Bis heute wurden kaum Untersuchungen angestrengt, die einen Zusammenhang zwischen den Lebensbedingungen der Menschen und einer möglichen erhöhten Infektionsgefahr durch die Pest wissenschaftlich zu analysieren versuchten. Diese Forschungslücke soll mit Hilfe der vorliegenden Arbeit insbesondere am Beispiel der Großen Pest von London im Jahre 1665 geschlossen werden. Der mögliche Zusammenhang zwischen den Wohnverhältnissen der Londoner Bevölkerung im 17. Jahrhundert und der Pestmortalität während der Großen Pest soll nicht nur mit Hilfe umfangreicher quantitativer Analysen hergestellt werden, sondern vor allem auch durch Hinzunahme detaillierter qualitativer Fallstudien einzelner Beispielgemeinden. Dabei soll besonders auf die unterschiedlichen Lebensbedingungen in Abhängigkeit vom Wohlstandsniveau der Menschen eingegangen und die Frage beantwortet werden, ob der sozial-ökonomische Status einer Gemeinde und ihrer Bewohner Einfluss auf die Peststerblichkeit der in diesem Viertel lebenden Menschen hatte und ob dies in deren unterschiedlichen Wohnverhältnissen begründet lag.
Until now hardly any scientific analysis has been carried out to investigate the possible relationship between people's living conditions and the increased danger of infection by the plague. In order to close this research gap, the author of this thesis is going to specifically focus on 17th century London and pest mortality during the Great Plague of 1665. In this context, the not only extensive quantative analysis, but also a number of detailed qualitative case studies on various London parishes will be carried out. Thereby, the author is going to focus particularly on the living conditions in relation to affluency levels in the parishes and investigates their possible influence on pest mortality.
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
TEIL I: Das Wachstum Londons im 16. und 17. Jahrhundert
1. Das Wachstum Londons im 16./17. Jahrhundert
1.1. Die Einwohnerzahlen gesamt Londons
1.2. Die Einwohnerzahlen der einzelnen Stadtgebiete Londons
1.3. Das topografische Wachstum Londons
1.4. Die Besiedlungsgeschichte Londons im 16./17. Jahrhundert
1.5. Immigration
2. Die soziale Topografie Londons im 16./17. Jahrhundert
2.1. Die soziale Heterogenität Londons
2.2. Ursachen
2.3. Soziale Unterschiede innerhalb der Gemeinden
3. Probleme der wachsenden Metropole
3.1. Wilder Hausbau
3.2. Überbevölkerung
3.3. Armut
3.4. Mangelhafte hygienische Verhältnisse
3.5. Schlechte medizinische Versorgung
3.6. Zustand in den Vororten
4. Die Häuser Londons im 16./17. Jahrhundert
4.1. Größe und Aufbau der Häuser
4.2. Verwendete Materialien und Bauweise der Häuser
5. Zusammenfassung
TEIL II: Die Große Pest von London im Jahr 1665
1. Die Pest im Allgemeinen
1.1. Das Krankheitsbild der Pest
1.2. Übertragungswege der Pest
1.3. Die Ratte als Überträger der Pest
2. Die Große Pest von London 1665
2.1. Große Pest?
2.2. Der chronologische Verlauf der Großen Pest
2.3. Der topografische Verlauf der Großen Pest
2.4. Die Bills of Mortality und die Zahl der Todesopfer
2.4.1. Probleme bei der Datensammlung mit Hilfe der Bills of Mortality
2.4.2. Die Zahl der Todesopfer im Vergleich
2.5. Vermutete Ursachen der Großen Pest
2.5.1. Gottes Strafe, astrologische Erscheinungen und das Wetter
2.5.2. "The Poore's Plague"
TEIL III: Der Zusammenhang zwischen Wohnverhältnissen und der Peststerblichkeit während der Großen Pest in London 1665
1. Quantitative Analyse
1.1. Vorüberlegungen
1.2. Vorgehensweise
1.2.1. Analyseverfahren
1.2.2. Variablenbildung
1.3. Quellen
1.4. Analyse und Interpretation
1.5. Quantitative vs. qualitative Verfahren
2. Qualitative Analyse: Einzelfallstudien
2.1. Die Stichprobenziehung
2.2. Quellen
2.3. Analyse und Interpretation
2.3.1. City-Gemeinden (Innenstadtkern)
2.3.2. City-Gemeinden (Stadtmauer/Themse-Ufer)
2.3.3. Liberties
2.3.4. Vororte in Middlesex
2.3.5. Westminster
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den potenziellen Zusammenhang zwischen den unterschiedlichen Wohnverhältnissen der Londoner Bevölkerung im 17. Jahrhundert und der Peststerblichkeit während der Großen Pest 1665. Ziel ist es, die Forschungsfrage zu klären, ob ein höheres Wohlstandsniveau innerhalb einer Gemeinde mit einer geringeren Mortalitätsrate einherging und ob diese Unterschiede auf die jeweiligen Wohnbedingungen der Bevölkerung zurückzuführen sind.
- Analyse des demografischen und topografischen Wachstums Londons im 16. und 17. Jahrhundert.
- Untersuchung der sozialen Topografie und der damit verbundenen Wohnbedingungen (z.B. Bevölkerungsdichte, Hausbau, Hygiene).
- Quantitative Untersuchung der Peststerblichkeit in Abhängigkeit vom Wohlstandsniveau der Gemeinden.
- Qualitative Fallstudien ausgewählter Gemeinden zur Differenzierung der Einflussfaktoren.
