Bevor spezifisch auf den Guerillakrieg an der Ostfront während des Zweiten Weltkrieges eingegangen wird, soll eine allgemeine, theoretische Annäherung an den Begriff des Partisans versucht werden, was – wie sich zeigen wird – nicht unerhebliche Schwierigkeiten in sich birgt. Kapitel 2 geht außerdem allgemein auf die Bedeutung des Partisanenkampfes für die sogenannte konventionelle Kriegsführung ein und gewährt einen Überblick über die historische Entstehung und Entwicklung des Phänomens der asymmetrischen Kriegsführung.
Bevor in Kapitel 4 die wissenschaftliche Erörterung in Bezug auf den Partisanenkrieg der Wehrmacht in Russland einsetzt, soll im dritten Abschnitt ein Forchungsbericht verschiedene Positionen und Ansätze bezüglich dieses Themas herausarbeiten und dabei auch auf die nötige Vorsicht vor der sowjetischen Historiographie hinweisen, die dem Thema zwar einen großen Stellenwert beimisst, jedoch mehr in propagandistischem Sinne argumentiert und den Partisanenkrieg krampfhaft in die Lehre des historischen Materialismus einzuordnen versucht.
Damit entzieht sie einer objektiven Annäherung an den Sachverhalt von vornherein jede Grundlage.
Der westliche Historiker steht in vielen Fällen vor der Problematik, seine Untersuchung im Regelfall einseitig auf eine deutsche Quellenbasis stützen zu müssen. Dies gilt auch für den überwiegenden Teil der einschlägigen Forschungsliteratur, selbst Armstrongs Standardwerk „Soviet Partisans in World War II“ stellt dabei keine Ausnahme dar.
Hauptgrund hierfür ist neben oft mangelnder Sprachkenntnis die Unzugänglichkeit der lange unter Verschluss gehaltenen sowjetischen Archive. In der hier vorgelegten Arbeit kann zwar aus Gründen mangelnder Verfügbarkeit sowie der Sprachbarriere ebenfalls nicht auf russische Originalquellen zurückgegriffen werden, dennoch findet eine nicht geringe Zahl ins Deutsche übersetzter sowjetischer Dokumente Verwendung, besonders in Kapitel 5, welches die Zusammensetzung sowie die Lebens- und Kampfesweise der sowjetischen Partisanen genauer untersucht. Eingegangen wird an dieser Stelle auch auf das häufig konfliktgeladene Verhältnis der sowjetischen Guerillas zur eigenen Zivilbevölkerung, wofür sich in den Quellen eine Vielzahl von Beispielen finden lässt.
Überhaupt ist es ein Anliegen der vorliegenden Arbeit, die Untersuchungen auf eine möglichst breite Quellen- und Literaturbasis zu stellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Partisanenwesen
2.1 Der Partisan – Annäherung an Begriff und „Definition“
2.2 Militärtaktische Bedeutung für die Kriegsführung
2.3 Geschichte der asymmetrischen Kriegsführung
3. Forschungsstand
4. Verlauf des Partisanenkrieges im Unternehmen Barbarossa
4.1 Anfänge des Partisanenkampfes 1941
4.2 Ausweitung der partisanischen Aktivitäten in den Jahren 1942-1944
5. Die Sowjetischen Partisanen
5.1 Sowjet-Partisanen im Kampf: Taktisches Vorgehen und Kampfesweise
5.2 Versorgung der Partisanen und Probleme des täglichen Daseins
5.3 Inhumane Kriegsführung der Partisanen und Aktionen gegen die Zivilbevölkerung
5.4 Das Problem der Zahlen
5.4.1 Gegen die Wehrmacht kämpfende Partisanen
5.4.2 Gefallene Soldaten und Partisanen
6. Die deutsche Partisanenbekämpfung
6.1 Militärtaktisches Vorgehen
6.2 Exemplarische Großunternehmen zur Partisanenbekämpfung
6.2.1 Das Unternehmen „Bamberg“
6.2.2 Die Unternehmen „Dreieck“ und „Viereck“
6.2.3 Unternehmen „Cottbus“
6.3 Die Niederlage der Wehrmacht im Partisanenkampf
7. Der sowjetische Partisanenkrieg und das Völkerrecht
8. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Partisanenkrieg während des Russlandfeldzuges der Wehrmacht mit dem Ziel, eine objektive und alle Seiten berücksichtigende Darstellung zu liefern. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, inwieweit die deutschen Maßnahmen militärisch notwendig waren oder integraler Bestandteil eines ideologischen Vernichtungskrieges darstellten, wobei die Bewertung unter militärischen, moralischen und juristischen Gesichtspunkten erfolgt.
