Betrachtungen zu Patrick Süskind: "Das Parfum"

Vom Animal zum Künstler: Das Psychogramm eines Duftgenies


Magisterarbeit, 2007
107 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Geruchssinn: ein Exkurs in die Wahrnehmungspsychologie
2.1 Nase und Geruch
2.1.1 Aufbau und Funktion der Nase
2.1.2 Das olfaktorische System
2.1.3 Riechhirn und Gedächtnis
2.1.4 Geruch und Geschmack
2.2 Sinnesphysiologie und Ansätze der Wahrnehmungspsychologie
2.3 Mensch und Geruch
2.3.1 Riechleistung der menschlichen Nase
2.3.2 Geruch und Gedächtnis
2.3.2.1 Erinnerungsleistung von Gerüchen
2.3.3 Die Kraft der Düfte: soziologische und psychologische Aspekte des Geruchs
2.3.3.1 Geruch und Emotion
2.3.3.2 Individualgeruch und Attraktivität
2.3.3.3 Geruch als Indikator zur Entwicklung der Ich-Identität

3 Geschichte der Parfümerie
3.1 Geschichte des Geruchs
3.1.1 Die Nase, das primitive Sinnensorgan
3.1.2 Olfaktorische Wahrnehmung in der Philosophie
3.1.3 Klassifikationen von Gerüchen
3.1.4 Frankreich im 18. Jahrhundert
3.1.4.1 Pariser Zustände
3.1.4.2 Medizin und Wissenschaft
3.1.4.3 Geruchsentwicklung bis hin zur Desodorisierung
3.2 Geschichte des Parfums
3.2.1 Duftgebrauch – Zeittafel und Entwicklung
3.2.2 Duftmode
3.2.3 Parfum und Düfte aus dem Tierreich
3.2.4 Der menschliche Duftpass

4 Der Roman
4.1 Patrick Süskind
4.2 Stilformen der Erzählung
4.3 Gattungslehre und Romantypen
4.3.1 Das Märchen
4.3.2 Der Bildungsroman
4.3.3 Der Schelmenroman
4.3.4 Der Kriminalroman
4.3.5 Der Künstlerroman
4.3.6 Versuch einer literarischen Einordnung des Romans Das Parfum
4.4 Motive und Konstellationen
4.4.1 Alles nur Theater – Illusion und Desillusionierung
4.4.2 Das parodistisch-ironische Moment der Aufklärungskritik
4.4.3 Der Geniemythos
4.5 Figurenkonstellation
4.5.1 Die monströsen Mütter
4.5.2 Der Gerber Grimal
4.5.3 Giuseppe Baldini
4.5.4 Marquis de la Taillade-Espinasse
4.5.5 Antoine Richis

5 Die Figur Grenouille
5.1 Autismus
5.1.1 Soziales Verhalten
5.1.2 Kommunikation und Sprache
5.1.3 Intelligenz
5.1.4 Wahrnehmung und Motorik
5.2 Schizophrenie
5.2.1 Halluzinationen
5.2.2 Wahnvorstellungen
5.2.3 Soziale Isolation
5.2.4 Emotionales und motorisches Verhalten
5.3 Diagnose
5.4 Animal oder Mensch?
5.4.1 Die Person Grenouille
5.4.1.1 Inadäquate Affektivität
5.4.1.2 Narzissmus
5.4.1.3 Die Metapher des Zeck
5.4.2 Grenouille, das Animal
5.4.3 Menschwerdung
5.4.3.1 Entdeckung der eigenen Geruchlosigkeit
5.4.3.2 Äußerliche Metamorphose
5.4.3.3 Innerliche Metamorphose
5.4.3.4 Persönlichkeit und Individualisierung: Grenouille der (Ver)Führer
5.5 Grenouilles Scheitern

6 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Eidesstattliche Versicherung

1 Einleitung

„Das Thema ist vielleicht etwas delikat – es geht um den Geruch.“[1]

Franziska von Au

Der Geruchssinn wurde im Laufe der Geschichte immer wieder denunziert, verachtet und als animalischer Trieb ignoriert. Die Ächtung des olfaktorischen Sinns zieht sich durch unsere Geschichte: „Von Buffon als Sinn der Animalität bezeichnet, von Kant aus dem Feld der Ästhetik verbannt, später von den Physiologen zum bloßen Überrest der Evolution erklärt und von Freud mit der Animalität verknüpft“[2].

Auch heute sind Geruch und Wissenschaft zwei Dinge, die sich immer noch nicht weiter angenähert haben. Zur stiefmütterlichen Behandlungsweise der Forschung zählt neben dem Geruchssinn noch der Tastsinn – dagegen sind Gehör und Auge nahezu vollständig verstanden und erforscht. Woher kommt das? Geruchsstoffe sind nur sehr schwer, wenn überhaupt, messbar, ebenso lassen sich Reiz und Wahrnehmung so gut wie gar nicht dosieren und strukturieren, was eine Erforschung sehr erschwert. Hinzu kommt, dass sich das Reich der olfaktorischen Wahrnehmung, wie eigentlich das aller Sinnesmodalitäten, fast gänzlich der Umschreibung menschlicher Sprache entzieht. Sehr schnell stoßen wir bei dem Versuch, Sinnesempfindungen zu beschreiben, an unsere sprachlichen Grenzen, es existieren einfach keine Worte, mit denen wir diese Wahrnehmungen auch nur annähernd ausdrücken könnten.

Und trotzdem gibt es neben den Wissenschaftlern immer wieder Künstler, die sich dieses Problems annehmen und versuchen, Sinneswahrnehmungen zu thematisieren und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Einer von ihnen ist Patrick Süskind, der mit seinem Roman Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders 1985 für großes Aufsehen gesorgt hat. Weise bemerkt der Autor selbst, und das auch noch in seinem Roman über den Geruch, „unsere Sprache taugt nicht zur Beschreibung der riechbaren Welt“ (P160).[3] Er aber nimmt sich trotzdem dieses Themas an und stellt sich der schriftstellerischen Herausforderung: eine Geschichte über sinnliche Wahrnehmung zu erzählen, die mit Worten eigentlich nicht zu beschreiben ist, weil das passende Vokabular einfach nicht existiert. Ein Paradox: Der Leser kann die Situationen nicht real (sinnlich) erleben, er ist auf die Schilderungen und Beschreibungen des Autors angewiesen, um den Roman zu fühlen. Der Autor aber verfügt nicht über die sprachlichen Mittel und Begrifflichkeiten, um dem Leser die olfaktorische Welt zu erschließen. Süskind beginnt also mit einem Paradoxon, noch bevor nur ein einziges Wort auf Papier gebracht ist. Und genau dieser Topos der Paradoxie durchzieht den ganzen Roman, wie später noch zu zeigen sein wird.

Der Aufbau der vorliegenden Arbeit gliedert sich in vier Hauptteile. Die beiden einleitenden ersten Teile sollen einen kurzen Überblick über das Thema Nase und Geruch geben. Zum einen wird der heutige Wissensstand über die Thematik der Olfaktion skizziert; es wird erklärt, wie die Nase aufgebaut ist und wie der Riechvorgang als solcher überhaupt funktioniert. Neben der technisch-medizinischen Seite soll es aber auch und vor allem um den soziologischen Aspekt des Geruchssinnes gehen, Fragen, inwieweit Gerüche unser alltägliches Leben beeinflussen, werden gestellt und beantwortet. Zum Zweiten möchte ich die kulturelle Geruchsgeschichte kurz vorstellen, denn Gerüche haben seit jeher einen Reiz auf Menschen ausgeübt; insbesondere in religiösen Riten spielten sie eine große Rolle. Die Belege führen bis ins Altertum zurück und reichen bis in die heutige Zeit. Der Glaube an die Kraft der Düfte stand aber nicht nur im religiösen Kontext, sondern spielte auch eine Rolle auf medizinischer Ebene. So glaubten die Menschen sich mit wohlriechenden Essenzen vor Krankheit schützen zu können, Gesunde sollten so ihre Gesundheit stärken, Kranke geheilt werden, den Toten wurde noch in das Grab Riechstoffe mitgegeben. Ich möchte an dieser Stelle insbesondere auf die Zustände im Frankreich des 18. Jahrhunderts eingehen, die Alain Corbain in seinem amüsanten und überaus lehrreichen Buch „Pesthauch und Blütenduft“ sehr anschaulich beschrieben hat. Auch Süskind wird dieses Buch im Hinterkopf gehabt haben, als er den Pariser Schauplatz von Grenouilles Leben und Wirken dem Leser so eindringlich nahebringt, dass dieser fast glaubt, diesen bestialischen Gestank tatsächlich wahrzunehmen.

Nachdem ein kurzer Überblick über die historische Geruchs- und Duftentwicklung gegeben wurde und damit ein Verständnis dafür entstanden ist, wie der Mensch eine geruchliche Wahrnehmung verarbeitet bzw. wie die Geruchsleistung der menschlichen Nase unser Alltagsleben täglich beeinflusst, wende ich mich dem eigentlichen Thema dieser Arbeit zu: dem Romandebüt von Patrick Süskind Das Parfum.

Der dritte Teil dieser Ausarbeitung ist dem Roman als solchem gewidmet, an dieser Stelle soll es um die stilistischen Fähigkeiten des Autors gehen, insbesondere um die Vielseitigkeit dieses Romans. Denn bei dieser Erzählung handelt es sich nicht um eine klassische Kriminalgeschichte, wie der Untertitel „Die Geschichte eines Mörders“ vermuten lassen könnte. Es ist auch kein echter Historienroman, die Bezeichnung „Bildungsroman“ würde dem Konstrukt ebenfalls nicht gerecht. Die Literaturkritiker stehen also vor einem Dilemma; eine eindeutige Zuordnung des Romans in eine bestimmte Gattung scheint schwierig. Oftmals finden sich Elemente, die signifikant auf eine Romanart hinweisen, diese werden aber durch Süskinds ironisierenden Stil parodiert, wie noch zu zeigen sein wird.

