Risikocontrolling als modernes Instrument der Unternehmensführung in einer Bank

Integrierte Risk-/ Returnsteuerung des Kreditgeschäftes unter spezieller Berücksichtigung des Credit-Value-at-Risk und risikoadjustierter Performancemaße


Diplomarbeit, 2006
112 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Gliederung

I. Einleitung

II. Gang der Arbeit
1. Risikomanagement im Kreditgeschäft
1.1. Risikomanagement und Risikocontrolling
1.1.1. Risikomanagement
1.1.2. Risikocontrolling
1.2. Risiko und Risikosystematisierung
1.2.1. Operative Risiken
1.2.2. Risiken des Kreditgeschäftes
1.3. Der Umgang mit Risiken
1.3.1. Risikopolitik
1.3.2. Risikostrategie
1.3.3. Risikosteuerung
1.3.4. Risikotragfähigkeitskalkül und Risiko-Chancen-Kalkül
1.4. Portfoliomanagement als spezielles Risikosteuerungsinstrument
1.4.1. Diversifikation durch Granularität und Korrelation
1.4.2. Portfoliomanagement aus Sicht des Managements
2. Rechtliche Grundlagen Des Kreditgeschäftes
2.1. Anforderungen des KonTraG und KWG
2.2. MaK und MaRisk
2.3. Basel II
2.3.1. Quantitative Mindestanforderungen
2.3.2. Supervisory Review Process
2.3.3. Marktdisziplin
2.4. Basel II im Kreditgeschäft
2.4.1. Der Standardansatz
2.4.2. Der Basis-Ansatz IRB und fortgeschrittener IRB-Ansatz
3. Risikomessung und Risikokapitalallokation
3.1. Erwarteter und unerwarteter Verlust im Kreditgeschäft
3.1.1. Erwarteter Verlust
3.1.2. Unerwarteter Verlust
3.2. Statistische Grundlagen des Value-at-Risk
3.2.1. Die (Standard-)Normalverteilung
3.2.2. Kovarianz und Korrelationskoeffizient
3.3. Value-at-Risk (VaR) und Credit-Value-at-Risk (CVaR)
3.3.1. Sonderformen des VaR
3.3.2. Besonderheiten des Kreditrisikos
3.3.3. Rechenmodelle
3.3.4. Generelle Kritik am Value-at-Risk
3.4. Praktische Kreditrisikomodelle des CVaR
3.4.1. CreditMetrics™
3.4.1.1. Barwertermittlung des Exposures
3.4.1.2. Berechnung der Migrationsbarwerte
3.4.1.3. Ermittlung des Credit-Value-at-Risk
3.4.1.4. Notwendigkeit der Monte-Carlo-Simulation
3.4.1.5. Kritische Würdigung von CreditMetrics™
3.4.2. CreditRisk+™
3.4.3. CreditPortfolioView™
3.5. Fazit zum Thema Risikomessung und Risikokapitalallokation aus Managementsicht
4. RAPM zur Risk-/ Returnorientierten Steuerung des Kreditgeschäftes
4.1. Klassische Steuerung mittels Return on Equity
4.2. Historie und Status Quo des Risk-Adjusted Performance Measurement
4.2.1. RoRaC
4.2.2. RaRoC
4.2.3. RaRoRaC
4.2.4. Probleme und Grenzen der RAPM
4.3. Economic Value Added (EVA) und Shareholder Value Analyse (SVA)
4.4. Integrierte Risiko- und Renditesteuerung
4.4.1. Einzelgeschäftssteuerung mittels risikoadjustiertem Pricing
4.4.2. Teil- und Gesamtbanksteuerung mit RoRaC und RaRoRaC
4.4.2.1. Prozessdarstellung der intergrierten Risiko-/ Renditesteuerung
4.4.2.2. Integration des RoRaC auf Ist- und Limit-Basis
4.4.2.3. Integration des RaRoRaC
4.5. Neue Kennzahlen - VAP und VAC
5. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Anhang
Anlage 1 – Inputdaten des Beispielkreditportfolios
Anlage 2 – Credit-Value-at-Risk-Berechnungen
Anlage 3 – Kalkulation der Kredite nach ROE, RaRoC und RaRoRaC
Anlage 4 – Historische Simulation eines Aktienkurses

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Bonitätsgewichte beim Standardansatz, in Anlehnung an Paul, S. (2004), S. 25

Tabelle 2 IRB-Ansatz für Unternehmen, Banken und Staaten, eigene Darstellung in Anlehnung an Wilkens, M. / Baule, R. / Entrop, O. (2004), S. 67

Tabelle 3 Korrelationen von Insolvenzraten ausgewählter Branchen, entnommen aus Schulte, M. / Horsch, A. (2004), S. 118

Tabelle 4 Rechenmethodiken des Value at Risk und deren Beurteilung, entnommen aus Rolfes, B. / Kirmße, S. (2000), S. 645

Tabelle 5 Portfoliomodelle des Kreditrisikos im Überblick, entnommen aus Rolfes, B. / Kirmße, S. (2000), S. 655 und Schierenbeck, H. (2001), S. 295

Tabelle 6 Gegenüberstellung von summierten Einzelwerten und dem Portfoliowert in Euro, eigene Berechnung in Anlehnung an Wiedemann, A. (2004), S. 169

Tabelle 7 Gegenüberstellung von klassischem RoE und RoRaC, eigene Darstellung

Tabelle 8 Vergleichende Kalkulation eines Kredites auf RoE- und RaRoRaC-Basis, Darstellung in Anlehnung an Arnold, R. / Meier,C. (2000), S. 29

