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Die Figur des Intriganten und die Funktion der Intrige in Emilia Galotti

Title: Die Figur des Intriganten und die Funktion der Intrige in Emilia Galotti

Term Paper , 2007 , 19 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Eva Tüttelmann (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Das Konzept der Intrige lässt sich in nahezu allen Literaturformen finden. Erste Andeutungen finden sich bei Aischylos und Sophokles, bei Euripides wird sie erstmals zum konstituiven Element tragischer Handlung. In der Literaturwissenschaft gilt die Intrige als „typisches Element der altväterischen Vormoderne und liegt tief unten in der Mottenkiste.“ Dennoch zieht sie sich wie eine Art roter Faden durch die Literaturgeschichte.

Die Figur des Intriganten übt eine fragwürdige Faszination aus. Angetrieben von Machtgier, verletzter Eitelkeit oder aus purer, grundloser Boshaftigkeit sät der Bösewicht Zweifel und Misstrauen, meist mit dramatischen Folgen. Als Prototyp eines Fieslings bringt es Jago in Othello gleich zweifach auf den Punkt: „I am not what I am“ , so seine Selbsteinschätzung. Um sich von magischen Kräften und niveaulosen Schurken abzugrenzen stellt er außerdem klar: „We work by wit, and not by witchcraft.“ Shakespeares Anti-Held leistet somit eine gelungene Charakterisierung des klassischen Intriganten. Gewitzt und gerissen spinnt jener ein Netz aus Lügen und Halbwahrheiten, ohne dabei auf die Unterstützung von Über-Mächten angewiesen zu sein.

Der berechnende Einsatz von Wissen katapultiert uns vom frühen 17. Jahrhundert direkt in die Aufklärung, wo die Gattung des bürgerlichen Trauerspiels in verschiedener Weise die Werte der vermeintlich aufgeklärten bürgerlichen Gesellschaft in Frage stellt. Am Beispiel von Lessings Emilia Galotti soll in der vorliegenden Arbeit die Figur des Intriganten sowie die Funktion der Intrige und ihre Auswirkungen untersucht werden. Hierzu ist es notwendig, die Entwicklung der Intrige und ihrer Vertreter im Drama des 18. Jahrhunderts zu beleuchten. Ebenso muss die Intrige in Emilia Galotti genauere Analyse erfahren. Im Anschluss sollen die beiden Drahtzieher, der Kammerherr Marinelli und die Gräfin Orsina, genauer betrachtet werden. Abschließend befasst sich die Arbeit mit den Auswirkungen der Intrige und denen von Emilia Galotti als Werk in der Gesellschaft der Aufklärung.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung: „We work by wit, and not by witchcraft“

I. Intrige und Intriganten im Drama

1. Die Intrige

a) Entwicklung

b) Funktion

2. IntrigantInnen des Trauerspiels

II. Die Intrige in Emilia Galotti

1. Berechnung und Zufall

2. Funktion und Folgen

III. Marinelli und Orsina: Intriganten oder Opfer?

1. Marinelli

a) Der Kammerherr als höfischer Intrigant

b) Marinelli als Repräsentant für die Konsequenzen höfischer Verstellung

2. Orsina

a) Die Verführte als todbringende Buhlerin

b) Orsina als Opfer der Affekte

IV. Emilia Galotti als Hofkritik

1. Etikette und Simulation als Bedrohung bürgerlicher Werte

2. Der Tod der Emilia: Ein bürgerliches Opfer höfischer Abgründe?

V. Die Umwandlung bürgerlicher Wertvorstellungen in Instrumente der Manipulation

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Figur des Intriganten sowie die Funktion und Auswirkungen der Intrige in Gotthold Ephraim Lessings bürgerlichem Trauerspiel „Emilia Galotti“. Dabei wird analysiert, inwieweit das Konzept der Intrige als Werkzeug der Manipulation und als Mittel zur Hofkritik fungiert, und wie sie zur Auflösung bürgerlicher Werte beiträgt.

  • Die Entwicklung und Funktion der Intrige im Drama des 18. Jahrhunderts
  • Die Charakterisierung und Motivation der zentralen Intriganten Marinelli und Orsina
  • Die Bedeutung von Berechnung und Zufall innerhalb des dramaturgischen Aufbaus
  • Hofkritik und der Konflikt zwischen bürgerlichen Idealen und höfischer Verstellung
  • Die gesellschaftliche Wirkung und moralische Implikationen der Katastrophe in Emilia Galotti

Auszug aus dem Buch

II. Die Intrige in Emilia Galotti

Kammerherr Marinelli plant, die von seinem Herrn begehrte Emilia und den Grafen Appiani noch vor ihrer Heirat zu entzweien. Als der Prinz von der Hochzeit erfährt, ist er völlig verzweifelt und bittet Marinelli um Hilfe: „Retten Sie mich, wenn Sie können [...]“ (EG I, 6). Überwältigt von seinen Emotionen, überträgt er seinem Kammerherrn die eigene Mündigkeit: „Liebster, bester Marinelli, denken Sie für mich. Was würden Sie tun, wenn Sie an meiner Stelle wären?“ (EG I, 6). Appiani soll eine Aufgabe zugetragen bekommen, die er kaum ablehnen kann und die ihn zwingt, die Hochzeit mit Emilia zu verschieben, so Marinellis Plan. Wider Erwarten jedoch lehnt Appiani ab und ein neuer Plan muss her. Schurke Angelo soll die Emilia auf dem Weg zu ihrem Fest entführen und auf das Schloss des Prinzen bringen. Beim Überfall auf die Kutsche eskaliert die Situation und Appiani fällt ihr zum Opfer. Marinelli ist schockiert, denn sein Plan beinhaltete nicht den Tod des Grafen, der Prinz hingegen ist außer sich über diese Entwicklung:

