Mütter in der Familie - Lebenssituation, Erziehungsaufgaben, Wünsche


Referat (Ausarbeitung), 2006

37 Seiten, Note: nicht üblich


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die „gute“ Mutter im geschichtlichen Kontext - Ende des 18.Jahrhundert bis 20. Jahrhundert
2.1. Methode

3. Mütter in der Familie - Lebenssituation und Erziehungsaufgabe seit der deutschen Nachkriegszeit
3.1. Methode

4. Mutter-Kind-Beziehung, Mutterentbehrung, Deprivation
4.1. Methoden
4.1.1. Schwierigkeiten der Untersuchungsmethoden
4.2. Erziehungsaufgaben der Mutter - Wie viel Mutter braucht das Kind

5. Lebenssituation der heutigen Müttern
5.1. Methodenteil - Das qualitative Interview
5.1.1. Das problemzentrierte Interview
5.2. Mutter im Widerspruch
5.2.1. Die Widersprüche
5.2.2. Wünsche der Mütter

6. Resümee

7. Literaturliste

1. Einleitung

In der Ausarbeitung zu dem Referat im Rahmen des Seminars: „Perspektiven der Familienerziehung in der sozialpädagogischen Praxis und in der Forschung"

geht es um das Thema: „Mütter in der Familie – Lebenssituation, Erziehungsaufgaben und Wünsche“. Um uns dem Thema zu nähern, erläutern wir zu Anfang die „gute Mutter“ im geschichtlichen Kontext. Wir beschreiben, wie sich die Vorstellung, die Normen was eine „gute Mutter“ ausmacht, im Laufe der Geschichte verändert haben, die Lebenssituation der Mütter und die daraus resultierenden Erziehungsaufgaben. Wir beschreiben das normative Muster „Mutterliebe“ seit seiner Entstehung im 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart.

In diesem Teil der Ausarbeitung haben uns an den Büchern „Die gute Mutter – Zur Geschichte des normativen Musters ‚Mutterliebe’“ von Yvonne Schütze und „Familienformen im Sozialen Wandel“ von Rüdiger Peuckert orientiert.

Um unsere Leitfrage der Ausarbeitung aufrecht zu erhalten, wie viel Mutter ein Kind braucht, geht der nächste Teil auf die wichtige Mutter-Kind-Beziehung und auf die Folgen von Mutterentbehrung ein, sowie auf die draus resultierende so genannte Deprivation. Hier beziehen wir uns auf John Bowlby, „Mutterliebe und kindliche Entwicklung“. Die Ausarbeitung schließt ab mit einer Ausführung über die aktuelle Lebenssituation und die Wünsche von heutigen Müttern und zieht ein Resümee zu den Fragen nach der „guten Mutter“, auch aus dem Blickwinkel der „Medikalisierung“ und „Psychologisierung“ der Familienerziehung, und wie viel Mutter ein Kind braucht. Bei allen Ausführungen wird drauf Wert gelegt darzulegen, woher die Ergebnisse stammen und wie sie erhoben worden sind.

2. Die „gute“ Mutter im geschichtlichen Kontext - Ende des 18.Jahrhundert bis 20. Jahrhundert

Wir wollen aufzeigen wie eine Frau, die meistens auch Kinder, aber ansonsten ihre Position und Aufgaben in der Gesellschaft hatte, im Laufe der Geschichte, beginnend mit der bürgerlichen Familie durch „Medikalisierung“ und „Psychologisierung“ zur „guten Mutter“ gemacht wird und wie sich das Bild einer „guten Mutter“ im Spiegel der gesellschaftlichen und ökonomischen Anforderungen ändert; Die Anschauung, dass eine Frau mit Kindern vor allem Anderen „gute Mutter“ zu sein hat und das Wohl und Wehe der Nachkommenschaft und damit der ganzen Gesellschaft auf ihren Schultern ruht, fängt erst langsam an Risse zu bekommen.

Wir orientieren uns an dem Buch von Yvonne Schütze:

Die gute Mutter – Zur Geschichte des normativen Musters „Mutterliebe“.

Bis in das späte 18.Jahrhundert bestand die Wirtschafts- und Sozialform des so genannten „ganzen Hauses“ oder der „Hausgemeinschaft „. Die Familie war vor allem eine Arbeitsgemeinschaft. Es gab keine eindeutige Trennung zwischen Häuslichem- und Arbeitsleben, zwischen Reproduktion und Produktion.

