Literatur und Philosophie während des Peloponnesischen Krieges


Hausarbeit, 2004

25 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Literatur
1.1 Die Dichtung
1.1.1 Die Tragödie
1.1.1.1 Aischylos
1.1.1.2 Sophokles
1.1.1.3 Euripides
1.1.2 Die Komödie
1.1.2.1 Aristophanes
1.2 Die Prosa
1.2.1 Die Geschichtsschreibung
1.2.1.1 Herodot
1.2.1.2 Thukydides

2. Die Philosophie
2.1 Der Philosophiebegriff im 5. Jahrhundert
2.2 Die Denkansätze Mitte des 5. Jahrhunderts
2.3 Die Sophisten in der Zeitalter der Aufklärung
2.4 Sokrates

Schluss/Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

Das 5. Jahrhundert v. Chr. gilt als die Blütezeit des antiken Griechentums nicht nur auf dem politischen, sondern auch auf dem kulturellen Gebiet, wobei damit eigentlich Athen gemeint ist. In diesem Zeitraum, der in Abgrenzung zur archaischen Zeit als die klassische Zeit bezeichnet wird, entwickelte sich das demokratische Athen zu einer Macht, die mit der bisherigen griechischen Vormacht Spartas rivalisierte. Die Folge war eine kriegerische Auseinandersetzung, der sich die athenische Demokratie aber letztendlich militärisch und politisch nicht gewachsen zeigte. So endete der Peloponnesische Krieg (431 – 404 v. Chr.) mit der Kapitulation Athens.

Der Aufstieg Athens zur Vormacht eines großen Seereiches hatte auch einen entsprechenden Wandel in den Vorstellungen nach sich gezogen. Auch wenn die Religion weiterhin eine große Rolle spielte, so begann man sich zunehmend vom althergebrachten Götterglauben zu lösen und fand neue Denkansätze innerhalb der Philosophie. Kulturell entwickelten sich in diesem Zeitraum innerhalb der athenischen Polis neue Dichtungsformen wie die Tragödie und die Komödie heraus. Zudem gewann die Prosa vor allem in Form der Geschichtsschreibung an Bedeutung.

Aufgabe dieser Hausarbeit soll es sein, im ersten Teil die bedeutendsten Formen innerhalb der griechischen Literatur des 5. Jahrhunderts vorzustellen und näher zu erläutern. Den Schwerpunkt bilden dabei die neuen Formen der Tragödie und der Komödie, sowie die Geschichtsschreibung. Im zweiten Teil sollen die wichtigsten Ansätze und Auseinandersetzungen innerhalb der Philosophie des 5. Jahrhunderts dargestellt werden. Insbesondere soll dabei auf die Sophisten und Sokrates eingegangen werden. Zum Schluss soll die Bedeutung der griechischen Literatur und Philosophie, insbesondere ihre Bedeutung in der Gegenwart, herausgestellt werden.

Aufgrund der inhaltlichen Fülle, die dieses Thema mit sich bringt, kann nur auf das Wesentliche eingegangen werden. Bestimmte Formen der Literatur bzw. Ansätze innerhalb der Philosophie und deren Vertreter können nur genannt werden oder mussten ganz ausgelassen werden. Auf politische, militärische und geschichtliche Ereignisse soll nur allgemein eingegangen werden, soweit sie im Zusammenhang mit der Hauptthematik der Hausarbeit stehen.

