Selbstverletzendes Verhalten heißt es in der Psychologie, wenn eine Person sich aus eigenen Stücken und bewusst Schmerzen zufügt. Ob es eine psychische Krankheit oder aber ein Symptom, hervorgerufen durch andere Krankheiten, ist, ist unklar und von Fall zu Fall verschieden. Autoaggression ist ein begriffliches "Sammelbecken" aller Formen von Schadenszufügungen dem eigenen Körper gegenüber. Selbstverletzendes Verhalten hat verschiedene Ursachen und äußert sich zudem auf sehr unterschiedliche Weisen. Selbstverletzendes Verhalten deckt ein Feld ab, welches von exzessivem Sport und dem Kauen an Fingernägeln, bis hin zu Metallschlucken und dem Schneiden mit Klingen reicht. Verblüffenderweise dient SVV in den Augen vieler Psychologen und auch den "Erkrankten", welche ich im Folgenden als Betroffene bezeichne, nicht dem sich Selbstverletzen im Sinne von selbstmordähnlichen Handlungen, sondern viel mehr als Schutz vor dem Selbstmord. SVV tritt dann auf, wenn ein Mensch seine Aggressionen nicht gegen andere Personen, Objekte ("Fremdaggression") oder gar den Grund bzw. Auslöser der Aggression richtet, sondern gegen sich selbst.
"In verschiedenen Kulturen war und ist eine willentliche Beschädigung des Körpers um Schönheitsidealen zu entsprechen üblich (die Verformung des Kopfes im alten Ägypten, die Verformung der Frauenfüße in China sowie die Skarifikation, das Zufügen von Hautnarben, in Afrika." (Ackermann, S.12)
In unserer Gesellschaft ist Selbstverletzung alltäglich.
Inhaltsverzeichnis
1. Was ist Selbstverletzendes Verhalten/Definition
1.1 Woran erkennt man SVV, Unterscheidungen:
1.2 Arten von selbstverletzenden Verhaltens:
1.3 Artenunterscheidungen:
1.4 nähere Erläuterung / offene und heimliche Selbstverletzung:
2. Diagnostik / SVV als angeborenes Verhalten? :
2.1 Selbstverletzendes Verhalten im Rahmen der Borderlinestörung:
2.2 Entstehungsgründe für SVV / die Körper-Selbst Dissoziation:
2.3 Erklärungsansätze für Selbstverletzendes Verhalten
2.4 Mutter-Kind Beziehungsstörungen
3. Das Erleben
4. Sexueller Missbrauch
5. Therapiemöglichkeiten bei Selbstverletzenden Verhalten
6. Wechselbeziehungen zwischen Mitmenschen und Betroffenen
7. Alternativen zur Selbstverletzung:
8. Schluß
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen des selbstverletzenden Verhaltens, um dessen komplexe Ursachen, Erscheinungsformen und die zugrunde liegenden psychischen Mechanismen zu beleuchten, mit dem Ziel, ein tieferes Verständnis für Betroffene zu schaffen und Präventionsmöglichkeiten aufzuzeigen.
- Definition und Abgrenzung verschiedener Formen selbstverletzenden Verhaltens.
- Diagnostische Einordnung im Kontext psychischer Störungen wie der Borderline-Persönlichkeitsstörung.
- Psychodynamische und lerntheoretische Erklärungsansätze für die Entstehung von Autoaggression.
- Die Rolle frühkindlicher Bindungsstörungen und traumatischer Erfahrungen, insbesondere sexuellen Missbrauchs.
- Therapeutische Interventionsmöglichkeiten und praktische Strategien zur Unterstützung Betroffener.
