Das Idealschema der US-amerikanischen Stadt


Hausarbeit, 2006

24 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Physiognomische Merkmale der US-amerik. Stadt

3 Klassische Modelle und Theorien der Stadtentwicklung
3.1 Zonenmodell/Ringmodell nach E.W. Burgess (1925/1929)
3.2 Sektorenmodell nach H. Hoyt (1939)
3.3 Mehrkernemodell nach C.D. Harris und E.L. Ullman (1945)

4 Aktuelle Modelle der Stadtentwicklung
4.1 Modell der Viertelsbildung US-amerik. Städte nach L. Holzner (1972)
4.2 Muster einer US-amerik. Stadt nach R. Hahn(1991)

5 Strukturwandel der US-amerik. Stadt und ausgewählte damit verbundene Phänomene
5.1 Die Edge City und ihre Folgen für die Kernstadt
5.2 Commercial-Strip (C.-S.)
5.3 Gated Communities (G.C.)

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

8 Anhang

1 Einleitung

Die US-amerik. Städte haben kaum historischen Hintergrund. Deshalb unterscheiden sie sich in ihrer Physiognomie nur unwesentlich. Es erscheint mir wichtiger den strukturellen Wandel in amerik. Städten in der jüngeren Vergangenheit zu beleuchten und die damit verbundenen neuen Erscheinungen vorzustellen. Die Fragen, welche ich mir dazu stelle, lauten daher: Wie hat sich die US-amerik. Stadt in der Nachkriegszeit gewandelt und welche Erscheinungen und Probleme resultieren daraus? Dazu werde ich zunächst die klassischen Modelle und Theorien der Stadtentwicklung sowie die neueren Ansätze beschreiben um sie anschließend kritisch auf ihre Anwendbarkeit zu untersuchen. Im Anschluss daran werde ich mich auf die neuen Phänomene in der Siedlungsstruktur der US-amerik. Städte konzentrieren sowie die Entstehung dieser Phänomene ergründen.

2 Physiognomische Merkmale der US-amerik. Stadt

Der nordamerik. Stadt fehlt der geschichtliche Hintergrund, weshalb historische Bausubstanz fehlt. Typischstes physiognomisches Merkmal ist der Schachbrettgrundriss (Grid Pattern) (Abb. 1), welcher, falls möglich, Ost-West bzw. Nord-Süd ausgerichtet ist. Bei diesem Grundrissschema verlaufen alle Straßen orthogonal zueinander, was den Städten eine starke Einförmigkeit verleiht (Heineberg 2000: 248). In manchen Städten wird der Schachbrettgrundriss durch diagonal verlaufende Straßen durchbrochen (Bsp.: Washington D.C à Abb. 2) (Heineberg 2000: 250).

Infrastrukturell sind US-amerik. Städte sehr gut durch Highways bzw . Beltways, vergleichbar mit Autobahnen in Deutschland, erschlossen (autogerechte Stadt) (Heineberg 2000: 256).

Beim Aufriss sind die Hochhäuser, welche zusammen die sog. Skyline bilden, im CBD (Central Business District), dem zentralen Geschäftsbezirk, zu nennen. Sie entstanden ab ca. 1885 aufgrund steigender Grundstückspreise und Platzmangel in den Innenstadtbereichen. Sie werden als „die erste eigenständige architektonische Leistung der Amerikaner“ (Hofmeister 1991: 133) angesehen.

In den Vorstadtvierteln findet man Holzeinfamilienhäuser mit Garten. Diese Siedlungsform ist sehr flächenintensiv, weshalb US-amerik. Städte sehr stark ins Umland ausufern (Weitz 1994: 15). Man spricht in diesem Zusammenhang von „Stadtlandschaften“ oder auch vom „Stadtland“ (Heineberg 2000: 248).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Bsp. für den Schachbrettgrundriss, New York, Stadtteil Manhattan. Quelle: Diercke Weltatlas 1996, S. 196

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenAbbildung 2: Abb. 2: Bsp. für Diagonalstraßenverbindungen: Washington D.C. Quelle: www.welt-atlas.de/datenbank/karte.php?kartenid=7-610 (02.01.07

3 Klassische Modelle und Theorien der Stadtentwicklung

In den folgenden 3 Unterkapiteln werden die 3 klassischen Stadtmodelle der Chicagoer Schule vorgestellt, um dann kritisch auf ihre Anwendbarkeit geprüft zu werden.

3.1 Zonenmodell/Ringmodell nach E.W. Burgess (1925/1929)

Burgess entwickelte das Modell der konzentrischen Zonen, Abb. 3+4, (Concentric Zone Theory) (Hofmeister 1999: 148), am Beispiel Chicago, da seit 1890 die Stadt aufgrund von Einwanderungswellen stark wuchs. Das Wachstum vollzieht sich zentral-peripher, wobei der Sozialstatus der Bewohner nach außen hin zunimmt (Heineberg 2003: 336). Die Einwanderer siedelten sich um das Stadtzentrum (Loop), welches den wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Mittelpunkt der Stadt bildet, an. In dieser sog. Zone in Transition kam es zur Wohnsegregation und Ghettobildung. Leichtindustrie und Geschäfte folgten, sodass man diese Zone als Wohn-, Gewerbegebiet charakterisieren kann. Daran anschließend folgt die „Arbeiterzone (Zone of Workingmen’s Home), dann eine „Residential Zone“ als Mittelschicht-Wohngebiet und daran anschließend die sog. Pendlerzone (Commuters Zone) mit Vororten (Suburbs) und Satellitenstädten“ (Heineberg 2003: 336). Die Zonen verschieben sich wegen der Expansion des tertiären Sektors im CBD hin zur Peripherie, weshalb man von einem Prozessmodel und nicht von einem statisch-strukturellen Modell spricht. Burgess ging davon aus, dass sich die Stadt in alle Richtungen gleichförmig ausdehnt (Heineberg 2003: 336).