Abbildungs- und Formelverzeichnis

Abbildung 1 EK-Rendite verschiedener Banken, Quelle Deutsche Bank Research

Abbildung 2 Allokation von Geschäften bei Banken

Abbildung 3 Schematische Gliederung der Arbeit

Abbildung 4 Triade des Ertragsorientierten Bankmanagements, entnommen aus

Abbildung 5 Aufgabenzuordnung im Risikomanagement bei der Hypovereinsbank, entnommen aus Schulte, M. / Horsch, A. (2004), S. 42

Abbildung 6 Risikomanagement-Regelkreis aus dem Leitfaden "Kreditvergabeprozeß und Kreditrisikomanagement", S. 58

Abbildung 7 Funktionale Untergliederung Risikomanagement und Risikocontrolling, entnommen aus Diederichs, M. (2005), S. 27

Abbildung 8 eigene Darstellung des Ursachenbezugs der Risiken in Anlehnung an Schulte, M. / Horsch, A. (2005), S. 24

Abbildung 9 Risikoarten, entnommen aus Merbecks, A. / Stegemann, U. / Frommeyer, J. (2004), S. 80

Abbildung 10 Gesamtrisikoposition der Deutschen Bank, entnommen aus dem Geschäftsbericht 2004, S. 164

Abbildung 11 Eigene Darstellung des Ausfallrisikos

Abbildung 12 Beispielhafte Formulierung der Risikopolitik in Anlehnung an Ibers, T. / Hey, A. (2005), S. 167

Abbildung 13 Eigene Darstellung der Formulierung eines Aspektes der Risikostrategie

Abbildung 14 Verschiedene Strategien für den Umgang mit Risiken, eigene Darstellung in Anlehnung an Ibers, T. / Hey, A. (2005), S.56

Abbildung 15 Risikosteuerung auf Einzelkredit- und Portfolioebene, entnommen aus der Leitfadenreihe Kreditvergabeprozess und Kreditrisikomanagement (2004), S. 76

Abbildung 17 Diversifikationseffekt bei Ideal-Korrelation, entnommen aus Schulte, M. / Horsch, A. (2004), S. 35

Abbildung 18 Eigene Darstellung einer Rendite-Risiko-Matrix

Abbildung 19 Eigene Darstellung verschiedener Teilbank-/ Portfolioebenen

Abbildung 20 Einige Zusammenhänge der Rechtsquellen, eigene Darstellung

Abbildung 21 eigene Darstellung in Anlehnung an Paul, S. (2004), S. 9

Abbildung 22 Ratingansätze nach Basel II, eigene Darstellung

Abbildung 23 Berechnung des erwarteten Verlusts (expected loss),

Abbildung 24 Quersubventionierung durch risikoundifferenzierte Preispolitik, eigene Darstellung in Anlehnung an Schierenbeck, H. (2003), S. 312

Abbildung 25 Darstellung der Verlustarten und der Abfederung, eigene Darstellung in Anlehnung an Rolfes (2002), S. 20

Abbildung 26 Das Value-at-Risk-Konzept, eigene Darstellung in Anlehnung an Bielefeld, F. / Maifarth, M. (2005), S. 158

Abbildung 27 Rechtsschiefe Verlustverteilung eines Kreditportfolios, in Anlehnung an Bröker, F. / Lehrbass, F. (2001), S. 775

Abbildung 28 Value-at-Risk Konzepte und ihre Einordnung, entnommen aus Schulte, M. / Horsch, A. (2004), S. 216

Abbildung 29 eigene Darstellung in Anlehnung an Schulte, M. / Horsch, A. (2004), S. 120

Abbildung 30 Vorgehensweise CreditMetrics™, entnommen aus Wiedemann, A. (2004), S. 151

Abbildung 31 Barwertermittlung des Kredites zum Zeitpunkt t1, eigene Berechnung

Abbildung 32 Migrationsmatrix mit vier Ratingstufen, eigene Darstellung

Abbildung 33 Ermittlung der Migrationsbarwerte, des Erwartungswertes und der Standardabweichung, eigene Berechnung in Anlehnung an Wiedemann, A. (2004), S. 162

Abbildung 34 Aufsteigend geordnete Migrationsbarwerte MWi zur Ermittlung des CVaR, eigene Berechnungen

Abbildung 36 Berechnung des Kreditrisikos nach CreditPortfolioView™, entnommen aus Schierenbeck, H. (2001), S. 283

Abbildung 37 Steuerung des Kreditgeschäfts durch Abgleich von Risikopotential und Risikotragfähigkeit, entnommen aus der Leitfadenreihe der Österreichischen Nationalbank (2004), S. 64

Abbildung 38 Evolution der Erfolgsmaßstäbe in Banken, eigene Darstellung in Anlehnung an Schröck, G. (1997) S. 78 und Strutz, E. / Gehr, J. (2005), S. 215

Abbildung 39 verkürztes RoE Schema (ohne Steuern), in Anlehnung an Schierenbeck, H. (2004), S. 429

Abbildung 40 RAPM-Kennzahlen, eigene Darstellung in Anlehnung an Paul, S. / Horsch, A. / Stein, S. (2005), S. 282

Abbildung 41 RoRaC, eigene Darstellung in Anlehnung an Wiedemann, A. (2004), S. 1

Abbildung 42 Geschäftsfeldsteuerung mittels RoRaC, entnommen aus dem Leitfaden der Österreichischen Nationalbank (2004), S. 68

