Stadtmarketing, Business Improvement Districts, Geschäftsstraßenmanagement - Neue Wege für öde Straßen?


Hausarbeit, 2005
14 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Warum brauchen wir BID´s
2.1 Was sind BID´s und wie funktionieren sie
2.2 Gründung und Finanzierung

3 Bid’s in den USA

4 Ausgangslage in Deutschland

5 BID’s in Deutschland/Hessen
5.1 MarBID
5.2 GiBID

6 Fazit

7 Literatur

1 Einleitung

Business Inprovement District – Hilfe für Bedrohte Handelslagen? Durch veränderte Rahmenbedingungen wurden in Nordamerika zum ersten Mal die BID’s eingeführt. Sie wurden Anfang der 70er Jahre in Kanada erfunden. Seine Hauptsächliche Anwendung findet es im Einzelhandel, hat aber trotzdem auch die Möglichkeiten und das Potential die allgemeine Stadtentwicklungen zu verbessern und zu unterstützen. Die besondere Bedeutung im Einzelhandel entsteht durch die Schaffung vieler großer Center, die einen Kundenrückgang und damit auch einen Umsatzrückgang hervorrufen oder auch z.B. durch hohe Kriminalität.

Da diese Entwicklung weltweit vorzufinden ist, wird die Idee der Bid´s mittler Weile in vielen Ländern der Welt angewendet oder eine Umsetzung mit den dortigen Rahmenbedingungen angestrebt (Australien, Südafrika, Neuseeland, Brasilien, Jamaika und Europa (Mensing 2003 www.Cimadirekt.de)

2 Warum brauchen wir BID´s

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nach Dallgahs (2004:3) wurde ein neues Konzept des Einzelhandels notwendig, um gegen die Entwicklung des Strukturwandels im Einzelhandel der letzten Jahre entgegenzuwirken. Dieser Strukturwandel im Einzelhandel wird durch das so genannte downgrading ausgelöst. Ein Externer Effekt (Kriminalität, Wegfallen von Geldern, politische Wechsel…) verursacht eine Verringerung des Konsums im Entsprechenden Bereich. Dadurch sinkt im entsprechenden Gebiet auch der Umsatz und einige Unternehmen verlassen den Bereich. Dadurch erhält die Gemeinde wieder weniger Steuereinnahmen und dadurch wiederum sinkt die Neuinvestition der Öffentlichen Hand in die Unternehmen. Eventuell werden auch die Steuern erhöht, was den Gewinn der Unternehmen weiter schmälert. Dadurch verlassen noch mehr Unternehmen das Gebiet und die Schraube (Downgrading) geht immer weiter (Abb. 1).

Die Center haben ihre entscheidenden Vorteile gegenüber den innerstädtischen Einzelhandelsgebieten. Die Center bieten im Gegensatz zu den innerstädtischen Einkaufsgebieten gemeinsam genutzte Waren an. Die Wege sind Kurz und für Sauberkeit und Sicherheit ist gesorgt. In Deutschland hat sich die Zahl der Einkaufszentren von 1970 mit 14 Stück, auf 338 Stück im Jahr 2003 ca. um das 25fache erhöht (Handelskammer Hamburg 2004:10). Die BID´s werden daher als Möglichkeit gesehen diese innerstädtischen Gebiete wieder attraktiv und damit konkurrenzfähig zu machen. Die Zentren der Städte die hiervon meist betroffen sind haben auch wichtige Gesellschaftliche Aufgaben, wie die Identifikation mit der Stadt und deren Geschichte. Die Zentren sind oft auch Mittelpunkt des Gesellschaftlichen Lebens durch Verwaltung und Kirche sowie auch Kultur und Freizeitgesellschaft (Handelskammer Hamburg 2004:7). (event. Abb )

2.1 Was sind BID´s und wie funktionieren sie

Die Handelskammer Hamburg (2004:15) definiert ein BID als ,,ein räumlich klar abgegrenzter (innerstädtischer) Bereich, innerhalb dessen die Grundeigentümer und Gewerbetreibenden zum eigenen Vorteil versuchen, die Standortqualität durch die Bereitstellung partieller öffentlicher Leistungen, die aus dem Aufkommen einer selbst auferlegten und zeitlich befristeten erhobenen Abgabe finanziert werden, zu verbessern.