- Das Partisanenwesen und seine theoretische sowie historische Einordnung.
- Der Verlauf und die Entwicklung des Partisanenkrieges im Kontext des Unternehmens Barbarossa.
- Die Struktur, Lebensweise und Kampfesweise der sowjetischen Partisanen.
- Strategien und Methoden der deutschen Partisanenbekämpfung.
- Die völkerrechtliche Problematik des Partisanenkampfes und der Repressalien.
Auszug aus dem Buch
Der Partisan – Annäherung an Begriff und „Definition“
Es fällt leichter, sich über die Herkunft und Entwicklung des Begriffs Partisan und der damit verbundenen Kriegsform zu äußern, als eine brauchbare und allgemeingültige Definition des eigentlichen Phänomens zu entwickeln. Letzteres soll aber zumindest annäherungsweise versucht werden, damit die Diskussionen im Laufe der Arbeit nicht aufgrund allzu vager Begrifflichkeiten ins Uferlose entgleiten.
Der Begriff Partisan stammt von dem italienischen Wort partigiano, was soviel wie Parteigänger heißt. Er wurde im 18. Jahrhundert geprägt. Schon zur Zeit der napoleonischen Invasion war der Terminus unter gleicher Bedeutung auch in Russland geläufig. Auffällig in der Literatur ist die häufig synonyme Verwendung von Partisan und Guerilla. Bei ersterem handelt es sich um den historisch älteren Begriff, welcher nach Schulz eher den einzelnen Kämpfer bezeichnet, wohingegen sich Guerilla stärker auf die „geschlossene Bande“ bezieht. Letzterer Terminus kam erstmals zur Zeit des spanischen Volkskrieges gegen Frankreich (1807-1814) auf und geht zurück auf spanisch guerra = Krieg, guerilla bedeutet also „Kleiner Krieg“, der in seinen Charakteristika und Gepflogenheiten vom bis dahin weithin gewohnten traditionellen „großen“ Gefecht zwischen regulären Armeen abwich.
Neben den beiden gängigsten haben sich je nach Zeit und Ort noch andere Bezeichnungen für die spezielle Form des Krieges der Partisanen etabliert, so zum Beispiel irreguläre, subversive bzw. asymmetrische Kriegsführung, Widerstandskrieg, low-intensity conflicts, verdeckter Krieg oder Krieg ohne Fronten. Partisanen und Guerillas werden unter anderem auch als Freischärler, irreguläre Korps, Banden oder Untergrundarmeen betitelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema des Partisanenkrieges während des Russlandfeldzuges ein, erläutert die Problematik der Forschung im Hinblick auf einseitige Quellenlagen und legt die Zielsetzung sowie die drei Bewertungsperspektiven der Arbeit dar.
2. Das Partisanenwesen: Dieses Kapitel nähert sich dem Begriff des Partisanen sowie der Guerilla theoretisch an, beleuchtet deren militärtaktische Bedeutung und gibt einen historischen Überblick über asymmetrische Kriegsführung von der Antike bis in die frühe Neuzeit.
3. Forschungsstand: Der Forschungsstand analysiert kritisch die sozialistische Historiographie, westliche Studien sowie die bis heute anhaltenden Kontroversen in der deutschen Literatur bezüglich der Wehrmachtsverbrechen im Kontext der Partisanenbekämpfung.
