Vergleich von kulturell unterschiedlichen Berichterstattungen und Intentionen des letzten Irakkrieges anhand der Darstellung von Bildern in ausgewählten, vergleichbaren Medienportalen

Ein interkultureller Vergleich


Hausarbeit, 2007

28 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

> Einleitung

> Irak

> Theorie

> Vergleich

> Fazit

> Literaturverzeichnis und Bildnachweis

I.Einleitung

Schlüsselbilder sind es, die durch gezielte Wiederholung und Platzierung in den Medien eine Macht erlangen, zu einem Symbol für politisches Handeln werden und somit in der Lage sind die kulturelle Wahrnehmung einer Nation zu prägen.

Der letze Irakkrieg hat uns eindrucksvoll gezeigt, wie politische Intentionen durch die Medien inszeniert und gesteuert werden. Ein Vergleich von Darstellungen in unter­schiedlichen Medien zeigt, dass die Wahrnehmung je nach kultureller Sphäre eine ganz unterschiedliche sein kann. So ist es das Ziel dieser Arbeit die These, dass „Es findet und fand eine kulturell unterschiedliche Wahrnehmung durch die in den Medien ver­breiteten Bilder des aktuellen Irakkrieges statt. Das ausgewählte Medium der jeweili­gen Kultursphäre bezweckt damit eine bestimmte, partielle Wahrnehmung der Ge­schehnisse rund um die Umstände des Krieges." zu bestätigen.

Zunächst soll aber erst einmal der Schauplatz des Geschehens sowie die Umstände des Irakkrieges einführend beleuchtet werden. Im darauf folgenden Kapitel rückt die Theo­rie in den Blickpunkt: was sind Schlüsselbilder (Key Visuals), wie entstehen sie - ein Bild als politisches Symbol, was für Aussagen werden damit verbunden und was für Intentionen und Rituale stecken dahinter. Mit diesen theoretischen Vorüberlegungen geht es dann im vierten Kapitel gezielt um den Vergleich der ausgewählten Bilder des jeweiligen, repräsentativen Mediums der entsprechen Kultursphäre (spiegel.de - cnn.com - aljazeera.net) und der jeweiligen politischen Position des Landes.

II. Irak

[1] Umrandet von Saudi-Arabien, Jordanien, Syrien, Iran und Kuwait verfügt Irak über eine Binnenfläche annähernd in der Größe von Deutschland und Österreich (etwa 440000 km[2] ). Im tiefen Süden, im Mündungsdelta vom Schatt el-Arab befindet sich der einzige Zugang zum Persischen Golf. Etwa 27 Mio. Einwohner verteilen sich auf die 15 iraki­schen Provinzen sowie auf eine autonome kurdische Region, welche sich wiederum in drei Provinzen untergliedert. In der Hauptstadt Bagdad leben etwa 20% der gesamten Bevölkerung. In urbanen Siedlungen leben nahezu dreiviertel der Bevölkerung, viele davon in den Städten Basra, Mosul und Erbil, während die gesamten Wüstengebiete und das Hochgebirge nahezu unbesiedelt sind. Die restliche Bevölkerung konzentriert sich auf die fruchtbaren Flussgebiete an Euphrat und Tigris und auf die nördlichen Kurdengebiete.

Das Land Irak besteht aus drei Großland­schaften, geprägt von Euphrat und Tigris.

„Die Hauptachse des Landes fällt mit dem Senkungsgebiet des >>mesopotamischen Trogs<< zusammen, der sich vom Persischen Golf im Südosten nach Nordwesten ers­treckt."2 Der Norden und vor allem auch der Nordosten sind geprägt vom Taurus- und Zagrosgebirge. Der Süden wiederum besteht aus Schwemmlandebenen, Sümpfen und ist auf der westlichen Seite von der Wüste zu Kuwait geprägt.

Die Bevölkerung des Zweistromlandes Irak ist in mehrerer Hinsicht uneinheitlich. So­wohl in sozialer als auch in sprachlicher Hinsicht herrscht eine Teilung vor. Die ethni­sche Mehrheit im Mischstaat Irak bilden die etwa 15 Mio. Araber, gefolgt von den im Norden siedelnden iranisch sprechenden Kurden. Weitere ethnische Minderheiten sind die Beduinen, die Madan, die Aseri und die Aramäer.

Als Staatsreligion ist in der 2005 verabschiedeten Verfassung der Islam festgeschrie­ben, die Ausübung und das Ausleben anderer Religionen ist aber ausdrücklich garan­tiert. Die Schiiten bilden die Mehrheit der Muslime in Irak. So sind zweidrittel der etwa 26 Mio. Muslime der imanitischen und somit schiitischen Auslegung des Korans ange­hörig. Die sunnitischen Muslime bevölkern hauptsächlich den Norden und Westen des Irak.