Zudem lassen sich eine ganze Reihe von Andeutungen und Querverweisen auf andere Größen in Literatur und Philosophie aufzählen, die Süskind in seinem Werk sukzessive eingestreut hat. Neben der Aufdeckung dieser Parallelen sollen die vielfachen Konstellationen und Motive des Romans kurz angerissen und erläutert werden.

Der vierte Teil beschäftigt sich ganz mit der Hauptfigur: dem Verstoßenen, dem Saboteur, dem Narzisst, dem Größenwahnsinnigen, dem Amoralist, dem neuen Messias, dem Antichrist, dem schizophren-autistischen Monster, dem Mörder und Genie – mit Jean-Baptist Grenouille. Es soll der Versuch gemacht werden, die Figur unter psychologischen Aspekten zu beurteilen und zu prüfen, ob die Begriffe „Schizophrenie“ und „Autismus“ tatsächlich Anwendung finden können. Des Weiteren soll Grenouilles Verhältnis zu den Menschen, das Vorhandensein bzw. Nichtvorhandensein seiner sozialen Kompetenz, geprüft und seine animalische Struktur herausgearbeitet werden. Insbesondere soll es um die „Entwicklung“ Grenouilles vom Animal zum Künstler gehen: Lässt sich Süskinds Geschichte, spielt sie doch im vorrevolutionären Frankreich des 18. Jahrhunderts, auf die heutige Zeit anwenden und ist Grenouille als mahnender Fingerzeig unserer Geschichte zu verstehen?

2 Der Geruchssinn: ein Exkurs in die Wahrnehmungspsychologie

Die landläufige Meinung, der Mensch verfüge über fünf Sinne, wird in der neueren sinnesphysiologischen Forschung infrage gestellt. Die traditionelle Fünfteilung geht auf Aristoteles zurück, doch bereits er unterteilte den Tastsinn in die zwei Subkategorien „eigentlicher Tastsinn“ und „Temperatursinn“, der uns zwischen Wärme und Kälte unterscheiden lässt. Heute hat man sich vom Begriff der „Sinne“ abgewandt, er wurde substituiert durch den Begriff der „Modalität“, „worunter man eine Gruppe einander ähnlicher Sinneseindrücke versteht, die durch ein bestimmtes Organ vermittelt werden“[4]. Doch auch dieser Begriff durfte sich keiner langer Verwendung erfreuen, an seine Stelle ist die Bezeichnung „sensorisches System“ getreten, die bis heute ihre Gültigkeit behalten hat. Unter das sensorische System werden heute auch Gleichgewichts- und Temperatursinn sowie die Wahrnehmung von Vibrationen gefasst – die aristotelische Unterteilung wurde also erweitert.

2.1 Nase und Geruch

Aus evolutionstheoretischer Sicht erfüllt der olfaktorische Sinn drei Aufgaben: die ernährungssteuernde Funktion, also das Erkennen und Vermeiden einzelner Nahrungsstoffe (genießbar und ungenießbar), das Erkennen und Vermeiden von Gefahr (Rauch- oder Brandgeruch löst eine Fluchtreaktion aus) und die Steuerung des Soziallebens und des Paarungsverhaltens.

Erste wissenschaftliche Forschungen zum Geruchssinn sind im Altertum zu finden. Dem Arzt Claudius Galenus (129–199 n. Chr.) gelang die Entdeckung der Riechnerven, der römische Dichter und Naturphilosoph Titus Lucretius Carus (97–55 v. Chr.) ebnete vor über 2000 Jahren in seinem Werk „De rerum natura“ den Weg zur „Schlüssel-Schloß“-Theorie, die später von Emil Fischer beschrieben wurde. Carus glaubte, dass nur komplementär geformte Moleküle durch die Spalten der Nase gelangen können und so Geruch auslösen.[5] So sollten wohlriechende Substanzen eine glatt-runde Form besitzen, unangenehme Gerüche hingegen sollten kompakte, gebogene Partikel sein.

Bereits im 15. und 16. Jahrhundert begannen die morphologischen Untersuchungen der neurophysiologischen Feinstruktur der Nase[6], im Laufe der Zeit wurden immer neue Riechtheorien entwickelt und auch wieder verworfen, im Allgemeinen konkurrieren in der heutigen Forschung zwei Grundmodelle: die chemische und die physikalische Theorie. Der chemische Ansatz geht davon aus, dass eine chemische Reizung der Rezeptoren durch Geruchssubstanzen stattfindet, der physikalische Ansatz versucht die Geruchswahrnehmung durch eine Rezeptorenstimulation von physikalischen Wellen – analog zu Licht- und Hörreizen – zu erklären.

Zum Stand der heutigen Forschung äußert sich Konrad J. Burdach wie folgt:

„Insgesamt ist jedoch der Stand der Erkenntnis bezüglich der Zusammenhänge zwischen chemisch-physikalischen Reizmerkmalen und den resultierenden Riechempfindungen noch so wenig fortgeschritten, daß derzeit ernstzunehmende Anstrengungen, zu einer zusammenhängenden Erklärung der Riechwahrnehmung, einer Riechtheorie also, zu gelangen, kaum noch unternommen werden.“[7]

2.1.1 Aufbau und Funktion der Nase

Geschmack und Geruch werden gemeinhin als die chemischen Sinne bezeichnet. Dies geht darauf zurück, dass zwischen Geruchsstoff und Rezeptormolekül ein bimolekularer Reiz ausgelöst wird. Geruch und Geschmack ermöglichen es dem Organismus, chemische Verbindungen zu registrieren; beide Sinnesmodalitäten sind untrennbar miteinander verknüpft.

Der Mensch kann geschmacklich vier Eindrücke unterscheiden: süß, sauer, salzig und bitter. Die menschliche Nase dagegen kann eine praktisch unbegrenzte Anzahl an chemischen Verbindungen unterscheiden.

Der Geruchssinn ist die wichtigste Komponente der Geschmackswahrnehmung und -beurteilung. Für die vollständige Geschmackswahrnehmung ist der Geruchssinn unbedingt erforderlich, indem beim Essen durch die Kaubewegung die Luft aus dem Mundraum in die Nase gelangt. Ist die Nase blockiert, etwa durch eine Erkältung, ist die Geschmackswahrnehmung stark eingegrenzt, einige Stoffe werden sogar manchmal gar nicht mehr wahrgenommen. „[…] bei […] Nahrungsmitteln, Getränken und Gewürzen wie Wein, Zuckerwasser, Kirschen […] kann das Identifikationsvermögen bis auf unter 10 Prozent des optimalen Wertes sinken.“[8]

Die Nase wird über zwei, genauer betrachtet über drei „Geruchsrouten“ stimuliert. Die Nasenhöhle steht im direkten Kontakt zur Außenluft, über die Kehle besteht eine Verbindung zur Innenluft (der Nasenrachen). Gerüche können aber auch über den Mund aufgenommen werden und bahnen sich so den Weg zur Nase. Letztlich ist es auch möglich, über Injektionen zu riechen und zu schmecken – die Stoffe finden durch die Blutbahn einen Weg zur Nase.

2.1.2 Das olfaktorische System

Die Atemluft wird durch die Nase und den Mund aufgenommen. Damit der Mensch riechen kann, muss die Luft an die Riechzone (Regio olfactoria) herangetragen werden. Diese Region beinhaltet Millionen von Riechzellen – Zellen, bei denen es sich um sogenannte bipolare Neuronen handelt. Ein bipolares Neuron ist eine Zelle mit zwei Ausläufern: einem Dendriten und einem Neuriten (Axon). „Ein Dendrit nimmt Signale der Quelle auf (d.h. des Stimulus, der Ursache), ein Neurit gibt die Information weiter und stellt somit die Verbindung zwischen der Quelle und der letztendlichen Verarbeitung im Gehirn her.“[9] Die Riechzellen verfügen also einmal über einen peripheren Fortsatz (Dendrit), die sogenannten Riechhaare, die mit der Außenwelt (der Nasenhöhle) verbunden sind. Zum Zweiten verfügen sie über einen zentralen Fortsatz (Neurit), die Axone, die durch die Siebplatte des Nasenbeins in den Riechkolben des Vorderhirns geleitet werden. Im Riechkolben sind sogenannte Mitralzellen angesiedelt, an denen die ersten Synapsen liegen, „in welchen die olfaktorischen Informationen (Erregung) durch Transmitter über den Riechstrang in das Riechhirn, aber auch in übergeordnete Teile des Gehirns gelangen“[10].

Der Geruchsstoff (Stimulus) kommt also in Kontakt mit den Riechhaaren und löst einen Erregungsvorgang der Nerven aus. Dieser Vorgang enthält bereits alle molekularen Eigenschaften des Stimulus in codierter Form. Durch den Riechstrang im Riechkolben wird der Code an die höheren Zentren des Nervensystems weitergeleitet, dort entschlüsselt und dann schließlich in Geruchsempfindungen transformiert. Die anschließende semantische Beschreibung ist das Resultat der Decodierung und Transformation. Sie kommt zustande, indem die Geruchswahrnehmung mit den im Gedächtnis abgespeicherten Geruchsmustern abgeglichen und erkannt wird.[11]

Schematischer Ablauf der Geruchswahrnehmung:[12]

Reiz Wahrnehmung Interpretation Empfindung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Nase ist so angelegt, dass Duftmoleküle mit der Atemluft aufgenommen werden. In der Nase befinden sich die Riechzellen, an deren Ende Riechrezeptoren sitzen. Diese Rezeptoren haben eine bestimmte Form; ihre Aufgabe ist es, Andockstation für passende Duftmoleküle zu sein. Dabei kann jeder Rezeptor nur eine bestimmte Geruchssubstanz aufnehmen. Zum Vergleich: Hunde verfügen über 1000 solcher Rezeptoren, die menschliche Nase dagegen nur über 350.

