Bis zum Inkrafttreten der neuen Eigenkapitalverordnung BASEL II sind es nur noch wenige Wochen. Ab 01. Januar 2007 gelten für Banken die neuen Eigenkapitalvorschrif-ten des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht. Diese sehen eine risikogerechtere Ei-genkapitalunterlegung vor. Statt der bisherigen 8 %, kann dann die Höhe des notwendi-gen Eigenkapitals für einen Kredit – je nach Ausfallwahrscheinlichkeit des Kreditneh-mers – zwischen 1,6 % und 12 % schwanken. Die Insolvenzzahlen des ersten Halbjah-res 2006 belegen, dass Kreditausfälle in Deutschland recht häufig vorkommen. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden 16.700 Insolvenzen registriert. Das ist zwar ein Rückgang um 12,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, aber die Quote liegt immer noch auf hohem Niveau. Daher werden Kreditinstitute zukünftig – nicht nur durch BA-SEL II – bestrebt sein, bei der Kreditvergabe die Bonität eines Kreditnehmers möglichst genau zu ermitteln. Die Kreditwürdigkeitsprüfung wird deshalb in den Kreditinstituten einen noch größeren Stellenwert einnehmen als bisher.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Grundlagen der Kreditwürdigkeitsprüfung
2.1 Ziele der Kreditwürdigkeitsprüfung
2.2 Umfang der Kreditwürdigkeitsprüfung
3. Die Jahresabschlussanalyse als traditionelles Verfahren der Bonitätsprüfung
3.1 Die Analyse der Vermögenslage
3.2 Die Analyse der Finanzlage
3.3 Die Analyse der Ertragslage
3.4 Fazit
4. Moderne Verfahren der Kreditwürdigkeitsprüfung
4.1 Scoring-Verfahren
4.2. Multivariate Diskriminanzanalyse
4.3 Künstliche Neuronale Netzanalyse
4.4 Rating
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht die Methoden zur Kreditwürdigkeitsprüfung von Unternehmen, wobei der Fokus auf der Gegenüberstellung traditioneller Bilanzanalysen und moderner mathematisch-statistischer Verfahren liegt, um das Ausfallrisiko bei Kreditvergaben effektiv zu minimieren.
- Grundlagen der Bonitätsprüfung und deren regulatorischer Kontext
- Traditionelle Jahresabschlussanalyse (Vermögens-, Finanz- und Ertragslage)
- Moderne Analyseinstrumente wie Scoring und Diskriminanzanalyse
- Einsatz Künstlicher Neuronaler Netze in der Kreditwürdigkeitsprüfung
- Bedeutung von Rating-Verfahren unter BASEL II
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Analyse der Vermögenslage
Die Aktivseite der Bilanz bildet den Untersuchungsgegenstand der Analyse des Vermögens. Durch die Vermögensstrukturanalyse soll untersucht werden, wie das eingesetzte Kapital verwendet wurde. Es ist zu analysieren, welche Arten und welche Zusammensetzung des Vermögens mit Kapital finanziert wurden und wie hoch die Dauer der Vermögensbindung im Unternehmen ist. Als wichtige Kennzahlen zur Beurteilung der Vermögenslage sollen nun die Anlagenintensität und die Umschlagsdauer der Vorräte erläutert werden.
Diese Kennzahl gibt an, wie hoch der Anteil des Anlagevermögens am Gesamtvermögen ist. Zur Beurteilung dieser Kennzahl bedarf es der Berücksichtung der Branchenzugehörigkeit und dem jeweiligen Schwerpunkt des Unternehmens. Produktionsunternehmen weisen in der Regel eine höhere Anlagenintensität auf als Handelunternehmen. Eine zu hohe Anlagenintensität kann ein Unternehmen schwerfällig machen, denn eine schnelle Liquidierbarkeit ist bei Anlagen meist nicht gegeben.
