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Richterliche Unabhängigkeit und Einheit der Rechtsprechung

Título: Richterliche Unabhängigkeit und Einheit der Rechtsprechung

Trabajo de Seminario , 2002 , 36 Páginas , Calificación: 14,0 Punkte (gut)

Autor:in: Dr. jur. Manuel Ladiges (Autor)

Derecho - Derecho público / Derecho constitucional / Derechos fundamentales
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Ein Rechtsstaat wie die Bundesrepublik Deutschland kann unmöglich ohne eine Justizgewährungspflicht des Staates existieren. Grundlage dieser Justizgewährungspflicht ist, daß die Bürger, d. h. die Rechtssuchenden, darauf vertrauen können, daß gerechte und rechtmäßige Entscheidungen durch die Organe der Rechtsprechung getroffen werden.

Der Beitrag stellt das Spannungsfeld zwischen der richterlichen Unabhängigkeit und der Einheit der Rechtsprechung anhand mehrer Beispiele dar und diskutiert verschiedene Lösungsmöglichkeiten.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

1. Geschichtliche Entwicklung der richterlichen Unabhängigkeit

a) Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation

b) Entwicklung im 19. Jahrhundert

aa) Der Deutsche Bund

bb) Das Gerichtsverfassungsgesetz (GVG) von 1877

c) Die Weimarer Republik

d) Drittes Reich

e) Bundesrepublik Deutschland

2. Verfassungsrechtliche Grundlagen

a) Sachliche Unabhängigkeit

b) Persönliche Unabhängigkeit

c) Unabhängigkeit im Innenverhältnis der Rechtsprechung

aa) Bindungswirkung aufgrund eines Gesetzes

bb) Unabhängigkeit bezüglich der Dienstaufsicht

cc) Unabhängigkeit und Richterbeurteilung

II. Einheit der Rechtsprechung

1. Einheit der Rechtsprechung als verfassungsrechtliche Pflicht gem. Art. 3 I GG?

2. Formelle Instrumente zur Sicherung der Rechtsprechungseinheit

a) Oberste Gerichtshöfe des Bundes

b) Gemeinsamer Senat

c) Große Senate

d) Vereinigten Große Senate

e) Vorlagepflicht gem. § 121 II GVG

f) Bindungswirkungen von Entscheidungen des BVerfG

3. Einheit der Rechtsprechung durch Überprüfung durch das Bundesverfassungsgericht?

4. Methodische und verfassungsrechtliche Ansätze zur Einheit der Rechtsprechung

a) Bindung an das Gesetz

b) Bindung an das Recht

aa) Enge Auslegung

bb) Recht als überpositive Rechtsquelle

cc) Recht als Präjudizienbindung

c) Die Theorie der präsumtiven Verbindlichkeit

d) Selbstbindung durch Art. 3 I GG

e) Die institutional-approximative Präjudizienbindung

f) Ablehnung einer Präjudizienbindung

g) Stellungnahme

III. Ergebnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der verfassungsrechtlich garantierten richterlichen Unabhängigkeit und dem Erfordernis einer einheitlichen Rechtsprechung, um die Gleichheit vor dem Gesetz zu gewährleisten. Dabei wird analysiert, inwieweit verschiedene Ansätze zur Präjudizienbindung geeignet sind, dieses Konfliktverhältnis aufzulösen.

  • Historische Entwicklung der richterlichen Unabhängigkeit von der napoleonischen Zeit bis zum Grundgesetz.
  • Verfassungsrechtliche Grundlagen und Reichweite der richterlichen Unabhängigkeit.
  • Formelle Instrumente der Rechtsprechungseinheit (oberste Gerichtshöfe, Senate, Vorlagepflichten).
  • Methodische Ansätze zur Bindung der Rechtsprechung (z.B. Theorie der präsumtiven Verbindlichkeit).
  • Die Rolle des Bundesverfassungsgerichts bei der Sicherung der Rechtsprechungseinheit.

Auszug aus dem Buch

Die Theorie der präsumtiven Verbindlichkeit

Eine weitere Ansicht läßt Präjudizien eine präsumtive, also eine vermutete, Verbindlichkeit zukommen. Sie fordert, die Rechtsprechung müsse bei der Beurteilung einer Rechtsfrage auf alle verfügbaren Erkenntnisquellen zurückgreifen, anstatt lediglich das Gesetz und die juristische Methodenlehre anzuwenden.132 Durch eine Verpflichtung zur besonderen Begründung bei abweichenden Urteilen133 soll den Richtern die Pflicht zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit den Argumenten der Präjudizien auferlegt werden, wodurch Rechtsanwendungsgleichheit, Rechtssicherheit und eine gewisse Vorhersehbarkeit der zur Frage stehenden Entscheidung gestärkt werden würden.134

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einleitung thematisiert die Notwendigkeit der richterlichen Unabhängigkeit als Korrelat zur Gesetzesbindung im Rechtsstaat und skizziert das Spannungsfeld zur Forderung nach Rechtseinheit.

