Die Ministerialen der Zähringer in Burgund


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2006
71 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung
I.1 Methode

II. Frühe Zähringergeschichte (Herkunft und Vorfahren, Beziehungen zu Rheinfeldenern und zum salischen Königshaus)

III. Das Rheinfeldener Erbe und Ministeriale auf Rheinfeldener Gebiet
III.1 Rheinfelden
1.1 Der Herrschaftssitz Rheinfelden
1.2 Die Ministerialen von Rheinfelden
III.2 Der Besitzkomplex um Burgdorf
III.2.1 Herzogenbuchsee
1.1 Hof Buchsee
1.2 Ministeriale in der Gegend von Herzogenbuchsee
III.2.2 Burgdorf
2.1 Burgdorf unter Rheinfeldenern, Zähringern und Kyburgern
2.2 Ministeriale im Gebiet um Burgdorf
III.2.3 Münsingen
3.1 Hof Münsingen
3.2 Ministeriale in der Gegend von Münsingen
III.3 Ausgleich zwischen Herzog Berthold II. von Zähringen und Kaiser Heinrich IV

IV. Das Erbe der Grafen von Oltingen und Ministeriale auf Oltinger Gut
IV.1 Besitzungen der Grafen von Oltingen und der Grafen von Burgund
IV.2 Zähringische Heiratspolitik und daraus resultierende Erbforderungen in Burgund
IV.3 Sicherung des Oltinger Erbes und burgundischer Rektoratsauftrag der Zähringer
IV.4 Ministeriale auf Oltinger Territorium

V. Das burgundische Rektorat der Zähringer seit 1152
V.1 Zähringische Rektoratsansprüche im Rahmen der Burgund- Politik Friedrich Barbarossas zwischen 1152 und 1156
V.2 Ministeriale auf dem Gebiet des eingeschränkten Rektorats von 1156
V.3 Das zähringische Burgund unter Berthold V

VI. Vergleich der Ministerialendichte auf Haus- und Reichsgut und Folgerungen

VII. Eine Rangabstufung innerhalb der urkundlich belegbaren Zähringer Ministerialität

VIII. Ergebnisse

IX. Anhang
IX.2. Quellenverzeichnis
IX.3 Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Das Herzogsgeschlecht der Zähringer wirkte in seiner gut 200 Jahre dauernden Geschichte maßgeblich in Südwestdeutschland und der heutigen Westschweiz. Nach dem Tod des letzten Zähringers im Jahre 1218 wurde das aus Allod, Reichs- und Kirchenlehen bestehende Erbe aufgeteilt. Die beiden Schwestern Bertholds V. hatten sich in die Familien der Grafen von Urach und der Grafen von Kyburg eingeheiratet. Auf diesem Wege ging der rechtsrheinische Allodialbesitz an die Uracher, der linksrheinische an die Kyburger. Weitere Erbschaftsforderungen stellten die Herzöge von Teck (Seitenlinie der Zähringer), Ämter und Reichslehen zog Friedrich II. ein.[1] Mit dem Grundbesitz sind auch viele Ministerialen von den Zähringern auf die Kyburger übergegangen[2]. Die Erforschung dieser Ministerialität ist ein Desiderat in der zähringischen Geschichtsforschung[3].

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den Ministerialen der Zähringer in Burgund. Bei diesen und den Ministerialen der Zähringer Erben (die meisten von ihnen waren wahrscheinlich schon herzoglich- zähringische Ministerialen) sollen urkundliche Aussagen (Titel[4], (Vor-)Namen[5], Besitzungen, [falls möglich] Herkunft), Tätigkeit in zähringischer/ kyburgischer Zeit und Informationen zum Stammsitz erarbeitet werden. Eine Rangabstufung innerhalb der Ministerialität sowie eine Zuordnung zu Erb (Rheinfeldener, Oltinger)- und Reichsgebiet soll ebenfalls durchgeführt werden. Ein Vergleich der Ministerialendichte im Erb-/Rektoratsgut und die Formulierung möglicher Rückschlüsse hieraus folgen im Anschluss. Der Schwerpunkt wird auf die herzoglich- zähringischen Ministerialen gesetzt, die auch als solche urkundlich fassbar sind, da hier Funktion sowie Schicksal der Dienstleute am Ende der Zähringerzeit besonders deutlich werden.

Das Thema wird in dem Sinne behandelt, dass eine räumliche Eingrenzung auf das eingeschränkte Rektoratsterritorium von 1156 erfolgt. Rheinfelden mit seinem Zubehör lag zwar nicht in Burgund[6], doch übernahm es als Verklammerung zwischen links- und rechtsrheinischen zähringischen Besitzungen eine wichtige Rolle beim Herrschaftsaufbau in Burgund[7]. Deshalb wird es hier ebenfalls zugezogen.