4. Verlauf des Partisanenkrieges im Unternehmen Barbarossa: Hier wird die Entwicklung des Partisanenkrieges von den improvisierten Anfängen 1941 bis zur zunehmenden Ausweitung und Organisation der sowjetischen Aktivitäten zwischen 1942 und 1944 nachgezeichnet.
5. Die Sowjetischen Partisanen: Dieses Kapitel untersucht die Taktik, die Versorgungssituation, das häufig inhumane Vorgehen gegen die Zivilbevölkerung sowie die Problematik der statistischen Erfassung der Partisanenbewegung.
6. Die deutsche Partisanenbekämpfung: Es werden die verschiedenen deutschen Methoden der Partisanenbekämpfung, wie Jagdkommandos und Großunternehmen, sowie deren kontraproduktive Wirkung auf die Bevölkerung und die Rolle der Wehrmacht kritisch beleuchtet.
7. Der sowjetische Partisanenkrieg und das Völkerrecht: Dieser Abschnitt erörtert die juristische Stellung des Partisanen sowie die völkerrechtliche Bewertung von Repressalien und Geiselerschießungen unter den damaligen Bedingungen.
8. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die Ursachen für die Niederlage der Wehrmacht im Partisanenkrieg zusammen und betont das Scheitern der deutschen Besatzungspolitik aufgrund ideologischer Verblendung und rücksichtsloser Gewaltanwendung.
Schlüsselwörter
Partisanenkrieg, Wehrmacht, Russlandfeldzug, Guerilla, Partisanenbekämpfung, Unternehmen Barbarossa, Völkerrecht, Repressalien, Geiselerschießungen, Ostfront, Asymmetrische Kriegsführung, Zivilbevölkerung, Zweiter Weltkrieg, Vernichtungskrieg, Besatzungspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Partisanenkrieg während des Russlandfeldzuges der deutschen Wehrmacht zwischen 1941 und 1944.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Untersuchung umfasst die Entwicklung des Partisanenwesens, die militärischen Gegenmaßnahmen der Wehrmacht, das Verhältnis zur Zivilbevölkerung sowie die völkerrechtliche Dimension des Konflikts.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine objektive, alle Seiten beleuchtende Darstellung des Partisanenkrieges, um zu klären, inwieweit die deutschen Maßnahmen militärisch notwendig waren oder ideologisch motiviert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die sich auf eine breite Quellenbasis stützt, darunter Militärberichte, Tagebücher, Befehlsschriften und bestehende Forschungsliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil deckt den Verlauf des Krieges, die Organisation der Partisanen, die deutschen Bekämpfungsstrategien wie Jagdkommandos und Großunternehmen sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen der Kriegsführung ab.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Partisanenkrieg, Wehrmacht, Russlandfeldzug, Guerilla, Repressalien, Völkerrecht und Asymmetrische Kriegsführung.
Welche Rolle spielten die sogenannten "Großunternehmen"?
Diese wurden ab 1942 durchgeführt, um Gebiete systematisch zu durchkämmen. Sie waren militärisch oft ineffektiv und verschärften durch ihre Brutalität die Ablehnung der Zivilbevölkerung gegenüber der Besatzungsmacht.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Wehrmacht bei Partisanenbekämpfung und Judenverfolgung?
Die Arbeit differenziert zwischen militärischen Notwendigkeiten und verbrecherischen Vernichtungskonzepten. Sie zeigt auf, dass Teile der Wehrmacht als Handlanger fungierten, betont jedoch, dass das Verhalten innerhalb der Armee nicht als monolithischer Block zu betrachten ist.
Warum wird der Begriff "levée en masse" im Kontext der Partisanen diskutiert?
Der Begriff beschreibt einen spontanen Volksaufstand. Die Arbeit stellt fest, dass der sowjetische Partisanenkrieg diesen Kriterien nicht entsprach, da er zentral gesteuert und organisiert war.
- Quote paper
- Joachim von Meien (Author), 2007, Der Partisanenkrieg der Wehrmacht während des Russlandfeldzuges im Zweiten Weltkrieg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75771