Als Kritik an diesem Modell möchte ich äußern, dass sich eine Stadt niemals ringzonal um ein Zentrum anordnet. Es werden keine Ausfallstraßen berücksichtigt, die maßgebliche Auswirkungen auf die Stadtstruktur haben. Auch Subzentren, die wiederum in Wechselwirkung mit dem eigentlichen Zentrum treten würden, werden nicht berücksichtigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Abb. 3: Zonenmodell/Ringmodell nach BURGESS Quelle: HEINEBERG, H. 2003: S. 336

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Zonenmodell/Ringmodell nach BURGESS Quelle: RENWICK/RUBENSTEIN 1995: S. 538

3.2 Sektorenmodell nach H. Hoyt (1939)

Hoyt geht wie Burgess von einer zentralen City aus, um die sich keilförmige Sektoren (Sector Theory, Abb. 6) unterschiedlicher Nutzung- und Sozialstruktur anordnen (Hofmeister 1999: 149). Hoyt konzentriert sich auf die sektorale Verteilung der Wohngebiete der Ober- sowie der oberen Mittelschicht, wobei die Grundlage seiner Untersuchung die räumliche Mietspreisstruktur innerhalb einer Stadt ist (Abb. 5). Er stellte fest, „dass die Entwicklung von Wohngebieten unterschiedlicher Miethöhe einem sektoralen Muster von der Stadtmitte zur Peripherie folgt“ (Heineberg 2003: 337). Die Stadt lässt sich in homogene Sektoren gliedern, wobei sich Industriegebiete vor allem um Hauptverkehrsachsen gruppieren. Die statusniedere Bevölkerung siedelt sich in einem Sektor nahe dem Industriegebiet an. Die wohlhabenden Schichten findet man im Sektor zwischen den beiden genannten, jedoch eher hin zur Peripherie (Heineberg 2003: 337). Die Stadtentwicklung basiert auf der Wohnortverlagerung der statushohen Bevölkerung. Verlassen statushohe Bevölkerungsgruppen ihre Wohnungen, ziehen die nächst statusniederen nach, wodurch es zu einem Filtereffekt („Filtering“) kommt. Daher ist auch dieses Modell ein Prozessmodell, an dem man die Stadtentwicklung betrachten kann. Jedoch wird wie beim Modell von Burgess der Einfluss weiterer Zentren nicht betrachtet (Heineberg 2003: 338).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Veränderungen in den Standorten statushoher Wohngebiete nach H. HOYT Quelle: HEINEBERG 2003: S. 337

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenAbbildung 6: Sektorenmodell nach HOYT Quelle: HEINEBERG 1989: S. 14

3.3 Mehrkernemodell nach C.D. Harris und E.L. Ullman (1945)

Das Mehrkernmodell (Multiple Nuclei Theory, Abb. 7+8) geht von mehreren Siedlungskernen aus (Hofmeister 1999: 150). Je größer die Stadt ist, umso größer ist auch die Zahl und Spezialisierung ihrer Kerne. Kerne sind z.B. die Stadtmitte, peripher gelegene Geschäftszentren, Parks, Regierungsbezirk, kleinere Industriezentren. In diesem Modell geht es also nicht darum zu zeigen, in welchem Teil der Stadt bestimmte soziale Schichten leben, sondern um die räumliche Verteilung und Differenzierung des Arbeitssektors. Ein Problem dieses Modells ist, dass der Begriff „Kern“ nicht eindeutig definiert ist und dass nicht auf einzelne „Kerne“ eingegangen wird, sondern auf die unterschiedliche Nutzung bestimmter Stadtgebiete. Zudem stellt dieses Modell nicht die Stadtentwicklung, sondern die Stadtstruktur dar, weshalb es nicht zu den Stadtentwicklungsmodellen gezählt werden dürfte. Allerdings ist es besser geeignet die real vorkommenden „mehrkernigen“ Stadtstrukturen zu beschreiben, als dies die beiden Modelle von Burgess und Hoyt vermögen (Heineberg 2003: 338). Tabelle 1 fasst die Grundaussagen der drei beschriebenen Modelle nochmals zusammen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Merkernmodell nach HARRIS und ULLMAN Quelle: MAINZER SKRIPTEN ZUM GEOGRAPHIESTUDIUM: Einführung in die Humangeographie 1: S. 51

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Das Idealschema der US-amerikanischen Stadt
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Geographisches Institut)
Veranstaltung
Einführung in die Humangeographie 1: Siedlungsgeographie
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
24
Katalognummer
V75673
ISBN (eBook)
9783638812955
Dateigröße
3344 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit beschreibt zunächst die physiognomischen Merkmale der US-amerikanischen Stadt. Anschließend werden die 3 Stadtmodelle der Chicagoer Schule erläutert und in einer abschließenden Darstellung nochmals verglichen. Zudem werden die aktuellen Modelle von Holzner und Hahn beschrieben. Dann wird der Strukturwandel in US-amerikanischen Städten erläutert und damit verbundene typische Phänomene wie z.B. die Edge City oder auch die Commercial Strips beschrieben. Die Arbeit endet mit einem kurzen Fazit. Der Arbeit ist ein 2-seitiges Handout sowie 2 Overheadfolien für ein Referat angehängt.
Schlagworte
Idealschema, US-amerikanischen, Stadt, Einführung, Humangeographie, Siedlungsgeographie
Arbeit zitieren
Pascal Kremer (Autor), 2006, Das Idealschema der US-amerikanischen Stadt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75673

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