Auszug aus dem Buch
Die Gefühle unmittelbar vor der Selbstverletzung:
Eckhardt beschreibt einen starken, inneren Spannungszustand, den die betroffenen Frauen erleben würden, der mit einer Art Rauschzustand verglichen werden könne, wobei die Betroffenen teilweise die Kontrolle über die Ich - Funktionen verlören. (Eckhardt, 1994, 43)
Diese Form wird oft als Depersonalisation, ( z.B. Sachsse, 1995a, 43), beschrieben und könnte eine Folge sexueller Mißbrauchserlebnisse in der Kindheit sein, wobei das Kind das Heraustreten aus dem Körper, das "Ausklinken" als eine Art Überlebensstrategie in der Mißbrauchssituation gebraucht und erlernt haben könne.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Was ist Selbstverletzendes Verhalten/Definition: Dieses Kapitel definiert selbstverletzendes Verhalten als bewusste Selbstschädigung und grenzt verschiedene Formen voneinander ab.
2. Diagnostik / SVV als angeborenes Verhalten? : Hier wird die diagnostische Einordnung sowie die psychologischen und biografischen Entstehungsgründe für selbstverletzendes Verhalten analysiert.
3. Das Erleben: Dieser Abschnitt beschreibt den subjektiven Zustand und die verschiedenen Phasen, die Betroffene während einer selbstverletzenden Handlung durchlaufen.
4. Sexueller Missbrauch: Das Kapitel thematisiert den Zusammenhang zwischen traumatischen Missbrauchserfahrungen in der Kindheit und der Entwicklung autoaggressiver Verhaltensmuster.
5. Therapiemöglichkeiten bei Selbstverletzenden Verhalten: Es werden verschiedene medizinische und psychotherapeutische Behandlungsansätze sowie die Rolle stationärer Settings vorgestellt.
6. Wechselbeziehungen zwischen Mitmenschen und Betroffenen: Hier wird die Bedeutung eines stabilen sozialen Umfeldes und der Umgang des sozialen Umfelds mit betroffenen Personen erläutert.
7. Alternativen zur Selbstverletzung: Das Kapitel bietet konkrete Handlungsmöglichkeiten und Präventionsstrategien an, um selbstschädigende Impulse durch alternative Methoden zu ersetzen.
8. Schluß: Das Fazit fasst zusammen, dass es keine einzelne Ursache für selbstverletzendes Verhalten gibt, sondern ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren vorliegt.
Schlüsselwörter
Selbstverletzendes Verhalten, Autoaggression, Borderline-Persönlichkeitsstörung, Dissoziation, Kindheitstrauma, Sexueller Missbrauch, Objektbeziehung, Deprivation, Psychodynamik, Körperbild, Stressbewältigung, Therapiemöglichkeiten, Prävention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Definition, den Ursachen und den therapeutischen Ansätzen bei selbstverletzendem Verhalten.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind die psychologischen Hintergründe, die Diagnostik, die Bedeutung von Kindheitserfahrungen und der Umgang mit Betroffenen im sozialen und therapeutischen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist ein besseres Verständnis des Phänomens "selbstverletzendes Verhalten" zu vermitteln, da es oft missverstanden wird und keine monokausale Ursache hat.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine umfassende Literaturanalyse bestehender psychologischer und psychoanalytischer Fachliteratur sowie die Zusammenfassung klinischer Erkenntnisse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Definitionen, diagnostische Einordnungen, Erklärungsansätze für die Entstehung (u.a. Bindungstheorien) und Therapiestrategien.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Autoaggression, Dissoziation, Traumafolgen und Bewältigungsstrategien.
Welche Rolle spielt das "Ausklinken" oder die Dissoziation?
Dissoziation wird als Überlebensstrategie beschrieben, bei der sich Betroffene von ihrem Körper abspalten, um traumatische Erfahrungen erträglicher zu machen.
Warum wird betont, dass es keine "einfache" Ursache gibt?
Die Arbeit verdeutlicht, dass selbstverletzendes Verhalten ein komplexes Symptom ist, das auf vielfältige biografische und psychische Konstellationen zurückzuführen ist.
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- Robert Krügel (Author), 2004, Selbstverletzendes Verhalten. Definitionen, Ursachen, Ausprägungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75801