Literatur, die sich auf die oben erwähnte Thematik bezieht, ist kaum vorhanden. Es gibt viele Monographien, die sich mit der burgundischen Zähringergeschichte beschäftigen (zu erwähnen ist hier die Dissertation „Untersuchungen zur Geschichte der Zähringer in Burgund“ von Hartmut Heinemann"), doch geht keines näher auf die Ministerialität ein. An dieser Stelle sei jedoch das Dissertationsprojekt bei Prof. Zotz, Freiburg i. Br.: Petra Skoda „Herrschaft durch Gefolgschaft. Zur Bedeutung von Ministerialität, freiem Adel und Hauskloster für den Aufbau der Zähringerherrschaft“ angesprochen[8]. Vorerst muss man sich weiterhin im wesentlichen mit der alphabetischen Zusammenstellung der Zähringerministerialen von Eduard Heyck[9] zufrieden geben. Das Thema ist bisher kaum erforscht worden.

Die Quellenlage ist gut. Ein vollständiges Quellenwerk zur Geschichte der Herzöge von Zähringer hat Ulrich Parlow 1999 erarbeitet[10]. Die lokal gebundenen Fontes Rerum Bernensium (2. Band) liefern Urkunden zur kyburgischen Zeit[11]. Die Königsurkunden sind in den Bänden der Monumenta Germaniae Historica komplett vorhanden.

Die Arbeit ist thematisch aufgebaut. Das zweite Kapitel geht auf die frühe Zähringergeschichte (Herkunft und Vorfahren, Beziehungen zu Rheinfeldenern und zum salischen Königshaus) ein. Im Hauptteil (3.- 7. Kapitel) werden die Ministeriale der Zähringer in Burgund (Ministeriale auf Gebieten der Rheinfeldener und Oltinger Erbschaften/ Rektoratsgebiet, Vergleich der Ministerialenkonzentration im Haus- und Reichsgut, Rangabstufung innerhalb des zähringischen Dienstadels) untersucht. Der achte Kapitel stellt die Ergebnisse der Untersuchung dar. Nach dem Schlusswort sind ein Kartenanhang sowie Quellen- und Literaturverzeichnis vorzufinden.

I.1 Methode

Die Karte „Herrschaftsbereich der Herzöge von Zähringen“ von Hartmut Heinemann[12] liefert die wahrscheinlichen Ausmaße der Rheinfeldener/ Oltinger Besitzungen und des eingeschränkten Rektoratsterritoriums. Der Karte entsprechend erfolgt die Zuordnung der Zähringer Ministerialen (bzw. der Ministerialen der Zähringer Erben) zu Erb (Rheinfeldener, Oltinger)- und Reichsgebiet.

Auf die Burgen bei den Sitzen der Ministerialen wird auch dann hingewiesen, wenn sie bereits abgebaut oder nur durch archivalische Nachrichten bekannt sind[13]. Bei Stammsitzen in der Schweiz wird die Angabe des Staates weggelassen. Der Verfasser erhebt bei der Ministerialenaufzählung keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Die Untersuchung der herzoglichen Ministerialen erfolgt parallel zu einer Darstellung der wichtigsten Geschehnisse der burgundischen Zähringergeschichte.

II. Frühe Zähringergeschichte (Herkunft und Vorfahren, Beziehungen zu Rheinfeldenern und zum salischen Königshaus)

Die nach dem Aussterben des Zähringergeschlechts im Hauskloster St. Peter geschriebene Genealogie bezeichnet die am Ende des 10. Jahrhunderts lebenden Gründer von Sulzburg namens Bezelin und Gebhard als älteste Vorfahren. Die moderne Forschung hat auf diese Verbindung Zweifel angemeldet.[14] Das älteste historisch belegbare Mitglied des Zähringergeschlechts ist um 1000 der Thurgaugraf Berthold[15]. Dieser enthielt 999 von Kaiser Otto III. für seinen Ort Villingen Markt-, Münz- und Zollrecht und von Heinrich II. die Grafschaft im Breisgau[16]. Die westliche Baar mit der oberen Donau und der Oberrhein waren somit zum Zeitpunkt der Jahrtausendwende die Besitzschwerpunkte der Familie. Der 1024 gestorbene Graf Berthold/ Bezelin (von Villingen), über dessen Mutter die Zähringer mit den Staufern verwandt waren, ist entweder der Thurgaugraf selbst oder als dessen Sohn anzusehen.[17] Bezelins Sohn Berthold war im engen Umfeld Konrads II. tätig. Durch geschickte Heiratspolitik (um 1040 Heirat mit Richwara, vermutlich Tochter Herzog Hermanns IV. von Schwaben) erweiterte sich der Wirkraum um Weilheim/ Limburg im Neckargau.[18]