Der Mensch ist in der Lage, seine sensorische Schwäche durch die Duftverarbeitung im Gehirn auszugleichen. Düfte setzen sich aus mehreren Duftkomponenten zusammen – diese verschiedenen Komponenten besetzen verschiedene Rezeptoren. So sind die Menschen fähig, zwischen 10.000 verschiedenen Gerüchen zu differenzieren, da unser Gehirn das empfangene Geruchsmuster analysiert und gegebenenfalls fehlende Teile des Musters ergänzt – sofern der gesamte Duftkomplex bekannt ist. Dem Bochumer Biologen Hanns Hatt ist es bislang gelungen, zwei der insgesamt 350 menschlichen Duftrezeptoren zu entschlüsseln: Zyklamat, allgemein bekannt unter Maiglöckchenduft, und Helional, einem Stoff, der nach Meeresbrise riecht. Ziel der Forschung ist es, alle Rezeptoren zu decodieren und zu beschreiben: So könnten Duftstoffe in Zukunft tatsächlich maßgeschneidert werden.[13]

2.1.3 Riechhirn und Gedächtnis

„Die rechte Hemisphäre beherbergt vor allem motorische Programme grober oder globaler Beschaffenheiten, die mit emotionalen Reaktionen zu tun haben (wie weglaufen); die linke beinhaltet hauptsächlich Programme für die Feinmotorik und die Sprache. Weil Gerüche auch und vor allem mit Emotionen verknüpft sind und häufig eine Alarmfunktion haben, liegt es auf der Hand, daß das Erkennen eines solchen Signals in erster Linie an die groben Bewegungsprogramme gekoppelt ist.“[14]

Die Interpretation von Geruchswahrnehmungen finden in Bereichen des Gehirns statt, die eng mit Emotionen, Motivationen und Gefühlen gekoppelt sind. Daraus resultiert, dass einer Geruchswahrnehmung sehr oft eine direkte Verhaltensreaktion folgt.

2.1.4 Geruch und Geschmack

Geruchs- und Geschmackssinn sind zwei Sinne, die eng miteinander verknüpft sind und durch gemeinsame Wirkung ein gemeinsames Resultat erzielen.

Hält man sich beim Essen die Nase zu, so ist der Geschmackssinn auf seine tatsächlichen

vier Wahrnehmungsbasen beschränkt: süß, sauer, bitter und salzig. Erst mithilfe der Geruchseindrücke ist es möglich, Unterschiede zwischen ähnlichen Speisen wahrzunehmen, feine Aromen zu erkennen und zu genießen.

Gerüche beeinflussen unseren Appetit und unser Essverhalten: Angenehme Gerüche in Verbindung mit der Mahlzeit fördern den Appetit und regen die Speichelproduktion an (wie von Pawlow eingehend untersucht worden ist), während unangenehme Gerüche oder Gestank manchmal den Appetit gänzlich unterdrücken und die Lust auf das Essen vergehen lassen.

2.2 Sinnesphysiologie und Ansätze der Wahrnehmungspsychologie

Im Zentrum der Beschäftigung mit der Sinnesphysiologie steht eine Frage, die ebenso spannend wie rätselhaft ist: Wie können aus physikalischen, äußeren Reizen psychische Erfahrungen entstehen? Wie kann physikalische Energie in psychische Empfindung umgewandelt werden? Unsere Sinnesrezeptoren erreicht ein physikalischer Reiz – spezielle Zellen in unseren Sinnesorganen wandeln diesen Reiz in elektrochemische Signale um, die in unserem Nervensystem weitergeleitet werden können. Erreichen die Signale die entsprechenden Areale der Großhirnrinde (dem Kortex) so sind wir in der Lage zu empfinden – also zu sehen, zu hören, zu riechen, zu schmecken und zu fühlen. Bemerkenswert ist dabei, dass unterschiedliche Sinneserfahrungen nicht zu unterschiedlichen Arten neuronaler Aktivität führen, sondern dass allen Sinneserfahrungen die gleiche Aktivität zugrunde liegt – sie findet lediglich in verschiedenen Hirnarealen statt, die auf die einzelnen Sinne spezialisiert sind.

Unser Wahrnehmungssystem ist so angelegt, dass es auf Veränderung wesentlich sensibler reagiert als auf Konstanz. Die sensorische Adaption bezeichnet das Phänomen, dass bei gleichbleibender Reizintensität unsere Aufmerksamkeit und somit die Reaktionsstärke unseres Wahrnehmungsapparates abnimmt. Evolutionstheoretisch ist dies damit begründet, dass der menschliche Organismus in seiner Umwelt ständig einer Vielzahl von Reizen ausgesetzt ist. Bedingt durch diesen Anpassungsmechanismus ist es möglich, unsere Aufmerksamkeit speziell auf neue Informationen zu richten und rasch auf sie zu reagieren.

Die Wahrnehmungspsychologie befasst sich mit der Aufnahme und Verarbeitung von Sinnesreizen, die zu einer anschließenden Reaktion des Organismus führt. Wahrnehmung beginnt mit Sinneserfahrung, schließt aber eine Vielzahl anderer Prozesse mit ein. Der Wahrnehmungsprozess als solcher wird in drei verschiedene Stufen unterteilt, die für alle Sinnesorgane und deren Wahrnehmung dieselben sind:

(1) Empfinden

Auf dieser Ebene wird die physikalische Energie, also der wahrgenommene Reiz, der auf das entsprechende Sinnesorgan trifft, in neuronale Information transformiert/codiert und zur Weiterverarbeitung zum Gehirn weitergeleitet.

(2) Organisieren

Auf dieser Stufe des Wahrnehmungsprozesses wird eine innere Repräsentation des Objekts oder des Ereignisses aufgebaut und ein Perzept des äußeren Reizes gebildet. Durch diese Repräsentation wird die äußere, den Wahrnehmenden umgebende Umwelt zutreffend beschrieben. Sie hilft, Entfernung und Größe von Gegenständen zu schätzen und/oder diese zu lokalisieren. Der Mensch ist zu solchen Schätzungen fähig aufgrund bereits erworbenen Wissens durch gemachte Erfahrungen. Dieses Wissen, gepaart mit aktuellen Informationen der Sinnesorgane und mit dem Reiz im gegebenen Wahrnehmungskontext, führt zu relativ exakten Schätzungen. Diese geistigen Vorgänge laufen mit hoher Schnelligkeit ab und sind nicht bewusst.

(3) Identifizieren und Einordnen

Mit dem dritten Schritt der Wahrnehmungssequenz wird dem auf Stufe zwei gebildeten Perzept eine Bedeutung zugewiesen. Wurde im zweiten Schritt die Frage nach dem Aussehen, Geruch, Ton etc. des wahrgenommenen Objekts gestellt, werden auf der dritten Stufe die Fragen nach der Identifizierung (Um was handelt es sich?) und der Funktion des betreffenden Objekts beantwortet. Aus dem Ergebnis resultiert dann auch die darauf ausgerichtete und darauf folgende Handlung oder Reaktion. Dies ist möglich aufgrund unserer Vorstellungen von der Welt, unserer Erfahrungen, Wertvorstellungen, Überzeugungen und Einstellungen.

2.3 Mensch und Geruch

Düfte und Gerüche spielen im sozialen Leben eines Menschen eine wesentliche Rolle. Gerüche werden vom Menschen zwar zum größten Teil unbewusst wahrgenommen, aber sie werden dennoch vom Sinnesapparat erfasst und verarbeitet. Gerüche steuern Interaktionsverhalten, entscheiden über Sympathie oder Antipathie und wirken auf den Menschen; sie beeinflussen sein Verhalten stärker als er es selbst vielleicht annimmt. „Jemanden nicht riechen können“ – die Redensart aus dem Volksmund hat absolute Gültigkeit.

2.3.1 Riechleistung der menschlichen Nase

Dass der Mensch keine olfaktorischen Höchstleistungen erzielen kann, ist allgemein bekannt; einige Tierarten sind ihm bei Weitem überlegen. Doch zu welcher Leistung ist der Mensch tatsächlich fähig? Der Beruf des Parfümeurs zum Beispiel erfordert als notwendige Voraussetzung eine gute, leistungsstarke Nase. So lernt Süskinds Leser auch Baldini kennen: Mithilfe seiner Nase versucht Baldini verzweifelt die Komponenten des grandiosen Parfums seines ärgsten Konkurrenten zu erschnüffeln, um dieses dann in seinem Labor zu plagiieren. Doch wie gut kann die Nase tatsächlich verschiedene Komponenten in einem Gemisch erkennen? Die Leistung der menschlichen Nase erweist sich in der Realität als nicht sehr überzeugend. Wissenschaftler fanden in Experimenten heraus, dass nur zwölf Prozent der getesteten Personen Gemische von zwei bekannten und vertrauten Gerüchen identifizieren konnten. Bestand das getestete Gemisch gar aus fünf Gerüchen, sank die Identifikationsrate auf null Prozent. Interessant ist die Entdeckung, dass sogar Parfümeure an dieser Aufgabe scheiterten: lediglich drei Prozent der Geruchsprofis konnten alle Bestandteile des fünfteiligen Gemischs korrekt zuordnen.

Ein weiteres Problem ist die sensorische Adaption. Ist der Mensch einem Geruch über längere Zeit ausgesetzt, so gewöhnt sich die Nase verhältnismäßig schnell an diesen Geruch, der Geruchssinn adaptiert sich an das jeweilige Geruchsereignis. Auch der arme Baldini kennt diese leidige Erfahrung: „Er arbeitete zwei Stunden lang ununterbrochen. […] Er roch jetzt kaum noch etwas, er war längst betäubt von den ätherischen Substanzen, die er einatmete, konnte nicht einmal mehr wieder erkennen, was er zu Beginn seines Probierens zweifelsfrei analysiert zu haben glaubte“ (P82). Und weiter, als Baldini seine Nase einfach ignoriert, wie besessen von dem Gedanken, das rätselhafte Parfum Amor und Psyche zu entschlüsseln, muss er schließlich doch aufgeben, geschlagen vom eigenen Körper: „Bis ihn endlich seine eigene Nase von der Qual befreite, indem sie von innen her allergisch schwoll und sich wie mit einem wächsernen Pfropfen selbst verschloß. Jetzt konnte er gar nichts mehr riechen, kaum noch atmen. Wie von einem schweren Schnupfen zugelötet war die Nase, und in seinen Augenwinkeln sammelten sich kleine Tränen“ (P83).

