Der Aufstand Liudolfs von Schwaben - Analyse eines Konflikts


Seminararbeit, 2003

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Verlauf der Krise
2.2. Wurzeln, Gründe und Motivationen der Erhebung
2.2.1. Die Beweggründe Liudolfs
2.2.2. Die Rollen Konrads des Roten und Friedrichs von Mainz

3. Schlussbetrachtung

4. Quellen- und Literaturverzeichnis

Quellen:

Literatur:

1. Einleitung

In den Jahren 953 und 954 hatte König Otto I. die letzte der großen Krisen zu bestehen, die seine Herrschaft von innen her bedrohten. Der Aufstand war deshalb von besonderer Art, weil sich an die Spitze der Erhebung Ottos Sohn und Thronfolger Herzog Liudolf von Schwaben stellte. Ihm schloss sich Herzog Konrad der Rote von Lotharingien, der Schwiegersohn des Königs an und offensichtlich stand ihm auch der Erzbischof Friedrich von Mainz nicht unbedingt ablehnend gegenüber. Die Aussagen der Quellen, die Sachsengeschichte des Widukind von Corvey[1] und Adalberts Fortsetzung der Chronik des Regino von Prüm[2], lassen zwar den Verlauf der Erhebung in einiger Klarheit erkennen, hüllen sich jedoch hinsichtlich der Ursachen in Schweigen.

Genau diesen gilt es in dieser Hausarbeit auf die Spur zu kommen. Anhand der eben genannten Quellen und einschlägiger Forschungsliteratur sollen vorab der Verlauf und später dann die Beweggründe Liudolfs zum Aufstand, dessen Beziehung zu Otto I. und seinem Onkel Heinrich, sowie die Rollen Konrads und Friedrichs v. Mainz genauer zu durchleuchten sein.

2. Hauptteil

2.1. Verlauf der Krise

Um einen Überblick der Ereignisse des letzten Aufstandes gegen Otto den Großen zu bekommen, ist es angebracht, zu Beginn, den Ablauf des Geschehens zu schildern, wie ihn die alten Quellen, die Sachsengeschichte Widukinds von Corvey und Adalberts Fortsetzung Reginos überliefern.

Das Jahr 951 ist dafür ausschlaggebend, da sich damals einige für den Aufstand relevante Ereignisse abspielten. In jenem Jahr schickte sich Otto der Große an die Alpen zu überqueren, um mit der Hand der jungen Königin Adelheid auch Italien zu erwerben[3]. Sein Sohn Liudolf, Herzog von Schwaben, zog voraus um ihm mit einer tapferen Tat zu gefallen. Dies misslang ihm aber, da sein Oheim Herzog Heinrich von Bayern Liudolfs Ansehen bei den Italienern durch schlechte Reden massiv beschädigte[4]. Otto verurteilte das alleinige vorgehen seines Sohnes. Dieser seinerseits beleidigt und entrüstet über die Intrige Heinrichs und die Hochzeit seines Vaters mit Adelheid verließ das Heer Ottos ohne dessen Wissen und kehrte, begleitet von Erzbischof Friedrich von Mainz im Dezember nach Deutschland zurück und feierte mit diesem und einigen Gleichgesinnten das Weihnachtsfest in Saalfeld. Die Wahl dieses Ortes deutete, wie Widukind schreibt, bereits auf das bevorstehende Unheil hin, da die Erhebung Heinrichs 939 ebenfalls mit einem Fest von dort aus ihren Ausgang nahm[5]. Doch ehe Liudolfs Aufstand losbrach, spielten sich noch wesentliche Ereignisse ab.

Otto ließ 952 seinen Schwiegersohn, Herzog Konrad den Roten von Lotharingien, als Stellvertreter in Italien zurück, damit dieser den noch nicht bezwungenen Berengar von Ivrea, der seinerseits Ambitionen auf den italischen Königsthron hatte, dazu bringen möge sich Otto zu unterwerfen.

Dies gelang und Berengar folgte Konrad nach Deutschland, wurde jedoch am Hof von Magdeburg drei Tage lang nicht empfangen, was wohl auf den Einfluss Heinrichs zurückzuführen war. Berengar musste mit leeren Händen nach Italien zurückkehren. Herzog Konrad, der zwischen beiden vermittelt und Berengar offensichtlich Zugeständnisse gemacht hatte, sah sich bloßgestellt und fiel vom König ab um sich Liudolf anzuschließen[6].

Der Gewinner von Ottos Italienzug war letztendlich Heinrich, der die Marken Verona und Aquileja zugesprochen bekam[7]. Die Lage verschärfte sich weiter, als Adelheid im Dezember 952 einen Sohn gebar, der Liudolf in der Stellung des Thronerben gefährlich werden konnte. Dem nun offenen Aufstand schlossen sich viele Große des Reiches an, die Otto schlecht gesonnen waren. Im März 953 unternahm Erzbischof Friedrich v. Mainz noch einmal in seiner Bischofsstadt einen Vermittlungsversuch, um die drohende Erhebung abzuwenden. Er konnte Otto einen Friedens- und Eintrachtspakt unbekannten Inhalts mit Liudolf und Konrad abringen, den Otto allerdings einige Wochen später beim Dortmunder Osterhoftag für erzwungen und deshalb für nichtig erklärte[8]. In Fritzlar wurde ein Hof- und Gerichtstag abgehalten, wo Friedrich das Amt des Erzkapplans, sowie Konrad dem Roten der Herzogtitel von Lotharingien aberkannt wurde[9]. Heinrich trat damals wohl als Ankläger auf[10].