Die erste nachweisbare Berührung zwischen Zähringern und Rheinfeldenern kam 1057 zustande[19]. Als einer der mächtigsten schwäbischen Adligen erhielt Berthold laut dem Chronisten Frutolf von Michelsberg das Versprechen Kaiser Heinrichs III. auf das Herzogtum Schwaben, wenn es durch den Tod des kinderlosen Herzogs Otto frei würde[20]. Kaiser Heinrich III. starb 1056 noch vor dem Schwabenherzog Otto. Als es 1057 das Herzogtum Schwaben neu zu besetzen galt, entführte Rudolf von Rheinfelden die Kaisertochter Mathilde aus der Obhut des Bischofs von Konstanz (wiederum nach der Chronik Frutolfs von Michelsberg).[21] Die Kaiserinwitwe Agnes[22] verlieh daraufhin wegen der Tochter den Dukat an Rudolf von Rheinfelden und band ihn durch die Verlobung mit eben dieser Mathilde an das salische Königshaus[23]. Die merkliche Verstimmung zwischen Berthold und Herzog Rudolf ging spätestens 1061 zurück, als die Kaiserin ihr Versprechen einlöste, und dem Zähringer zur Entschädigung ein frei werdendes Herzogtum (nämlich das Kärntener) übertrug[24]. Durch dieses Vorgang erreichte die zähringische Familie den dukalen Rang[25].

Nach der Beilegung der Auseinandersetzungen um das Herzogtum Schwaben kam es zu einer engen Beziehung zwischen Rudolf von Rheinfelden und dem Zähringer. In dieser Zeit teilte Berthold in allen Phasen die schwankende Politik Rudolfs mit und gegen König Heinrich IV..[26] Ein „neuer grosser Freundschaftsdienst des Zähringers“[27] ereignete sich nach der Wahl Rudolfs zum Gegenkönig 1077, als dieser zwecks unbedingtem Gehorsams gegenüber dem Papst neben seinem eigenen Sohn Berthold auch noch Herzog Bertholds Sohn als Geiseln für Papst Gregor VII. anbieten konnte. Herzog Berthold II. führte nach dem Tod seines Vaters 1078 die engen, auch persönlichen Beziehungen zu den Rheinfeldenern durch die 1079 erfolgte Heirat mit Agnes, Tochter Rudolfs von Rheinfelden, weiter[28].

Die Ministerialen der Zähringer in Burgund

III. Das Rheinfeldener Erbe und Ministeriale auf Rheinfeldener Gebiet

Die Herrschschaft der Zähringer in Burgund beginnt 1090[29]. In diesem Jahr verstarb der Sohn Rudolfs von Rheinfelden, Herzog Berthold von Schwaben, kinderlos[30]. Das Rheinfeldener Hausgut gelangte durch dessen Schwester Agnes an Berthold II.[31]. Eine weitere Schwester, Bertha, wird ihrem Gemahl Graf Ulrich X. von Bregenz vermutlich ebenfalls einen großen Teil des Erbes zugeführt haben. Eine dritte Schwester, Adelheid, verstarb wie ihr Bruder Berthold im Jahr 1090; als Erbin kam sie nicht in Betracht.[32]

Das Rheinfeldener Erbe gruppierte sich um den namengebenden Herrschaftssitz am Rhein und um die Burg Burgdorf im Emmental[33]. Diese beiden Besitzkomplexe sind durch das Jura- Gebirge abgetrennt. In diesem Trennungsraum konnten die Zähringer, vermutlich ebenso wie vor ihnen die Rheinfeldener, keine oder nur eine geringe Herrschaft ausüben.[34] Somit ist auch zu erklären, wieso in dem Gebiet zwischen den Stammsitzen der zähringischen Ministerialen Rheinfelden und Buchsiten westlich des Flusses Aare keine weiteren Zähringer Ministerialen bzw. Ministerialen der Zähringer Erben nachweisbar sind[35].

