Frauen im Kult: Die vestalischen Jungfrauen


Hausarbeit, 2005

22 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 . Einleitung

2. Quellen und Literatur zu den vestalischen Jungfrauen
2. 1. Die Quellenlage
2. 2. Die Literaturlage

3. Der Vestakult
3. 1. Der Vestakult. Entstehung und Bedeutung
3. 2. Die Aufgaben der Vestalinnen

4. Die soziale Stellung der Vestalinnen
4. 1. Die Stellung der Vestalinnen im römischen Recht
4. 2. Körperstrafen bei den Vestalinnen
4. 3. Die Anwendung der Todesstrafe bei den Vestalinnen

5. Politik mit den vestalischen Jungfrauen
5. 1. Die Interessen der Familien
5. 2. Ciceros Rede für Fonteius
5. 3. Schwierigkeiten bei der Besetzung von freien Priesterstellen

6. Zusammenfassung und Fazit

Verzeichnis der verwendeten Quellen

Verzeichnis der verwendeten Darstellungen

1 . Einleitung

Das Thema der Arbeit ist der Vestakult und damit verbunden die vestalischen Jungfrauen. Nach der Einleitung beschreibe ich die Quellenlage und gebe einen Überblick über die verwendete Literatur. Danach folgt ein Abschnitt über die Entstehung und Bedeutung des Vestakultes. Das ist notwendig, um die Rolle der vestalischen Jungfrauen im römischen Kult und in der Gesellschaft zu erarbeiten. Nach diesem Abschnitt werden in der Arbeit die Aufgaben der vestalischen Jungfrauen erarbeitet. Danach folgt der vierte größere Teil der Arbeit, in dem die soziale Stellung der Vestalinnen thematisiert wird. Dabei bilden die Stellung der Vestalinnen im römischen Recht, die Privilegien der Vestalinnen und die Besonderheit der Strafen für Vestalinnen Schwerpunkte. In diesem Punkt werden Besonderheiten deutlich, welche die Vestalinnen von anderen römischen Frauen absondern. Der fünfte Teil der Arbeit behandelt die Politik mit Vestalinnen. Der erste Abschnitt dieses Teils gibt einen Einblick, wie Familien der hohen Gesellschaftsschichten, ihre Töchter einsetzten, um mittels des Vestalinnenamtes ihre Interessen durchzusetzen. Den Gegenstand des zweiten Abschnitts bildet die Rede des Cicero für Fonteius. In dieser Rede verwendet Cicero das Vestalinnenamt, der Schwester des Fonteius, um ihn in einem Strafprozess zu verteidigen. Diese Rede gibt einen sehr guten Einblick in die Bedeutung des Vestakultes für das römische Gemeinwesen. Außerdem werden in der Rede auch Argumente verwendet, die die rechtliche Stellung der Vestalinnen verdeutlichen. An dieser Stelle war es notwendig die Quelle sehr genau zu betrachten, da nur sehr wenig Sekundärliteratur vorhanden war. Einige kurze Ausführungen finden sich in Hildegard Cancik-Lindemaiers Aufsatz „Kultische Privilegierung und gesellschaftliche Realität, ein Beitrag zur Sozialgeschichte der virgines Vestae“. Im dritten Abschnitt dieses Teils verfolge ich die Frage, warum in den Quellen zu verzeichnen ist, dass es nach der Errichtung des Prinzipats Schwierigkeiten gab offene Stellen im Kollegium der Vestalinnen zu besetzen.

