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Eine gattungsgeschichtliche Einordnung des Kriminalromans Das Versprechen von Friedrich Dürrenmatt und des Films The Pledge (2001)

Title: Eine gattungsgeschichtliche Einordnung des Kriminalromans  Das Versprechen  von Friedrich Dürrenmatt und des Films  The Pledge  (2001)

Master's Thesis , 2002 , 121 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Thomas Lornsen (Author)

German Studies - Genres
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Summary Excerpt Details

1 Einleitung
Wenn sich die Literaturwissenschafler in einem über Friedrich Dürrenmatt einig sind, dann wohl darin, dass er sich nicht fassen lässt. "Die Urteile über ihn spiegeln im allgemeinen Unbehagen, Ratlosigkeit, Mißverständnisse wider" (Oberle 10). Nur allzu oft glaubte man ihn schon als Zyniker, Nihilist, Kommunist, Moralist oder Humorist enttarnt zu haben, und Dürrenmatt tut in seinen theoretischen Schriften, Reden und Interviews ein Übriges, die allgemeine Verwirrung mit immer neuen widersprüchlichen Behauptungen zu schüren. Dabei behandelt er in allen seinen Werken dieselben Motive, so unter anderem das Groteske, Absurde und Paradoxe, die Gerechtigkeit, die Moral und die menschliche Hybris. Es mag gut sein, dass die Ratlosigkeit der Fachwelt darauf zurückzuführen ist, dass Dürrenmatt selbst keine feste Position bezieht, sondern vielmehr mit diesen Motiven spielt, sie in verschiedenen Konstellationen gegeneinander antreten lässt und vom Resultat bisweilen selber überrascht sein mag. Auf der anderen Seite herrscht in der Dürrenmatt-Forschung bereits Uneinigkeit, wenn es um die Definition von in diesem Kontext so wichtigen Begriffen wie "absurd", "paradox" und "grotesk" geht.
Wenn sich Dürrenmatt entscheidet, Kriminalromane zu schreiben, dann wählt er damit ein Genre, das nicht minder komplex und verwirrungstiftend ist und mindestens ebensoviele widersprüchliche, ratlose und voreilige Meinungen provoziert hat wie er selbst. Bis heute liegt keine umfassende Gattungstheoretie vor und auch hier herrscht eine terminologische Unordnung: Begriffe wie Kriminalroman, Kriminalerzählung, Detektivroman, Verbrechensdichtung und Thriller werden mal als völlig verschiedene Gattungen, mal als verwandte Subgenres und mal als synonyme Bezeichnungen gebraucht. Wenn Dürrenmatt seinem dritten Kriminalroman, dem Versprechen, dann auch noch den Untertitel "Requiem auf den Kriminalroman" verpasst, drängt sich der Eindruck auf, er tue dies nur, um die germanistische Fachwelt zu verhöhnen.
[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Vorgehensweise und Intention

1.2 Methodologie

1.3 Entstehungsgeschichte des Versprechens

2 Hintergrund

2.1 Zur Geschichte und Theorie des Kriminalromans

2.1.1 Die Anfänge

2.1.1.1 Prodesse et delectare: Die Pitavalerzählung

2.1.1.2 Der pointierte Kriminalroman

2.1.1.3 Der Kriminalroman in der literaturwissenschaftlichen Betrachtung

2.1.2 Der moderne Kriminalroman

2.1.2.1 Die Komplexität der Typologie

2.1.2.2 Die amerikanische „hard-boiled school“

2.1.2.3 Der moderne deutschsprachige Kriminalroman

2.1.3 Verfilmungen von Kriminalromanen

3 Das Versprechen

3.1 Der Zufall

3.2 Mittel der Verfremdung

3.2.1 Die Rahmenhandlung

3.2.2 Der „unreliable narrator“

3.3 Das Weltbild

3.4 Der Protagonist

3.4.1 Die Motivation

3.5 Moral

3.6 Rezeption

3.7 Zusammenfassung

4 The Pledge

4.1 Das Weltbild

4.2 Der Protagonist

4.2.1 Die Motivation

4.3 Moral

4.4 Der Zufall

4.5 Ein „Requiem auf den Kriminalfilm“

4.6 Rezeption im deutschsprachigen Raum und den USA

4.7 Zusammenfassung

5 Fazit und Schluss

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Kriminalromane "Das Versprechen" von Friedrich Dürrenmatt sowie Sean Penns Verfilmung "The Pledge", um zu ergründen, wie diese Werke die Kriminalthematik nutzen, um weltanschauliche und soziale Probleme zu transportieren und wie sie mit den Konventionen des Genres brechen.

  • Vergleichende Analyse von "Das Versprechen" und "The Pledge" im Kontext der Gattungsgeschichte.
  • Die Rolle des Protagonisten und seine Interaktion mit dem jeweiligen Weltbild.
  • Untersuchung der Bedeutung von Zufall, Moral und Detektivfigur in beiden Werken.
  • Einfluss der amerikanischen "hard-boiled school" auf Dürrenmatts Kriminalroman.
  • Analyse filmischer und literarischer Mittel zur Gesellschaftskritik und Verfremdung.