Hauptteil: „Literatur und Philosophie während des
Peloponnesischen Krieges

1. Die Literatur

1.1 Die Dichtung

Das gesprochene Wort hatte bei den Griechen eine größere Bedeutung als das geschriebene. Sie „zogen es vor, zu sprechen und zuzuhören.“[1]. Dies galt nicht nur für die Lyrik, sondern auch für das Drama und andere Formen der Literatur. Lyrische Gedichte wurden üblicherweise öffentlich bei feierlichen Angelegenheiten wie Hochzeit, religiösen Festen oder militärischen Triumphen vorgetragen. Die Prosa, deren Entwicklung erst im 5. Jh. begann, blieb aufgrund der Vorliebe des gesprochenen Wortes weiter zurück. Die Dichtung behielt ihre herrschende Stellung bis zum Verfall der griechischen Zivilisation unter der römischen Herrschaft. In der klassischen Zeit waren die Themen der Dichtung vor allem auf die Gemeinschaft und nicht mehr auf das Individuum allein bezogen. Der bedeutendste Dichter dieser Zeit war neben Simonides von Keos und Bakchylides, vor allem Pindar (518-438 v. Chr.). Pindar als Vertreter der Chorlyrik ist vor allem durch seine Epiniken (Gedichte) bekannt geworden. Diese hatten ursprünglich einen religiösen Anlass und wurden zu Ehren eines Siegers bei Spielen vorgetragen. Zur Dichtung zählt auch die „Philosophische Lehrdichtung“. Ihr bedienten sich vor allem die vorsokratischen Philosophen, die so ihre Ideen in Worte fassten. Ein Beispiel hierfür wäre Empedokles (483-423 v. Chr.), der in seinem Gedicht Über die Natur (Fragmente) ausgehend von den Elementen Feuer, Wasser, Luft und Erde seine Lehre von der Natur entwickelte. Eine weitere Form war die „Dichtung der Neuen Musik“, mit der Thimotheos von Milet (450-360 v. Chr.) Mitte des 5. Jhs. in Erscheinung trat. Sie stellte eine Wechsel von Musik und vortragenden Text dar. Der Tragödiedichter Euripides blieb von ihr nicht unbeeinflusst.

Doch im wesentlichen wurde die Dichtung des 5. Jhs. durch das Drama in Form der Tragödie bzw. Komödie geprägt. Das griechische Theater erlebte seine Blütezeit und seine Schauspiele bildeten „die Hauptunterhaltungsquelle für Menschen in einer Gesellschaft, die nicht an Überladung der Sinne litt.“[2] Das Theater gilt als „Vorläufer der modernen Unterhaltungsbranche.“[3]

1.1.1 Die Tragödie

Die griechische Tragödie blieb im wesentlichen auf Athen beschränkt. Sie wurde um 534 v. Chr. zur Zeit des Tyrannen Peisistratos in das offizielle Programm der Großen Dionysien, welche zu Ehren des Weingottes Dionysos gefeiert wurden, aufgenommen. Ihre Ursprünge bleiben größtenteils im Dunkeln, aber eine wesentliche Voraussetzung war das Theater. Sie gilt als ein Produkt des 5. Jhs., da sie ein künstlerisches Können voraussetzte, für das im 6. Jh. noch die geistigen und technischen Voraussetzungen fehlten. In ihr verbinden sich althergebrachte Chorlyrik und neuerfundene Dialogformen, dazu die Mittel der Musik und der szenischen Realisierung, zu einem vielschichtigen und komplizierten Ganzen. Die Tragödie war kein rituelles Spiel, sie stand aber noch in enger Beziehung zur Religion, da sie fester Bestandteil der Dionysosen war und die meisten Tragödien dort ihre Premiere feierten. Die Festspiele beinhalteten einen dreitägigen Tragödienwettbewerb bei dem jedem Autor ein Tag zugeteilt wurde, an dem er seine drei Tragödien (meist eine Trilogie) und im Anschluss ein Satyrspiel aufführen ließ. Den Vorsitz beim Wettbewerb hatte der höchste Staatsbeamte, der Archon Eponymos. Dieser wählte auch jährlich die Wettbewerbsteilnehmer aus. Den Wettbewerb entschied ein Gremium von fünf Schiedsrichtern, die in einem komplizierten Wahlvorgang durch Losen vorher bestimmt wurden.