2. Quellen und Literatur zu den vestalischen Jungfrauen

2. 1. Die Quellenlage

Quellen zu den Vestalinnen sind reichhaltig vorhanden. Historiographische Quellen zu diesem Thema bilden z. B. das Werk des Livius und das Werk des Plutarch, hier speziell der Bericht über die Stiftung der römischen Priestertümer durch Numa.[1] Allerdings stellen diese Berichte wohl nicht mehr, als eine Inszenierung von bruchstückhafter Überlieferung in fingierter Urgeschichte dar. Weitere Quellen sind Nachrichten, die auf Annalen oder anderen offiziellen Aufzeichnungen beruhen dürften. Hier sind z. B. Berichte über Vestalinnenprozesse zu nennen. Solche finden sich in Livius 2, 42 und in Sueton, Domitian, 8.[2] In den Bereich der historiographischen Quellen, fallen auch Nachrichten außerhalb der schon genannten Komplexe, wie solche aus einer anders orientierten, etwa politischen oder rechtlichen Argumentation, z. B. in Ciceros Reden. Zusätzlich zu diesen Quellen können zum Thema Vestalinnen noch weitere Schriften verwendet werden, z. B. moraltheologische Spekulationen wie Ciceros de legibus, oder naturphilosophische Spekulationen, wie z. B. über die Natur des Feuerkultes und seine tiefere Bedeutung , über Vesta als Erde. Diese Betrachtungen finden sich in Ovids Fasti.[3] Zu diesen Quellen sind noch Rechtstexte überliefert, in denen auch die vestalischen Jungfrauen Erwähnung finden, hier sind zu nennen Gaius Institutionen und Gellius Attiche Nächte, in diesem Werk ist uns das Zwölftafelgesetz überliefert.

Wie es bei dem Thema Frauen in der Antike häufig vorkommt, fehlen Selbstzeugnisse von Vestalinnen, wie Schriften über den Kult und Briefe von Vestalinnen vollkommen. Auch autobiographische Schriften stehen nicht zur Verfügung. Diese Quellenlage wird noch zusätzlich erschwert, da auch keine Biographien über Vestalinnen existieren, oder Augenzeugenberichte von Kultteilnehmern. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sich auffallend wenig Zeugnisse über die konkrete Alltagspraxis der Kultausübung finden. Viel häufiger finden sich in den Quellen Aussagen über die Anklage von Vestalinnen[4] und über die Verwicklung von Vestalinnen in politischen Prozessen.[5]

2. 2. Die Literaturlage

Die Literatur zu den Vestalinnen beschränkt sich fast nur auf Überblicksdarstellungen über die Frauen im alten Rom oder der Antike. In diesen Werken ist den vestalischen Jungfrauen, jeweils ein Kapitel oder in Sammelbänden ein Aufsatz gewidmet. Einen spezielleren Forschungsansatz legte Franz Münzer im Jahr 1937 dar. Er untersucht in seinem Aufsatz die soziale Herkunft der Vestalinnen bis zur Kaiserzeit. Durch die uns in den Quellen überlieferten Namen von vestalischen Jungfrauen kommt er zu der These, „dass von den Tagen des jüngeren Africanus, die heiligen Jungfrauen der Vesta im allgemeinen aus den vornehmsten Kreisen, aus den obersten Schichten der Gesellschaft, aus dem ersten Stande, dem senatorischen, genommen wurden.“[6] Münzer stellt auch dar, dass die Geschlechter aus denen die vestalischen Jungfrauen stammten, dieses Amt häufig für politische Zwecke verwendet haben. Kurt Latte wählt in seinem Werk „Römische Religionsgeschichte“ einen anderen Zugriff. Er stellt die Entwicklung eines Hauskultes zu einem Staatskult an hand des römischen Vestakultes dar.[7] Danach gibt er einen Überblick über die Aufgaben der Vestalinnen. Sarah Pomeroys Buch „Frauenleben im klassischen Altertum“ erschien im Jahr 1985. Im Abschnitt über die Rolle der Frau in der römischen Religion setzt sie sich auch mit den Vestalinnen auseinander. Sie beschreibt den Kult, dessen Entstehung und Bedeutung, und geht auf die besondere Rolle der vestalischen Jungfrauen in der Gesellschaft ein. Sie nennt die Vestalinnen: „ [...] die emanzipiertesten Frauen Roms.“[8] Diese These begründet sie mit den Privilegien, die die Priesterinnen der Vesta besaßen. Im Jahr 1990 erschien in der Zeitschrift Saeculum der Aufsatz von Hildegard Cancik-Lindemaier „Kultische Privilegierung und gesellschaftliche Realität, ein Beitrag zur Sozialgeschichte der virgines Vestae“. In diesem Aufsatz beschäftigt sich die Autorin mit der Diskrepanz zwischen der kultischen Bedeutung der Vestalinnen und der sozialen Realität. Die Verfasserin bezeichnet sie nicht als die emanzipiertesten Frauen Roms, sondern stellt fest, dass die vestalischen Jungfrauen oft in politischen Prozessen missbraucht wurden. 1993 erschien der erste Band der Reihe „Geschichte der Frauen“, in diesem Werk schieb John Scheid das Kapitel über „die Rolle der Frau in der römischen Religion“. Darin beschäftigt er sich auch mit den vestalischen Jungfrauen. Sein Ansatz ist im Gegenteil zu dem sozialgeschichtlichen Ansatz von Hildegard Cancik-Lindemaier rein religionsgeschichtlich. John scheid arbeitet in seiner Darstellung die besondere Rolle und die wichtigen Aufgaben der vestalischen Jungfrauen heraus. Als eine der wichtigsten Aufgaben der Vestalinnen nennt der Autor die Herstellung des Opfermehles (mola salsa), ohne dem kein öffentliches Opfer authentisch gewesen wäre.[9] Im Jahr 2000 erschien das Buch „Frauenwelten in der Antike, Geschlechterordnung und weibliche Lebenspraxis“. Darin verfasste Hildegard Cancik-Lindemaier den Abschnitt über die vestalischen Jungfrauen. Die Verfasserin stellt die Frage nach der Einzigartigkeit der römischen Vesta-Priesterinnen und nach ihrer Bedeutung für den Staatskult.[10]