Was heißt das im Einzelnen? BID´s entstehen nur durch private Initiative der Grundstücksbesitzer und Ladenbesitzer. Wenn mehr als 50% der Besitzer ein BID aufbauen wollen geschieht dass. Die anderen müssen diesen Schritt mit tragen. Durch gesetzliche Rahmenbedingungen sind die Geschäfte zu einer bestimmt Abgabe verpflichtet, die sich in der Regel an die m2 Zahl des Geschäftes richtet. Für das BID wird dann ein Businessplan erstellt. In diesem Plan werden Verbesserungen in Sauberkeit und Sicherheit sowie Service oder Möblierung erreicht, auch die Ausrichtung von Event oder einfach nur die Werbung für das BID sind Aufgaben die jetzt Zentral gelöst werden. Dadurch soll der Standort attraktiver werden, so dass sich zum einen neue Betrieb und Geschäfte ansiedeln und zum anderen auch mehr Kunden zum einkaufen bewegen. Der Business Plan läuft auf 5 Jahre und wird automatisch nach dieser Zeit beendet (sunset clause) wenn die beteiligten Geschäfte nichts Gegenteiliges beschließen. (Mensing 2003:10, Bloem 2003:5)

2.2 Gründung und Finanzierung

Die Gründung geht von der lokalen Wirtschaft aus, die dazu ein Komitee bildet das sich mit der Problematik auseinander setzt. In den ersten Sitzungen werden Grenzen und Ziele des zukünftigen BID´s abgesteckt und die Betroffenen Ladenbesitzer werden motiviert sich an Projekt zu beteiligen. Wenn dann ein Antrag an die Stadt gestellt wird, muss sichergestellt sein das 50% der Anlieger und 50% der Ladenfläche mit der Gründung des BID´s einverstanden sind. Erst wenn das erfüllt ist, kann der Gründung zu gestimmt werden.

Bei der Finanzierung kommt das Besondere der BID´s zum Vorschein. Sobald das BID von mehr als 50% beschlossen wurde, müssen sich alle daran halten. Es gibt keine ,,Trittbrettfahrer“. Der entsprechende Beitrag wird einfach an die örtliche Steuerbehörde abgeführt und diese führt es dann wieder an die entsprechende Institution ab, die sich um das Management des BID kümmert. Über die Höhe des zu entrichtenden Betrages gibt es verschiedene Vorstellungen. In den kanadischen BID’s wird die vorher vereinbarte Summe mit dem Grundstückswert multipliziert und die durch das gesamt Vermögen aller Grundstücke geteilt. Daraus ergibt sich der Betrag den Jeder Grundstückseigentümer zu bezahlen hat. Die Geschäftleute die nur Mieter sind beteiligen sich auch aber geringer als die Eigentümer. Wohnungsbesitzer und Mieter beteiligen sich nicht da sie keinen wirtschaftlichen Vorteil von der Aufwertung des Standortes haben. Das nötige Budget wird jedes Jahr neu festgelegt und wird im ersten Jahr von der Stadt vorgestreckt. Die Aufgaben der Stadt sind außerdem vorher vertraglich festgelegt, so dass die Stadt nicht ihre Aufgaben vernachlässigt, was dann dem BID schaden könnte. Auch größere Bauprojekte werden selten mit BID-Geldern realisiert, es ist in einigen Bundesstaaten sogar gesetzlich verboten (Kiru 2003:11).

3 Bid’s in den USA

Als Beispiel für ein funktionierendes BID soll hier das Lincoln Square BID in New York City (LSBID) vorgestellt werden.