Abbildung 43 Eigene Darstellung in Anlehnung an Bielefeld, F. / Maifarth, M. (2005), S. 165 und Schröck, G. / Steiner, M. (2005), S. 67

Abbildung 44 Ermittlung des EVA nach dem Equity-Approach, eigene Darstellung

Abbildung 45 Bestimmungsfaktor Eigenkapitalrendite für das Risikomanagement auf allen Ebenen, entnommen aus dem Leitfaden der Österreichischen Nationalbank (2004), S. 60

Abbildung 46 Return und Risiko von Kreditgeschäften, in Anlehnung an Schröck, G. (1997), S. 100

Abbildung 47 Die vier Stufen der integrierten Risiko-/ Renditesteuerung, in Anlehnung an Schierenbeck, H. (2001), S. 502

Abbildung 48 Verknüpfung von RoRaC und RoE auf Gesamtbankebene, entnommen aus Schierenbeck, H. (2001), S. 545

Abbildung 49 Verbindung von Gesamtbank-RoRaC und geschäftsbereichspezifischem RoRaC auf Limitbasis, entnommen aus Schierenbeck, H. (2001), S. 546

Abbildung 50 Ergebnismessung mittels RaRoRaC, in Anlehnung an Bielefeld, F. / Maifarth, M. (2005), S. 167

Abbildung 51 Werthebel-Cockpit Faktor Personal, entnommen aus Strutz, E. / Gehr, J. (2005), S. 236

Formel 1 Mathematische Definition des Risikos, entnommen aus Ibers, T. / Hey, A. (2005), S. 114

Formel 2 Berechnung Eigenkapitalanforderungen aus Basel II, entnommen aus Paul, S. (2004), S. 11

Formel 3 Transformation in eine standardisierte Zufallsvariable Z, entnommen aus Hippmann, H.-D. (2003), S. 254

Formel 4 Berechnung der Varianz, entnommen aus Hippmann, H.-D. (2003), S. 81

Formel 5 Berechnung der Standardabweichung, entnommen aus Hippmann, H.-D. (2003), S. 81

Formel 6 Berechnung der Kovarianz, entnommen aus Finke, R. (2005), S. 42

Formel 7 Berechnung des Korrelationskoeffizienten, entnommen aus Schierenbeck, H. (2001), S. 58

Formel 8 Berechnung des Incremental VaR, entnommen aus Bielefeld, F. / Maifarth, M. (2005), S. 160

Formel 9 Anzahl der Kombinationen, entnommen aus Wiedemann, A. (2004), S. 186

Formel 10 Sharpe-Maß aus der Investitionstheorie, entnommen Bielefeld, F. / Maifarth, M. (2005), S. 163

Formel 11 Berechnung des Treynor-Maßes, in Anlehnung an Schröck, G. (1997), S. 95

Formel 12 Alternative Darstellung des RoRaC, in Anlehnung an Paul, S. / Horsch, A. / Stein, S. (2005), S. 284

Formel 14 Berechnung RaRoRaC, in Anlehnung an Strutz, E. /Gehr, J. (2005), S. 230 und Schierenbeck, H. (2001), S. 46

Formel 15 Berechnung des RaRoRaC, entnommen aus Bielefeld, F. / Maifarth, M. (2005), S. 165

Formel 16 Grundformel des EVA nach dem Entity-Approach, entnommen aus Hostettler, S. (2000), S. 19

Formel 17 Berechnung des EVA nach dem Equity-Approach, entnommen aus Bielefeld, F. / Maifarth, F. (2005), S. 174

Formel 18 Modifizierung des EVA mit RAPM, entnommen aus Bielefeld, F. / Maifarth, F. (2005), S. 175

Formel 19 Wertschöpfung pro Mitarbeiter (VAP), in Anlehnung an Nölting, A. (2000), S. 155

Formel 20 Wertbeitrag pro Mitarbeiter, in Anlehnung an Strutz, E. / Gehr, J. (2005), S. 235

Formel 21 Value added per Customer, entnommen aus Strutz, E. / Gehr, J. (2005), S. 237

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Der Eckpfeiler des Bankgeschäfts ist die Übernahme und das Management von Risiken.“ [1]

I. Einleitung

Der Bankensektor befindet sich seit mehreren Jahren in einem tiefgreifenden Wandel. Maßgebliche Triebkräfte für die Veränderungen sind:

- steigende Kundenanforderungen,
- die Globalisierung mit einhergehendem Kosten- und Rationalisierungsdruck,
- die schwache Konjunktur und
- die Änderung aufsichtsrechtlicher Rahmenbedingungen (Basel II, MaK, MaH und MaIR bzw. MaRisk) im Einklang mit
- zunehmender Komplexität statistischer Methoden im Risk-Management und Controlling.

Nach Durchschreiten der Talsohle in Form der Kapitalmarktkrise 2001 und den folgenden Imagekrisen gehen Banken wieder auf Expansionskurs. Wichtige strategische Eckpfeiler dabei sind zum einen der Ausbau der Kundenbeziehung und das verbesserte Management der Bankrisiken. Zudem soll über diese beiden Verbesserungsansätze die Wertschöpfung deutlich erhöht werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 EK-Rendite verschiedener Banken, Quelle Deutsche Bank Research

Abbildung 1 offenbart, dass deutsche Kreditinstitute in puncto Rentabilität im internationalen Vergleich bisher nicht aufschließen konnten, wenngleich der Trend positiv ist (dritter Platz der Deutschen Bank bei der prozentualen Veränderung gegenüber dem Jahr 2003). Die Deutsche Bank liegt als einziger deutscher Global Player abgeschlagen auf dem 13. Platz. Gründe für schleppende Veränderungen bei Kosteneffizienz und risikogerechtem Credit-Pricing werden vor allem auf das in Deutschland vorherrschende Drei-Säulen-Prinzip[2] sowie die unzureichenden Regelungen von Basel I[3] zurückgeführt.