Die Ära Saddam Hussein endete 2003 mit seinem Sturz durch die von den USA ange­führte internationale Koalition. Unter seiner Diktatur seit 1979 führte der Irak von 1980 - 1988 Krieg gegen seinen Nachbarn Iran, überfiel zur Tilgung der Kriegsschulden aus dem Irankrieg 1991 das Emirat Kuwait, was den zweiten Golfkrieg verursachte und zu einer ersten, von der UNO gebilligten, Intervention einer internationalen Streit­macht unter der Führung der USA führte. Beide Niederlagen des Irak hatten zur Folge, dass Saddam Hussein die in direkter Abfolge der Kriege ausgebrochenen Aufstände kurdischer und schiitischer Volksgruppen blutig niederschlagen ließ. Diese Verletzun­gen des Menschenrechts führten schließlich auch zum Todesurteil gegen den gestürz­ten Diktator, welches 2006 von der neuen irakischen Regierung vollstreckt wurde.

III. Theorie

Dieser Teil soll nun in die Theorie von Schlüsselbildern, Key Visuals und Bildern als Form von Symbolen bei politischen Symbolen einführen. Die nun im Folgenden vorges­tellten Theorien stellen einen kleinen Ausschnitt im Bereich der weitgefächerten Ri­tual- und Symbolforschung dar. Es gibt sich sicherlich andere Zugänge und Ansätze zu diesem Thema die man wählen und somit die Materie erschließen könnte. Ich habe mich aber bewusst für die relativ neuen Theorien von David I. Kertzer, welcher seinen Theorieentwurf unter anderem stark an Clifford Geertz anlehnte, sowie für das For­schungsprojekt Key Visuals von Kramer, Ludes und Nöth entschieden. Des Weiteren möchte ich den Theorie Teil mit der Betrachtung von Christoph Schumachers kriti­schem Kommentar: Der Krieg und seine Bilder - Shock and Awe beschließen.

Beide Theorien bedienen dasselbe Feld, wählen jedoch einen ganz unterschiedlichen Zugang und Weg. In beiden Ansätzen stehen Bilder[3] im Fokus der Betrachtung. Wie diese nun einzeln aussieht wird nun ausführlich dargestellt.

- David Kertzer: Ritual, Politik und Macht

Zunächst einmal möchte ich vorneweg nehmen, dass es vielleicht den ein oder ande­ren Leser verwundern mag, warum hier nun ausgerechnet die Theorie Kertzers behan­delt wird, dies lässt sich aber bei genauerem betrachten gut erkennen. Politiker bedie­nen sich Ritualen und Symbolen um ihre Macht zu erhalten, auszubauen oder sie gar zu erlangen. Diese Rituale und Symbole wiederum werden durch Bilder - Photogra­phien und Filmbeiträge - wiederum einem breiten Publikum zugänglich gemacht und da schließt sich wieder der Kreis und wir befinden uns wieder bei der Ausgansfrage.

Kertzer führt in das Thema der Rituale und Symbole in der Politik des täglichen Lebens zunächst damit ein, indem er uns vor Augen holt worin überall Rituale oder Symbole stecken. Versammlungen des Bundestages, Besuch von Fußballspielen, Reden von Poli­tikern - Neujahrsansprache, Rede zur Lage der Nation, Ehrungen an Universitäten oder im Sportverein, all dies sind Handlungen die sich Ritualen und Symbolen bedienen. „Durch Rituale versuchen aufstrebende politische Führer ihr Recht zu regieren geltend zu machen, Machtinhaber, die bereits auf dem absteigenden Ast sind, versuchen damit ihre Autorität zu wahren und Revolutionäre eine neue Basis politischer Treue zu schaf­fen. Alle diese politischen Figuren, [...]bedienen sich der Rituale, um eine politische Realität für die sie umgebenden Menschen zu schaffen."[4]

„Politik wird durch Symbolik gemacht"[5] und dafür bedarf es eines Mediums, welches es der breiten Masse zugänglich macht. Es sind also die Bilder der Massenmedien die zu Trägern der Aura von Ritualen werden. An dieser Stelle möchte ich darauf hinwei­sen, dass Kertzer den Begriff des Rituals recht allgemein hält und zumeist auf die von Durkheim geprägte Unterscheidung in heilig und profan verzichtet. Er stellt vielmehr in den Vordergrund, dass es eine nicht zu vernachlässigende Verbindung zwischen Sym­bolen, Ritualen und Politik gibt. So heißt es gegen Ende der Einführung: „Das Ritual aber ist in Wirklichkeit ein integraler Bestandteil der Politik moderner Industriegesell­schaften; es ist nur schwer vorstellbar, wie ein politisches System ohne es auskommen könnte."[6]