Der LSBID erstreckt sich von der 58. bis zur 70. Street und von der 8. bis zur 10. Avenue. Er wurde 1997 gegründet und verwaltet 2004 ein Budget von 1,2 Mio. US$. Mitte der 80er Jahre wurde in New York das erste BID gegründet, das Grand Central BID. Mittlerweile existieren in New York 45 BIDs und weitere 20 sind geplant (dies stellt bereits einen Indikator für den Erfolg dieser Bündnisse dar).

In den 80er Jahren bot New York City laut TRIPPEN (2004:7) ein erschreckendes Bild. Steigende Kriminalitätsraten, zunehmende Verwahrlosung öffentlicher Räume, Bettler, Obdachlose, Drogenabhängige, Jugendgangs und Raubüberfälle prägten weite Teile der Stadt.

Die Straßen waren dreckig, hässlich und geprägt von Vandalismus. Der Niedergang ganzer Geschäftsviertel und Einkaufsstraßen war die Folge. Die Stadt verfügte nicht über die finanziellen Mittel diesen Verfall zu stoppen und die Polizei praktizierte die „radical non-intervention“

Methode. So ging die Kontrolle über Straßen, Parks und Geschäftsviertel verloren. Die New Yorker Bevölkerung fühlte sich zunehmend unsicher. Nun mussten die ansässigen Geschäftsleute durch Eigeninitiative die Situation verbessern. Ziel war es in erster Linie die Geschäftsviertel zu revitalisieren, vor allem durch Investitionen in den öffentlichen Raum und in die Sicherheit. Das Motto des LSBID lautet: ‚cleaner, safer and more beautiful’. So hat das LSBID sich beispielsweise um die Pflege und Gestaltung von Straßen und Gehwegen sowie Laternenmasten und Mülleimern gekümmert. Es wurden z.B. Blumenbeete und Grünflächen angelegt, wofür das BID im Rahmen des ‚Broadway Malls Beautification programms’ den ‚New York City Neighborhood Development Award’ bekam. Innerhalb des BID’s wird 13 Stunden am Tag gereinigt. Die regelmäßige Räumung von Straßen und Gehwegen im Winter hat ebenso Priorität. Sicherheitskräfte die durch Funk miteinander verbunden sind patrouillieren durch die Straßen und dienen nicht nur der Abschreckung, sondern auch als Informationsquelle für Besucher. Die Existenz mobiler Informationsstände macht deutlich, dass Service und Information ganz groß geschrieben werden. Um Kunden anzulocken werden in regelmäßigen Abständen „special events“ organisiert. Man unternimmt des Weiteren Versuche Unternehmen anzusiedeln und die Verkehrsinfrastruktur aufzuwerten (Parkleitsysteme, ÖPNV). „Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit sind außerdem Kundenbefragungen und Marktanalysen“ (TRIPPEN 2004:8). Mit Hilfe sozialer Dienste und Kooperationen mit Schulen und Universitäten und Hilfsprogrammen für Obdachlose versucht an die Präsenz gesellschaftlich niedrig gestellter Bevölkerungsgruppen in den Straßen zu minimieren, um das Image des Standortes aufzuwerten. In verschiedensten Befragungen und „Ratings“ bezüglich Kundenzufriedenheit und Einkaufsgefühl schneidet das Gebiet des LSBID seit der Gründung des Bündnisses immer außerordentlich gut ab.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Stadtmarketing, Business Improvement Districts, Geschäftsstraßenmanagement - Neue Wege für öde Straßen?
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Geographie)
Veranstaltung
Hessen-Exkursion
Note
1,7
Autoren
Jahr
2005
Seiten
14
Katalognummer
V75758
ISBN (eBook)
9783638783989
ISBN (Buch)
9783638795524
Dateigröße
2942 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stadtmarketing, Business, Improvement, Districts, Geschäftsstraßenmanagement, Neue, Wege, Straßen, Hessen-Exkursion
Arbeit zitieren
Jens Ender (Autor)Bernhard Wachall (Autor), 2005, Stadtmarketing, Business Improvement Districts, Geschäftsstraßenmanagement - Neue Wege für öde Straßen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75758

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