Auszug aus dem Buch

3.1 Der Zufall

Conan Doyle berichtet in Memories and Adventures, wie sehr er sich darüber geärgert habe, dass andere Kriminalautoren sich so oft auf Zufälle verlassen, um ihren Detektiven zum Erfolg zu verhelfen:

This struck me as not a fair way of playing the game, because the detective ought really to depend for his success on something in his own mind and not on merely adventitious circumstances which do not, by any means, always occur in real life. (zitiert nach Knight 67)

Genau dieser Haltung widerspricht Dr. H. im Versprechen, wenn er dem Erzähler erklärt: „Der Wirklichkeit ist mit Logik nur zum Teil beizukommen. [...] die Störfaktoren, die uns ins Spiel pfuschen, sind so häufig, daß allzu oft nur das reine Berufsglück und der Zufall zu unseren Gunsten entscheiden“ (430).

Es scheint als sei diese unterschiedliche Einstellung in einer grundlegend verschiedenen Weltsicht Doyles und Dürrenmatts begründet. Dürrenmatt schreibt in den Sätzen über das Theater zu Frischs „Dramaturgie des Zufalls“: „Das Verfluchte an der Wirklichkeit liegt darin, daß sie eintrifft, daß sie sich so abspielt, wie sie sich abspielt, daß sie, obwohl sie unwahrscheinlich ist, kausal ist“ (16). Aus dieser Weltanschauung ergibt sich die Kritik am traditionellen Kriminalroman, denn dieser induziert, wie Günter Waldmann feststellt, „das Bewußtsein von Welt als im Grunde geordneter, verläßlich erkennbarer Wirklichkeit“ (Kriminalroman 207).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung definiert den Gegenstand der Untersuchung, den Vergleich von Dürrenmatts "Das Versprechen" und dessen Verfilmung "The Pledge", unter Berücksichtigung der Gattungsproblematik.

2 Hintergrund: Dieses Kapitel liefert einen Überblick über die historische Entwicklung des Kriminalromans von den Anfängen bis zur modernen "hard-boiled school".

3 Das Versprechen: Eine eingehende Analyse von Dürrenmatts Werk, die Aspekte wie den Zufall, die Verfremdung, das Weltbild und die Moral untersucht.

4 The Pledge: Die Analyse des Films von Sean Penn, mit Fokus auf die Übertragung des Stoffes in einen neuen kulturellen und geografischen Kontext.

5 Fazit und Schluss: Eine abschließende Synthese, die die Ergebnisse der Untersuchung zusammenfasst und die Wirkung beider Werke auf das Krimi-Genre bewertet.

Schlüsselwörter

Kriminalroman, Dürrenmatt, The Pledge, Gattungsgeschichte, hard-boiled school, Detektivfigur, Zufall, Gesellschaftskritik, Literaturverfilmung, Erzählperspektive, Moralphilosophie, Gattungstheorie, Weltbild, Literaturkritik, Gerechtigkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, wie Dürrenmatts "Das Versprechen" und die Verfilmung "The Pledge" das Genre Kriminalroman nutzen, um gesellschaftliche und philosophische Themen abzubilden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind der Wandel der Detektivfigur, die Rolle des Zufalls, die Darstellung von Gerechtigkeit und die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Umwelt.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die gattungsgeschichtliche Einordnung beider Werke zu verdeutlichen und aufzuzeigen, wie sie klassische Kriminalromankonventionen gezielt unterlaufen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein synthetisierender Vergleich angewandt, der textsemantische und hermeneutische Interpretationsansätze kombiniert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Zufallsthematik, der Erzählweise sowie des Charakters der Protagonisten in Bezug auf das jeweilige Weltbild.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit fokussiert auf Begriffe wie "Kriminalroman", "hard-boiled school", "Gesellschaftskritik", "Zufall" und "Literaturverfilmung".

Warum ist der "unreliable narrator" in "Das Versprechen" so wichtig?

Er dient Dürrenmatt als Werkzeug, um die Identifikation des Lesers mit dem Detektiv zu erschweren und die Glaubwürdigkeit der erzählten Geschichte als absolute Wahrheit in Frage zu stellen.

Worin unterscheidet sich die Motivation von Matthäi und Black wesentlich?

Während Matthäi aus einem abstrakten Gerechtigkeitsglauben heraus agiert, handelt Black primär aus der Angst vor dem Alter und der Sinnlosigkeit nach seinem Ausscheiden aus dem Polizeidienst.

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Details

Title
Eine gattungsgeschichtliche Einordnung des Kriminalromans Das Versprechen von Friedrich Dürrenmatt und des Films The Pledge (2001)
College
University of Waterloo  (Department of German)
Grade
1,0
Author
Thomas Lornsen (Author)
Publication Year
2002
Pages
121
Catalog Number
V7581
ISBN (eBook)
9783638148009
Language
German
Tags
Versprechen Dürrenmatt Kriminalroman Pledge Sean Penn
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Thomas Lornsen (Author), 2002, Eine gattungsgeschichtliche Einordnung des Kriminalromans Das Versprechen von Friedrich Dürrenmatt und des Films The Pledge (2001), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7581
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