III.1 Rheinfelden

1.1 Der Herrschaftssitz Rheinfelden

„In der stärker auf die lokalen Verhältnisse bezogenen Forschung wird oft die Ansicht vertreten, die Grafen bzw. Herzöge von Rheinfelden und ihre Erben, die Herzöge von Zähringen, hätten im näheren Umkreis der Burg und späteren Stadt Rheinfelden über wenig Besitz und Rechte verfügt“[36] ;

demgegenüber ist aber doch wohl mit Hartmut Heinemann anzunehmen, dass der Herrschaftssitz Rheinfelden sowohl unter den Rheinfeldenern als auch unter den Zähringern sicherlich mehr als nur ein kleiner Brückenkopf war[37]. Entsprechend sind später in zähringischer Hand befindliche rechtsrheinische Besitzungen möglicherweise ebenfalls ursprünglich rheinfeldische Güter und Rechte, die die moderne Geschichtsforschung unter anderem aufgrund der ungeklärten Herkunft der Rheinfeldener Grafen nicht zu erkennen vermag[38].

Rheinfelden hatte schon für Rudolf von Rheinfelden eine verbindende Funktion zwischen links- und rechtsrheinischen Rheinfeldener Herrschaftsgebieten[39]. Nachdem Herzog Berthold II. 1079 den Breisgau erobert hatte und dieser zum Herrschaftszentrum wurde, verstärkte sich nach dem Anfall des Erbes der Stellenwert Rheinfeldens (oder allgemeiner: der Stellenwert des Besitzkomplexes um Rheinfelden) als Klammer und Verkehrsverbindung zwischen dem hauptsächlich linksrheinischen Erbe und den angestammten rechtsrheinischen Besitzungen des Zähringers[40].

Dennoch gilt erst Herzog Konrad von Zähringen (1122- 1152) als Gründer der >Stadt< Rheinfelden, denn erst die 1122/1132 einsetzenden Belege für Personen, die nach Rheinfelden zubenannt werden und im Umfeld der Zähringer auftauchen (siehe unten), liefern erste konkrete Hinweise dafür, dass sich Rheinfelden in der Hand der Herzoge befand. Aufgrund der exponierten Bedeutung Rheinfeldens muss in der Stadt mit der Existenz mehrerer Ministerialen im 12. Jahrhundert gerechnet werden; nachweisbar ist jedoch nur ein zähringisches Ministerialengeschlecht.[41]

1.2 Die Ministerialen von Rheinfelden

Die heutige Stadt Rheinfelden liegt im Kanton Aargau, Schweiz.[42] Die drei mittelalterlichen Burgstellen Rheinfeldens sind heute ganz verschwunden. Die Ministerialen, insbesondere die Truchsesse, haben wahrscheinlich von der Burg auf dem Stein (Felsinsel im Rhein) ihr Amt ausgeführt.[43] Zwischen 1122 und 1132 vollzogen Abt und Konvent des zähringischen Hausklosters St. Peter auf dem Schwarzwald ein Tauschgeschäft mit dem jungen Herzog Konrad, in dessen Namen ein >edler Herr Heinrich von Rheinfelden< handelte und zeugte (...per manum Heinrici nobilis uiri de Rînuelden), wahrscheinlich derselbe Adlige, der wenig später in der Zeugenreihe eines Diplomes König Konrads III. vom 8. Juli 1143 nach Herzog Konrad von Zähringen, dem Markgrafen Hermann und zahlreichen anderen Herren erscheint (Heinricus de Rinuelden); seine Position in der Reihe deutet wohl auf Herkunft vom Hochrhein hin“[44].

Dem freiadligen Heinrich – bzw. den Heinrichen – gehörte wohl die >Altenburg<[45]. Sie sind vermutlich entgegen der Meinung Heycks[46] zu trennen von den Zähringerministerialen von Rheinfelden (in nachstehenden Urkunden unter anderem fassbare Namen: Rinuelden, Rinvelt, Rinvelden[47]), die offensichtlich durch die Rheinfeldener Erbschaft an die Zähringer gelangten[48]. Ob ein Heinrich von Rheinfelden, der in Gegenwart Herzog Bertholds IV. 1168 eine Basler Urkunde bezeugte, mit dem oben genannten Heinrich/ den Heinrichen identisch ist oder ob er zu den herzoglichen Ministerialen von Rheinfelden gehört, kann nicht nachvollzogen werden[49]. In dem Vertrag zwischen König Friedrich I. und Herzog Berthold über die militärische Eroberung Burgunds von 1152 beschwören zwei homines (Burkhard und Werner) Bertholds die Erfüllung der zähringischen Zusagen[50]. Unklar ist, ob diese homines als Lehensmänner[51] oder als Ministerialen[52] zu verstehen sind. Nach Heinemann dürfte es sich bei Werner um Werner von Rheinfelden oder um Werner von Roggenbach handeln[53].

