Raising Rosebud - Das Narrationskonzept Backstorywound am Beispiel von Citizen Kane


Hausarbeit, 2007

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung – Backstorywound als Narrationskonzept

2 Narration im Film
2.1 Story und Plot
2.2 Kausalität, Zeit und Ort

3 Backstory und Backstorywound
3.1 Definition und Funktion
3.2 Backstorywound als narrative Konvention
3.3 Typische Backstorywounds

4 Narration in Citizen Kane
4.1 Story und Plot in Citizen Kane
4.2 Kausalität, Zeit und Ort in Citizen Kane
4.3 Kanes Backstory
4.4 ‚Rosebud‘ – Backstorywound oder plot gimmick?

5 Fazit - ‚Rosebud‘ als Enigma

1 Einleitung – Backstorywound als Narrationskonzept

Narration ist ein Grundelement in den Medien. Besonders im Film spielt sie eine bedeutende Rolle. Der Film erzählt eine Geschichte, die zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort spielt und die wir meist in eine logische Abfolge bringen können. Laut Bordwell/Thompson ist Narration „a chain of events in cause-effect relationship occurring in time and space.“[1]

Die Kausalität innerhalb einer Narration ergibt sich aus verschiedenen Faktoren, zu denen auch die Motivation gehört. Ein Charakter oder die Handlungsweise einer Figur wird durch bestimmte Ereignisse aus der Vergangenheit motiviert. Doch das war nicht immer so: Erst im 20. Jahrhundert wird die Technik der Motivation zur Konvention. Schrittweise setzt sie sich im Bereich Theater durch und beeinflusst auch den Film. Die Filmwissenschaftlerin Kristin Thompson unterscheidet über das Kriterium der Motivation das ‚primitive Kino‘ (1895-1908) vom ‚klassischen Kino‘ (ab 1916).[2] Ein traumatisches Ereignis in der Backstory einer Figur, die Backstorywound, wird zum Argument für das Handeln derselben.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Narration in Orson Welles’ Citizen Kane und der Frage, ob im Fall der Figur Charles Foster Kane eine klassische Motivation im Sinne einer Backstorywound vorliegt. Hierzu ist es erforderlich, erst einmal die Prinzipien des Systems Narration zu beleuchten, sowie das Konzept der Backstorywound in diesem Zusammenhang zu klären. Anschließend soll der Filmmythos ‚Rosebud‘ auf seine Tauglichkeit als Backstorywound geprüft werden. Erfüllt Citizen Kane die zuvor aufgeführten Kriterien oder ergeben sich Widersprüche?

Kann ein Gegenstand aus der Kindheit des Protagonisten sein gesamtes weiteres Verhalten motivieren? Liegt des Rätsels Lösung sozusagen auf der Hand oder forscht die Filmwissenschaft seit Jahrzehnten nach etwas, das nicht existiert? Ist ‚Rosebud‘ der Schlüssel zu Kanes Leben oder nur ein künstlich kreiertes ‚plot gimmick‘?

2 Narration im Film

The classical Hollywood film presents psychologically defined individuals who struggle to solve a clear-cut problem or to attain specific goals. In the course of this struggle, the characters enter into conflict with others or with external circumstances. The story ends with a decisive victory or defeat, a resolution of the problem and a clear achievement or nonachievement of the goals.[3]

Diese Beschreibung von Narration im klassischen Hollywoodfilm kann für die meisten Werke als zutreffend bezeichnet werden. Eine spezielle oder mehrere Figuren erstreben innerhalb eines narrativen Konstrukts die Lösung eines konkreten Problems oder das Erreichen von zuvor formulierten Zielen. Am Ausgang der Geschichte erfolgt im klassischen Falle eine akzeptable Lösung des Problems, nachdem zuvor entstandene Schwierigkeiten bewältigt wurden. Eine andere Möglichkeit besteht darin, die Erzählung negativ enden zu lassen, also ein Erreichen des Ziels zu verweigern und die Handelnden ergebnislos zurückzulassen.