Doch woran liegt es, dass sich Gerüche so schwer klassifizieren lassen? Der Kulturwissenschaftler Dieter E. Zimmer erklärt diesen Umstand so: „Gerüche sind flüchtig, kommen und gehen, und wenn sie gegangen sind, können wir sie uns kaum noch lebendig genug vorstellen, um diese Vorstellung dann im Geist mit anderen zu vergleichen und Unterschiede oder Gemeinsamkeiten festzuhalten.“[15] Visuelle oder auditive Wahrnehmungen werden vom Menschen anders verarbeitet und aufgenommen als olfaktorische Reize. Geruchserinnerungen werden als Ganzes erlebt. Bilder besitzen eine Ausdehnung, Klänge haben einen Verlauf. Aber Gerüche sind nicht räumlich oder zeitlich zerlegbar, es ist der menschlichen Nase unmöglich, die einzelnen Geruchskomponenten einer Duftwahrnehmung zu bestimmen. Wahrgenommen wird lediglich der Gesamteindruck.

2.3.2 Geruch und Gedächtnis

Das menschliche Gedächtnis wird in verschiedene Gedächtnisarten differenziert. So unterscheidet man zwischen Kurz- und Langzeitgedächtnis, zwischen explizitem und implizitem Gedächtnis sowie dem episodischen und dem semantischen Gedächtnis. Die Unterscheidung zwischen implizitem und explizitem Gedächtnis beschreibt die Unterteilung von bewussten und unbewussten Erlebnissen und Wahrnehmungen. So werden Eindrücke, die z.B. während des Schlafens aufgenommen werden, implizit gespeichert, eine bewusste Erinnerung ist später nicht möglich. Erfahrungen, die bewusst aufgenommen werden, z.B. der Unterrichtsstoff in der Schule, werden explizit abgespeichert und können (im Idealfall) ohne Probleme bei Bedarf abgerufen werden.

Für die Speicherung von Gerüchen ist die Differenzierung von episodischem und semantischem Gedächtnis von immenser Wichtigkeit. Das episodische Gedächtnis bezeichnet die Erinnerungsleistung von Erfahrungen und persönlich erfahrenen Ereignissen sowie deren räumliche und zeitliche Koordinaten. Dazu zählen z.B. Urlaubserinnerungen. Das semantische Gedächtnis bezeichnet die Fähigkeit, Dinge und Phänomene zu erkennen und in Sprache umzusetzen. Das gelernte Sachwissen wird ohne räumliche und zeitliche Einbettung abgespeichert – so wissen wir zwar, dass Kupfer ein Metall ist, aber nicht, wann und wo wir diese Information gelernt haben. Bei den Gerüchen verhält es sich dagegen so, dass besonders die emotionalen und episodischen Assoziationen eine Bedeutung für uns haben. Diese werden dann im episodischen Gedächtnis abgespeichert. „Gerüche erzeugen vor allem episodische Verknüpfungen, semantische Bedeutungen sind beim Riechen weitaus weniger relevant.“[16] So ist es eine allbekannte Tatsache, dass isolierte Gerüche nur sehr schwer zu benennen sind. Werden Geruch und Geruchsquelle gleichzeitig der Nase und dem Auge dargeboten, können wir ohne Probleme den richtigen Namen zuordnen. Werden uns aber die Augen verbunden und müssen wir ohne visuelle Hilfe einen Geruch erkennen, scheitern wir meist an dieser Aufgabe.

Dieses Phänomen lässt sich durch folgende Hintergründe erklären: Gerüche stimulieren in der Hauptsache die rechte Gehirnhälfte und das limbische System. Beide Regionen haben mit dem menschlichen Sprachvermögen kaum etwas zu tun, das in der linken Hemisphäre angesiedelt ist.

Alle Sinnesorgane arbeiten schnell und effizient an der Entschlüsselung und Identifikation von Reizen aus der Umwelt. Im Vergleich zu anderen Sinnesorganen arbeitet das olfaktorische System aufgrund der Komplexität von Gerüchen relativ langsam und benötigt einige Sekunden. Die Geruchsentschlüsselung ist wenig effizient, oft sogar willkürlich, da der Mensch dauerhaft neuen Gerüchen ausgesetzt ist, die er mit jedem Atemzug aufnimmt. Das olfaktorische System muss also permanent neue Eindrücke verarbeiten.

Bei der anschließenden semantischen Zuordnung verstreicht wiederum einige Zeit, zudem kann es zu Inkonsistenzen kommen. Dies geschieht, weil Gerüche zum Teil nicht eindeutig identifiziert werden können, es kommt zu Konkurrenz zwischen diversen Benennungen. Viele Gerüche ähneln sich, man denke zum Beispiel an die in manchen Fällen nicht ganz unbegründete Metapher der „Käse füße“.

2.3.2.1 Erinnerungsleistung von Gerüchen

„Mit sechs Jahren hatte er seine Umgebung olfaktorisch vollständig erfasst. Es gab im Hause der Madame Gaillard keinen Gegenstand, in der nördlichen Rue de Charonne keinen Ort, keinen Menschen, keinen Stein, Baum, Strauch oder Lattenzaun, keinen noch so kleinen Flecken, den er nicht geruchlich kannte, wiedererkannte und in der jeweiligen Einmaligkeit fest im Gedächtnis verwahrte. Zehntausend, hunderttausend spezifische Eigengerüche hatte er gesammelt und hielt sie zu seiner Verfügung, so deutlich, so beliebig, daß er sich nicht nur ihrer erinnerte, wenn er sie wiederroch, sondern daß er sie tatsächlich roch, wenn er sich ihrer wiedererinnerte; ja, mehr noch, daß er sie sogar in seiner bloßen Phantasie untereinander neu zu kombinieren verstand und dergestalt in sich Gerüche erschuf, die es in der wirklichen Welt gar nicht gab“ (P34).

Diese Fähigkeit, die Süskind seinem Helden zuschreibt, ist in der Realität nur eingeschränkt zu finden. Die Erinnerung an einen Geruch kann nicht so einfach vor der „inneren Nase“ heraufbeschworen werden, wie das z.B. mit dem Bild eines Gebäudes möglich ist. Gerüche werden meist erst dann erinnert, wenn der Geruch neuerlich mit der Nase aufgenommen wird. „Jeder kennt den Geruch von Tannennadeln, aber so detailliert, wie man eine Tanne vor seinem geistigen Auge entstehen lassen und eventuell zeichnen kann, so ausdrucks- oder wesenlos bleibt in unserer Vorstellung der dazugehörige Duft. Wir werden uns den Baum ins Haus holen müssen, wollen wir seinen Geruch richtig wahrnehmen.“[17] Gerüche können also nicht einfach „vorgestellt“ werden, die Anwesenheit der tatsächlichen Geruchsquelle ist nötig, um sich an den Geruch und den zugehörigen Kontext zu erinnern, wann man den Geruch schon einmal wahrgenommen hat.

2.3.3 Die Kraft der Düfte: soziologische und psychologische Aspekte des Geruchs

Die meisten Gerüche liegen unterhalb der menschlichen Wahrnehmungsschwelle. Durch heute mögliche Röntgenstrahlentechniken konnte jedoch gezeigt werden, dass unser Gehirn Gerüche registriert, die wir angeblich überhaupt nicht wahrgenommen haben. Denkt man an dieser Stelle weiter, ist es eine interessante Vorstellung, welche Gerüche unser Verhalten oder unsere Reaktionen steuern, für die wir sonst keine Erklärung haben. Wie weit geht die Kraft von Gerüchen tatsächlich? Denkt man an hyperaktive Kinder – werden sie von Gerüchen stimuliert und aufgeputscht, die andere entweder nicht wahrnehmen oder einfach nur nicht darauf reagieren? Wie verhält es sich mit Konzentrationsschwächen oder Stresssymptomen? Ein interessanter Ansatz, den es lohnt weiterzuverfolgen, was an dieser Stelle aber nicht geschehen kann, da dies den Rahmen der Arbeit übersteigen würde. An diesem Punkt soll vielmehr gezeigt werden, welchen Einfluss Düfte und Gerüche auf das Leben des Menschen als soziales Individuum nehmen.

2.3.3.1 Geruch und Emotion

Es kann als bewiesen vorausgesetzt werden, dass Düfte menschliche Stimmungen oder Gefühlsregungen beeinflussen können. Man denke z.B. an sogenannte „Aromatherapien“, die immer häufiger auch bei medizinisch verordneten Kuren angeboten werden. Schon im Altertum war die belebende Wirkung von Lavendel, der beruhigende Duft der Rose oder die stimulierende Kraft der Minze bekannt. Gerüche wirken auf Menschen und lenken unbewusst ihr Handeln bzw. beeinflussen ihre Gefühlslage. Nichts anderes macht sich Grenouille zunutze – er kreiert Düfte, die seinen persönlichen Zielen dienen: um die Menschen zu beeinflussen, in ihr Denken und Handeln einzugreifen und sie nach seinem Willen zu steuern. Grenouilles Wissen um die mögliche Manipulation erreicht seinen Höhepunkt, als sein „Liebes-Parfum“ am Tage seiner Hinrichtung zum ersten Mal zum Einsatz kommt: „Sie wurden schwach wie kleine Mädchen, die dem Charme ihres Liebhabers erliegen. Es überkam sie ein mächtiges Gefühl von Zuneigung, von Zärtlichkeit, von toller kindischer Verliebtheit, ja, weiß Gott, von Liebe zu dem kleinen Mördermann, und sie konnten, sie wollten nichts dagegen tun“ (P300).