Die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern bestanden aufgrund des gemeinsamen Wirtschaftens. Auch die Mutter – Kind Beziehung bestand als eine naturgegebene Versorgungsgemeinschaft. Da der Haushalt eine Vielzahl von Personen umfasste (Eltern, Amme, Kinderfrau, Gesinde, Verwandte usw.) konnten die Kinder zu jeder ihre ganz eigenen Beziehungen aufnehmen.

In der patriarchalischen Hausgemeinschaft waren die Eigenschaften der Frau noch vor allem durch ihre Position, definiert .

„Frau oder Weib ist eine verehelichte Person,

so ihres Mannes Willen und Befehl unterworfen,

die Haushaltung führet, und in selbiger ihrem Gesinde vorgesetzt ist ..“

(Zedler 1735)[1]

Der Übergang von der Hausgemeinschaft zur bürgerlichen Familie begann mit der Trennung von Haushalt und Betrieb.

Diese war jedoch im frühen 19. Jahrhunderts noch keineswegs durchgängig strukturiert.

Im gehobenen Bürgertum, bei Beamten und Angehörigen der freien Berufe war die ganztägige Abwesenheit des Mannes noch nicht die Regel. Auch wurden in den Haushalten noch zahlreiche Gebrauchsgegenstände und Esswaren hergestellt. Es wurde eingekocht, gebacken, Seife gekocht und oft tagelang genäht. Diese Arbeiten fanden nicht etwa auf einem Bauernhof statt, sondern in der Stadt. (vgl. Schütze S.35)

Frauen deren Männer ein Geschäft oder einen Betrieb führten arbeiteten ganztägig mit.

Die Kinder wurden von Personal betreut.

Nach Schütze ist der Übergang von der Hausgemeinschaft zur bürgerlichen Familie gekennzeichnet durch die Verwissenschaftlichung der Mutter-Kind Beziehung.

Ab dem späten 18. und dem 19.Jahrhundert durch die Ärzte (Medikalisierung), ab dem 20.Jahrhundert durch die Psychologen (Psychologisierung).

Die Wissenschaft fundiert die Trennung von Haushalt und Betrieb, indem sie der Frau das Innen, die Familie, dem Mann das Außen, den Beruf zuordnet.

Geschlechtscharaktertheoretiker definieren das Wesen der Frau, aus ihrer physiologischen und psychologischen „Natur“. Und diese ist komplementär zu der des Mannes.

„Daher offenbart sich in der Form des Mannes mehr die Idee der Kraft, in der Form des Weibes mehr die Idee der Schönheit ... Der Geist des Mannes ist mehr schaffend, aus sich heraus in das Weite wirkend, zu Anstrengungen, zur Verarbeitung abstracter Gegenstände, zu weitaussehenden Plänen geneigter; unter den Leidenschaften und Affecten gehören die raschen, ausbrechenden dem Manne, die langsamen, heimlich in sich selbst gekehrten dem Weibe an. Aus dem Manne stürmt die laute Begierde; in dem Weibe siedelt sich die stille Sehnsucht an. Das Weib ist auf einen kleinen Kreis beschränkt, den es aber klarer überschaut; es hat mehr Geduld und Ausdauer in kleinen Arbeiten. Der Mann muß erwerben, das Weib sucht zu erhalten, der Mann mit Gewalt, das Weib mit Güte oder List. Jener gehört dem geräuschvollen öffentlichen Leben, dieses dem stillen häuslichen Zirkel. Der Mann arbeitet im Schweiße seines Angesichts und bedarf erschöpft der tiefen Ruhe; das Weib ist geschäftig immerdar, in nimmer ruhender Betriebsamkeit. Der Mann stemmt sich dem Schicksal selbst entgegen, und trotzt schon zu Bode liegend noch der Gewalt; willig beugt das Weib sein Haupt und findet Trost und Hilfe noch in seinen Thränen.“ (Conversations-Lexikon oder Handwerkerbuch für die gebildeten Stände Band 4, Leipzig 1815)[2]

In der Familie ergänzten sich diese Naturen zur Harmonie, aber außerhalb der Familie herrsche die Persönlichkeitsstruktur des Mannes. Die Frau sei der Außenwelt schutzlos ausgeliefert und im Prinzip dem Untergang geweiht.( vgl. Schütze S.55)

Der Geschlechtscharakter der Frau ist auch durch Mütterlichkeit gekennzeichnet. Die Liebe zum Kind, zum Gatten und zur Hausfrauenarbeit liegt im Wesen der Frau und folgt konsequent aus ihrer Natur. Mutterliebe ist natürlich und in reichem Maße vorhanden.