2.1 Story und Plot

Die Analyse narrativer Filme erfordert aus neoformalistischer Perspektive die Beschäftigung mit einem aus dem russischen Formalismus stammenden Verfahren, die Differenzierung von story (fabula) und plot (syuzhet). Die Story ist die „geistige Anordnung von chronologisch und kausal verbundenem Material,“[4] der Plot hingegen die „Kette aller kausal wirksamen Ereignisse, wie wir sie im Film selbst zu sehen und zu hören bekommen.“[5] Sehen wir also einen Film, der uns die Handlung in nicht-chronologischer Form präsentiert, konstruieren wir daraus automatisch eine kausal verbundene und chronologische Ereignisfolge. Dies geschieht beispielsweise bei Filmen, die analytisch erzählen, uns also ein abgeschlossenes Ereignis über Flashbacks schildern.

Hier besteht ein großer Unterschied zwischen den Größen Story und Plot, wohingegen andere Filme die Ereignisse in ihrer natürlichen Folge wiedergeben und in denen Story und Plot sehr ähnlich sein können.

Story und Plot überschneiden sich teilweise, an anderen Stellen jedoch muss genau unterschieden werden. Zur Story gehören auch jene Ereignisse, die eventuell in Gedanken von uns selbst hinzugefügt wurden oder sich aus der Handlungskette ergeben, aber nie direkt im Film zu sehen sind. Der Plot wiederum umfasst auch Credits und Musik, also alles, was wir im Film sehen oder hören.[6]

2.2 Kausalität, Zeit und Ort

Die Ereignisse innerhalb eines narrativen Konstrukts sind nicht einfach linear, sondern kausal verbunden.[7] Erfahren wir also von zwei sich nicht zwingend bedingenden Ereignissen, die jedoch den Schluss zulassen, das Eine habe das Andere verursacht, schaffen wir automatisch eine kausale Verbindung und stellen somit die bereits angesprochene cause-effect relationship her. Einige Filme machen sich diese Tatsache zunutze und halten bestimmte Informationen, also Ursachen, zurück, und konfrontieren den Zuschauer vorerst ausschließlich mit dem Ergebnis, um seine Neugier zu wecken.[8]

Das Konzept der Zeit im Film beinhaltet sowohl die Reihenfolge der Ereignisse (order), die Dauer (duration), sowie ihre Häufigkeit (frequency). Die formalistische Unterscheidung zwischen Story und Plot verdeutlicht bereits, dass die Anordnung der Ereignisse im Film keineswegs chronologisch sein muss, um dennoch eine logische Reihenfolge zu ergeben. Auch die Dauer der Ereignisse entspricht im Plot nicht der Zeit, die diese innerhalb der Story einnehmen. Ebenso muss hier noch eine dritte Ebene bedacht werden, die screen duration, die Dauer des Films. Ein einzelnes Ereignis wird innerhalb eines Plots meist nur einmal gezeigt, aber auch die Häufigkeit kann variieren.

[...]


[1] David Bordwell/Kristin Thompson: Film Art. An Introduction. 5th Edition. New York 1997, S. 90.

[2] Vgl. Kristin Thompson: The formulation of the classical style, 1909-28. In: The Classical

Hollywood Cinema. Film Style & Mode of Production to 1960. Hrsg. v. David Bordwell/Janet Staiger/Kristin Thompson. London 1985, S. 170.

[3] David Bordwell: Narration in the Fiction Film. London 1985, S. 157.

[4] Kristin Thompson: Neoformalistische Filmanalyse. Ein Ansatz, viele Methoden. In: montage/av 4

(1995), H. 1, S. 23-62, hier: S. 55.

[5] Ebd., S. 55.

[6] Vgl. Bordwell/Thompson: Film Art, S. 93.

[7] Vgl. Seymour Chatman: Story and discourse. Narrative Structure in Fiction and Film. Ithaca/London

1978, S. 45.

[8] Vgl. Bordwell/Thompson: Film Art. An Introduction, S. 95.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Raising Rosebud - Das Narrationskonzept Backstorywound am Beispiel von Citizen Kane
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft)
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V75803
ISBN (eBook)
9783638801164
ISBN (Buch)
9783656571384
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Raising, Rosebud, Narrationskonzept, Backstorywound, Beispiel, Citizen, Kane
Arbeit zitieren
Eva Tüttelmann (Autor), 2007, Raising Rosebud - Das Narrationskonzept Backstorywound am Beispiel von Citizen Kane, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75803

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