Süskinds Komposition des Paradoxen erreicht einmal mehr seinen Höhepunkt. Die Menschen schreien nach Vergeltung der Mädchenmorde, schreien nach blutiger Rache und Tod, sie erkennen Grenouille als schuldigen Mörder – aber sie flehen für ihn um Gnade, als der ihn umgebende Duft unsichtbar durch ihre Nasen dringt und ihre Emotionen und ihre Wahrnehmung verändert.

„Nicht daß sie an seiner Identität zweifelten! Da stand derselbe Mensch, den sie vor wenigen Tagen auf dem Kirchplatz am Fenster der Prévôté gesehen hatten und den sie, wären sie damals seiner habhaft geworden, in wütendem Haß gelyncht hätten. Derselbe, der zwei Tage zuvor aufgrund erdrückender Beweise und eigenen Geständnisses rechtskräftig verurteilt worden war. […] Und doch – er war es auch nicht, er konnte es nicht sein, er konnte kein Mörder sein. Der Mann, der auf dem Richtplatz stand, war die Unschuld in Person“ (P299f.).

2.3.3.2 Individualgeruch und Attraktivität

Der Individualgeruch eines Menschen entscheidet über Sympathie oder Antipathie bei seinen Mitmenschen. Entscheidet er aber auch über die Beurteilung der Optik eines Menschen? Beeinflussen Gerüche die kategorische Unterteilung in „schön“ und „hässlich“, steigt mit dem Grad des angenehmen Geruchs auch der Grad an optischer Attraktivität?

Patrick Süskind erzählt in seinem Roman genau von diesem Phänomen. Sogar Grenouille unterliegt für einen kurzen Moment dieser Sinnestäuschung: „Für einen Moment war er so verwirrt, daß er tatsächlich dachte, er habe in seinem Leben noch nie etwas so Schönes gesehen wie dieses Mädchen. […] Er meinte natürlich, er habe noch nie so etwas Schönes gerochen“ (P54). Schönheit wird also nicht nur über visuelle Reize entschlüsselt, sondern auch über das Olfaktorische. Süskind geht mit Grenouille sogar noch einen Schritt weiter: Menschen werden nur als „schön“ empfunden, verströmen sie einen Geruch, der ihre Mitmenschen in ihren Bann zieht und sie verzaubert. Schönheit ist also gar kein optischer Zustand, sondern eine olfaktorische Beeinflussung, der sich niemand entziehen kann:

„Sie würden in ihrer Beschränktheit seine [des Mädchens] ebenmäßigen Züge rühmen, die schlanke Figur, den tadellosen Busen. Und ihre Augen, würden sie sagen, seien wie Smaragde und die Zähne wie Perlen und ihre Glieder elfenbeinglatt – und was der idiotischen Vergleiche noch mehr sind. […] Und sie werden alle nicht wissen, daß es nicht ihr Aussehen ist, dem sie in Wahrheit verfallen sind, nicht ihre angeblich makellose äußere Schönheit, sondern einzig ihr unvergleichlicher, herrlicher Duft!“ (P217f.).

2.3.3.3 Geruch als Indikator zur Entwicklung der Ich-Identität

Jedes Individuum verfügt über einen bestimmten Eigengeruch, den es, in mehr oder minder starker Intensität, verströmt. Der eigene Geruch ist dem Individuum nicht fremd, er ist Ausdruck seiner Einzigartigkeit und es erkennt sich durch ihn immer wieder selbst – womit sein inneres Gleichgewicht erhalten bleibt. Der Eigengeruch ist ein wesentlicher Faktor bei der Herausbildung eines bestimmten Teils der Identität, des Selbst, den Erving Goffman als die „Ich-Identität“ bezeichnet: „Die Auffassung des Individuums von seinem Selbst, seinem Ich, jenem Teil seiner Selbst […], mit dem es seine positiven Gefühle identifiziert“[18], und eine „subjektive und reflexive Angelegenheit, die notwendig von dem Individuum empfunden wird, dessen Identität zur Diskussion steht“[19]. Diese Konstruktion der eigenen Ich-Identität ist die notwendige Voraussetzung für die emotionale Annahme des eigenen Körpers. Weiter, so Goffman, stehen neben der Ich-Identität noch die persönliche und die soziale Identität eines Individuums. Diese beiden Identitäten beruhen auf Fremdeinschätzungen, d.h. auf der Erfassung des Selbst durch andere Personen.[20] Die soziale Identität umfasst soziale Merkmale wie Alter, Geschlecht und soziale Rollen, also die Zugehörigkeit einer bestimmten „Kategorie Mensch“, wie Jugendlicher, Mutter oder Mitglied einer bestimmten gesellschaftlichen Schicht. Die persönliche Identität eines Menschen beschreibt die Kombination von allgemeinen Fakten, Merkmalen und Eigenschaften, die in ihrer Einzigartigkeit nur auf die eine Person zutreffen. „Persönliche Identität hat folglich mit der Annahme zu tun, daß das Individuum von allen anderen differenziert werden kann“[21]. Der natürliche Geruch von Individuen als Mittel spielt zweifelsohne eine Rolle bei der persönlichen und sozialen Identität. Natürlich hat der olfaktorische Faktor keine so große Bedeutung wie das visuelle Kriterium, aber dennoch sollte er nicht unterschätzt werden. Was besagt dieser Umstand bezogen auf Grenouille? Grenouille verfügt über keinerlei Eigengeruch, er ist absolut geruchlos. In seiner Interaktion mit anderen Menschen zeigen sich die Konsequenzen dieser Anomalie schon recht früh, genau genommen in den ersten Wochen seines frühen Lebens. Die Amme, der er anvertraut wurde, bringt ihn ins Kloster zurück und verweigert seine weitere Betreuung mit folgender Begründung: Grenouille riecht nicht, er hat keinen Körpergeruch und ist ihr unheimlich, er erzeugt Ablehnung und Ekel in ihr. Sie bringt ihn mit dem Teufel in Verbindung, er ist nicht so wie andere Kinder, dieses Phänomen ängstigt sie und begründet ihren Wunsch, mit diesem Jungen nichts mehr zu tun haben zu wollen.

Auch Pater Terrier macht nur wenige Augenblicke nach dem Verschwinden der Amme die gleichen Erfahrungen mit Grenouille, auch bei ihm löst der Säugling Ekel und Abscheu aus. Sowohl die Amme als auch der Pater zeigen die gleiche Reaktion auf Grenouille: Sie wenden sich von ihm ab, voll des Abscheus und des Ekels. Nach der Theorie Goffmans geschieht dies aus dem Grund, da sie keine soziale und persönliche Identität des Säuglings feststellen können. Sie können ihn also, scharf formuliert, nicht als Menschen identifizieren, die Abwehrreaktion besteht in Ekel und Abwendung. Beide Personen stellen auch verbal heraus, dass sie Grenouille seine Menschlichkeit aberkennen, und degradieren ihn zum „Ding“: Die Amme will „das da“ nicht mehr zu sich nehmen, Pater Terrier geht vom „kalten Wesen“ zum „Animal“ und schließlich zur untersten Stufe, dem „Ding“, in seiner Begrifflichkeit für Grenouille über. Denn Dinge sind in der olfaktorischen Welt des Menschen geruchlos, Sachen und Gegenstände sind leblos und tragen keinen Geruch. Grenouille wird also vom frühesten Zeitpunkt seines Lebens seine Menschlichkeit aberkannt, er wird von der Gesellschaft zum Ding degradiert, sein trotziger Lebenswille stößt auf Unwillen und Ablehnung.

Grenouille selbst bemerkt seine eigene Geruchlosigkeit erst viele Jahre später, während seines Rückzugs aus der Gesellschaft und seiner Abwendung von den Menschen. In seiner Höhle träumt er den Traum seiner eigenen Geruchlosigkeit, ein Albtraum, an dem er fast erstickt. Nach dem erlösenden Erwachen will er sich vom Gegenteil überzeugen und muss feststellen, dass der Traum kein Trugbild, sondern tatsächlich seine schreckliche Realität ist:

„Er legte Zeige- und Mittelfinger der linken Hand unter die Nase und atmete zwischen den Fingerrücken hindurch. Er roch die feuchte, anemonenwürzige Frühlingsluft. Von seinen Fingern roch er nichts. Er drehte die Hand um und schnupperte an ihrer Innenseite. Er spürte die Wärme der Hand, aber er roch nichts. Nun krempelte er den zerschlissenen Ärmel seines Hemdes hoch, vergrub die Nase in der Ellbogenbeuge. Er wußte, daß dies die Stelle war, wo alle Menschen nach sich selber riechen. Er jedoch roch nichts. Er roch auch nichts unter seiner Achsel, nichts an den Füßen, nichts am Geschlecht, zu dem er sich, so weit es ging, hinunterbeugte. Es war grotesk: er, Grenouille, der jeden anderen Menschen meilenweit erschnuppern konnte, war nicht imstande, sein weniger als eine Handspanne entferntes eigenes Geschlecht zu riechen“ (P172f.).

Diese Erkenntnis muss für Grenouille ein unaufhaltsamer Sturz ins Nichts gewesen sein. Keinen Geruch zu haben bedeutet, keine Identität zu haben, nicht zu existieren. Für Grenouille riecht ja tatsächlich alles, seine olfaktorische Welt umschließt auch die toten Dinge, Gegenstände, die für den normalen Menschen völlig geruchlos sind. Alles hat also für Grenouille seine eigene Identität; alles, bis auf ihn selbst. Urplötzlich findet er sich im Nichts wieder, er kann sich zwar fühlen, sehen und wahrnehmen, nur riechen kann er sich nicht – demnach ist die Konstruktion der Ich-Identität nicht möglich, er kann sich selbst als Individuum nicht akzeptieren. Dieser Umstand führt zu seiner Metamorphose zum Künstler, der sich selbst eine künstliche Ich-Identität erschaffen will, um so in der realen Welt Bestand zu haben.