Daraufhin begab sich Friedrich nach Breisach und überließ seine Bischofsstadt den Aufständischen Liudolf und Konrad, die Otto zwei Monate vergebens belagerte ehe er erneut den Verhandlungsweg suchte. Doch Liudolf und Konrad, die zu persönlicher Unterwerfung bereit waren, weigerten sich ihre Mitverschwörer preiszugeben. Somit scheiterte ein erster Friedensversuch und die Belagerung von Mainz musste aufgegeben werden[11].

Inzwischen waren die Vettern des Königs, die Billungener Ekbert und Wichmann an die Seite der Aufständischen getreten, sowie die Bayern mit ihrem Pfalzgrafen Arnulf. Liudolf ließ Regensburg besetzen und verteilte die Schätze seines Oheims Heinrich unter seine Vasallen[12]. Otto schloss Regensburg ein, konnte es aber nicht nehmen und zog sich kurz vor Weihnachten nach Sachsen zurück[13].

Zuvor hatte er seinem jüngsten Bruder Brun das Erzbistum zu Köln verliehen und wenige Wochen darauf das Herzogtum Lotharingien. Konrad der Rote versuchte sich vergeblich gegen Brun zu behaupten. Im Oktober 953 standen sich beide mit ihren Heeren gegenüber. Doch kam es nicht zur offenen Feldschlacht, weil dies gegen den König gegangen wäre[14]. Überhaupt betonten die Empörer immer wieder, dass der Aufstand eigentlich gegen Heinrich v. Bayern ginge, des Königs Bruder. Inwieweit das den Tatsachen entspricht wird noch zu prüfen sein.

Die Destabilisierung des Reiches rief 954 die Ungarn auf den Plan. Unter ihrem Feldherrn Bulcsu zogen sie plündernd durch Bayern, Schwaben, Franken, Lotharingien, Frankreich Burgund und Italien[15]. Liudolf ließ ihnen durch Führer den Weg nach Franken weisen und auch Konrad paktierte mit ihnen in Lotharingien gegen Brun[16]. Doch hatten sich beide verrechnet, denn ihre „unheilige Allianz“[17] bewirkte einen allgemeinen Stimmungsumschwung. Beide sahen sich jetzt dem Vorwurf ausgesetzt mit den Feinden Gottes paktiert zu haben. Otto erhielt nun von überall her Zulauf, was Liudolf und Konrad zum Waffenstillstand zwang. Im oberfränkischen Langenzenn kam es zu Friedens­ver­handlungen, wo sich Konrad und der Erzbischof Friedrich v. Mainz dem König unterwarfen und in Gnaden aufgenommen wurden.

Jedoch konnten sie Liudolf nicht zur Aufgabe bewegen[18]. Dieser machte sich heimlich nach Regensburg auf und gab die Stadt erst nach anderthalb Monatiger Belagerung preis. Von Reue zermürbt, unterwarf er sich seinem Vater, der sich der Jagd wegen in Thüringen befand und wurde von diesem „in väterlicher Liebe wieder zu Gnaden aufgenommen“, wie Widukind schreibt[19].

Somit endete der für Otto den Großen am schwierigsten zu bestehende Aufstand nach fast zwei Jahren. Es wird im Folgenden nun darum gehen, nachdem der Ablauf der Empörung geordnet scheint, die Wurzeln des Konflikts zu analysieren.

[...]


[1] Widukindi res gestae Saxonicae, in: Quellen zur Geschichte der sächsischen Kaiserzeit. Widukinds Sachsengeschichte, Adalberts Fortsetzung der Chronik Reginos, Liudprands Werke. Unter Benützung der Übersetzungen v. Paul Hirsch, Max Büdinger u. Wilhelm Wattenbach neu bearb. v. Albert Bauer u. Reinhold Rau (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte. Freiherr von Stein Gedächtnisausgabe 8), Darmstadt 1971, S. 131- 151.

[2] Adalberti continuatio Reginonis, in: Ebd., S. 205- 213.

[3] Wid. III 9; Cont. Reg. a. 951.

[4] Cont. Reg. a. 951.

[5] Wid. III 9.

[6] Wid. III 10; Cont. Reg. a. 952.

[7] Vgl. Keller, Hagen, Die Ottonen, München 2001, S. 41.

[8] Wid. III 15.

[9] Wid. III 16.

[10] Vgl. Beumann, Helmut, Die Ottonen, Stuttgart 1997, S. 73.

[11] Wid. III 18, Cont. Reg. a. 953.

[12] Wid. III 20.

[13] Cont. Reg. a. 954.

[14] Ebd.

[15] Wid III 30; Vgl. dazu: Naumann, Helmut, Rätsel des letzten Aufstandes gegen Otto I. (953- 954), in: Wege der Forschung 450, Darmstadt 1976, S. 115- 127.

[16] Wid. III 30.

[17] Vgl. Beumann, S. 75.

[18] Wid. III 33.

[19] Wid. III 40.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Der Aufstand Liudolfs von Schwaben - Analyse eines Konflikts
Hochschule
Universität zu Köln  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Das Zeitalter der Ottonen
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
17
Katalognummer
V76078
ISBN (eBook)
9783638804820
ISBN (Buch)
9783638807395
Dateigröße
391 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
"Diese sehr schöne Hausarbeit regt zu einer neuerlichen Diskussion zu diesem Thema an." (Daniel Ziemann, Dozent)
Schlagworte
Aufstand, Liudolfs, Schwaben, Analyse, Konflikts, Zeitalter, Ottonen
Arbeit zitieren
Benjamin Gröbe (Autor), 2003, Der Aufstand Liudolfs von Schwaben - Analyse eines Konflikts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76078

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