1. Geschichtliche Entwicklung der richterlichen Unabhängigkeit: Das Kapitel bietet einen historischen Überblick, angefangen vom Heiligen Römischen Reich über das 19. Jahrhundert und die Weimarer Republik bis hin zur Beseitigung der Unabhängigkeit im Dritten Reich.

2. Verfassungsrechtliche Grundlagen: Es werden die in Art. 97 GG verankerten Garantien der sachlichen und persönlichen Unabhängigkeit sowie deren Grenzen und Ausprägungen im Innenverhältnis der Rechtsprechung beleuchtet.

II. Einheit der Rechtsprechung: Dieses Kapitel erläutert die formellen Instrumente, die der Gesetzgeber zur Vermeidung einer Rechtsaufsplitterung geschaffen hat.

1. Einheit der Rechtsprechung als verfassungsrechtliche Pflicht gem. Art. 3 I GG?: Die Untersuchung widmet sich der Frage, ob der allgemeine Gleichheitssatz eine Pflicht zur einheitlichen Rechtsprechung begründet.

2. Formelle Instrumente zur Sicherung der Rechtsprechungseinheit: Hier werden die Rollen der obersten Gerichtshöfe, der Senate und die Bindungswirkungen durch das Bundesverfassungsgericht detailliert dargestellt.

3. Einheit der Rechtsprechung durch Überprüfung durch das Bundesverfassungsgericht?: Das Kapitel hinterfragt kritisch, ob das Bundesverfassungsgericht effektiv als Korrektiv zur Sicherung der Rechtseinheit fungieren kann.

4. Methodische und verfassungsrechtliche Ansätze zur Einheit der Rechtsprechung: Es werden verschiedene dogmatische Modelle, wie die Theorie der Fallnorm oder die institutional-approximative Präjudizienbindung, diskutiert und bewertet.

III. Ergebnis: Das abschließende Kapitel fasst zusammen, dass eine präsumtive Verbindlichkeit von Präjudizien unter bestimmten Ergänzungen die überzeugendste Lösung für das behandelte Spannungsverhältnis bietet.

Schlüsselwörter

Richterliche Unabhängigkeit, Einheit der Rechtsprechung, Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung, Präjudizienbindung, Art. 3 I GG, Art. 97 GG, Gesetzesbindung, Rechtssicherheit, Rechtsanwendungsgleichheit, Bundesverfassungsgericht, Schöpferische Rechtsfindung, Fallnorm, Dienstaufsicht, Instanzenzug

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit dem verfassungsrechtlichen Spannungsverhältnis zwischen der Unabhängigkeit des Richters einerseits und der Notwendigkeit einer einheitlichen, vorhersehbaren Rechtsprechung andererseits.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung, den verfassungsrechtlichen Grundlagen der richterlichen Unabhängigkeit sowie den verschiedenen formellen und methodischen Instrumenten zur Sicherung der Rechtseinheit.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage ist, wie der Konflikt zwischen der richterlichen Unabhängigkeit und der Forderung nach einer gleichmäßigen Anwendung des Rechts durch das Bundesverfassungsgericht und die Fachgerichte gelöst werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine rechtswissenschaftliche Analyse von verfassungsrechtlichen Normen, höchstrichterlicher Rechtsprechung sowie die dogmatische Auswertung der relevanten juristischen Literatur.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die historische Genese der Unabhängigkeit, die verfassungsrechtlichen Parameter (Art. 97 GG), die verschiedenen Formen der Präjudizienbindung sowie die Rolle der obersten Gerichtshöfe.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind richterliche Unabhängigkeit, Rechtsprechungseinheit, Präjudizienbindung, Art. 3 GG, Rechtsanwendungsgleichheit und das Spannungsfeld zur Gewaltenteilung.

Warum ist die Unterscheidung zwischen Gesetz und Recht für den Richter wichtig?

Der Begriff "Recht" wird als überpositive Quelle oder als Ermächtigung zur Präjudizienbindung diskutiert, was dem Richter Spielräume bei Lücken im Gesetz ermöglicht, ohne gegen die Gewaltenteilung zu verstoßen.

Welche Funktion hat die "Theorie der präsumtiven Verbindlichkeit"?

Sie schlägt vor, Präjudizien eine vermutete Verbindlichkeit beizumessen, die nur aus sachlichen Gründen und mit besonderer Begründung durchbrochen werden darf, um Rechtssicherheit zu erhöhen.

Final del extracto de 36 páginas  - subir

Detalles

Título
Richterliche Unabhängigkeit und Einheit der Rechtsprechung
Universidad
Ernst Moritz Arndt University of Greifswald
Curso
Seminar: Rechtsprechung und Verfassung
Calificación
14,0 Punkte (gut)
Autor
Dr. jur. Manuel Ladiges (Autor)
Año de publicación
2002
Páginas
36
No. de catálogo
V76115
ISBN (Ebook)
9783638804998
ISBN (Libro)
9783638810807
Idioma
Alemán
Etiqueta
Richterliche Unabhängigkeit Einheit Rechtsprechung Seminar Rechtsprechung Verfassung
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Dr. jur. Manuel Ladiges (Autor), 2002, Richterliche Unabhängigkeit und Einheit der Rechtsprechung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76115
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