Heidegger ist ein Philosoph, der aus dem Zerfall heraus geboren wurde. Seine Philosophie findet ihren Spiegel in der Kunst jener Jahre, dem Expressionismus. Das es sich hier um etwas radikal neues handelte, kündigte sich schon in den Namen seiner Zeitschriften
an: „Die Aktion“, „Der Sturm“ oder „Die Revolution“. Die Welt schien, mit dem ersten Weltkrieg und der damit erreichten umfassenden Technisierung endgültig aus den Fugen geraten zu sein. Auch in Heideggers Biographie spiegelt sich dieser Umbruch, der gleichzeitig ein Ausbruch war, wieder. Er, der zu Beginn noch katholische Theologie studiert hatte, wendet sich im Laufe der Zeit mehr und mehr vom Katholizismus ab der Philosophie, dem „freien Denken“ zu.
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, Heideggers Philosophie und die Theologie darzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Heideggers Philosophie und die Theologie
1.1 Einleitung: Heidegger als Philosoph des Zerfalls
1.2 Rückführung der Philosophie auf ihre Wurzeln
1.3 Faktizität und die Rolle Gottes
1.4 Heidegger und die theologische Aufgabenstellung
1.5 Das Wesen der Sprache bei Heidegger
1.6 Ontologische Existenzbestimmung und kulturelle Prägung
1.7 Theologie und die Offenbarung
1.8 Vereinbarkeit von Theologie und Heideggers Philosophie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen der Philosophie Martin Heideggers und der christlichen Theologie. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, inwieweit Heideggers Konzept der Faktizität, seine Sprachphilosophie und seine Ontologie mit den dogmatischen Grundlagen der Theologie vereinbar sind, ohne dabei den Kern der christlichen Offenbarungsvorstellung preiszugeben.
- Heideggers philosophische Abkehr vom Katholizismus
- Die Rolle des Todes und der Faktizität in der Existenzphilosophie
- Das Wesen der Sprache und die theologische Begriffsbildung
- Das Spannungsfeld zwischen Seinsontologie und monotheistischem Glauben
- Systematische Einflüsse auf die Entmythologisierungstheologie (Bultmann)
Auszug aus dem Buch
Die alten Systeme des Christentums sind für Heidegger also nicht mehr relevant
Die alten Systeme des Christentums sind für Heidegger also nicht mehr relevant – doch geht er weit über die Tradition der Entdeckung der Wirklichkeit des 19. Jahrhunderts, die durchaus auch antichristliche Züge hatte, hinaus: „Ich will mindestens etwas anderes – das ist nicht viel: nämlich was ich in der heutigen faktischen Umsturzsituation lebend als ‘notwendig‘ erfahre, ohne Seitenblick darauf, ob daraus eine ‘Kultur‘ wird oder eine Beschleunigung des Untergangs.“ Heidegger geht es um die Wirklichkeit, das „faktische Leben“ und um unsere zeitliche Existenz, die historische Faktizität. Er strebt eine Rückführung der Philosophie auf ihre Wurzeln an, die er bei den Vorsokratikern, vor allem bei Parmenides findet.
Gott hingegen ist unbestimmbar, unverfügbar, und im faktischen Leben nicht mehr vorhanden; „man ist nicht [einmal] imstande gewesen, Gott und Tod als bloße Ideen sich im Geistigen fernzuhalten“, so schreibt Rilke im schon eingangs zitierten Brief. Heidegger zieht daraus die Konsequenzen. Während der Tod für ihn nach wie vor als endlicher Bezugspunkt eine wesentliche Rolle spielt, denn der Tod bildet den Endpunkt unserer Existenz, bedeutet der Sturz ins faktische Leben das Ende aller metaphysischen Weltfluchten. Diese Verabsolutierung der Faktizität ist für Heidegger mehr als nur ein bloßes „Sollen“. Es ist ein „Müssen“, eine Verpflichtung gegenüber der eigenen Existenz: „Ich mache lediglich, was ich muß und was ich für nötig halte, und mache es so, wie ich es kann – ich frisiere meine philosophische Arbeit nicht auf Kulturaufgaben für ein allgemeines Heute. Ich habe auch nicht die Tendenz Kierkegaards. Ich arbeite aus meinem ‘ich bin‘ und meiner geistigen, überhaupt faktischen Herkunft. Mit dieser Faktizität wütet das Existieren.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Heideggers Philosophie und die Theologie: Eine einleitende Betrachtung über Heideggers biografischen Umbruch und seine Abkehr vom katholischen Dogma hin zur Philosophie des freien Denkens.