Die Anforderungen an die Steuerungssysteme der Banken haben sich in der Konsequenz deutlich erhöht. Erst seit wenigen Jahren konzentrieren sich Banken, Aufsichtsbehörden und Wissenschaft auf die systematische Messung und Steuerung von Kreditrisiken.[4] Die Bereinigung der Kreditportfolien von Klumpen-, Branchen- und Größenrisiken kann einen großen Teil zur Steigerung der Eigenkapitalrentabilität beitragen: „Das Kreditrisiko ist unser größtes Risiko.“[5] Die Schwierigkeit liegt in der synchronen Bewältigung der unterschiedlichen Anforderungen von Eigenkapitalgebern, Aufsichtsrecht und dem Risikomanagement (siehe Abbildung 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Allokation von Geschäften bei Banken

Neben den hohen Insolvenzzahlen wird das Kreditgeschäft vor allem geprägt durch:

- rückläufige Eigenkapitalquoten der Unternehmen (dadurch verminderte Risikotragfähigkeit),
- vermehrte Umwandlung der Unternehmen in Rechtsformen mit beschränkter Haftung (z.B. GmbH, ltd.),
- steigenden Kapitalbedarf der Wirtschaft und
- einem Anstieg der Besicherungsrisiken infolge der Nichtverwertbarkeit von Sicherheiten.[6]

Mit dem Wegfall der Gewährträgerhaftung vom 18.07.2005 und dem Geltungsbeginn von Basel II in mehreren Stufen (darauf wird in der Folge noch eingegangen) wird die Schieflage der Quersubventionierung schlechter Kreditnehmer zu Ungunsten der guten Kreditnehmer sukzessive abnehmen. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich maßgeblich mit dem Management von Kreditrisiken und der Ausrichtung der Gesamtbanksteuerung auf risiko-/ renditeorientierte Performancemessung.

II. Gang der Arbeit

Die Diplomarbeit orientiert sich am originären Geschäft von Banken: dem Kreditgeschäft. Die Steuerung des Kreditgeschäftes wird geprägt durch den Wandel rechtlicher Rahmenbedingungen, wie z.B. Basel II und den MaK (bzw. MaRisk), sowie der Anpassung und Weiterentwicklung interner Standards und Methoden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 Schematische Gliederung der Arbeit

Zuerst erfolgt eine theoretische Betrachtung und Definition der Grundbegriffe des Risikos, der Risikoarten, des Risikocontrollings und Risikomanagements. Das Risikocontrolling unterliegt in deutschen Banken erheblichen gesetzlichen Anforderungen. Diese werden im zweiten Kapitel betrachtet.

In Kapitel drei werden ausgewählte Verfahren zur Risikomessung näher erläutert und verglichen. Anschließend werden die risikoadjustierten Performancemaße beschrieben und eine Verbindung zur wertorientierten Steuerung hergestellt.

Abgeschlossen werden die Betrachtungen mit einem Ausblick auf künftig relevante Kennzahlen unter Einbeziehung der Entwicklung hin zur Werthebelorientierung.

„Ein Unternehmen, das seine Risiken besser versteht, identifiziert verlässlicher die guten Geschäfte als der Wettbewerb, der aus Unkenntnis auch die schlechten Risiken nimmt.“ [7]

1. Risikomanagement im Kreditgeschäft

1.1. Risikomanagement und Risikocontrolling

Die ureigene Rolle der Banken geht über den reinen Finanzintermediär hinaus, Kreditinstitute übernehmen und transformieren Risiken. Während vor zehn Jahren zwei der zehn größten deutschen Banken Risikomanagement als explizite Funktion auswiesen, sind es heutzutage laut Bankscope neun der zehn größten deutschen Banken, die Risikomanagement als Vorstandsaufgabe definieren.[8]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4 Triade des Ertragsorientierten Bankmanagements, entnommen aus

Schierenbeck, H. (2004), S. 1

Banken haben die drei Ziele Rentabilität, Wachstum und Risiko miteinander strategisch sinnvoll zu kombinieren (siehe Abbildung 4). Nur eine schlüssig aufeinander abgestimmte Behandlung der drei Erfolgsfaktoren führt zu dem gewünschten Ergebnis.

1.1.1. Risikomanagement

Abgeleitet aus „manus agere“ (an der Hand führen) wird der Begriff Management im betriebswirtschaftlichen Sprachgebrauch synonym verwendet für Unternehmensführung bzw. –leitung.[9] Risikomanagement als Symbiose der Begriffe Risiko und Management kann demzufolge als originäre Führungsaufgabe verstanden werden, weshalb es oft dem unmittelbaren Verantwortungsbereich der Geschäftsleitung zugeordnet wird: Das Management eines Unternehmens agiert somit als letztlicher Entscheidungsträger.[10]

Der Begriff Risikomanagement bezeichnet inhaltlich den aktiven und planvollen Umgang mit Risiken - der sich an den Vorgaben der Managementebene orientiert -, um die Streuung der Gewinne und Cashflows zu reduzieren.[11] „Unter Risikomanagement wird ein systematischer, wert- beziehungsweise erfolgsorientierter Ansatz zur Analyse und zum Umgang mit Risiken verstanden.“[12]