Bei den Ministerialen von Rheinfelden lag das Hofamt des Truchseß, als sie 1152 erstmals sicher urkundlich erwähnt werden[54]. Bis 1186 zeugen drei Brüder, Werner der Truchseß (dapifer[55] ), Konrad und Gerhard als de domo ducis[56], de clientibus ducis[57], de familia ducis[58], ministeriales[59] immer wieder in der Reihe herzoglicher familiares. Auffällig ist, dass Konrad von Rheinfelden zwei Ministerialenaufzählungen anführt[60], jedoch in einer weiteren Urkunde (Zeitraum zwischen 1152 und 1186) zusammen mit seinem Bruder Gerhard an letzter Position genannt wird[61]. Der Truchseß Werner von Rheinfelden erscheint in einer Schenkungsurkunde Herzog Bertholds IV. von 1175 unter Anwesenheit der barones Burgundi ę (also vermutlich auch der wichtigsten burgundischen Ministerialen der Zähringer) in der Auflistung der anwesenden herzoglichen Ministerialen an zweiter Stelle (hinter Marschall Gottfried von Staufen [im Breisgau])[62].

Die Ministerialen von Rheinfelden besaßen Eigengut bei Rheinfelden[63], in Goldenthal[64] und möglicherweise den Hof Wilere[65]. Berthold von Rheinfelden, Ministeriale Bertholds V., gründete 1212 mit der Erlaubnis des Zähringers ein Johanniterhospital auf seinem Eigengut bei Rheinfelden[66]. Ein Heinricus (vermutlich ebenfalls ein Ministeriale des Zähringers), der im Jahre 1212 in einer Johanniterurkunde erwähnt wird, war der erste bekannte Rheinfelder Schultheiss. Er ist wahrscheinlich identisch mit Heinricus de Rinvelden.[67]

Der dapifer - Titel wurde nach 1218 zum neuen Familiennamen der von Rheinfelden. Das Geschlecht diente offenbar nicht als Kyburger Ministeriale, sondern ging im Rheinfeldener Stadtadel auf.[68] In nachzähringischer Zeit sind Besitze in Schalunen[69] und in der Gegend von Freiburg im Uechtland[70] nachweisbar. Es kam zu einer Verschwägerung mit den Kyburger Ministerialen von Oenz[71].

III.2 Der Besitzkomplex um Burgdorf

Herzogenbuchsee, Burgdorf und Münsingen sind einzelne Orte, die das Erbe der Rheinfeldener in Burgund begrenzt haben dürften. Aufgrund der Erweiterung der zähringischen Stellung in Burgund durch das Erbe der Grafen von Burgund sowie durch das Rektorat über Burgund und der damit verbundenen Verschmelzung von Besitzungen, ist es nicht möglich das Rheinfeldener Erbe vom Erbe der Grafen von Burgund bzw. zähringisches Hausgut vom Reichsgut aufgrund der Rektoratsgewalt eindeutig zu trennen. Aufgrund der wahrscheinlichen geographischen Ausmaße der Rheinfeldener Hinterlassenschaft erscheint die Zuordnung nachstehender Zähringer Ministerialen (bzw. Ministerialen der Zähringer Erben) zum Rheinfeldener Gebiet jedoch als wahrscheinlich.[72] Da mit dem Grundbesitz auch viele Ministerialen von den Rheinfeldenern auf die Zähringer übergegangen sind, werden sich unter den folgenden Ministerialen auch ursprünglich rheinfeldische befinden, die aufgrund der schlechten Quellenlage nicht als solche zu erkennen sind.

Die benannten Orte waren noch im 13. Jahrhundert wichtige Stützpunkte der Zähringererben[73]. Im folgenden werden daher Daten zur Besitzgeschichte von Herzogenbuchsee, Burgdorf und Münsingen angegeben und die Gebiete im Umkreis der Orte auf das Vorkommen von Zähringer Ministerialen bzw. Ministerialen der Zähringer Erben untersucht.

[...]


[1] Vgl. Zotz, Thomas, Artikel „Zähringer“, in: LexMA IX, München/ Zürich 1998, Sp. 464- 467.-

Vgl. auch Mayer, Landgrafschaften, S. 159.

[2] Vgl. Wattenwyl von Diesbach, Eduard von, Geschichte der Stadt und Landschaft Bern, Bd. 1: Dreizehntes Jahrhundert, Schaffhausen 1867, S. 292.

[3] Vgl. Parlow, Ulrich, Die Zähringer. Kommentierte Quellendokumentation zu einem südwestdeutschen Herzogsgeschlecht des hohen Mittelalters, Stuttgart 1999, S. XIII.-

Vgl. auch Zettler, Alfons, Zähringerburgen. Versuch einer landesgeschichtlichen und burgenkundlichen Beschreibung der wichtigsten Monumente in Deutschland und in der Schweiz, in: Schmid, Karl (Hrsg.), Die Zähringer. Schweizer Vorträge und neue Forschungen, Sigmaringen 1990 (Die Zähringer Bd. 3), S. 119.

