Der Amerikanische Bürgerkrieg (1861 – 1865) stellt wahrscheinlich den größten Wendepunkt innerhalb der Geschichte der Vereinigten Staaten dar. Seine unheilvollen Auswirkungen (u.a. ca. 620.000 tote Amerikaner ) führten und führen zu unterschiedlichen Erklärungsversuchen von Seiten verschiedener Historiker. Immer wieder wird dabei, neben den wirtschaftlichen und politischen Ursachen, vor allem auf das unterschiedliche Gesellschaftsbild der Nord- bzw. Südstaaten hingewiesen. Die Institution der Sklaverei war in dieser Hinsicht zwar nicht Hauptursache oder Anlass, entwickelte sich jedoch zum tragischen Symbol dieses Krieges. Eine Beschäftigung mit der US-Geschichte und der Entwicklung der amerikanischen Gesellschaft fordert also auch zur Auseinandersetzung mit ihren ethnischen Minderheiten, wie z.B. den Afroamerikanern, heraus. Denn bis in die Gegenwart stellen die Auswirkungen der Versklavung der Afrikaner auf dem nordamerikanischen Kontinent im Verlauf des 17. bis 19. Jahrhunderts eine andauernde Belastung innerhalb der multiethnischen Gesellschaft in den USA dar.
Dieser Essay möchte sich mit der Etablierung der Sklaverei in den englischen Festlandskolonien in Nordamerika im Verlauf des 17. Jahrhunderts beschäftigen. Die Hauptfrage, die sich die Historiker bereits seit dem 17. Jahrhundert stellten und bis heute stellen, war folgende: Was veranlasste die englischen Kolonisten und ihre Auftraggeber sowie die englischen Kleri-ker und Abgeordneten dazu, eingeschiffte Afrikaner zu versklaven? Das Hauptproblem bei der Beantwortung dieser Frage besteht darin, dass es nicht genügend Hinweise gibt, die diesen Prozess der Versklavung der Schwarzen vollständig rekonstruierbar machen. Die Historiker wissen nicht genau wann, wo und wie es dazu kam, dass die schwarze Bevölkerungsgruppe anders behandelt wurde als die weiße. Die Mehrheit der Historiker geht jedoch heute davon aus, dass sich die sog. Form der „chattel slavery“ im Verlauf des 17. Jahrhunderts herausgebildet hat. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Entwicklung der chattel slavery
2.2 Begriffsklärung und Arbeitsformen
2.3 Demographische Veränderungen
2.4 Rassenideologische Faktoren
3. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Etablierung der Sklaverei in den englischen Festlandskolonien Nordamerikas während des 17. Jahrhunderts, mit dem Ziel, die komplexen Ursachen für diesen Transformationsprozess von der unfreien Knechtschaft zur dauerhaften Sklaverei zu analysieren.
- Die Entstehung und Definition des Begriffs "chattel slavery"
- Vergleich zwischen "indentured servitude" und Sklavensystemen
- Die Rolle demographischer Verschiebungen in den Kolonien
- Rassenideologische Vorurteile und deren Einfluss auf die Gesetzgebung
- Die Interaktion von ökonomischen Zwängen und sozialen Konstruktionen
Auszug aus dem Buch
Die Etablierung der Sklaverei in den englischen Festlandskolonien in Nordamerika im 17. Jahrhundert
Der Begriff „chattel slavery“, welcher seit dem Ende des 17. Jahrhunderts als Umschreibung der Institution Sklaverei in den amerikanischen Südstaaten verwendet wurde, war in seiner Art ein völliges Novum. Eine vergleichbare Einrichtung gab es weder vorher im englischen Mutterland, noch parallel dazu in den ebenfalls sklavenhaltenden Kolonien der englischen Konkurrenten, wie z.B. Spanien oder Portugal. Dennoch gab es bereits in England Konzepte und Vorstellungen, die einen erheblichen Einfluss auf die eingewanderten Kolonisten in Nordamerika ausübten. Diese waren zum einen beeinflusst durch mittelalterliche Gesellschaftsformen, die sich teilweise noch bis ins 16. Jahrhundert erhalten hatten, zum anderen durch Englands Aufstieg zur Seemacht, wodurch erstmalig Kontakte zu anderen, bisher unbekannten, Kontinenten bzw. anderen Seemächten und deren Kolonialpolitik in der Neuen Welt geknüpft wurden. Der Begriff Sklaverei war zu Beginn des 17. Jahrhunderts in England zwar nicht unbekannt, eine genaue Definition des Begriffs in Theorie und Praxis erschien jedoch oft widersprüchlich: „the antithesis of ,free’ was not ,slave’ but unfree; and, within the condition of unfreedom, law and practice recognized several gradations“.