3 Geschichte der Parfümerie

3.1 Geschichte des Geruchs

Die geruchliche Wahrnehmung der Menschen hat sich im Laufe der Zeit stark verändert und unterlag dem sozialen Wandel der Zeit. Nachfolgend soll eine kurze Übersicht über die Geschichte des Geruchssinns als Sinnesmodalität gegeben und insbesondere der Versuch gemacht werden, eine Vorstellung der geruchlichen Pariser Zustände im 18. Jahrhundert zu schaffen, an deren Schluss die Desodorisierung, die „neue Geruchssensibilität“ des Menschen steht.

3.1.1 Die Nase, das primitive Sinnensorgan

Seit jeher galt der Geruchssinn als der wertloseste aller menschlichen Sinne. Er wurde als animalischer Trieb stilisiert, galt als verwerflich und frivol. „Als Sinn der Lust, der Begierde und der Triebhaftigkeit, mit seiner engen Verbindung zur Sexualität und zur Gefräßigkeit, trägt der Geruchssinn das Signum der Animalität.“[22] Ein riechender, schnüffelnder Mensch erinnert an ein Tier; die Unfähigkeit, Geruchswahrnehmungen sprachlich zu fassen, unterstützt ebenfalls den animalischen Charakter. Da Geruchsreize immer flüchtig sind und in ihrer Komplexität nie tatsächlich gefasst werden können, sind sie kein stetiger Denkanstoß – somit steht die Schärfe des Geruchssinns „im umgekehrten Verhältnis zur Entwicklung der Intelligenz“[23]. „Dieser Verweis auf die animalische Herkunft des Menschen, auf die leibliche Nähe und Verbundenheit der Geruchswahrnehmung und seine hochgradig affektive Prägung, machten den Riechsinn nicht nur verdächtig, sondern führten dazu, daß er mit Tabuisierungen und Vorurteilen überlagert wurde.“[24]

Mit der Romantik kam eine allgemeine Überhöhung der Sinne in Mode – einschließlich des olfaktorischen Sinns. „Erneut wurde das Geruchsorgan zunehmend mit der Sexualität verknüpft und in vielen westlichen Kulturen aufgrund der tradierten Traditionen mit dem Animalischen wieder in die Nähe des Verwerflichen gerückt.“[25]

3.1.2 Olfaktorische Wahrnehmung in der Philosophie

Die Einschätzung und Bewertung des Geruchssinns von den Philosophen ist lange Zeit durch Diskriminierung und Ablehnung gekennzeichnet. Die Nase war das Sinnesorgan, welches überwiegend mit negativen Assoziationen belegt war, es galt als das Organ des animalischen Triebes, das die Erkenntnis und die anzustrebende reine Vernunft gefährdete. Begründet wurde dies damit, dass der Mensch im Vergleich zum Tier nur über ein sehr begrenzt ausgeprägtes Geruchsvermögen verfügt. Hinzu kommt, dass der Mensch den Großteil der wahrgenommenen Gerüche nicht verbalisieren kann. Das Sprachvermögen als Ausdruck von Humanität und Zivilisation versagt, die Schlussfolgerung liegt nahe, dem Geruch mehr animalische als menschliche Züge zuzuordnen. Noch heute werden Menschen, die bei ihrer Arbeit starken Gerüchen ausgesetzt sind, auf sozial minderwertiger Stufe angesiedelt: Müllmänner oder Toilettendamen sind gedanklich immer mit Gestank und Unreinheit verknüpft.

In der Antike hegten die Vorsokratiker ebenso wie später die Sophisten einen starken Zweifel an allen Sinneswahrnehmungen. Sie bildeten in ihrem zeitgenössischen Denken das Gegenstück zum Verstand, der den Menschen vom Tier unterscheidet und über dieses stellt. So sprach es Platon der sinnlichen Wahrnehmung ab, wahre Erkenntnis zu vermitteln. Sinneswahrnehmungen könnten lediglich ein Abbild der Welt vermitteln und nicht zu der Erkenntnis führen, wie die Dinge tatsächlich sind. Platon rief dazu auf, sich um sein Seelenheil zu kümmern und sich der Musik und der Mathematik zu widmen. „Der Körper mit all seinen Gerüchen galt nur als vorübergehender Aufenthaltsort dieser Seele, und zudem wurde die Nase durch ihre Nähe zum Gehirn in einen direkten Zusammenhang mit Gefühlen und Gelüsten gebracht, die besser verbannt gehörten.“[26]

Ein weiterer Philosoph, der sich über den Geruchssinn äußerte, war Kant. Er fällte ein vernichtendes Urteil über diese Sinnesmodalität und reiht sich somit in die Tradition der Denunzierung von Nase und Riechvorgang von Philosophen und Denkern ein.

„Welcher Organsinn ist der undankbarste und scheint auch der entbehrlichste zu sein? Der des Geruchs. Es belohnt nicht, ihn zu cultivieren oder wohl gar ihn zu verfeinern, um zu genießen; denn es giebt mehr Gegenstände des Ekels (vornehmlich in volkreichen Örtern), als der Annehmlichkeit, die er verschaffen kann, und der Genuß durch diesen Sinn kann immer auch nur flüchtig und vorübergehend sein, wenn er vergnügen soll. – Aber als negative Bedingung des Wohlseins, um nicht schädliche Luft (den Ofendunst, den Gestank der Moräste und Äser) einzuathmen, oder auch faulende Sachen zur Nahrung zu brauchen, ist dieser Sinn nicht unwichtig.“[27]

Auch Hegel schloss sich Kants Meinung über den Geruchssinn an, er verbannte den Geruch als Sinn des materiellen Genusses aus der Ästhetik. Erst durch Nietzsche erfuhr die olfaktorische Wahrnehmung in der philosophischen Betrachtung wieder eine Aufwertung, denn für Nietzsche lieferte vor allem Sinnestätigkeit Erkenntnis und insbesondere der animalischste Sinn, eben der Geruchssinn, liefere dabei die höchsten Erkenntniswerte:

„Und was für feine Werkzeuge der Beobachtung haben wir an unseren Sinnen! Die Nase zum Beispiel, von der noch kein Philosoph mit Verehrung und Dankbarkeit gesprochen hat, ist sogar einstweilen das delikateste Instrument, das uns zu Gebote steht: es vermag noch Minimaldifferenzen der Bewegung zu konstatieren, die selbst das Spektroskop nicht konstatiert.“[28]

Denn Erkenntnis erlange man nicht durch bewusste Vorgänge, vielmehr ist der Instinkt für Nietzsche das entscheidende Moment. Instinkt und Erkenntnis sind bei ihm miteinander verknüpft, der animalische Geruchssinn ist am instinktivsten und somit der Sinn der Wahrheit, da er durch seinen tierischen, instinktiven Ursprung vom Intellekt und der Vernunft am weitesten entfernt ist.

3.1.3 Klassifikationen von Gerüchen

Schon im Altertum hat es die ersten Versuche gegeben, Gerüche zu kategorisieren und zu ordnen. Anlehnend an die vier Geschmacksqualitäten süß, sauer, bitter und salzig wurden bis heute zahlreiche Versuche unternommen, um die Vielfalt der Gerüche in Duftklassen zu unterteilen. Parallel zur Theorie des Farbensehens unterteilte man in Primär- und Sekundärgerüche. Die Vermischung der beiden Geruchsarten sollte demnach alle möglichen Gerüche ergeben.

Die Hauptschwierigkeit der Geruchsklassifizierung besteht im Nichtvorhandensein einer objektiven Messgröße – weder auf physikalischer noch auf chemischer Ebene. Geruch ist, wie alle Sinneswahrnehmungen, subjektiv; eine physikalische Messung gestaltet sich als äußerst schwierig. Zudem erweist sich der menschliche Sprachgebrauch als unzureichend. Geruchseindrücke entziehen sich der individuellen und subjektiven Versprachlichung, das nötige Vokabular existiert nicht. Daraus folgend ist die Basis zum Vergleich entzogen, der Gegenstand „Geruch“ kann nicht diskutiert werden. Gerüche werden meist durch Assoziationen („Es riecht wie“) oder durch Kriterien aus anderen Sinnesmodalitäten, z.B. dem Geschmack (süß, sauer, scharf), charakterisiert.

Ein weiteres Phänomen, welches die Untersuchungen zum Geruch erschwert, ist die Ermüdung des Geruchssystems: die Geruchsadaption. Wird die Nase einige Zeit konstant dem gleichen Geruch im gleichen Maße ausgesetzt, wird der Geruch selektiv adaptiert, d.h. die Nase wird dem betreffenden Geruch gegenüber sehr schnell unempfindlich, bis hin zur vollständigen Eliminierung der Geruchswahrnehmung. Tatsache ist, dass es bis heute kein allgemein anerkanntes Geruchsklassifikationssystem gibt. „Weder können bis heute die Geruchsempfindungen nach einer spezifischen Empfindungskategorie noch nach wissenschaftlichen Kriterien definiert, skaliert oder objektiv gemessen werden; so gibt es etwa auch nicht die Möglichkeit, Gerüche nach chemischen Formeln zu ordnen.“[29]

3.1.4 Frankreich im 18. Jahrhundert

In den Städten muss zur damaligen Zeit ein für uns heute nicht einmal mehr in Ansätzen vorstellbarer Gestank vorherrschend gewesen sein, der für die Menschen zum Alltag geworden war. Sie nahmen den Geruch als solchen fast gar nicht mehr wahr, sie hatten gelernt damit zu leben und ihn zu antizipieren. Der französische Zeitgenosse La Morandière gab 1764 ein lebhaftes Bild von Versailles:

„Die schlechten Gerüche im Park, in den Gärten und sogar im Schloß selbst erregen Übelkeit. Die Zuwege, die Innenhöfe, die Nebengebäude und die Korridore sind voller Urin und Fäkalien; am Fuß des Ministerflügels schlachtet und brät ein Fleischverkäufer jeden Morgen seine Schweine; die Avenue de Saint Cloud ist bedeckt mit moderndem Schlamm und toten Katzen …“[30]

Erst mit der neuen Sensibilität, der „olfaktorischen Revolution“, kam Ende des 18. Jahrhunderts eine neue Sensibilität und Überempfindlichkeit Gerüchen gegenüber auf.