Auf die attische Demokratie nahm die Tragödie keinen unmittelbaren Bezug. Politische Anspielungen waren eher die Seltenheit, aber es gab sie. Als Beispiel wären hier die „Perser“ des Aischylos oder die Tragödien des Euripides in der Zeit des Peloponnesischen Krieges zu nennen. Und auch wenn die Tragödiendichter „auf Politik anspielten, so richteten sie den Blick auf deren moralische Auswirkungen und nicht auf die politische Praxis.[4]

Die drei großen Tragödiendichter des 5. Jhs. waren Aischylos (525-456 v. Chr.), Sophokles (496-406 v. Chr.) und Euripides (480-406 v. Chr.). Neben diesen gab es zwar noch weitere, doch sind uns von diesen nichts mehr oder nur noch Fragmente erhalten geblieben, wie z.B. von Ion, Agathon und Kritias. Abgesehen davon trugen auch nur die drei Erstgenannten bedeutend dazu bei, die Tragödie im 5. Jh. auch weiterzuentwickeln. So führte Aischylos neben dem Chor und dem einzelnen Schauspieler einen zweiten Schauspieler ein. Sophokles fügte einen dritten Schauspieler hinzu. Euripides ging schließlich sogar soweit, die Rolle des Chors einzuschränken, und es schien, „dass er am liebsten den althergebrachten Rahmen ganz durchbrochen hätte.“[5] Nach dem Tode von Sophokles und Euripides um 406/405 v. Chr. schien man den Sinn für die Tragödie schon wieder zu verlieren. Nach dem Peloponnesischen Krieg wurde sie zu einer zweitrangigen Kunstform, auch wurden die alten Stücke des öfteren wiederholt, anstatt neue, ebenbürtige zu verfassen.

1.1.1.1 Aischylos

Aischylos wurde um das Jahr 525/24 v. Chr. in der zu Athen gehörenden Provinz Eleusis geboren. Er stammte aus einer vornehmen Familie und sein Vater Euphorion war bereits Dichter. Als Bürger Athens nahm er auch in den Kriegen gegen das Perserreich teil. So kämpfte er u.a. in der Schlacht bei Marathon (490) und Salamis (480), möglicherweise auch bei Plataiai (479). Mit 25 hatte er angefangen Tragödien zu schreiben und aufzuführen. Er nahm von da an regelmäßig am Wettbewerb teil und galt seit 484 (seinem ersten Sieg) als unbestrittener Meister der Tragödie. Er siegte zwölfmal in seinem Leben, bis ihm in Sophokles seit 468 ein ernsthafter Konkurrent erwuchs. Mehrere Reisen führten ihn nach Sizilien, wo er am Hofe des Herrschers von Syrakus, Hieron I., zu festlichen Anlässen einige Tragödien aufführen ließ. In seinen letzten Lebensjahren begab er sich noch einmal nach Sizilien und starb dort um 456/55 v. Chr. in Gela. Von ihm sind uns sieben von 80 Tragödien erhalten geblieben: Perser (472), Sieben gegen Theben (467), Hiketiden (463), Orestie = Trilogie: Agamemnon, Choephoren, Euminiden (458), Prometheus (unbekannt).

Die Perser ist die älteste erhaltene Tragödie. Sie wurde von Aischylos acht Jahre nach der Schlacht bei Salamis verfasst. An ihr kann man noch die einfache dramatische Grundform besonders deutlich erkennen. Der Chor besingt ein mythisches Geschehen, z.B. das Schicksal eines Helden, zu dem eine Botenfigur hinzutritt. Dadurch ergab sich die Möglichkeit, Spannung zu erzeugen und zugleich wurde eine erste Einzelrolle hinzugefügt. In den Persern besteht der Chor aus persischen Würdenträgern, der sich um das nach Griechenland gezogene Heer und den König Sorgen macht und nun vergeblich auf Nachricht wartet („Und kein Bote erscheint, kein Reisiger kommt“[6] ; „Drum - in düstres Schwarz gehüllt – wird mein Herz zerfleischt von Furcht“[7]). Schließlich tritt die eigentliche Schauspielerrolle, die Mutter des Königs, hinzu und die Spannungssituation wird auf mehrere Personen verteilt und fortentwickelt („Denn auch mich, mein Herz zerfleischen Sorgen“[8]). Nach Ankunft des Boten, der den Untergang des Heeres meldet, wird die Spannung gelöst. Der Chor bricht daraufhin in Klagen aus, wobei der Bote mit einstimmt und ausführlich vom Geschehen berichtet. In den Persern lässt sich somit die Herausbildung mehrerer Einzelrollen nachverfolgen.