Anhand der in einem Unternehmen identifizierten und gemessenen Risiken kann ein Eigenkapitalbedarf (Risk-adjusted Capital) und Liquiditätsbedarf errechnet werden, der zur Vermeidung einer Überschuldung bzw. Illiquidität die Verlustrisiken jederzeit abfangen können muss.[13]

Daraus ergeben sich folgende Ziele des Risikomanagements:

- Existenzsicherung,
- Sicherung des zukünftigen Erfolges,
- Vermeidung bzw. Senkung der Risikokosten und
- Marktwertsteigerung des Unternehmens.[14]

Die Einrichtung eines Risikomanagements ist für ein Kreditinstitut dann von Vorteil, wenn die dadurch vermiedenen Risikokosten größer sind als die verursachten Sachmittel- und Personalkosten.[15] Wenn dies einer Bank besser gelingt als den Konkurrenten, ist das Risikomanagement als essentieller Wettbewerbsvorteil zu sehen, weil die Bank „im Hinblick auf ihre Risikokosten mit einer ganz anderen Kostenstruktur arbeiten und demnach auch ihre Preise anders kalkulieren kann.“[16]

Die Verteilung der einzelnen Aufgaben im Risikomanagement ist exemplarisch in der folgenden Abbildung am Beispiel der Hypovereinsbank dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5 Aufgabenzuordnung im Risikomanagement bei der Hypovereinsbank, entnommen aus Schulte, M. / Horsch, A. (2004), S. 42

Während bei der früheren Hold-Strategie Kreditverluste als außerordentliche Ereignisse erst dann berücksichtigt wurden, wenn der Kreditnehmer seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkam, betrachtet die moderne Kreditrisikosteuerung Kreditverluste als ordentliche Ereignisse, die mit einer statistischen Wahrscheinlichkeit vorhersagbar sind.[17] Dieser modernen Auffassung von Kreditausfallwahrscheinlichkeiten folgen letztendlich auch die neuen Vorschriften von Basel II.

Der Leitfaden „Kreditvergabeprozeß und Kreditrisikomanagement“ der Österreichischen Nationalbank hat den bankspezifischen Aufbau des Regelkreises für das Risikomanagement wie folgt dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6 Risikomanagement-Regelkreis aus dem Leitfaden "Kreditvergabeprozeß und Kreditrisikomanagement", S. 58

Der Risikomanagement-Regelkreis ist allein auf der letzten Stufe (Überwachen) bei der Bezeichnung „Risikocontrolling“ kritisch zu würdigen. Der Begriff Controlling sollte weiter definiert und ausgelegt werden. Eine mögliche Typologisierung des Controlling weist dies als ergebniszielorientierte Führungsunterstützungskonzeption aus.[18] Diese hat sich in der betriebswirtschaftlichen Praxis durchgesetzt. Die Funktion des Controllings besteht in der Informationsversorgung und –aufbereitung für die Entscheidungsträger bzw. das Management.

1.1.2. Risikocontrolling

Das Risikocontrolling ist demzufolge am gesamten Risikomanagement-Prozeß als entscheidungsstützendes Organ beteiligt, ist jedoch bei Banken organisatorisch aufgrund der gesetzlichen Vorgaben getrennt vom klassischen Controlling anzusiedeln. Risikocontrolling fokussiert die Sicherstellung der Informationsversorgung und den Aufbau einer hierarchieübergreifenden Risikoberichterstattung.[19]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7 Funktionale Untergliederung Risikomanagement und Risikocontrolling, entnommen aus Diederichs, M. (2005), S. 27

„Risikocontrolling beschreibt den Prozess sowie die Maßnahmen und Instrumente zur Identifizierung, das heißt Erfassung und Analyse von Risiken, zur größenmäßigen Abschätzung (Quantifizierung), zur Entwicklung von Methoden zur Beherrschung und Minimierung der Risiken (Steuerung) sowie zur Überwachung des störungsfreien Ablaufs des Regelkreises aus Identifizierung, Quantifizierung und Steuerung […].“[20]

1.2. Risiko und Risikosystematisierung

Der Begriff Risiko entstammt ursprünglich dem Wort „riscare“ aus der Seefahrt. Es bedeutete übersetzt „eine Klippe umschiffen“[21] und kann problemlos in das heutige Wirtschaftsgeschehen übertragen werden.

Schierenbeck definiert den Begriff Risiko allgemein als „die in dem unzureichenden Informationsstand begründete Gefahr einer Verfehlung des bei aktuellen Umweltkonstellationen erzielbaren Erfolgs.“[22] Der unzureichende Informationsstand begründet sich mit der Unsicherheit über die Zukunft und potentielle Störungen. Auf das Kreditgeschäft einer Bank bezogen kann man das Kreditrisiko z. B. als die Gefahr verstehen, dass bei einem Kreditgeschäft der Schuldner den vereinbarten Kreditvertrag (Kapitaldienst) nicht vertragsgerecht erfüllt.[23]

Im Schrifttum wird vermehrt darauf hingewiesen, dass Risiken nicht nur in der negativen Abweichung von den Zielen zu sehen sind, sondern auch im Vergeben sich auftuender Chancen[24] (in der Literatur wird explizit Chancenmanagement als Bestandteil des Risikomanagements benannt[25] ). Risiko wird in Bezug auf das Risikomanagement „als das individuelle „In-Kauf-Nehmen“ begleitender Gefahren im Rahmen eines jeglichen unternehmerischen Handelns und Entscheidens und als eine zu kalkulierende Größe eines möglichen, aber nicht gewünschten Ereignisses auf dem Weg der Zielerreichung verstanden.“[26]