3.1.4.1 Pariser Zustände

Alain Corbin charakterisiert in seinem Buch „Pesthauch und Blütenduft“ die Stadt Paris ganz kurz und knapp: „Paris, ‚Zentrum der Wissenschaften, der Künste, der Mode und des guten Geschmacks‘ ist unübersehbar auch das ‚Zentrum des Gestanks‘.“[31]

Louis-Sébastien Mercier lieferte ein eindrucksvolles Geruchsbild von der französischen Hauptstadt:

„Wenn man mich fragt, wie ein Mensch es hier aushält, in diesem dreckigen Schlupfwinkel aller nur denkbaren Laster und Übel, die sich vielschichtig übereinander häufen, inmitten einer von tausend fauligen Dämpfen vergifteten Luft, zwischen Schlachtereien, Totenäckern, Hospitälern, Abzugsrinnen, Urinbächen, Kothaufen, Färbereien, Lohgerbereien und Lederwerkstätten; umgeben von dem dauernden Rauch unglaublicher Holzmassen und dem Dunst der verbrannten Kohle, von arsenik-, schwefel- und pechhaltigen Teilchen, die laufend aus den kupfer- und metallverarbeitenden Werkstätten ausgestoßen werden: wenn man mich fragt, wie ein Mensch in diesem Abgrund leben kann, wo die stickige, stinkende Luft so dick ist, daß man die Atmosphäre auf mehr als drei Meilen im Umkreis spüren und riechen kann; wo die Luft keinen Abzug hat und sich im Labyrinth der Häuser um sich selbst dreht: wenn man mich fragt, wie ein Mensch freiwillig in diesem Gefängnis verrotten kann, während doch jedes nach den Ansprüchen seines Herrn zurecht gestutzte Tier, wenn er es laufenließe, allein vom Instinkt geleitet eiligst zu den offenen Feldern entfliehen würde, um Luft, Grün und einen freien, nach Blumen duftenden Boden zu finden – so würde ich antworten, daß die Gewohnheit uns Pariser mit den feuchten Nebelschwaden ebenso vertraut macht wie mit den schädlichen Dämpfen und dem fauligen Schlamm.“[32]

Man muss sich das damalige Paris als Schauplatz von Gerüchen vorstellen, wo Wohlgerüche neben Gestank stehen, alles vermischt sich miteinander. Neben dem Friedhof, inklusive seines Leichengeruchs, wurden Modewaren feilgeboten, gingen Spaziergänger ihres Weges. In der Kirche werden Messen gelesen – ungeachtet des allgegenwärtigen Leichengeruchs, der von den toten Leibern, die unter den Kirchen begraben wurden, ausging. Aas und Kadaver lagen unbeachtet auf den Straßen, Fäkalien, Schlachtabfälle und Essensreste verwesten auf dem gleichen Boden, auf dem die Budenbesitzer ihre Waren anboten und die Menschen ihren Wocheneinkäufen nachgingen. Nichtsdestotrotz schien das Volk in Paris den vorherrschenden Gerüchen, besser dem vorherrschendem Gestank gegenüber unempfindlich. Sie wirkten, als seien sie an den Geruch gewöhnt und gingen weiter ihren Tagesgeschäften nach, als würden sie die schlechte Luftqualität einfach nicht bemerken. Auch Süskind widmet diesen Zuständen eine ausführliche Beschreibung:

„Zu der Zeit, von der wir reden, herrschte in den Städten ein für uns moderne Menschen kaum vorstellbarer Gestank. Es stanken die Straßen nach Mist, es stanken die Hinterhöfe nach Urin, es stanken die Treppenhäuser nach fauligem Holz und nach Rattendreck, die Küchen nach verdorbenem Kohl und Hammelfett; die ungelüfteten Stuben stanken nach muffigem Staub, die Schlafzimmer nach fettigen Laken, nach feuchten Federbetten und nach dem stechend süßen Duft der Nachttöpfe. Aus den Kaminen stank der Schwefel, aus den Gerbereien stanken die ätzenden Laugen, aus den Schlachthöfen stank das geronnene Blut. Die Menschen stanken nach Schweiß und nach ungewaschenen Kleidern; aus dem Mund stanken sie nach verrotteten Zähnen, aus ihren Mägen nach Zwiebelsaft und an den Körpern, wenn sie nicht mehr ganz jung waren, nach altem Käse und nach saurer Milch und nach Geschwulstkrankheiten. Es stanken die Flüsse, es stanken die Plätze, es stanken die Kirchen, es stank unter den Brücken und in den Palästen. Der Bauer stank wie der Priester, der Handwerksgeselle wie die Meistersfrau, es stank der gesamte Adel, ja sogar der König stank, wie ein Raubtier stank er, und die Königin wie eine alte Ziege, sommers wie winters“ (P5f.).

Wie in Süskinds Zitat zu erkennen, spielte auch die Hygiene am eigenen Körper zur damaligen Zeit nur eine untergeordnete Rolle. Erst mit dem Trend hin zur Desodorisierung rückte Sauberkeit auf einmal in den Vordergrund, und die Frage der Körperpflege löste heftige Kontroversen aus. Auf der einen Seite standen die Vertreter des Drecks, auf der anderen Seite die Gelehrten, die um die schützende Wirkung des Wassers wussten. Die einen propagierten eine Dreckschicht als Schutzschicht vor Miasmen[33], die andere Seite kämpfte für eine saubere Haut, die befreit von krankhaften Ausdünstungen die Gesundheit fördere. Freilich warnten auch die Verfechter der Sauberkeit vor zu häufiger Wasserbenutzung: Das Baderitual dürfe nicht mehr als einmal die Woche vollzogen werden. Aber Reinigung, so die Gelehrten, schütze den Menschen vor Infektionen und Krankheiten. Die Gegenseite wiederum verbreitete die Meinung, dass „[…] der Organismus [verweichlicht], wenn er zu oft mit Wasser in Berührung kommt“[34]. Zudem wussten damals alle um die Wahrheit, dass zu häufiges Waschen die sexuelle Attraktivität mindere, wenn nicht sogar gänzlich zerstöre. Der Geruch werde durch die Reinigung abgewaschen, der eigentlich als Lockstoff für das jeweils andere Geschlecht fungieren sollte. Die damalige Schlussfolgerung war, dass häufiges Waschen mit der Zeit zur Unfruchtbarkeit führe.

3.1.4.2 Medizin und Wissenschaft

Die Medizin im 18. und 19. Jahrhundert zeigte großes Interesse am Geruch. Die damalig vorherrschende Meinung lautete, dass Infektionen und Krankheiten, Epidemien und Seuchen auf Miasmen beruhen, die von verwesenden Leichen, Urin, Fäkalien und Sümpfen aufsteigen oder Erdspalten entströmen.

Zu dieser Zeit setzten Chemiker und Ärzte, Wissenschaftler und Philosophen für ihre Untersuchungen über den Geruchssinn ihre eigene Nase als Hauptinstrument ein. Sie versuchten mit Hilfe ihres Geruchssinns die Luft in ihre Bestandteile zu zerlegen und die verschiedenen Krankheiten zu erriechen. Parallel dazu gab es Versuche, die verschiedenen Gerüche zu katalogisieren. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Wissenschaft weiter und es wurden vorwiegend andere Methoden eingesetzt, die Benutzung der eigenen Nase trat wieder in den Hintergrund. Allerdings setzte sich erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Überzeugung durch, dass der Gestank als solcher frei von Krankheitserregern ist. Zuvor durfte man sich Kranken oder Sterbenden nur geschützt nähern, indem man entweder den gesamten Körper, insbesondere Nase und Mund, vor der verpesteten Luft mit Kleidung verdeckte oder sich mit Gegendüften schützte, von denen man sich eine desinfizierende Wirkung erhoffte. Dieser Schutz mit Gegendüften gründete auf der Überlegung, dass Krankheitsstoffe durch die Luft weitergegeben wurden. Die krankmachenden Gerüche würden über die Haut sowie über die Nase aufgenommen, und vergifteten den Organismus. „Diese Gedankengänge resultierten in einer fieberhaften Suche nach ‚antimephitischen Mitteln‘, mit deren Hilfe es gelingen sollte, sowohl den Gestank, als auch den Ausbruch von Krankheiten in den Griff zu bekommen – eine Suche, die zunächst nur dazu führte, daß man Feuer entzündete, von denen man sich eine reinigende Wirkung versprach.“[35]

3.1.4.3 Geruchsentwicklung bis hin zur Desodorisierung

Von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis hin zum Ende des Folgejahrhunderts wandelte sich die Wahrnehmung und Bewertung von Gerüchen von Grund auf. Es kam in Paris bezogen auf die vorherrschenden Hygienezustände zu einem öffentlichen Sinneswandel und es wurde eine neue Sensibilität gegenüber der Geruchswahrnehmung propagiert. Alles Stinkende sollte beseitigt werden, der Kampf gegen üble Gerüche und deren Ursachen wurde aufgenommen. Alain Corbin bezeichnet diesen Wandel als olfaktorische Revolution: die Toleranzschwelle für alle vorherrschenden Gerüche sank schlagartig, Paris wurde als das erkannt, was es damals tatsächlich war: ein dreckiges und stinkendes Loch. Alles was bis dahin als völlig normal empfunden wurde – Körpergeruch, Fäkalien- und Jauchegeruch in der Stadt, Abfallberge und verwesende Kadaver –, rief jetzt tiefsten Ekel und Ablehnung hervor. Zwar hatte sich in der Intensität und Penetranz der Gerüche im Vergleich zu den vorigen Jahrhunderten nichts geändert, nur die Wahrnehmung der Bürger hatte sich gewandelt. Gründe für die plötzliche Wahrnehmungsänderung lagen zunächst in der Urbanisierung: Die Städte wurden größer, die Einwohnerzahl stieg, man lebte mit mehr Menschen als jemals zuvor auf engem Raum.

