Jean-Jaques Rousseau – französisch-schweizerischer Philosoph, Dichter und Musiker – sagte einmal: „Die Kunst zu fragen ist nicht so leicht als man denkt; es ist weit mehr die Kunst des Meisters als die des Schülers. Man muss viel gelernt haben, um über das, was man nicht weiß, fragen zu können“.
Genau mit diesem Problem, was Rousseau hier thematisiert, sieht sich auch die empi-rische Sozialwissenschaft konfrontiert. Denn zu Anfang einer Erhebung steht meist eine Hypothese, die es zu beweisen oder zu widerlegen gilt. Die größte Schwierigkeit dabei ist es, Fragen so zu stellen, dass verwendbare Ergebnisse am Ende stehen, die allerdings nicht durch andere Faktoren beeinflusst worden sind.
Dennoch gilt das Mittel der Befragung in der empirischen Sozialforschung noch immer als unerlässlich, um Fakten, Wissen, Meinungen, Bewertungen oder Einstellungen einzuholen und überprüfen zu können (Schnell, Hill, Esser, 1999, S. 321). Der Frage-bogen ist dabei das Instrument zur Durchführung einer solchen Befragung und soll im Folgenden genauer betrachtet werden.
Dafür ist es zunächst erforderlich, zu klären was unter einem Fragebogen überhaupt verstanden wird, wie er sich also definiert. Dann erst kann die Konstruktion des Fragebogens folgen. Zu Anfang dieser Erarbeitung stehen die Zieldefinition und die Hypothesenbildung, also was soll überprüft werden und wie lautet das erwartbare Ergebnis.
Weiterhin müssen einige Vorüberlegungen nach dem Frageninhalt, der Formulierung und der Stichprobenauswahl angestellt werden. Dann kann die Arbeit am eigentlichen Fragebogen beginnen. Dazu müssen die Fragen in thematische Blöcke eingeteilt und sinnvoll angeordnet werden. Auch die Gestaltung spielt eine nicht unwesentliche Rolle.
Im Folgenden sollte ein Pretest durchgeführt werden, bei dem überprüft wird, ob der Fragebogen verwertbare Ergebnisse liefert. Erst dann kann der Fragebogen endlich auch in Umlauf gebracht werden.
Diese oben genannten Punkte zur Konstruktion eines Fragebogens sollen an einem praktischen Beispiel verdeutlicht werden. Dazu wurde ein Fragebogen zum Thema „Mediennutzung und Studium“ entworfen. Seine Entstehung soll in Verknüpfung mit den theoretischen Punkten nachvollziehbar gemacht werden.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Der Fragebogen
1. Definition Fragebogen
2. Konstruktion des Fragebogens
2.1 Bildung von Hypothesen und Definition des Ziels
2.2 Vorüberlegungen
2.2.1 Fragestellungen
2.2.1.1 Frageinhalte
2.2.1.1.1 Faktfrage
2.2.1.1.2 Wissensfrage
2.2.1.1.3 Einschätzungsfrage
2.2.1.1.4 Interessens-, Präferenz- und Relevanzfrage
2.2.1.1.5 Bewertungsfrage
2.2.1.1.6 Stimmungsfrage
2.2.1.1.7 Meinungs- und Einstellungsfrage
2.2.1.1.8 Verhaltensfrage
2.2.1.1.9 Absichts- oder Projektivfrage
2.2.1.2 Frageformulierungen
2.2.1.3 Frageformen
2.2.1.3.1 Offene, geschlossene und halboffene Formen
2.2.1.3.2 unbalancierte und balancierte Formen
2.2.2 Stichprobenauswahl
2.2.2.1 Zufallsstichproben
2.2.2.1.1 Einfache Zufallsstichprobe
2.2.2.1.2 Geschichtete Zufallsstichprobe
2.2.2.1.3 Klumpenstichprobe
2.2.2.1.4 Mehrstufige Stichproben
2.2.2.2 Systematische Stichproben
2.2.2.2.1 Quotenverfahren
2.2.2.2.2 Systematische Auswahl
2.3 Aufbau
2.4 Gestaltung
3. Der Pretest
III. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit der methodischen Konstruktion eines wissenschaftlichen Fragebogens. Das primäre Ziel ist es, den Entstehungsprozess eines Fragebogens am Beispiel „Mediennutzung und Studium“ theoretisch zu fundieren und die Herausforderungen bei der Umsetzung empirischer Befragungen aufzuzeigen.