[4] also ministerialibus ducis, de domo ducis usw.

[5] Der Gebrauch von aus dem Zähringergeschlecht bekannten Vornamen bei Kyburger Ministerialen lässt möglicherweise eine vorherige untergeordnete Beziehung zu den Zähringern erahnen.

[6] Vgl. Heinemann, Hartmut, Die Zähringer und Burgund, in: Schmid, Karl (Hrsg.), Die Zähringer. Eine Tradition und ihre Erforschung, Sigmaringen 1986 (Die Zähringer Bd. 1), S. 61.

[7] Vgl. Zettler, Alfons, Zähringerburgen, S. 117.

[8] Vgl. Parlow, Ulrich, Die Zähringer. Kommentierte Quellendokumentation, S. XIII Anm. 16.

[9] Vgl. Heyck, Eduard, Geschichte der Herzoge von Zähringen, Freiburg i. Br. 1891/92 (ND 1980), S. 539- 559.

[10] Parlow, Ulrich, Die Zähringer. Kommentierte Quellendokumentation.

[11] Der Herausgeber der FRB, v. Stürler, zweifelt das burgundische Rekorat der Zähringer vor 1152 in seiner Gesamtheit an, indem er alle Königsurkunden vor 1152, die einen Rektor von Burgund nennen, für gefälscht erklärt (Vgl. die entsprechenden Bemerkungen: FRB I S. 390 und die Urkunden Nr. 7 S. 403 f., Nr. 9 S. 406 und Nr. 41, S. 443). Der Verfasser dieser Arbeit lehnt dieses Ergebnis von Stürlers mit einem Verweis auf Heinemann, Hartmut, Untersuchungen zur Geschichte der Zähringer in Burgund, Diss. Phil. Marburg 1982; Teil 1 abgedruckt in: AfD 29 (1983), S. 150 ab.

[12] Karte „Herrschaftsbereich der Herzöge von Zähringen“ (Heinemann, Hartmut) in: Heinemann, Hartmut, Untersuchungen zur Geschichte der Zähringer in Burgund II, S. 239. Dies ist Karte 1 im Anhang.

[13] Vgl. Heyck, Eduard, Geschichte der Herzoge von Zähringen, S. 539.

[14] Vgl. Althoff, Gerd, Die Zähringerherrschaft im Urteil Ottos von Freising, in: Schmid, Karl (Hrsg.), Die Zähringer. Eine Tradition und ihre Erforschung, Sigmaringen 1986 (Die Zähringer Bd. 1), S. 54.

[15] Vgl. Zotz, Thomas, Artikel „Zähringer“, in: LexMA IX, Sp. 464.

[16] Vgl. Heyck, Eduard, Geschichte der Herzoge von Zähringen, S. 8 f.

[17] Vgl. Zotz, Thomas, Artikel „Zähringer“, in: LexMA IX, Sp. 464.

[18] Vgl. ebd. Sp. 464.

[19] Vgl. Heinemann, Hartmut, Untersuchungen zur Geschichte der Zähringer in Burgund I, S. 63.

[20] Vgl. Althoff, Gerd, Die Zähringer – Herzöge ohne Herzogtum, in: Schmid, Karl (Hrsg.), Die Zähringer. Schweizer Vorträge und neue Forschungen, Sigmaringen 1990 (Die Zähringer Bd. 3), S. 84. Die Praxis der sogenannten Eventualbelehnung ist bekannt und nicht außergewöhnlich.- Vgl. ebd. S. 84.

[21] Vgl. ebd. S. 84.

[22] Nach dem Tod Heinrichs III. (5. Oktober 1056) übernahm Kaiserin Agnes übergangsweise die Regentschaft für den unmündigen Thronfolger.- Vgl. Struve, Tilman, Artikel „Heinrich IV.“, in: LexMA IV, München/ Zürich 1989, Sp. 2041- 2043.

[23] Vgl. Die Chroniken Frutolfs und Ekkehards und die anonyme Kaiserchronik, hrsg. v. Franz- Josef Schmale und Irene Schmale- Ott, Darmstadt 1972 (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters 15), S. 75.- Vgl. auch Heinemann, Hartmut, Untersuchungen zur Geschichte der Zähringer in Burgund I, S. 63.

[24] Vgl. Heyck, Eduard, Geschichte der Herzoge von Zähringen, S. 25.

[25] Vgl. Zotz, Thomas, Artikel „Zähringer“, in: LexMA IX, Sp. 465.

