Kinderarmut, Frauenarmut, Jugendarbeitslosigkeit - Soziale Lagen in Deutschland

Zukunft Sozialstaat – Perspektiven einer geschlechtergerechten Sozial- und Bildungspolitik


Hausarbeit, 2007

27 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition
2.1. Absolute Armut
2.2. Relative Armut
2.3. Bekämpfte und verdeckte Armut
2.4. Transitorische und strukturelle Armut

3. Armut in der Bundesrepublik Deutschland, 1950-2007

4. Armut in Deutschland – Statistik

5. Frauenarmut
5.1. Benachteiligungen im Erwerbsleben:
5.2. Benachteiligungen aufgrund der Mutterrolle/als Ehefrau
5.3. Benachteiligung im Alter

6. Kinderarmut
6.1. Kinderarmut in Deutschland
6.2. Gründe für Kinderarmut
6.3. Benachteiligung aufgrund von Kinderarmut
6.4. Ausgrenzung aufgrund von Kinderarmut
6.5. Mögliche Gegenmaßnahmen

7. Jugendarbeitslosigkeit

8. Schluss

1. Einleitung

Die Zahl der Menschen, welche unter Armut leiden, hat in den letzten Jahren in der Bundesrepublik Deutschland erheblich zugenommen. Obwohl Deutschland auf internationaler Ebene noch immer als ein reiches Land gilt, häufen sich in den Medien Berichte über Menschen, welche hierzulande unterhalb des Sozialhilfeniveaus leben müssen.

Warum das so ist und wie es dazu gekommen ist wollen wir in unserer Hausarbeit untersuchen und analysieren. Dabei sind für uns die wichtigsten Fragen:

Was genau ist Armut und wo beginnt sie?

Wie weit ist Armut tatsächlich im Sozialstaat Deutschland verbreitet?

Wie verlief die historische Entwicklung der Armut in der Bundesrepublik Deutschland?

Wie kommt es dazu, dass ein Mensch arm wird, inwiefern ist dieser Zustand der Mittellosigkeit selbstverschuldet und welche Schuld trägt die Umgebung?

Welche sind die sozialen Gruppen, welche am meisten von Armut betroffen sind und warum ausgerechnet diese?

Nachdem wir das ausgearbeitet haben, wollen wir uns, um ein volles Bild der Materie zu erlangen, mit den besonders von Armut betroffenen Gesellschaftsgruppen beschäftigen und ihre Benachteiligung innerhalb der Gesellschaft aufzeigen.

Zum Schluss werden wir uns mit den Möglichkeiten dieser Gruppen, ihre materielle und damit existenzielle Situation aufzubessern, beschäftigen.

2. Definition

Armut stellt sicherlich ein massives gesellschaftliches und politisches Problem dar, weltweit verbreitet, sei es in den ärmsten Ländern der Welt oder auch in der als relativ reich angesehenen Bundesrepublik Deutschland. Um sich eingehend mit diesem Problem beschäftigen zu können ist zuallererst eine Definition der Armut erforderlich. Was ist Armut? Wann gilt man als arm? Wie hoch ist die Zahl der von Armut betroffenen Menschen anzusetzen? Erst die Antworten auf diese Fragen erlauben eine weitere Vorgehensweise beim Umgang mit der Armut und beim Abschaffen der Mittellosigkeit.

Grundsätzlich lässt sich Armut als eine Situation wirtschaftlichen Mangels bezeichnen. Der Begriff beschreibt den Mangel an Möglichkeiten, ein Leben zu führen, welches gewissen Minimalstandarts entspricht. Die Maßstäbe, nach denen Armut definiert wird, richten sich trotz unterschiedlicher Quellen meistens nach dem individuellen Einkommen einer Person. Die Definition der WHO besagt, dass arm ist, wer monatlich weniger als die Hälfte des durchschnittlichen Einkommens seines Landes zur Verfügung hat. Innerhalb der Europäischen Union gilt als arm, wer im Monat weniger als 60% des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. Nach dieser Definition lag 2003 die Armutsgrenze in Deutschland beim monatlichen Einkommen von 938 Euro.