- Symbole der Politik

Symbolik ist das Elementare in der Politik, damals und heute. Es ist die angewandte Symbolik im Handeln der Mächtigen, welches uns Niederen zeigt, wer das Sagen hat, wer der Chefideologe ist und wer das Zepter des Regierens in der Hand hält. „Das Symbolische ist reale Politik, die in einer speziellen und meist äußerst wirkmächtigen Art artikuliert wird."[7] Es zeichnet somit einen erfolgreichen Politiker aus, wenn er es versteht sich der Symbole zu bedienen oder gar neue welche dann mit seiner Person verknüpft werden zu schaffen. Ein einfaches Bild um sich diese Verknüpfung zu rufen ist es, wenn man an eine beliebige Rede eines US-amerikanischen Präsidenten zurück denkt: Wir haben die Person mittig im Bild, gerahmt durch die Fahne der Vereinigten Staaten, das Sternenbanner, zur linken und die Fahne der Streitkräfte mit dem Adler, dem Wappentier, zur rechten - gesehen vom Betrachter aus. Es symbolisiert das Ster­nenbanner the one nation under god, die Fahne der Streitkräfte zeigt an, dass der Prä­sident auch der Oberkommandierende der amerikanischen Streitkräfte ist. Dies führt uns aber auch schon zu einem Problem im politischen Handeln, denn um dem Volk die Entscheidungen zu verdeutlichen müssen abstrakte Begriffe wie zum Beispiel der Be­griff der Nation personalisiert werden. Im Vorfeld des Irakkrieges lies sich dies gut in den Erklärungen der US-Regierung beobachten: war anfangs immer von den Waffenin­spektoren die Rede, die ihre Arbeit in Irak verrichteten änderte sich zusehends die Sprachregelung, so hieß es immer öfter Saddam Hussein und der Irak tue dies nicht, behindere jene Untersuchung etc. Der abstrakte Nationenbegriff wurde durch die Hin­zunahme Saddam Husseins personifiziert und somit zu einem Symbol des Bösen stig­matisiert. Walzer beschrieb diesen Sachverhalt folgendermaßen: „Der Staat ist unsich­tbar, er muss symbolisiert werden, bevor er geliebt werden kann, vorgestellt werden, bevor er betrachtet werden kann"[8] oder eben auch gehasst und verteufelt werden kann.

„Das Ritual präsentiert ein Bild [...], das so verbindlich ist, dass es über jeder Diskussion steht"[9]

[...]


[1] Sinngemäß aus GEO S. 443 - 448.

[2] GEO, S. 443.

[3] Der Begriff des „Bildes" wie ich ihn in dieser Arbeit verwende unterscheidet nicht zwischen einer ein­zelnen Photographie, einer Collage oder Reprints in einem Medium.

Eine Beschreibung dahin gehend findet sich unter dem Kapitel „Bildbegriffe: Was ist ein Bild" in dem 2004 im DuMont Literatur und Kunst Verlag erschienenen Buch „IconicTurn - Die neue Macht der Bil­der".

[4] Bellinger/ Krieger, S. 365.

[5] Bellinger/ Krieger, S. 366.

[6] Bellinger/ Krieger, S. 366.

[7] Kessler, S. 245.

[8] Walzer, S. 194.

[9] Bellinger/ Krieger, S. 388.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Vergleich von kulturell unterschiedlichen Berichterstattungen und Intentionen des letzten Irakkrieges anhand der Darstellung von Bildern in ausgewählten, vergleichbaren Medienportalen
Untertitel
Ein interkultureller Vergleich
Hochschule
Universität Konstanz  (FB Geschichte und Soziologie)
Veranstaltung
Interkultureller Vergleich
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
28
Katalognummer
V75976
ISBN (eBook)
9783638808583
ISBN (Buch)
9783638810784
Dateigröße
1068 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vergleich, Berichterstattungen, Intentionen, Irakkrieges, Darstellung, Bildern, Medienportalen, Interkultureller, Vergleich
Arbeit zitieren
Christian Schöpf (Autor), 2007, Vergleich von kulturell unterschiedlichen Berichterstattungen und Intentionen des letzten Irakkrieges anhand der Darstellung von Bildern in ausgewählten, vergleichbaren Medienportalen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75976

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