Aussehen, Kleidung, Körpersprache, Auftreten und Sprachstil sind offensichtliche Kriterien, auf deren Grundlage wir Menschen, die uns entgegentreten, als männlich oder weiblich einstufen. Die Existenz zweier verschiedener Geschlechter ist nicht nur leicht auszumachen, längst hat sich die Gesellschaft ganz selbstverständlich darauf eingestellt, um unterschiedlichen Bedürfnissen von Männern und Frauen zu entsprechen.
Die erste Frage nach der Geburt oder oft auch bereits während der Schwangerschaft ist die nach dem Geschlecht des Neugeborenen. Auch die elterlichen Entscheidungen sind davon abhängig: der Name, die Einrichtung des Kinderzimmers, die Kleidung sowie die Spielsachen. Mädchen werden mit hübschem Aussehen, niedlichen Gesten und freundlichem Gemüt assoziiert, wobei Jungen als frech, übermütig, unordentlich und laut gelten. Diese Aussagen gehen konform mit den Vorstellungen über SchülerInnen an koedukativen Schulen. Die Differenzen von Mädchen und Jungen werden als natürlich und genetisch bestimmt gewertet und durch Haltungen und Handlungen dramatisiert.
Anliegen dieser Arbeit ist es, ,doing gender‘ als eine Dimension sozialer Interaktionen unter Gleichaltrigen in der Grundschule darzustellen. ,Doing gender‘ meint das Herstellen von Geschlecht in Interaktionen. Dieser Konstruktionsprozess soll über ein Verständnis von Sozialisation, Sozialisationstheorien, konstruktivistischen Ansätzen sowie der Betrachtung von Kinderwelten wie Schule und Gleichaltrigengruppe erschlossen werden.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Sozialisation
- Sozialisation und Erziehung
- Mädchen und Jungen im Sozialisationsprozess
- Biologische Erklärungen für Geschlechterunterschiede
- Geschlechtsbezogene Sozialisation
- Geschlechterunterschiede: Sichtweisen verschiedener Disziplinen und Ansätze
- Erklärung der Geschlechterunterschiede aus psychoanalytischer Sicht
- Der kognitionspsychologische Ansatz
- Der lerntheoretische Ansatz von Geschlechterdifferenz
- Der Ansatz des Symbolischen Interaktionismus
- Der ethnomethodologische Ansatz
- Die soziale Konstruktion des Geschlechts
- Doing gender
- Zusammenfassung und Weiterführung der geschlechtsbezogenen Sozialisation
- Geschlechterunterschiede: Sichtweisen verschiedener Disziplinen und Ansätze
- Die Grundschule
- Die strukturfunktionale Sicht von Schule
- Die interaktionistische Analyse von Schule
- Die Gruppe der Gleichaltrigen- Kinder als soziale Akteure
- Grundschulkinder und ihre sozialen Beziehungen
- Die Schulklasse
- Doing gender als Dimension sozialer Interaktion in der Grundschule
- Jungen und Mädchen im Klassenzimmer- Der koedukative Alltag
- Doing gender unter Gleichaltrigen in der Grundschule
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie Geschlecht in der Grundschule konstruiert und gelebt wird. Sie analysiert, inwieweit Geschlechtergrenzen im Schulalltag aufgebaut werden und wie sich dies auf die soziale Interaktion zwischen Jungen und Mädchen auswirkt. Im Fokus stehen die Erfahrungen von Mädchen in einer koedukativen Umgebung, insbesondere im Vergleich zu einem Mädchenschulkontext.
- Die Konstruktion von Geschlecht im Kontext der Grundschule
- Der Einfluss von Geschlechterrollen auf die soziale Interaktion zwischen Jungen und Mädchen
- Die Rolle von Schule und Gleichaltrigen in der Geschlechtersozialisation
- Die Herausforderungen und Chancen koedukativer Bildung
- Die Bedeutung des "Doing gender" im Schulalltag
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel beleuchtet die gesellschaftliche Prägung von Geschlechterrollen und verdeutlicht die Bedeutung des Themas. Das zweite Kapitel führt in das Konzept der Sozialisation ein, wobei insbesondere die Bedeutung der Geschlechtersozialisation betont wird. Im dritten Kapitel werden verschiedene Ansätze zur Erklärung von Geschlechterunterschieden vorgestellt, unter anderem der psychoanalytische, kognitionspsychologische und lerntheoretische Ansatz. Das vierte Kapitel befasst sich mit der Grundschule und analysiert die strukturfunktionale und interaktionistische Sicht auf Schule. Das fünfte Kapitel betrachtet die Rolle von Gleichaltrigen und das "Doing gender" im Schulalltag, insbesondere im Kontext der Grundschule.
Schlüsselwörter
Geschlechtersozialisation, "Doing gender", Koedukation, Grundschule, Gleichaltrigen, Geschlechterrollen, Sozialisation, Interaktion, Schulklasse, Geschlechterunterschiede, Geschlechtsidentität, Geschlechterstereotype.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet der Begriff "Doing Gender"?
"Doing Gender" bezeichnet die soziale Konstruktion von Geschlecht durch alltägliche Interaktionen, Handlungen und Verhaltensweisen.
Wie wird Geschlecht in der Grundschule hergestellt?
Durch die Interaktion zwischen Schülern und Lehrkräften, die Zuweisung von Rollen, Kleidung, Sprachstile und das Verhalten in der Gleichaltrigengruppe (Peer Group).
Welche Rolle spielt die Koedukation in diesem Prozess?
Die Arbeit analysiert den koedukativen Alltag und wie in gemischten Klassen Geschlechtergrenzen oft unbewusst dramatisiert oder verfestigt werden.
Welche theoretischen Ansätze zur Geschlechtersozialisation werden behandelt?
Es werden unter anderem psychoanalytische, kognitionspsychologische, lerntheoretische sowie ethnomethodologische Ansätze und der Symbolische Interaktionismus vorgestellt.
Sind Geschlechterunterschiede laut der Arbeit rein biologisch?
Nein, die Arbeit legt den Fokus auf die soziale Konstruktion und zeigt auf, dass viele Unterschiede das Ergebnis von Sozialisationsprozessen sind.
Wie beeinflusst die Peer Group das Geschlechterverhalten?
Gleichaltrige fungieren als soziale Akteure, die durch Bestätigung oder Ablehnung bestimmter Verhaltensweisen das "Doing Gender" maßgeblich prägen.
- Quote paper
- Christine Stock (Author), 2007, DOING GENDER als Dimension sozialer Interaktion unter Gleichaltrigen in der Grundschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75764