Von der Mutter wurde noch nicht erwartet, dass sie allein für Erziehung und Pflege zuständig sei. Die Forderung dem Kind allein Tag und Nacht verfügbar zu sein, erscheint erstmals im 20 Jahrhundert. In den Autobiographien vor dieser Zeit werden stets Verwandte, Freunde, Nachbarn, Ammen, Kinderfrauen und Dienstboten erwähnt. Die Frau habe sich lediglich an Pflege und Wartung des Kindes beteiligen und die Bezugspersonen und etwaige Unterbringungsorte mit Sorgfalt auswählen. Das Ammenwesen war noch zu Beginn des 20. Jahrhundert weder bei den Experten allgemein diskreditiert, geschweige denn abgeschafft (vgl. Schütze S.61).

Die Definition des weiblichen Geschlechtscharakters wird vor allem von Medizinern begründet.

„ Das zweite Moment, nach welchem in dem Weibe das innerliche Leben, Bilden und Erhalten, im Manne dagegen das Schaffen und Wirken im Aeußeren vorwaltet, ist schon darin angedeutet, daß die Eierstöcke im Inneren des Beckens, die Hoden hingegen außerhalb der Rumpfhöhle, wie kein plastisches Organ von gleich hoher Bedeutung liegen.“ (Burdach 1837)[3]

Gleichzeitig wird der Arzt als Repräsentant der Wissenschaft zum Erzieher der Frau. Er ersetzt - zumindest teilweise – die auf Tradition beruhende Verfügungsgewalt des Hausvaters über Pflege und Aufzucht des Kindes durch empirisches Wissen. (vgl. Schütze S.21)

Ihm geht es vor allem um die strikte Einhaltung der ärztlichen Regeln.

Die Erziehungserfolge auf dem moralisch-sittlichen Gebiet stellen sich dann von selbst ein.

Der königliche Leibarzt Dr. Christian Hufeland schreibt in seinem Ratgeber „Guter Rath an Mütter über die wichtigsten Punkte der physischen Erziehung der Kinder in den ersten Jahren.“, der zwischen 1799 und 1865 zehn mal aufgelegt wurde:

„Man kann versichert sein, dass man durch eine diesen Grundsätzen angemessene physische Erziehung nicht blos den Körper, sondern auch die Seele bildet, und dass man schon im ersten Jahre dadurch selbst den Seelenorganen eine ungemein glückliche Richtung geben kann, die die nachherige moralische Bildung unbeschreiblich erleichtert, ja die nach meiner Meinung ein wesentliches Stück derselben ist. – Denn wie viele Schiefheiten der Denkart und des moralischen Gefühls sind im Grunde nichts weiter, als Kränklichkeiten des körperlichen! Und ich bin völlig überzeugt, dass ein gesunder Zustand der Organisation und naturgemäße Vertheilung und Harmonie der Kräfte der wesentliche Grund von der edlen Gabe ist, die man gesunden Menschenverstand, bon sens, nennt und die eigentlich nichts anderes ist, als ein gehöriges Gleichgewicht und die harmonische Brauchbarkeit der Seelenkräfte. ( ) Man erlaube mir nun, die vorzüglichsten Mittel, wodurch man diese Ideen schon von Anfang an in Ausübung bringen kann, anzugeben. Sie heißen: kaltes Waschen, lauwarme Bäder, tägliches Luftbad, Reinlichkeit. Sind gleich diese Mittel sehr einfach und nicht unbekannt, so habe ich doch leider gefunden, dass sie entweder gar nicht, oder doch nicht auf die rechte Art und in der nöthigen Verbindung angewendet werden; und dennoch sind sie es gerade, von denen ich völlig überzeugt bin, daß durch sie am meisten der große Zweck gesunde, dauerhafte und brauchbare Menschen zu bilden erreicht werden kann.“ ( Hufeland 1865, S. 23-24)[4]

Die Zeit der naturgegebenen Versorgungsgemeinschaft ist vorbei.

Eine „gute Mutter“ müht sich redlich den Anordnungen der Ärzte Folge zu leisten und somit gesunde, intelligente und moralisch einwandfreie Kinder zu gerieren.