Eine weitere Kennzahl zur Beurteilung der Vermögenslage ist die Umschlagsdauer der Vorräte. Diese Kennzahl zeigt an, wie lange Vorräte durchschnittlich im Unternehmen verbleiben, bis sie veräußert werden. Eine Umschlagsdauer von 90 Tagen bedeutet beispielsweise, dass das gesamte Vorratsvermögen durchschnittlich alle 3 Monate ausgetauscht wird. Als positiv kann eine niedrige Umschlagsdauer angesehen werden, da einerseits die Mittelbindung im Vorratsvermögen gering ist und andererseits keine Absatzschwierigkeiten bestehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Das Kapitel erläutert die Relevanz der Kreditwürdigkeitsprüfung vor dem Hintergrund verschärfter Eigenkapitalanforderungen durch BASEL II und stellt das Ziel der Arbeit vor.
2. Grundlagen der Kreditwürdigkeitsprüfung: Es werden die Ziele der Bonitätsprüfung, wie die Risikominimierung, sowie die Kriterien zur Beurteilung der persönlichen und wirtschaftlichen Kreditfähigkeit dargelegt.
3. Die Jahresabschlussanalyse als traditionelles Verfahren der Bonitätsprüfung: Dieser Schwerpunktabschnitt analysiert Vermögens-, Finanz- und Ertragslage mittels ausgewählter Kennzahlen und diskutiert deren Aussagekraft sowie Grenzen.
4. Moderne Verfahren der Kreditwürdigkeitsprüfung: Hier werden innovative Methoden wie Scoring, Diskriminanzanalyse, Künstliche Neuronale Netze und Ratings als objektivere Alternativen zur klassischen Bilanzanalyse vorgestellt.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass moderne, EDV-gestützte Verfahren die Bilanzanalyse sinnvoll ergänzen, um eine objektivere und standardisierte Kreditabwicklung zu ermöglichen.
Schlüsselwörter
Kreditwürdigkeitsprüfung, Bonität, Jahresabschlussanalyse, BASEL II, Vermögenslage, Finanzlage, Ertragslage, Scoring-Verfahren, Diskriminanzanalyse, Künstliche Neuronale Netze, Rating, Ausfallrisiko, Eigenkapital, Kennzahlenanalyse, Kreditrisiko
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Prüfung der Kreditwürdigkeit von Kreditnehmern durch Kreditinstitute und vergleicht dazu klassische mit modernen Bewertungsmethoden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die Analyse von Jahresabschlüssen, die Anwendung von Finanzkennzahlen sowie statistische und IT-gestützte Verfahren zur Bonitätsbeurteilung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, dem Leser die Grundlagen der Kreditwürdigkeitsprüfung zu vermitteln und die Vor- sowie Nachteile verschiedener praktischer Verfahren zur Beurteilung der Bonität aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deskriptive und vergleichende Analyse der gängigen Verfahren zur Bonitätsprüfung durchgeführt, basierend auf betriebswirtschaftlicher Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die traditionelle Jahresabschlussanalyse (Vermögens-, Finanz- und Ertragslage) und stellt moderne Verfahren wie Scoring, Diskriminanzanalyse, neuronale Netze und Rating gegenüber.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Kreditwürdigkeitsprüfung, BASEL II, Bonität, Jahresabschlussanalyse und moderne Analyseverfahren definiert.
Wie unterscheidet sich die Bilanzanalyse von modernen Verfahren?
Während die klassische Bilanzanalyse stark von der subjektiven Interpretation des Analysten abhängt, zielen moderne Verfahren wie Scoring oder neuronale Netze auf eine höhere Objektivität und Standardisierung ab.
Warum ist BASEL II für die Themenstellung relevant?
BASEL II führt zu strengeren Eigenkapitalvorschriften und risikogerechteren Anforderungen, was Kreditinstitute dazu zwingt, die Bonität von Kreditnehmern präziser und objektiver zu messen.
Welchen Vorteil bieten Künstliche Neuronale Netze?
Sie zeichnen sich durch ihre Lernfähigkeit aus, wodurch sie Fehlerwahrscheinlichkeiten bei der Bonitätsbeurteilung deutlich senken können.
Was besagt der Anlagendeckungsgrad B?
Er gibt Auskunft über die statische Liquidität und sollte grundsätzlich über 100 % liegen, um dem Grundsatz der fristenkongruenten Finanzierung zu entsprechen.
- Quote paper
- Andreas Garbotz (Author), 2006, Kreditwürdigkeitsprüfung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76136