Der Trend zur Bekämpfung des Gestanks ging zunächst von den Hygienikern und Chemikern aus. Im Rahmen dieser Bewegung hatte sich zunächst nicht die Geruchstoleranz der Nation gemindert, sondern lediglich die Wahrnehmung der Wissenschaftler, die die relative Unempfindlichkeit des Volkes als Absonderlichkeit stempelten. Aber die neue Geruchssensibilität war nicht aufzuhalten. Auch die Bevölkerung verband mit der Zeit das Übelriechende mit dem Tod – die logische, sich daraus ergebende Konsequenz war, dass das Übelriechende gemieden und beseitigt werden musste. Dies führte dazu, dass die Toten aus dem Stadtgebiet endlich entfernt wurden, die Forderung des Volkes von der Trennung der Toten und der Lebenden hatte Erfolg: 1780 wurde der Friedhof in Paris, der „Cimetière des Innocents“, endlich geschlossen. Die Entwicklung zog sich weiter über die Art und Weise der Entleerung der Senkgruben, die Menschen empfanden den Gestank mehr und mehr als Zumutung. Dies führte letztlich zu einer Verlegung und Schließung einiger dieser Senkgruben. Die Sensibilisierung dehnte sich schließlich auch auf den sozialen Bereich aus: Das gesellschaftliche Miteinander, bislang geprägt von den Ausdünstungen der Individuen, charakterisierte sich nun durch den „aromatisierten Mensch“[36], denn wer sich stark parfümierte, schützte so nicht nur sich selbst, sondern reinigte auch die ihn umgebende Luft: Duftstoffe galten als desinfizierende Substanzen. Mit der Zeit änderte sich aber dieser Trend. Anstatt Gestank zu überdecken und (wohlriechende) Gegengerüche zu verbreiten, sollte der schlechte Geruch eliminiert werden. Die Menschen begannen sich regelmäßig zu waschen, anstatt den Körpergeruch mit Parfum zu überdecken. In den Städten wurden Strategien der Desodorisierung entworfen. Die Straßen wurden gepflastert, ein System für Unratbeseitigung und Abwässerung entworfen, Belüftungstechniken erfunden, Desinfektionsmittel erprobt und angewendet, die Toten wurde verlegt sowie das Auseinanderrücken im privaten Raum propagiert – unter anderem kamen die Einzelbetten wieder in Mode: das Schlafen mit mehreren Personen in einem Bett war verpönt.

3.2 Geschichte des Parfums

Die etymologische Basis des Wortes „Parfum“ setzt sich aus dem lateinischen per fumum zusammen, was soviel bedeutet wie „durch Rauch“. Dies hat den Hintergrund, dass beim Verbrennen von bestimmten Hölzern die Entdeckung gemacht wurde, dass der Rauch dieser Hölzer einen angenehmen Duft verbreitet. Früher wurden solche Rauchopfer oft als Huldigungs- oder Ehrerbietungszeichen der jeweiligen Gottheit dargebracht. Erst im 18. Jahrhundert wird Wohlgeruch dem Begriff „Parfum“ gleichgesetzt.

Die Bedeutung von Wohlgerüchen spielte für das klassische Altertum auf kosmetischer Ebene eine bedeutende Rolle. Die Griechen und die Römer kannten den Gebrauch von wohlriechenden Salben und Lotionen, Schönheitspflege und duftende Mittel wurden von den Schriftstellern gelobt und gepriesen. Die Griechen unterschieden sich von den Römern lediglich in der Intensität ihres Duftgebrauchs. Sie bevorzugten einen wohldosierten Einsatz von Duftstoffen, während die Römer einen verschwenderischen Umgang pflegten. „Catallus, den Duftorgien verfallen, wollte ‚ nur noch Nase sein ‘.“[37] Dennoch gab es nicht nur Befürworter der Duftkultur, Duftstoffe wurden auch als überflüssige Luxusartikel bezeichnet. „Aristoteles wiederum hob den ästhetischen Aspekt des Geruchssinnes hervor: „Angenehme Düfte tragen zum Wohlbefinden des Menschen bei.[38]

Die Araber lieferten einen weiteren Schritt zur Gewinnung von reinen Duftessenzen durch die Entwicklung von Wasserdampfdestillation und die Herstellung von hochgradigem Alkohol. Dank dieser neuen Technik ließen sich nun Öle und Essenzen von bis dato ungeahnter Qualität erzielen. Kreationen von Parfums erschienen, die in ihrer Art bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Bestand hatten. Die technische Entwicklung zur Gewinnung von Duftstoffen und somit auch die Entwicklung der Parfümerie stagnierten ab diesem Zeitpunkt für fast 1000 Jahre. Erst die Entwicklung der organischen Chemie brachte wieder Bewegung in die Duftwelt. Durch die Entdeckung und Entschlüsselung der molekularen Basis von etherischen Ölen standen den Parfümeuren dieser Zeit viele Möglichkeiten offen. „Doch die variantenreiche Entwicklung der modernen Parfümerie setzte erst mit der Synthese von Riechstoffen oder deren Ausgangsmaterialien ein.“[39]

[...]


[1] Au, 1995, S.12.

[2] Corbin, 1998, S. 299.

[3] Süskinds Roman Das Parfum. Geschichte eines Mörders wird zitiert nach der Diogenes Taschenbuchausgabe von 1994. Die Seitenzahlen werden mit der Abkürzung P in den fortlaufenden Text eingefügt.

[4] Raab, 2001, S. 39.

[5] Vgl. Ohloff, 1990, S. IX.

[6] Vgl. Raab, 2001, S. 41.

[7] Burdach, 1998, S. 23.

[8] De Vries; Vroon; van Amerongen, 1996, S. 39.

[9] De Vries; Vroon; van Amerongen, 1996, S. 44.

[10] Ohloff, 1990, S. 2.

[11] Vgl. Ohloff, 1990, S. 3.

[12] Frechen, F.-B.: Gerüche/Einzelstoffe. In [Rechtschreibung s. Verfasser]: ATV-Dokumentation und Schriftenreihe aus Wissenschaft und Praxis, Bd. 33 (Abluftemissionen aus kommunalen Abwasseranlagen – Erfassung/Vermeidung/Verminderung –), 1994, S. 29–40. Zitiert nach: Schönen; Hübner, 1996, S. 31.

[13] Vgl. Keitz, Verena von: Erstunken und errochen. In: Financial Times Deutschland, 23.5.2005

[14] Vroon, P.: Tranen van de krokodil. Baarn, Ambo, 1989 (Drei Hirne im Kopf. Zürich, Kreuz). Vroon, P.: Wolfsklem. Baarn, Ambo, 1992. Zitiert nach: De Vries; Vroon; van Amerongen, 1996, S. 130.

[15] Dieter E. Zimmer: Riechen. Ein Wissenschaftsreport. In: zeit-magazin, Nr. 44, 1987. Zitiert nach: Lohse-Jasper, 2005, S. 19.

[16] De Vries; Vroon; van Amerongen, 1996, S. 124.

[17] Ebd., S. 238.

[18] Goffman, 1967, S. 132.

[19] Ebd.

[20] Vgl. Raab, 2001, S. 169.

[21] Goffman, 1967, S. 74.

[22] Raab, 2001, S. 34.

[23] Corbin, 1998, S. 15.

[24] Raab, 2001, S. 34.

[25] De Vries; Vroon; van Amerongen, 1996, S. 21.

[26] Ebd., S. 14.

[27] Kant, 2002, S. 159.

[28] Nietzsche, Götzendämmerung. In: Werk in zwei Bänden. Band II. Hanser, München: 1990. S. 338.

[29] Raab, 2001, S. 31.

[30] Cabanès, Dr.: Moeurs intimes du passé, S. 382. Zitiert nach: Corbin, 1998, S. 42.

[31] Corbin, 1998, S. 42, er zitiert: Chauvet, Pierre: Essai sur la propreté de Paris. Paris, 1797, S. 18.

[32] Mercier, Louis-Sébastien: Tableau de Paris. Amsterdam, 1782–1788. S.137–138. Dt. (Teilsammlung) Mein Bild von Paris. Frankfurt am Main, 1979. Zitiert nach: Corbin, 1998, S. 78f.

[33] Den damaligen wissenschaftlichen Vorstellungen nach entströmten dem Boden gefährliche Ausdünstungen, die die Gesundheit des Menschen beträchtlich beeinträchtigten und vor denen es sich zu schützen galt.

[34] De Vries; Vroon; van Amerongen, 1996, S. 20.

[35] Ebd., S. 17.

[36] Corbin, 1998, S. 90.

[37] Ohloff, 1990, S. VIII.

[38] Ebd.

[39] Ebd., S. X.

Ende der Leseprobe aus 107 Seiten

Details

Titel
Betrachtungen zu Patrick Süskind: "Das Parfum"
Untertitel
Vom Animal zum Künstler: Das Psychogramm eines Duftgenies
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Institut für Germanistische und Allgemeine Literaturwissenschaft)
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
107
Katalognummer
V75925
ISBN (eBook)
9783638729734
ISBN (Buch)
9783638730402
Dateigröße
857 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Betrachtungen, Patrick, Süskind, Parfum, Thema Das Parfum
Arbeit zitieren
Christina Bühler (Autor), 2007, Betrachtungen zu Patrick Süskind: "Das Parfum", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75925

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Titel: Betrachtungen zu Patrick Süskind: "Das Parfum"


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