dann unter Medienphilosophie vorzustellen haben könnte.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Was ist ein Medium?
2.1 Medientheoretische Konzeptionen des Medienbegriffs
2.1.1 Marshall McLuhan: Zur Logik des Mediums
2.1.2 Niklas Luhmann: Differenz zwischen Medium und Form
2.2 Sybille Krämer: Medien, Medialität und Neue Medien
3 Sprache als Medium
3.1 Die „Medialitätsvergessenheit der Sprachtheorie“ (Exkurs)
3.2 Die Unhintergehbarkeit der Sprache
4 Warum Medienphilosophie?
4.1 Medienphilosophie als neue Disziplin
4.2 Medienphilosophie als Modeerscheinung
4.3 Pragmatische Medienphilosophie
5 Kritik und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Status der Medienphilosophie als potenzielle neue philosophische Disziplin angesichts der zunehmenden Bedeutung und Unübersichtlichkeit des Medienbegriffs. Dabei wird analysiert, inwieweit eine solche Disziplin notwendig ist, ob sie als kurzlebige Modeerscheinung zu betrachten ist oder ob ein pragmatischer Ansatz zur Klärung des Verhältnisses von Medien und Philosophie beitragen kann.
- Kritische Analyse des Medienbegriffs in der Medientheorie
- Die Rolle der Sprache als fundamentales Medium
- Philosophische Auseinandersetzung mit den Bedingungen der Medialität
- Debatte um die Etablierung einer eigenständigen Medienphilosophie
- Pragmatische Ansätze zur Vermittlung zwischen Medienpraxis und Philosophie
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Marshall McLuhan: Zur Logik des Mediums
Marshall McLuhan gehört sicherlich zu den umstrittensten Medientheoretikern überhaupt. Während sich das Fernsehen als neues Unterhaltungsmedium in den sechziger Jahren zu etablieren beginnt, ist er es, der damit das Ende der Gutenberg-Galaxie prophezeit. Seiner Meinung nach werde sich die Menschheit nun stetig aus der vom Buchdruck bestimmten Kultur zurückziehen, um im elektronischen Zeitalter neue Kommunikations- und Wahrnehmungsformen zu entwickeln. Zunächst kritisiert selbst er die Mechanisierung als gefährlichen Kulturzerfall, geht dann allerdings dazu über, sie als positive Chance zu begreifen. Er macht nämlich darauf aufmerksam, daß das Buch als Medium der Kommunikation unvollkommen sei, da es keine Möglichkeit zur Rückmeldung bzw. Selbstkorrektur gewährleiste. Durch elektronische Medien hingegen könne diese Unvollkommenheit zugunsten der Mediennutzer überwunden werden.
In seinem Hauptwerk Understanding Media konzipiert McLuhan nun seine eigene Logik des Mediums, die sehr von technischen Analogien geprägt ist. Dabei muß beachtet werden, daß er Technik als Erweiterung der menschlichen Organe versteht, so wie es beispielsweise die Funktion bestimmter Maschinen ist, die Muskeln der Arbeiter zu verstärken. Bei den elektronischen Medien geht es hingegen darum, das Zentralnervensystem sowie die Sinne der Menschen auszuweiten. McLuhan betont in diesem Zusammenhang jedoch ausdrücklich, daß diese Ausweitungen den Mediennutzern nicht bewußt sind: Medien erschaffen ihre eigene Medienwirklichkeit, indem sie die menschlichen Sinne nicht nur erweitern, sondern an deren Konstituierung unmittelbar beteiligt sind. Im Umgang mit Medien wird daher jede Wahrnehmung erst durch die Medienwirkung erzeugt und kann nicht von ihr unabhängig gedacht werden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Relevanz der Medien und die Problematik des unklaren Medienbegriffs, was die Notwendigkeit einer medienphilosophischen Auseinandersetzung begründet.
Was ist ein Medium?: Definitorische Klärung durch Analyse der Theorien von McLuhan und Luhmann sowie deren Erweiterung durch Sybille Krämer.
Sprache als Medium: Untersuchung der Sprache als primäres Medium unter Berücksichtigung der Medialitätsvergessenheit der Sprachtheorie und Wittgensteins Konzept der Unhintergehbarkeit.
Warum Medienphilosophie?: Diskussion verschiedener Positionen zur Etablierung einer Medienphilosophie, von der eigenständigen Disziplin bis zur pragmatischen „Inventur“.
Kritik und Ausblick: Kritische Reflexion der Debatte, mit dem Ergebnis, dass ein medienphilosophischer Diskurs unabhängig von der disziplinären Einordnung für die heutige Zeit essenziell ist.
Schlüsselwörter
Medienphilosophie, Medium, Medialität, Sprachtheorie, Neue Medien, Marshall McLuhan, Niklas Luhmann, Sybille Krämer, Ludwig Wittgenstein, pragmatische Medienphilosophie, mediale Konstruktion, Kommunikation, Philosophie, Medienbegriff, Systemtheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie Medien definiert werden können und ob die „Medienphilosophie“ eine berechtigte neue philosophische Disziplin oder lediglich eine vorübergehende Modeerscheinung darstellt.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Medientheorie (insb. McLuhan und Luhmann), die Medialität der menschlichen Sprache sowie die verschiedenen Ansätze zur Einordnung einer möglichen Medienphilosophie innerhalb der Philosophie.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, einen Querschnitt durch die aktuelle Debatte über Medienphilosophie zu ziehen, um die theoretischen Grundlagen zu prüfen und eine eigene Stellungnahme zur Sinnhaftigkeit einer solchen Disziplin zu formulieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Der Autor verwendet eine Literaturanalyse, indem er klassische und aktuelle medientheoretische sowie philosophische Positionen gegenüberstellt, kritisch diskutiert und in einen systematischen Kontext zueinander setzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die medientheoretische Bestimmung des Medienbegriffs, die Analyse der Sprache als fundamentales Medium unter Kritik der „Medialitätsvergessenheit“ und die kritische Auseinandersetzung mit verschiedenen Entwürfen einer Medienphilosophie.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem Medialität, die Differenz zwischen Medium und Form, Sprachspiele nach Wittgenstein und die pragmatische Umakzentuierung alter philosophischer Fragen.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen „Medium“ und „Form“ bei Luhmann eine wichtige Rolle?
Luhmann nutzt diese Unterscheidung, um zu erklären, dass Medien durch lose Kopplung unbestimmt und neutral bleiben, während Formen (wie Sprache oder Bilder) erst durch die Festlegung innerhalb eines Mediums Bedeutung erlangen.
Wie unterscheidet sich der pragmatische Ansatz von Mike Sandbothe von anderen Theorien?
Sandbothe lehnt die Etablierung einer neuen „Fundamentaldisziplin“ ab und plädiert stattdessen dafür, die gesamte Philosophie durch eine medienphilosophische „Inventur“ für die Erkenntnisse über mediale Bedingtheiten zu öffnen.
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- René Baron (Author), 2003, Medienphilosophie - Modeerscheinung oder neue philosophische Disziplin?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75669