3. Der Vestakult

3. 1. Der Vestakult. Entstehung und Bedeutung

Plutarch berichtet in der Parallelbiographie des Lykurgos und des Numa über die Entstehung des Vestakultes, seine Ausführungen über den Vestakult und über die Vestalinnen, setzen bei der Beschreibung, der Aufgaben des pontifex maximus ein. Dieser führte die Oberaufsicht über die Vestalinnen durch: „Auch die Aufsicht der geweihten Jungfrauen, die sie Vestalinnen nennen, führt der Pontifex maximus. Auch die Weihung dieser Jungfrauen und überhaupt die Pflege und die Verehrung des ewigen Feuers, das die Jungfrauen zu hüten haben, schreibt man dem Numa zu [...].“[11] Plutarch nennt als Stifter des Vestakultes den König Numa. Ebenfalls erwähnt Plutarch die Hauptaufgabe der Vestalinnen. Die Pflege und die Verehrung des ewigen Feuers. Bei Livius finden sich weitere Hinweise auf die Entstehung des Vestakultes: „[...] und für Vesta erwählte er Jungfrauen zum Dienst – ein Amt, das aus dem latinischen Alba stammte, also dem Volkstum des Stadtgründers durchaus nicht fremd war.[12] Diese Beschreibung bei Livius bezieht sich auch wieder auf Numa, aber in diesem Abschnitt finden sich weitere Hinweise auf die Entstehung des Vestakultes. Die Ausführungen zeigen, dass der Vestakult latinischen Ursprungs war, und ein hohes Alter aufwies. Darauf deutete auch der archaische Rundtempel hin, der sich am Rand des Forum Romanum befand.[13] Der Bau des Rundtempels, wie auch die Stiftung des Vestakultes, wird Numa zugeschrieben.[14] In der modernen Forschung wird die Entstehung des Vestakultes, als eine Entwicklung angesehen, die von der Beschützerin des Herdfeuers im Hauskult hin zur Beschützerin des öffentlichen Feuers und Garantin des Bestandes Roms führte.[15] Der Herd und seine Flamme waren das Symbol für den Zusammenhalt der Familie im Kleinen und des Gemeinwesens im Großen. Die Aufgabe, der Bewachung des Herdes, fiel in der Familie der Tochter des Hauses zu. Sarah Pomeroy sieht darin den Ausgangspunkt für die Entstehung des Vestakultes. Sie verfolgt die These, dass im frühen Rom die jungen Königstöchter den Herd des Monarchen hüteten und sich daraus der Staatskult der Vesta entwickelt habe.[16] In geschichtlicher Zeit war ein Kollegium von sechs Vestalinnen für die Kultausübung verantwortlich. Die Anzahl von sechs Vestalinnen tritt zu erst bei Plutarch auf: „Zuerst, sagt man, sind von Numa die Gegania und Verenia geweiht worden, danach Canuleia und Tarpeja; später fügte Servius noch zwei hinzu, und bei dieser Zahl ist es bis zur Gegenwart geblieben.[17] Hier bezieht Plutarch wahrscheinlich sein Wissen aus der Gegenwart in sein Werk hinein. Die Namen dieser ersten Vestalinnen sind ungeschichtlich, zumindest die ältesten.[18] Bei Livius wird keine Zahl der Vestalinnen genannt, hier heißt es nur: „ [...] und für Vesta erwählte er Jungfrauen zum Dienst [...]“[19]. Diese Vestalinnen traten ihren Dienst zwischen dem sechsten und zehnten Lebensjahr an. Während dieser dreißig Jahre dauernden Dienstzeit, waren sie verpflichtet ihre Jungfräulichkeit zu bewahren. Die Dienstzeit der Vestalinnen war in drei Abschnitte gegliedert, die ersten zehn Jahre dienten der Ausbildung, die zweiten zehn Jahre dienten der Ausführung des Kultes und die dritten zehn Jahre wurden für die Ausbildung neuer Vestalinnen verwendet.