- Theoretische Grundlagen zur Fragebogenkonstruktion
- Differenzierung von Fragearten und Formulierungstechniken
- Verfahren der Stichprobenauswahl
- Struktureller Aufbau und gestalterische Aspekte
- Durchführung und Bedeutung des Pretests
Auszug aus dem Buch
2.2.1.1 Frageinhalte
Je nachdem, wie die Fragen eines Fragebogen gestellt werden, kann sie bei dem Befragten unterschiedliche kognitive und kommunikative Inhalte abfragen. Man unterscheidet dafür neun Fragearten, die im Folgenden erläutert werden sollen (Möhring, Schlütz, S. 143).
2.2.1.1.1 Faktfrage
Bei Faktfragen wird nach feststehenden und konstanten Merkmalen gefragt, bei denen vom Wissen des Befragten über den Sachverhalt oder die Person ausgegangen wird. Bei Faktfragen handelt es sich vorrangig um demographische Angaben (Möhring, Schlütz, S. 143). Beispiele aus dem Fragebogen zum Thema „Mediennutzung und Studium“ wären die Fragen nach dem Geschlecht der Befragten Person sowie nach deren Alter.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der empirischen Sozialforschung ein und skizziert den Fragebogen als zentrales Instrument, dessen Konstruktion und Gestaltung im Fokus der Arbeit stehen.
II. Der Fragebogen: Dieses Kapitel erläutert detailliert die Definition, die wissenschaftliche Konstruktion, die verschiedenen Fragetypen sowie die Auswahlverfahren für Stichproben und die äußere Gestaltung des Instruments.
3. Der Pretest: Hier wird die Notwendigkeit einer Vorabprüfung des Fragebogens verdeutlicht, um den Gesprächsfluss, die Verständlichkeit der Fragen und die Validität der Ergebnisse vor der endgültigen Anwendung zu optimieren.
III. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass der Erfolg einer Befragung maßgeblich von einer sauberen Zieldefinition, einer präzisen Formulierung und der systematischen Durchführung von Pretests abhängt.
Schlüsselwörter
Fragebogen, empirische Sozialforschung, Befragung, Konstruktion, Hypothesenbildung, Faktfrage, Stichprobenauswahl, Pretest, Datenqualität, Mediennutzung, Skalierung, Zielgruppe, Quotenverfahren, Frageformulierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den methodischen Prozess der Konstruktion eines Fragebogens in der empirischen Sozialforschung am Beispiel einer Studie zur Mediennutzung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Hypothesenbildung, der Typologie von Fragen, der Stichprobenauswahl, dem Aufbau des Fragebogens und der Durchführung von Pretests.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Entstehung eines Fragebogens theoretisch zu fundieren und anhand des konkreten Beispiels „Mediennutzung und Studium“ nachvollziehbar zu gestalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine methodische Darstellung der quantitativen Befragungstechnik, basierend auf gängigen Lehrbuchansätzen der empirischen Kommunikationswissenschaft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Fragebögen, die Konstruktion mit Fokus auf Fragestellung und -inhalte, Stichprobenverfahren sowie die gestalterische Optimierung und den Pretest.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Fragebogenkonstruktion, empirische Forschung, Stichprobendesign, Pretest, Frageformen und Datenvalidität.
Warum ist das Quotenverfahren für das Beispiel „Mediennutzung und Studium“ besonders geeignet?
Da eine disproportionale Stichprobe angestrebt wird, um gezielt KMW-Studierende mit anderen Fachrichtungen zu vergleichen, ermöglicht das Quotenverfahren eine gezielte Auswahl.
Welche qualitativen Techniken werden für einen Pretest empfohlen?
Empfohlen werden „frame of reference probing“, „paraphrasing“ und „Think aloud Interviews“, um Verständnisprobleme bei den Probanden direkt zu identifizieren.
- Quote paper
- Carolin Biebrach (Author), 1986, Die Konstruktion eines Fragebogens / Befragung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75766