Im 19. Jahrhundert kämpfen „Gute Mütter“ gegen die Überfütterung:

„ Aber während die Erwachsenen sich morgens an den verschiedensten warmen Eier-, Fisch- und Fleischspeisen erfreuen durften, erhielten wir zur Hafergrütze Milch, Butter und Brot, höchstens noch etwas Obst ... Weswegen die Großmutter und die gebrechliche Tante fünf Gerichte brauchten und wir kräftigen, den ganzen Tag herumtollenden Kinder uns mit den paar Treibhaustrauben oder einem halben Pfirsich begnügen sollten, ist schwerlich logisch, war jedoch damaliger Glaubenssatz.“ (Hervorhebung – Y.S.; Bunsen 1929, S.20)[5]

„Gute Mütter“ haben „epidemische Angst“ vor dem Verwachsen ihrer Kinder und reagieren darauf mit Streckbetten und Geräten zum Geradehalten:

„Indeß Alles in Allem genommen befanden wir uns, da der Körper sich in der Jugend viel bieten lässt, vortrefflich, als mit einem Male durch die Zeitungen, oder Gott weiß durch welche Mittheilungen angeregt, sich über unsere Mütter die epidemische Angst vor dem Verwachsen ihrer Kinder zu verbreiten begann. Daß wir grade gingen und uns nichts Uebles anzusehen war, beruhigte unsere Mütter ganz und gar nicht, und half uns nichts. In allen Familien wurden Haussuchungen nach beginnenden Verkrümmungen gehalten, es war ein wahres Missgeschick über uns hereingebrochen, und ehe wir uns versahen, bestanden wir aus lauter Gebrechlichen, und wurden Behufs der mit uns zu beginnenden Kuren dezimiert. Drei Cousinen von mir, ( ) kamen in die neuerrichtete Königsberger orthopädische Anstalt, ( ) diese und jene von meinen Freundinnen bekamen in ihren Familien fabelhafte Maschinen zu tragen, und wurden nachts auf Streckbetten geschnallt; kurz es schien, als könnten unsere Mütter erst zur Ruhe kommen, wenn ihnen irgend ein Arzt die Gewissheit gegeben hatte, dass sie auch so unglücklich wären, angehende Krüppel unter ihren Kindern zu haben.“ (Lewald 1871, S. 262-263)[6]

Und „gute Mütter“ härteten ihre Kinder ab. Sie bekamen kalte Wassergüsse und gingen auch im Winter mit kurzen Söckchen und nackten Beinen. (vgl. Schütze S. 43)

Mit dem Fortschreiten der Industrialisierung werden pflichtbewusste und disziplinierte, aber auch gehorsame Untertanen benötigt. Die Medizin gibt dazu die spezifischen und technokratischen Anweisungen, die mit den gesellschaftlichen Erziehungszielen, wie Ordnung, Sauberkeit und Pünktlichkeit korrespondieren.

Hatte Hufeland hatte noch als Sozialisationsziele den „bons sens“, „gesunden Menschenverstand“ und den „reinen natürlichen Sinn“, redet Trumpp einige Jahrzehnte später von künftigen Patrioten“, und von der Pflicht, sich dem Staate unterzuordnen.

„ Mit der Erziehung zur Ordnung beginnt man schon wenige Tage nach der Geburt, indem man dem Kleinen nicht jedes Mal, so oft er sich meldet , sondern nur zu bestimmten Tageszeiten die Brust bzw. später die Flasche reicht ... Die Eltern sollen vielmehr vom ersten Lebenstag des Kindes an in Pflege und Wartung nur das tun, was sie für vernünftig und richtig halten, sollen sich vom Kind nichts abschmeicheln oder durch unartiges Geschrei abtrotzen lassen. Dann erreichen sie, dass das Kind aus dem Traumleben seiner sersten Lebenszeit zum Bewusstsein seiner selbst erwachend, den seinen Eltern schuldigen Gehorsam für etwas ganz Selbstverständliches hält. Es wird nicht zu einem jener gefürchteten, launischen und meist missvergnügten Tyrannen seiner ganzen Umgebung, sondern wächst in der zunehmenden Erkenntnis auf, dass es nur der Teil einer Gemeinschaft – zunächst der Familie, später des Staates – ist, der sich ein- und unterzuordnen seine Pflicht ist, der zu dienen seine Lebensaufgabe sein soll.“ ( Trumpp 1921, S. 114 – 116)[7]

„Mutterliebe“ hat sich beinahe ausschließlich in Disziplinierungsmaßnahmen zu äußern.

Mütterliche Zärtlichkeit wird als Schwäche ausgelegt und beim Kind werden Wünsche nach Zuwendung ohnehin nicht vermutet. Analog zur Pflichterfüllung des Mannes im Beruf, wird „Mutterliebe“ mit Pflichterfüllung gleichgesetzt. Pflichterfüllung herrscht aber auch in allen anderen Lebensbereichen der Frau.