[26] Vgl. Heinemann, Hartmut, Untersuchungen zur Geschichte der Zähringer in Burgund I, S. 64.- Zum Beispiel schlossen sich Herzog Berthold, Herzog Rudolf von Schwaben und Herzog Welf IV. 1075 zur süddeutschen Fürstenopposition zusammen.- Vgl. Zotz, Thomas, Artikel „Zähringer“, in: LexMA IX, Sp. 465.

[27] Heyck, Eduard, Geschichte der Herzoge von Zähringen, S. 77.

[28] Vgl. Bischof Otto von Freising und Rahewin, Die Taten Friedrichs (oder richtiger Chronica) I/7, hrsg, v. Franz- Josef Schmale, Darmstadt 1965 (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters 17), S. 145 f.- Zur Stellung Rudolfs von Rheinfelden in Burgund vgl. Heyck, Eduard, Geschichte der Herzoge von Zähringen, S. 581 f.

[29] Vgl. Heinemann, Hartmut, Untersuchungen zur Geschichte der Zähringer in Burgund I, S. 63.

[30] Vgl. Zotz, Thomas, Artikel „Zähringer“, in: LexMA IX, Sp. 465.

[31] Vgl. Heyck, Eduard, Geschichte der Herzoge von Zähringen, S. 157.

[32] Vgl. Heinemann, Hartmut, Untersuchungen zur Geschichte der Zähringer in Burgund I, S. 63.- Rudolfs Kinder stammen vermutlich allesamt aus dessen zweiter Ehe mit Adelheid von Turin- Susa. Rudolfs erste Ehefrau Mathilde verstarb ein Jahr nach der Heirat am 12. Mai 1060. Vgl. ebd. S. 65 f.

[33] Vgl. Heinemann, Hartmut, Die Zähringer und Burgund, S. 61.

[34] Vgl. ders. Untersuchungen zur Geschichte der Zähringer in Burgund I, S. 70.

[35] Vgl. Zettler, Alfons u.a., Karte der Zähringerministerialen, in: Schadek, Hans (Hrsg.), Die Zähringer. Anstoß und Wirkung, Freiburg 1986 (Die Zähringer Bd. 2), Nr. 32, S. 55: Stammsitz der herzoglich- zähringischen Ministerialen von Rheinfelden: Rot eingezeichnete Nr. 43; Stammsitz der herzoglich- zähringischen Ministerialen von Buchsiten: Rot eingezeichnete Nr. 47.

[36] Heinemann, Hartmut, Untersuchungen zur Geschichte der Zähringer in Burgund I, S. 70.

[37] Vgl. Heinemann, Hartmut, Untersuchungen zur Geschichte der Zähringer in Burgund I, S. 71.

[38] Vgl. Zettler, Alfons, Zähringerburgen, S. 116 f.- Vgl. auch Schib, Karl, Geschichte der Stadt Rheinfelden, Rheinfelden 1961, S. 23 f.

[39] Vgl. Zettler, Alfons, Zähringerburgen, S. 117.

[40] Vgl. Zettler, Alfons, Zähringerburgen, S. 117.- Vgl. auch Heyck, Eduard, Geschichte der Herzoge von Zähringen, S. 121 f., S. 171- 174 und S. 185 f.

[41] Vgl. Zettler, Alfons, Zähringerburgen, S. 118 f.-

Vgl. auch Schib, Karl, Geschichte der Stadt Rheinfelden, S. 71 f.

[42] Vgl. Parlow, Ulrich, Die Zähringer. Kommentierte Quellendokumentation, S. 557.

[43] Vgl. Zettler, Alfons, Zähringerburgen, S. 114 und 119.- Zu dieser Burg vgl. auch Schib, Karl, Geschichte der Stadt Rheinfelden, S. 23 f.

[44] Zettler, Alfons, Zähringerburgen, S. 118.- Vgl. auch MGH DK III Nr. 89, ausgestellt in Straßburg. Heinrich von Rheinfelden erscheint zwischen Berthold von Tannegg und Konrad von Krenkingen. Zur Urkunde vgl. Heyck, Eduard, Geschichte der Herzoge von Zähringen, S. 301 f.

[45] Vgl. Zettler, Alfons, Zähringerburgen, S. 119.

[46] Heyck, Eduard, Geschichte der Herzoge von Zähringen, S. 552: „Zwischen 1122 u. 1132 wird ein nobilis vir Heinrich von Rh. als Treuhänder Herzog Konrad’s erwähnt, RSP. 161. Er muss aber doch zu der [späteren?] Ministerialen- Familie gehören, da nach 1218 gerade der Name Heinrich bei den von Rheinfelden und zwar den Truchsessen von Rheinfelden vorkommt, F.r.B. II 197, 202, 253“.