[...]


[1] Vgl. Cancik-Lindemaier, Hildegard: Kultische Privilegierung und gesellschaftliche Realität, ein Beitrag zur Sozialgeschichte der virgines Vestae, in: Saeculum (1990), Bd. 41, Nr. 1, S. 5.

[2] Vgl. Cancik-Lindemaier, Hildegard: Kultische Privilegierung. a. a. O. S. 6.

[3] Vgl. Ebd. S. 6.

[4] Vgl. Sueton, Domitian, 8.

[5] Vgl. Cicero, pro Murena, 73.

[6] Münzer, Friedrich: Die römischen Vestalinnen bis zur Kaiserzeit, in: Philologus (1937), Bd. 92, S. 51.

[7] Vgl. Latte, Kurt: Römische Religionsgeschichte, (= HdAW, 5. Abteilung, Bd. 4), München 21992, S. 108.

[8] Pomeroy, Sarah: Frauenleben im klassischen Altertum, Stuttgart 1985, S.332.

[9] Vgl. Scheid, John: Die Rolle der Frauen in der römischen Religion, in: Schmitt-Pantel, Pauline (Hg.): Geschichte der Frauen, Bd. 1, Antike, Frankfurt am Main 1993, S. 423.

[10] Vgl. . Cancik – Lindemaier, Hildegard: Die vestalischen Jungfrauen, in: Späth, Thomas/ Wagner-Hasel, Beate (Hg.): Frauenwelten in der Antike, Stuttgart 2002, S.114.

[11] Plutarch, Numa, 9.

[12] Livius, 1, 20, 3.

[13] Vgl. Phillip, Robert: s. v. Vesta, DNP, Bd. 12/ 2, Stuttgart 2003, Sp. 130.

[14] Vgl. Livius 1, 20, 3.

[15] Vgl. Phillip, Robert, a. a. O. Sp. 131.

[16] Vgl. Pomeroy, Sarah: Frauenleben im klassischen Altertum, Stuttgart 1985, S.328.

[17] Plutarch, Numa, 10.

[18] Vgl. Münzer, Friedrich, a. a. O. S. 52.

[19] Livius, 1, 20, 3.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Frauen im Kult: Die vestalischen Jungfrauen
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Geschichte)
Veranstaltung
Hauptseminar: Frauen in der Römischen Antike
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
22
Katalognummer
V75711
ISBN (eBook)
9783638803960
Dateigröße
391 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frauen, Kult, Jungfrauen, Hauptseminar, Frauen, Römischen, Antike
Arbeit zitieren
Christian Dahms (Autor), 2005, Frauen im Kult: Die vestalischen Jungfrauen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75711

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