„Bei Gott! bei dem allgerechten Gott! ich bin unschuldig an diesem Blute. – Wenn Sie mir vorher gesagt hätten, daß es dem Grafen das Leben kosten werde – Nein, nein! und wenn es mir selbst das Leben gekostet hätte!“ (EG IV, 1)

Nachdem nun also beim ersten Mal Appiani Marinellis Pläne durchkreuzt hat, so ist es nun desselben Tod, welchen Marinelli als Zufall bezeichnet (vgl. EG IV, 1). Der Prinz selbst ist es, der die Situation, wie Marinelli hier spät erfahren muss, zusätzlich verkompliziert. Die Tatsache, dass er Emilia am Morgen in der Kirche aufgesucht hat, macht ihn unweigerlich zum Verdächtigen im Fall Appiani.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Intrige und Intriganten im Drama: Dieses Kapitel beleuchtet den Begriff und die Funktion der Intrige als dramaturgisches Mittel von der Antike bis zum bürgerlichen Trauerspiel. Dabei wird die Verschiebung vom schicksalhaften zum affektgesteuerten Handeln thematisiert.

II. Die Intrige in Emilia Galotti: Hier wird die spezifische Dynamik aus Berechnung und Zufall in Lessings Drama analysiert, welche die dramatische Handlung maßgeblich vorantreibt.

III. Marinelli und Orsina: Intriganten oder Opfer?: Dieses Kapitel untersucht die zwei Hauptfiguren der Intrige hinsichtlich ihrer Motivation und stellt die Frage, ob sie als Schurken oder als Gefangene höfischer Verhaltensmuster zu lesen sind.

IV. Emilia Galotti als Hofkritik: Diese Sektion analysiert, wie die Etikette und das System der Verstellung als Bedrohung für bürgerliche Tugenden fungieren und inwieweit der Tod der Emilia eine Konsequenz höfischer Abgründe darstellt.

V. Die Umwandlung bürgerlicher Wertvorstellungen in Instrumente der Manipulation: Das Fazit zieht den Schluss, dass die Intrige zur Auflösung des Familiengerüsts führt und das Stück selbst als subtile Kritik an den gesellschaftlichen Strukturen der Aufklärung fungiert.

Schlüsselwörter

Emilia Galotti, Lessing, Intrige, Intrigant, Marinelli, Orsina, bürgerliches Trauerspiel, Hofkritik, Verstellung, Affekte, Aufklärung, Machtgier, Manipulation, Tugend, Dramaturgie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Mechanismen der Intrige in Lessings Drama „Emilia Galotti“ und untersucht, wie diese als zentrales Steuerungselement innerhalb des Stückes agiert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit befasst sich primär mit den Themenbereichen Intrige, höfische Verstellung, die Kollision von bürgerlichen Werten mit absolutistischer Macht und die Psychologie der beteiligten Akteure.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Figur des Intriganten und die Funktion der Intrige in ihrer Auswirkung auf das familiäre Umfeld und die bürgerliche Wertordnung kritisch zu beleuchten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die textnahe Interpretationen mit dramentheoretischen Ansätzen und einschlägiger Forschungsliteratur verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil umfasst die Analyse der Intrigenpläne von Marinelli, das Eingreifen der Orsina, die dramaturgische Bedeutung des Zufalls sowie die kritische Reflexion des Hoflebens im Stück.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wesentlichen Schlagworten gehören „Intrige“, „Hofkritik“, „Simulation“, „Affektkontrolle“ und „bürgerliches Trauerspiel“.

Wie unterscheidet sich die Intrige in „Emilia Galotti“ von anderen Dramen?

Die Arbeit stellt heraus, dass Lessing die Intrige nicht nur als Mittel zur Destabilisierung nutzt, sondern sie mit bürgerlichen Werten verknüpft, wodurch die Fronten zwischen den gesellschaftlichen Lagern zunehmend verschwimmen.

Inwiefern werden Marinelli und Orsina als Opfer betrachtet?

Die Arbeit hinterfragt, ob diese Figuren lediglich als gewissenlose Schurken fungieren oder ob ihr Handeln als notwendiges Resultat eines sozialen Systems verstanden werden muss, das auf Verstellung und Machtgier basiert.

Warum spielt der Zufall eine so große Rolle für Marinelli?

Der Zufall erweist sich als unberechenbare Größe, die Marinellis kalkulierte Strategie kontinuierlich durchbricht und letztlich eine Eigendynamik entwickelt, die nicht mehr vollständig kontrollierbar ist.

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Details

Title
Die Figur des Intriganten und die Funktion der Intrige in Emilia Galotti
College
University of Cologne  (Institut für deutsche Sprache und Literatur)
Course
Einführung in die neuere deutsche Literatur II: Bürgerliches Trauerspiel
Grade
1,3
Author
Eva Tüttelmann (Author)
Publication Year
2007
Pages
19
Catalog Number
V75878
ISBN (eBook)
9783638808002
Language
German
Tags
Figur Intriganten Funktion Intrige Emilia Galotti Einführung Literatur Bürgerliches Trauerspiel Thema Emilia Galotti
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Eva Tüttelmann (Author), 2007, Die Figur des Intriganten und die Funktion der Intrige in Emilia Galotti, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75878
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