1.1 Einleitung: Heidegger als Philosoph des Zerfalls: Beschreibung der zeitgenössischen Kulisse des Expressionismus und des Ersten Weltkriegs, die Heideggers philosophische Radikalität prägten.
1.2 Rückführung der Philosophie auf ihre Wurzeln: Erläuterung von Heideggers Bestreben, die Philosophie durch die Rückbesinnung auf die Vorsokratiker aus ihrer metaphysischen Erstarrung zu lösen.
1.3 Faktizität und die Rolle Gottes: Analyse, wie Heidegger den Tod und die faktische Existenz als Bezugspunkte wählt und Gott zunehmend als unbestimmbar und metaphysisch außerhalb stehend definiert.
1.4 Heidegger und die theologische Aufgabenstellung: Untersuchung der Forderung an die Theologie, ihre Begriffe am Seienden auszurichten und eine eigene Sprache zu finden.
1.5 Das Wesen der Sprache bei Heidegger: Diskussion der Identität von Denken und Sagen sowie der These, dass die Sprache als Stimme des Seins existiert.
1.6 Ontologische Existenzbestimmung und kulturelle Prägung: Kritische Reflexion, ob Heideggers Todesbegriff eine universelle ontologische Kategorie oder ein spezifisch deutsches historisches Phänomen ist.
1.7 Theologie und die Offenbarung: Darlegung der Problematik, dass Heideggers Seinsdenken die moralische Verantwortung und die Wahrheitsansprüche der Offenbarung untergräbt.
1.8 Vereinbarkeit von Theologie und Heideggers Philosophie: Fazit zur fundamentalen Unvereinbarkeit bei gleichzeitiger Anerkennung der systematischen Inspiration für Denker wie Bultmann.
Schlüsselwörter
Martin Heidegger, Theologie, Faktizität, Ontologie, Sein, Christentum, Existenz, Entmythologisierung, Sprache, Metaphysik, Offenbarung, Phänomenologie, Zeitlichkeit, Wirklichkeit, Gott.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Spannungsverhältnis zwischen der Philosophie Martin Heideggers und der christlichen Theologie unter Berücksichtigung der Frage, inwiefern ein Dialog zwischen beiden Disziplinen möglich ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Kernbereichen zählen die Begriffe der Faktizität, des Seins, die Sprachphilosophie sowie die kritische Auseinandersetzung mit christlichen Dogmen in Bezug auf Heideggers Denken.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, die systematische Unvereinbarkeit von Heideggers Seinsdenken und dem monotheistischen Offenbarungsanspruch aufzuzeigen, dabei aber auch den Einfluss auf die moderne Theologie zu würdigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine phänomenologisch-philosophische Analyse, die mit der Auswertung zentraler Primärtexte Heideggers und deren theologischer Rezeption arbeitet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert Heideggers Weg vom Katholizismus zur Philosophie, die Bedeutung des Todes und der Sprache sowie die kritische Prüfung der Vereinbarkeit seines philosophischen Systems mit der dogmatischen Theologie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Sein, Faktizität, Ontologie, Christentum, Offenbarung und Existenz beschreiben.
Welche Rolle spielt der Tod laut dem Autor in Heideggers System?
Der Tod fungiert als endlicher Bezugspunkt und als Mittel, um metaphysische Weltfluchten zu beenden und den Menschen zur Anerkennung seiner faktischen Existenz zu zwingen.
Wie beeinflusste Heidegger die Theologie von Rudolf Bultmann?
Heideggers Systematik lieferte die notwendige philosophische Basis für Bultmanns Entmythologisierung, wodurch die Theologie systematisch neu ausgerichtet werden konnte.
Warum ist Heideggers Ansatz für einen Theologen laut dem Autor problematisch?
Da Heideggers „Stimme des Seins“ keine feste Wahrheit oder Richtung vorgibt, entzieht sie der Offenbarung ihren Anspruch auf absolute Gültigkeit und Verantwortung.
- Quote paper
- Jan Schenkenberger (Author), 2004, Heideggers Philosophie und die Theologie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76130