- Kritische Reflexion der Datenlage, insbesondere hinsichtlich der Sterberegister und der Bedeutung von Fluchtbewegungen während der Epidemie.
Auszug aus dem Buch
1.2. Die Einwohnerzahlen der einzelnen Stadtgebiete Londons
Bereits in der Literatur finden sich Hinweise darauf, dass die Besiedlung Londons im 16./17. Jahrhundert nicht gleichmäßig vonstatten ging, sondern dass vor allem die Gebiete außerhalb der Stadtmauern hohe Bevölkerungszuwächse zu verzeichnen hatten. Finlay und Shearer (1986: 45) zufolge, hatte die Einwohnerzahl der Randgebiete die der Gemeinden innerhalb und unmittelbar hinter der Stadtmauer innerhalb von 120 Jahren um ein Vielfaches überstiegen: Während in den Gemeinden in und um die Stadtmauer im Jahre 1560 noch drei Viertel der Gesamtbevölkerung Londons lebten und nur ein Viertel in den Vororten, zeigte sich die Situation um 1680 gegensätzlich: ein Viertel der Einwohner lebte nun in den Gemeinden in und nahe der Stadtmauer und drei Viertel in den Vororten (Finlay/Shearer 1986: 45). Diese Entwicklungen sind auch detailliert in Tabelle 2 und in Bild 1 erkennbar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das Wachstum Londons im 16./17. Jahrhundert: Dieses Kapitel erläutert das rapide Bevölkerungswachstum Englands Hauptstadt und die damit einhergehende geografische Expansion in die Randgebiete.
2. Die soziale Topografie Londons im 16./17. Jahrhundert: Hier wird die Entwicklung hin zu einer sozialen Schichtung nach Einkommen und Wohlstand anstelle der traditionellen Zonierung nach Berufsgruppen untersucht.
3. Probleme der wachsenden Metropole: Die Expansion brachte schwerwiegende Probleme wie Überbevölkerung, mangelhafte Hygiene, Armut und eine unzureichende medizinische Versorgung mit sich.
4. Die Häuser Londons im 16./17. Jahrhundert: Dieses Kapitel beleuchtet, wie sich der soziale Status in der Beschaffenheit, Größe und Bauweise der Häuser, insbesondere zwischen Innenstadt und Vororten, widerspiegelte.
5. Zusammenfassung: Ein kurzer Überblick über die sozio-ökonomische Heterogenität und deren Auswirkungen auf die Lebensbedingungen in den verschiedenen Stadtteilen.
TEIL II: Die Große Pest von London im Jahr 1665: Dieser Teil bietet einen Überblick über das Krankheitsbild, die Übertragungswege und den chronologischen sowie topografischen Verlauf der Pestepidemie.
TEIL III: Der Zusammenhang zwischen Wohnverhältnissen und der Peststerblichkeit während der Großen Pest in London 1665: Der Hauptteil der Arbeit verbindet statistische Analysen und Fallstudien, um den Einfluss von Wohlstand und Wohnverhältnissen auf die Sterblichkeit zu prüfen.
Schlüsselwörter
Große Pest 1665, London, soziale Topografie, Wohnverhältnisse, Peststerblichkeit, Demografie, Bevölkerungswachstum, Bills of Mortality, Crisis Mortality Ratios, Hygiene, Überbevölkerung, Vororte, Armut, soziale Heterogenität, Stadtgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Zusammenhang zwischen den Lebens- und Wohnverhältnissen der Londoner Bevölkerung und der Sterblichkeit während der Großen Pest des Jahres 1665.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Untersuchung umfasst die demografische Entwicklung Londons, die soziale Schichtung, die baulichen und hygienischen Zustände der verschiedenen Stadtgebiete sowie die quantitative und qualitative Auswertung der Sterblichkeitsraten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, ob das Wohlstandsniveau einer Gemeinde direkten Einfluss auf die Peststerblichkeit hatte und ob sich dies durch die jeweiligen Wohnbedingungen begründen lässt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert quantitative statistische Analysen (Regressions- und Korrelationsanalyse) mit qualitativen Einzelfallstudien ausgewählter Beispielgemeinden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei Teile: die Analyse des Wachstums und der sozialen Struktur Londons, die Untersuchung der Epidemie selbst sowie die empirische Überprüfung der Korrelation zwischen Wohnstatus und Sterberisiko.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Große Pest 1665, soziale Topografie, Wohnverhältnisse, Peststerblichkeit, Demografie und Stadtgeschichte.
Warum wird zwischen dem City-Kern und den Vororten unterschieden?
Die Unterscheidung ist entscheidend, da sich die soziale Zusammensetzung, der Wohlstand und die Qualität der Bausubstanz zwischen dem dicht bebauten Innenstadtkern und den schnell wachsenden, häufig ärmeren Randgebieten stark voneinander unterschieden.
Welchen Einfluss hatte die Flucht der Bevölkerung?
Die Arbeit stellt fest, dass die Flucht wohlhabenderer Bewohner aus der Stadt ein wesentlicher Faktor war, der die Sterblichkeitsraten in bestimmten, eher wohlhabenden Gebieten wie der City verringerte, im Gegensatz zu ärmeren Gebieten, in denen die Bewohner weniger Möglichkeiten zur Flucht hatten.
Was besagt die "Crisis Mortality Ratio"?
Diese Kennzahl setzt die Sterblichkeit in pestfreien Zeiten in Bezug zur Sterblichkeit während einer Epidemie, um das Ausmaß der jeweiligen Seuchenwelle vergleichbar zu machen.
- Quote paper
- Alena Friedrich (Author), 2003, Die Große Pest von London im Jahre 1665, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75710