Die zweiseitige, eher mathematisch-statistische Definition von McKinsey fasst Risiko wie folgt zusammen: „Als Risiko wird […] eine positive oder negative Abweichung von ihrem erwarteten Wert bezeichnet.“[27] Die allgemeine mathematische Berechnung des Risikos wird mit der nachfolgenden Formel vorgenommen, die dann je nach Komplexität in verschiedene statistische quantitative Verfahren mündet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Formel 1 Mathematische Definition des Risikos, entnommen aus Ibers, T. / Hey, A. (2005), S. 114

Ein Unternehmen ist einer Vielzahl unterschiedlicher Risiken ausgesetzt, die zunächst systematisiert werden müssen, um sie zu managen. Dazu gibt es bereits eine Reihe von Ansätzen, die jedoch zumeist unvollständig oder zur Abgrenzung von Risikoarten ungeeignet sind.

Zunächst kann das Risiko in subjektives und objektives Risiko unterteilt werden.[28] Unter dem subjektiven Risiko wird eine individuelle, oftmals eher intuitive Risikowahrnehmung verstanden.[29] Ein Beispiel aus dem Bankenbereich: Im Rahmen des Ratingprozesses gemäß der geltenden MaK schätzt der Kundenbetreuer die Zuverlässigkeit eines Firmenkunden.

Das objektive Risiko beschränkt sich auf quantitative Daten bzw. Aussagen (z.B. finanzwirtschaftliche Daten) und errechnet davon ausgehend bestimmte Wahrscheinlichkeiten.[30] Es sei darauf hingewiesen, dass das objektive Risiko zumeist auch subjektive Elemente enthält, da bestimmte Verteilungsannahmen und Parameterschätzungen zugrunde gelegt werden.

Ein weiteres Unterscheidungskriterium der Risiken ist die zeitliche bzw. hierarchische Dimension. Risiken können sowohl in strategische und operative Risiken als auch in Erfolgs- und Liquiditätsrisiken unterteilt werden. Strategische und operative Risiken stehen sowohl untereinander als auch mit den Erfolgs- und Liquiditätsrisiken in einer gegenseitigen Wechselwirkungsbeziehung.

Strategische Risiken stehen zunächst ganz am Anfang der Ursachen-Wirkungskette (siehe Abbildung 8), weil die Management- bzw. Eigentümerentscheidungen entscheidenden Einfluss auf die operativen Tätigkeiten der Mitarbeiter des Unternehmens aufweisen. Bei Managementrisiken handelt es sich um einen Risikokomplex, der durch die Aufgabenwahrnehmung der Unternehmensführung entsteht.[31] Die operativen Risiken sind die aus dem Geschäftsbetrieb des Kreditinstituts erwachsenden Gefahren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8 eigene Darstellung des Ursachenbezugs der Risiken in Anlehnung an Schulte, M. / Horsch, A. (2005), S. 24

Die Qualität der strategischen Ausrichtung und der operativen Umsetzung sind in hohem Maße für den Erfolg des Unternehmens ausschlaggebend. Daraus resultieren im Umkehrschluss entsprechende Risiken für die Erfolgslage des Unternehmens, die sogenannten Erfolgsrisiken. Falsche Managemententscheidungen oder mangelnde Qualität im Tagesgeschäft können fatale Auswirkungen auf den Gewinn bzw. Verlust eines Unternehmens haben.

Verluste und stockende Zahlungen stellen für die Liquidität eines Unternehmens ein großes Risikopotential dar: „Als Liquiditätsrisiko wird das Risiko bezeichnet, dass den gegenwärtigen und zukünftigen Verpflichtungen nicht vollständig oder zeitgerecht nachgekommen werden kann oder dass im Falle einer Liquiditätskrise Refinanzierungsmittel nur zu erhöhten Marktsätzen aufgenommen (Refinanzierungsrisiko) bzw. Aktiva nur mit Abschlägen zu den Marktsätzen liquidiert werden können (Marktliquiditätsrisiko).“[32]

Letztendlich handelt es sich um eine Ursachen-Wirkungsspirale, weil sich die Vermögens- und Zahlungsmittelsituation wiederum auf strategischer und operativer Ebene des Unternehmens niederschlagen.

1.2.1. Operative Risiken

Die Risikoarten des typischen Bankgeschäftes lassen sich unterteilen in Markt- und Kreditrisiken, wobei in bestimmten Konstellationen Überschneidungen möglich sind (z.B. bei der Herabstufung der Bonität eines Anleiheemittenten). In der Bankpraxis erfahren zudem vor allem operationelle Risiken in letzter Zeit eine steigende Beachtung. Die Kreditrisiken werden unter Punkt 1.2.2. ausführlich behandelt.

Marktrisiken beschreiben allgemein die Gefahr negativer oder unerwarteter Entwicklungen eines Marktes für die Bank[33]: Eine unerwartete Entwicklung zum Beispiel kann das Verpassen von Kurssteigerungschancen in einer absoluten Aufschwungphase bzw. Hausse des Kapitalmarktes darstellen. Diese Risikoart umfasst das Aktienkursrisiko, das Währungsrisiko, das Zinsänderungsrisiko sowie das Rohstoffpreisrisiko.