1.1.1.2 Sophokles

Sophokles wurde um 496 v. Chr. in Athen geboren und stammte aus einer wohlhabenden Familie. Er hatte schon als Heranwachsender Erfolge bei sportlichen und musischen Wettkämpfen. Auch fiel er besonders wegen seiner körperlichen Schönheit auf und führte bei der Siegesfeier nach der Schlacht bei Salamis als Vortänzer und -sänger einen Chor an. Im Gegensatz zu Aischylos blieb er seiner Stadt stets treu ergeben, bekleidete hohe Ämter und lehnte jede Berufung an ausländische Fürstenhöfe ab. So übte er für den Heilsgott Asklepios eine Art Priesteramt aus, war 442 Mitglied des Hellenotamias (Kollegium, das für die Kasse des delisch-attischen Seebundes verantwortlich war) und wurde 441 sogar zum Strategen im Krieg gegen Samos gewählt, allerdings ohne großen militärischen Erfolg. Des öfteren war er auch als Gesandter Athens tätig. Er war lebensfroh, liebte das gesellige Beisammensein und geistreiche Gespräche. Daher hatte er auch mit bedeutenden Persönlichkeiten wie Perikles, Herodot und Sokrates Umgang. Bei seinem Hervortreten als Tragödienschreiber siegte er sogleich über Aischylos. Er konnte bei tragischen Wettbewerben 18 Siege einfahren und blieb bis zu seinem Lebensende (406/405 v. Chr.) überaus erfolgreich. Von ihm sind uns sieben von 100 Tragödien überliefert: Antigone (442), Oidipus Tyrannos (433), Philoklet (409), Oidipus Koloneus (401), Aias (unbekannt), Elektra (unbekannt), Trachinierinnen (unbekannt).

[...]


[1] Vgl. FINLEY, Moses I., Die Griechen: eine Einführung in ihre Geschichte und Zivilisation, 2. durchges. Aufl., München 1983., S. 68.

[2] Vgl. CAMP, John/FISHER, Elizabeth, Götter, Helden, Philosophen: Geschichte und Kultur der alten Griechen, Darmstadt 2003., S. 135.

[3] Ebd., S. 135.

[4] FINLEY, Moses I. (vgl. Anm. 1), S. 76.

[5] Ebd., S. 77.

[6] Aisch. Pers. 14, in: SEECK, Gustav Adolf (Hrsg.)/GÖRGEMANNS, Herwig, Die griechische Literatur in Text und Darstellung, Bd. 2: Klassische Periode I, 5. Jh. v. Chr., Stuttgart 1985., S. 21.

[7] Aisch. Pers. 115-116, in: Ebd., S. 21.

[8] Aisch. Pers. 161, in: Ebd., S. 25.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Literatur und Philosophie während des Peloponnesischen Krieges
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Altertumswissenschaften)
Veranstaltung
Der Peloponnesische Krieg
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
25
Katalognummer
V75960
ISBN (eBook)
9783638814669
ISBN (Buch)
9783638814607
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Literatur, Philosophie, Peloponnesischen, Krieges, Peloponnesische, Krieg
Arbeit zitieren
Klaus Genschmar (Autor), 2004, Literatur und Philosophie während des Peloponnesischen Krieges, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75960

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