„ Alles, was Mama z.B. tat, wenn sie ein recht unzufriedenes Gesicht dazu machte erklärte sie für Pflichterfüllung: die schmutzige Wäsche selber zählen. Obwohl drei Dienstboten daneben standen, die Zutaten zum Kochen herausgeben, obwohl wir eine vortreffliche französische Köchin hatten, nachmittags mit mir spazieren gehen, obwohl wir uns beide schrecklich dabei langweilten, - ja selbst die Dämmerstunden bei Papa, wo er zu Frau und Kind gern zärtlich war, schienen mir nach ihrem Ausdruck zu schließen, in dieses Gebiet zu gehören.“ (Braun 1924, S. 39)[8]

Eine Frau konnte als Mutter in keinem Fall genügen.

Erfüllte sie ihre Pflicht handelte sie gegen ihre Natur ,die zu weich, schwach, gefühlsbetont ist. Handelte sie ihr gemäß, verstieß sie gegen die Erziehungsgrundsätze der Experten und erfüllte damit nicht ihre Pflicht.

Und doch gilt in der Wende zum 20. Jahrhundert „Mütterlichkeit“ als der zentrale Bestandteil des Geschlechtscharakters der Frau und kann durch Bildung und Erwerbstätigkeit nicht zerstört werden, deshalb wird kinderlosen Frauen das Recht und die Fähigkeit einen Beruf auszuüben nicht abgesprochen. Für Mütter kommt Erwerbstätigkeit nicht in Frage.

2.1. Methode

Yvonne Schütze, Professorin an der Humbold-Universität in Berlin (Philosophische Fakultät. Institut für allgemeine Pädagogik, Abteilung Soziologie und Pädagogik) betreibt in ihrem Buch „Die gute Mutter – Zur Geschichte des normativen Musters ‚Mutterliebe’“ eine historische Studie, die bis in die Gegenwart reicht.

Sie benutzt die Methode der Inhaltsanalyse damaliger Verlautbarungen zum Thema „Mutterliebe“. Diese sind medizinische und pädagogische Ratgeber, autobiographische Quellen und Stellungnahmen der Frauenbewegung.

Sie folgt in der Auswahl ihrer Quellen der historischen Entwicklung der Ratgeberliteratur.

Seit dem späten bis ins frühe 20. Jahrhundert sind es vor allem Ärzte und Pädagogen, ab 1920 Psychologen und psychologisch argumentierende Ärzte, die die Normen für „Mutterliebe“ setzen.

Schütze hat nicht den Anspruch ein repräsentatives Sample der Ratgeberliteratur zu präsentieren, sondern trifft ihre Auswahl nach folgenden Gesichtspunkten:

Zuerst wählt sie die Publikationen von Ärzten, die zu ihrer Zeit als Kapazitäten der Pädiatrie galten. Dies macht sie an der Zahl der Auflagen und an der Bedeutung, die ihnen noch heute in der historischen Forschung über die Entwicklung der deutschen Pädiatrie zugewiesen wird, fest. wählt sie die Ärzte die sich in ihren Schriften direkt an die Mütter wandten und drittens hat sie noch weitere ärztliche Ratgeber durchgesehen, um zu kontrollieren, ob eine generelle Übereinstimmung mit den als typisch ausgewählten Ärzten herrscht.

Auf die zweite Expertengruppe, die Pädagogen ist sie nur flüchtig eingegangen, da die Aufklärungspädagogik nicht Wissenschaft zum Kronzeugen ihrer Argumentation mache, sondern ihre Anschauungen aus philosophischen und moralischen Idee über Sein und Sollen des Menschen ableite.

[...]


[1] Schütze: Zit. S. 23, zit. n. Hausen 1976, S.370

[2] Schütze: Zit. S.24, zit. n. Hausen 1976, S. 367

[3] Schütze: Zit. S.24, zit. n. Honegger 1985

[4] Schütze: Zit. S.29

[5] Schütze: Zit. S.41/42

[6] Zit. Schütze S. 42

[7] Zit. Schütze S. 69

[8] Zit. Schütze S. 31

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Mütter in der Familie - Lebenssituation, Erziehungsaufgaben, Wünsche
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Allg. Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Perspektiven der Familienerziehung
Note
nicht üblich
Autor
Jahr
2006
Seiten
37
Katalognummer
V75821
ISBN (eBook)
9783638770477
ISBN (Buch)
9783640319602
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mütter, Familie, Lebenssituation, Erziehungsaufgaben, Wünsche, Perspektiven, Familienerziehung
Arbeit zitieren
Désirée Schmidt (Autor), 2006, Mütter in der Familie - Lebenssituation, Erziehungsaufgaben, Wünsche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75821

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