Operationelle Risiken (operational risk) wurde von den Baseler Vorschlägen 2001b als das Verlustrisiko definiert, „das aus unzureichenden oder falschen internen Prozessen, Personen und Systemen sowie externen Einflüssen resultiert.“[34] Beispiele sind mangelnde Qualifikation und Sorgfalt der Mitarbeiter, Fehlfunktionen von IT-Systemen - z. B. falsche Berechnungen durch Fehlprogrammierung, Ausfall des IT-Systems - oder vorsätzlicher Betrug. Unter externen Einflüssen können Terroranschläge, Naturkatastrophen und ähnliche Ereignisse subsumiert werden.[35] Als wichtiges operationales Risiko muss vor allem auch das Reputationsrisiko ergänzend angeführt werden.

Unter Geschäftsrisiken sind die nach Kredit-, Markt- und operationellen Risiken verbleibenden Risiken zu verstehen. Sie entstehen vor allem durch unerwartete Schwankungen der Absatzmenge oder der Absatzmargen aufgrund veränderter Kundennachfrage oder –präferenzen.[36] Während diese Risikoart derzeit in Banken eher eine untergeordnete Rolle spielt, muss die Automobilindustrie und die Telekommunikationsbranche dem wesentlich mehr Beachtung schenken.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 9 Risikoarten, entnommen aus Merbecks, A. / Stegemann, U. / Frommeyer, J. (2004), S. 80

Die Wichtigkeit der Risikoart Kreditrisiko läßt sich anhand der Zahlen aus dem Geschäftsbericht der Deutschen Bank 2004 (Abbildung 10) ablesen, einer der wenigen Global Player aus dem deutschen Finanzdienstleistungssektor. Das Kreditrisiko hat in 2004 einen Anteil von 45,2 % am Gesamtrisiko und ist damit die größte der vier Risikoarten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 10 Gesamtrisikoposition der Deutschen Bank, entnommen aus dem Geschäftsbericht 2004, S. 164

1.2.2. Risiken des Kreditgeschäftes

Grundsätzlich kann das Kreditrisiko in die folgenden Risikoarten untergliedert werden:

- Ausfallrisiko (default risk),
- Besicherungsrisiko,
- Bonitätsrisiko (downgrade risk) und
- Spread-Risiko (credit spread risk).

Das Ausfallrisiko bezeichnet den möglichen Wertverlust von Forderungen aufgrund unerwarteter vollständiger, partieller oder temporärer Zahlungsunfähigkeit oder –unwilligkeit eines Schuldners.[37] Eine lediglich verzögerte Zahlung wird allgemein als Terminrisiko (Teil des Liquiditätsrisikos) aufgefasst.[38] Das Ausfallrisiko beschreibt die Möglichkeit der Wanderungsbewegung eines Kreditnehmers in die Default-Klasse (Bonitätsstufe des Ausfalls).[39]

Das Ausfallrisiko wird zusätzlich differenziert in erwartete und unerwartete Verluste. Erwartete Verluste werden über den Preis eines Produktes (also z. B. eines Kredites) kompensiert, unerwartete Verluste werden durch das vorhandene Eigenkapital abgefangen[40] (in diesem Zusammenhang wird auch vom Ökonomischen Kapital[41] oder Risikokapital gesprochen). Nähere Ausführungen zur Spezifizierung und Verwendung von erwarteten und unerwarteten Verlusten sind in Kapitel drei enthalten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 11 Eigene Darstellung des Ausfallrisikos

Im Gegensatz zum Ausfallrisiko erfasst das Bonitätsrisiko das Risiko des Wertverlustes einer Forderung aufgrund der Bonitätsverschlechterung des Kreditnehmers.[42] Im Falle der Notierung eines Unternehmens am Kapitalmarkt, kann es sich bei dem Bonitätsrisiko auch um ein Marktrisiko handeln. Die Bonitätsverschlechterung führt in der Konsequenz zu einem niedrigeren Anleihe- oder Aktienkurs.

Das Spread-Risiko tritt aufgrund einer generellen Neubewertung der bestehenden und unveränderten Ausfall-, Bonitäts- und Besicherungsrisiken am Markt.[43]

Unter dem Besicherungsrisiko wird der Verlust der Werthaltigkeit einer Sicherheit verstanden. Dadurch erhöhen sich Nettoexposure und der erwartete Verlust aus dem Kreditgeschäft. In der Konsequenz bedeutet dies eine erhöhte Eigenkapitalhinterlegung (und auch ein höheres Ökonomisches Kapital) für das Engagement durch den Kreditgeber.

1.3. Der Umgang mit Risiken

Gerade beim (Kredit-)Ausfallrisiko ist ein höherer Dezentralisierungsgrad der Verantwortung sinnvoll, da der dezentrale (Markt-)Bereich aufgrund der Kundennähe zu differenzierteren Analysen fähig ist. Übergeordnete Aspekte wie Konzentrationsrisiken, Branchensteuerung und Länderrisiken bleiben jedoch in zentraler Verantwortung.[44]

Um die wirkungsvolle Risikosteuerung eines Unternehmens auf allen Ebenen zu ermöglichen, muss zunächst ein fester Handlungsrahmen nach dem Top-down-Prinzip definiert werden: Das Management erarbeitet die Vorgaben, die durch die Mitarbeiter im Tagesgeschäft entsprechend umgesetzt werden. Den Ausgangspunkt bildet die Risikopolitik.