Der Begriff Sklaverei erschien jedoch deutlich negativer, als andere Formen der unfreien Arbeit („villeinage“, „bondage“, „serfdom“ usw.), welche zwar ebenfalls den Verlust der Freiheit des Subjekts und gesellschaftliche Geringschätzung nach sich zogen, jedoch in keinem vergleichbarem Maße, wie es sich schließlich in der Form der „chattel slavery“ darstellte. Obwohl die Betroffenen (meist Straffällige, Schuldner oder Herumtreiber) eingeschränkte Besitz- bzw. Vertragsschließungsrechte besaßen und ihre Arbeitskraft von Herr zu Herr weiterverkauft werden konnte, so blieben sie dennoch Personen und keine bewegliche Ware. Ihr Arbeitsverhältnis als Knecht war zudem meist zeitlich begrenzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Bedeutung der Sklaverei im Kontext der US-Geschichte und definiert die zentrale Fragestellung nach den Ursachen der Versklavung von Afrikanern.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die rechtliche und gesellschaftliche Transformation zur "chattel slavery" unter Berücksichtigung ökonomischer Faktoren und rassenideologischer Vorurteile.
3. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass die Entstehung der Sklaverei das Ergebnis einer komplexen Interaktion aus rassistischen Vorurteilen und spezifischen ökonomischen Anforderungen war.
Schlüsselwörter
Sklaverei, chattel slavery, Nordamerika, 17. Jahrhundert, indentured servitude, englische Festlandskolonien, Kolonialismus, Rassismus, Plantagenanbau, unfreie Arbeit, Geschichte der USA, Transformation, Sozialstruktur, Arbeitskraft, Diskriminierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Essay im Kern?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den historischen Ursprüngen und der Etablierung des Sklavensystems in den englischen Kolonien Nordamerikas während des 17. Jahrhunderts.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Im Zentrum stehen der Wandel von Arbeitsformen, die rechtliche Definition von Sklaven sowie der Einfluss gesellschaftlicher Vorurteile gegenüber Afrikanern.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit sucht nach den Ursachen, warum die englischen Kolonisten dazu übergingen, schwarze Afrikaner systematisch zu versklaven, anstatt nur temporäre Arbeitsverhältnisse aufrechtzuerhalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird genutzt?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung bestehender Forschungsbeiträge und historischer Fachliteratur basiert.
Was ist das zentrale Argument des Hauptteils?
Der Hauptteil argumentiert, dass die Entstehung der Sklaverei nicht monokausal, sondern durch ein komplexes Zusammenspiel von ökonomischem Bedarf und rassistischer Ideologie zu erklären ist.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Analyse?
Besonders prägend sind Begriffe wie "chattel slavery" (Sklaven als bewegliche Ware) und "indentured servitude" (zeitlich begrenzte Knechtschaft).
Warum war "chattel slavery" eine Neuerung?
Die Arbeit stellt heraus, dass "chattel slavery" im Vergleich zu anderen Formen der Unfreiheit in England keine direkten historischen Vorbilder hatte, sondern als spezifische Anpassung in den Kolonien entstand.
Welche Rolle spielten rassistische Vorurteile?
Rassistische Ansichten dienten laut Autor als ideologisches Fundament, um die schwarze Bevölkerung von der weißen Bevölkerung abzugrenzen und die dauerhafte Versklavung zu legitimieren.
Welche Bedeutung hat die "Sklaverei der Stereotype" am Ende?
Der Begriff beschreibt das Fortbestehen rassistischer Denkmuster in der US-Gesellschaft bis in die moderne Zeit, trotz der formalen Abschaffung der Sklaverei.
- Citation du texte
- Klaus Genschmar (Auteur), 2007, Die Etablierung der Sklaverei in den englischen Festlandskolonien in Nordamerika im 17. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75959