[47] Vgl. auch Heyck, Eduard, Geschichte der Herzoge von Zähringen, S. 552.

[48] Vgl. Zettler, Alfons, Zähringerburgen, S. 118.

[49] Vgl. Parlow, Ulrich, Die Zähringer. Kommentierte Quellendokumentation, Parlow, Ulrich, Die Zähringer. Kommentierte Quellendokumentation, Reg. 458 S. 289.

[50] Vgl. ebd. Reg. 343 S. 225- 227.

[51] Vgl. Simonsfeld, Henry, Jahrbücher des deutschen Reiches unter Friedrich I., Bd. 1: 1152- 1158, Leipzig² 1967 (Jahrbücher der deutschen Geschichte), S. 81.

[52] Vgl. Heinemann, Hartmut, Untersuchungen zur Geschichte der Zähringer in Burgund I, S. 158.

[53] Vgl. ebd. S. 158 mit Anmerkung 51.- Zu dem zähringischen Ministerialengeschlecht von Roggenbach vgl. Heyck, Eduard, Geschichte der Herzoge von Zähringen, S. 553 f.

[54] Vgl. Zettler, Alfons, Zähringerburgen, S. 118.

[55] Vgl. Parlow, Ulrich, Die Zähringer. Kommentierte Quellendokumentation, Parlow, Ulrich, Die Zähringer. Kommentierte Quellendokumentation, Reg. 344 S. 227- 229 und Reg. 469 S. 296 f.

[56] Vgl. ebd. Reg. 341 f. S. 223- 225 (1152).

[57] Vgl. ebd. Reg. 344 S. 227- 229 und Reg. 515 S. 329.

[58] Vgl. ebd. Reg. 469 S. 296 f.

[59] Vgl. Parlow, Ulrich, Die Zähringer. Kommentierte Quellendokumentation, Reg. 510, S. 324 f.; Parlow, Ulrich, Die Zähringer. Kommentierte Quellendokumentation, Reg. 595, S. 389 f.

[60] Vgl. ebd. Reg. 341 f., S. 223- 225 (1152).

[61] Vgl. ebd. Reg. 515, S. 329.

[62] Vgl. ebd. Reg. 469, S. 296 f.

[63] im Pfarrbezirk der Kirche von Magden gelegen. Vgl. ebd. Reg. 594, S. 389.

[64] Vgl. ebd. Reg. 594, S. 389.

[65] vielleicht Wyhlen nahe Rheinfelden. Vgl. ebd. Reg. 639, S. 413 f.

[66] Vgl. ebd. Reg. 639, S. 413 f.- Vgl. auch Schib, Karl, Geschichte der Stadt Rheinfelden, S. 71 f. und 101.

[67] Vgl. Schib, Karl, Geschichte der Stadt Rheinfelden, S. 35.

[68] Vgl. ebd. S. 71.- Vgl. auch Heyck, Eduard, Geschichte der Herzoge von Zähringen, S. 552.

[69] Vgl. FRB, Bd. 2: Umfassend den Zeitraum von 1218, Februar, bis 1271, Juli 6, Bern 1877, S. 313.

[70] Vgl. ebd. S. 247 und 498.

[71] Vgl. ebd. S. 313. Vgl. auch Heyck, Eduard, Geschichte der Herzoge von Zähringen, S. 552.- Zu den von Oenz siehe unten S. 14.

[72] Vgl. Heinemann, Hartmut, Untersuchungen zur Geschichte der Zähringer in Burgund I, S. 100.- Vgl. auch Karte 1 im Anhang: Herrschaftsbereich der Herzöge von Zähringen (Heinemann, Hartmut). Zu Burgdorf vgl. Schweizer, Jürg, Das zähringische Burgdorf, in: Schmid, Karl (Hrsg.), Die Zähringer. Schweizer Vorträge und neue Forschungen, Sigmaringen 1990 (Die Zähringer Bd. 3), S. 15- 24.

[73] Vgl. Heinemann, Hartmut, Untersuchungen zur Geschichte der Zähringer in Burgund I, S. 100.

Ende der Leseprobe aus 71 Seiten

Details

Titel
Die Ministerialen der Zähringer in Burgund
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Historisches Seminar)
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
71
Katalognummer
V75866
ISBN (eBook)
9783638813389
ISBN (Buch)
9783656245162
Dateigröße
720 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ministerialen, Zähringer, Burgund
Arbeit zitieren
Matthias Storm (Autor), 2006, Die Ministerialen der Zähringer in Burgund, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75866

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