1.3.1. Risikopolitik

Unternehmenspolitik und Risikopolitik werden zunächst aufeinander abgestimmt und in einer Art risikopolitischem Leitbild festgehalten. In diesem Leitbild werden allgemeine Leitsätze formuliert, die den Mitarbeitern das vom Management gewollte Handling der Risiken im Unternehmen vermitteln. Ein exemplarisches Leitbild ist in der folgenden Abbildung dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 12 Beispielhafte Formulierung der Risikopolitik in Anlehnung an Ibers, T. / Hey, A. (2005), S. 167

1.3.2. Risikostrategie

Die Risikostrategie stellt die verbale und arithmetische Umsetzung der Leitlinien der Risikopolitik in die strategische Geschäftsplanung dar. „Die Risikostrategie regelt Art und Ausmaß der Risiken, die im Rahmen der Strategieumsetzung zulässig sind, sowie den Umgang mit ihnen.“[45] Abbildung 13 formuliert eine potentielle strategische Festlegung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 13 Eigene Darstellung der Formulierung eines Aspektes der Risikostrategie

Die Risikostrategie einer Bank muss differenzierte Grundsatzaussagen zur unternehmensindividuellen Risikobereitschaft und –tragfähigkeit sowie den Rahmenbedingungen für das operative Risikomanagement enthalten.[46]

1.3.3. Risikosteuerung

Die Handhabung bzw. Steuerung der Risiken gemäß der Unternehmensmaximen kann durch den in Abbildung 14 skizzierten Handlungsrahmen abgegrenzt werden. Diese einzelnen Möglichkeiten des Umgangs mit Risiken werden dann im Folgenden erläutert.

[...]


[1] vgl. Deutsche Bank (1996), S. 19

[2] vgl. Mummert Consulting AG (2004), S. 4

[3] vgl. Erben, R. F. (2005), S. 5

[4] Bröker, F. / Lehrbass, F. (2001), S. 774

[5] Deutsche Bank Geschäftsbericht 2004, 136

[6] Schiller, B. / Tytko, D. (2001), S. 1

[7] Merbecks, A. / Stegemann, U. / Frommeyer, J. (2004), S. 56

[8] vgl. Merbecks, A. / Stegemann, U. / Frommeyer, J. (2004), S. 44

[9] vgl. Diederichs, M. (2005), S. 10/ 11

[10] vgl. Schulte, M. / Horsch, A. (2004), S. 42

[11] vgl. Gleißner, W. (2005), S. 28

[12] Finke, R. (2005), S. 23

[13] vgl. Gleißner, W. (2005), S. 33

[14] vgl. Diederichs, M. (2005), S. 9

[15] vgl. Blattner, P. (2003), S. 3

[16] Blattner, P. (2003), S. 3

[17] vgl. Wiedemann, A. (2004), S. 139

[18] Diederichs, M. (2005), S. 19

[19] Diederichs, M. (2005), S. 26

[20] Traber, U. / Schulte-Mattler, H. (2001), S. 1076

[21] in Anlehnung an Hager, P. (2004), S. 21

[22] Schierenbeck, H. (1994), S. 582

[23] vgl. Schiller, B. / Tytko, D. (2001), S. 5

[24] vgl. Franz, K.-P. (2000), S. 53; Ibers, T. / Hey, A. (2005), S. xx;

[25] vgl. Keitsch, D. (2004), S.220

[26] Keitsch, D. (2004), S. 4

[27] Merbecks, A. / Stegemann, U. / Frommeyer, J. (2004), S. 24

[28] vgl. Ibers, T. / Hey, A. (2005), S. 38

[29] vgl. Benölken, H. / Gerber, E. (2004), S. 31

[30] vgl. Benölken, H. / Gerber, E. (2004), S. 31

[31] vgl. Paul, S. / Horsch, A. / Stein, S. (2005), S. 25

[32] Dresdner Bank Geschäftsbericht von 2004, S. 113

[33] eigene, erweiterte Definition des Marktrisikos in Anlehnung an Schierenbeck, H. (2001), S. 6

[34] Schulte, M. / Horsch, A. (2005), S. 28

[35] vgl. Merbecks, A. / Stegemann, U. / Frommeyer,J. (2004), S. 87

[36] vgl. Merbecks, A. / Stegemann, U. / Frommeyer,J. (2004), S. 92

[37] vgl. Merbecks, A. / Stegemann, U. / Frommeyer, J. (2004), S. 83

[38] vgl. Schulte, M. / Horsch, A. (2004), S. 27

[39] vgl. Schierenbeck, H. (2004), S. 316

[40] vgl. Schulte, M. / Horsch, A. (2004), S. 81

[41] „Als ökonomisches Kapital bezeichnet man die Gesamtheit der Risikodeckungspotentiale, die mindestens vorgehalten werden muss, um selbst dann, wenn die […] Maximalsbelastungssituation eintreten sollte, solvent zu bleiben.“ Schierenbeck, H. (2001), S. 23

[42] vgl. Schierenbeck, H. (2004), S. 317

[43] vgl. Merbecks, A. / Stegemann, U. / Frommeyer, J. (2004), S. 84

[44] vgl. Schulte, M. / Horsch, A. (2004), S. 43

[45] Ibers, T. / Hey, A. (2005), S. 50

[46] vgl. Ibers, T. / Hey, A. (2005), S. 51

Ende der Leseprobe aus 112 Seiten

Details

Titel
Risikocontrolling als modernes Instrument der Unternehmensführung in einer Bank
Untertitel
Integrierte Risk-/ Returnsteuerung des Kreditgeschäftes unter spezieller Berücksichtigung des Credit-Value-at-Risk und risikoadjustierter Performancemaße
Hochschule
Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
112
Katalognummer
V76116
ISBN (eBook)
9783638731140
ISBN (Buch)
9783638732260
Dateigröße
1699 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Risikocontrolling, Instrument, Unternehmensführung, Bank
Arbeit zitieren
Michael Rohleder (Autor), 2006, Risikocontrolling als modernes Instrument der Unternehmensführung in einer Bank, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76116

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