Betrachtet man das Problem ausführlicher, lassen sich mehrere konkrete Arten von Armut unterscheiden:

2.1. Absolute Armut:

Absolute Armut liegt vor, wenn betroffene Personen nicht über die zu ihrer Lebenserhaltung notwendige Güter wie Nahrung, Unterkunft oder Kleidung verfügen und somit ein Leben am äußersten Rand der Existenz führen. Absolute Armut bedroht somit das physische Dasein des betroffenen Menschen und führt meistens, sobald sich seine Situation nicht verbessert, zum Tod durch z.B. Verhungern oder Erfrieren. Heutzutage ist absolute Armut meistens in Entwicklungsländern vorzufinden, wo Menschen Tag für Tag ums überleben kämpfen und streckenweise weniger als 1 Doller am Tag verdienen. Auch wenn absolute Armut in Ländern der Wohlstandsgesellschaft als weitgehend überwunden angesehen wird und somit als Problem an Bedeutung verloren hat, gibt es in den heutigen Industrieländern weiterhin Menschen, welche aufgrund ihrer Mittellosigkeit jeden Tag ums Überleben kämpfen müssen, etwa Obdachlose, Drogenabhängige oder Menschen, welche aus verschiedenen Gründen nicht vom Netz der sozialen Sicherungssysteme (z.B. Sozialhilfe) aufgefangen werden.

2.2. Relative Armut:

Das Konzept der relativen Armut orientiert sich an einem verhältnismäßigen Wert, in Deutschland liegt der Bezugswert beispielsweise bei circa der Hälfte des Durchschnittseinkommens. Hat die betroffene Person weniger Geld zur Verfügung, wird davon ausgegangen, dass ein soziokulturelles Existenzminimum unterschritten wird, was oft mit der Bedrohung der Menschenwürde gleichgesetzt wird. Das Konzept der relativen Armut wird vor allem in den Wohlstandsgesellschaften benutzt und ist im Verhältnis zu den Gesellschaftszuständen im Umfeld des betroffenen Individuums zu betrachten. In einem Fall der relativen Armut können die materiellen und immateriellen Notbedürfnisse des Menschen wie Nahrung, Kleidung, Wohnung, medizinische Versorgung oder Teilhabe am gesellschaftlichen Leben nicht oder kaum noch befriedigt werden.

2.3. Bekämpfte und verdeckte Armut:

Von bekämpfter Armut spricht man, wenn betroffene Personen eine Hilfe zum Lebensunterhalt beziehen. Zu solchen Grundsicherungsleistungen zählt u.a. die Sozialhilfe oder das Arbeitslosengeld II.

Verdeckte Armut besteht hingegen, wenn Menschen, welche sich in einer Zwangslage befinden ihren Anspruch auf eine Grundsicherungsleistung nicht erheben. Nach neuesten Schätzungen kommen auf 3 Sozialhilfe- oder Arbeitslosengeld-II-Bezieher mindestens 2 weitere Personen, welche verdeckt arm sind. Die Ursachen für verdeckte Armut sind meistens das Unwissen über Möglichkeiten der sozialen Hilfe oder der Stolz, der den verarmten Menschen nicht erlaubt, Hilfe vom Staat zu beziehen.

2.4. Transitorische und strukturelle Armut:

Der Begriff transitorische Armut bezeichnet zyklische Schwankungen im Verlauf des Lebens eines betroffenen Individuums oder einer betroffenen Gruppe. Das Problem tritt auf, wenn die Grundbedürfnisse des Menschen nicht immer komplett erreicht werden können; die Befriedigung der Bedürfnisse wird durch Ereignisse unterbrochen, welche vorübergehend auftreten und die Existenz des Menschen stören und ihn damit in die Armut zwingen. Solche Vorkommnisse können zyklisch (z.B. in Verbindung mit der Ernte) oder azyklisch (z.B. Naturkatastrophen) auftreten.

Strukturelle Armut besteht hingegen, wenn die betroffene Person einer gesellschaft­lichen Randgruppe angehört, welche ausschließlich aus Menschen besteht, die unter die Armutsgrenze fallen und kaum Chancen haben, aus ihrer schlechten Situation auszubrechen. Solche Randgruppen können beispielsweise aus Mitgliedern eines Elendsviertels bestehen. In diesem Zusammenhang wird oft von dem Teufelskreis der Armut gesprochen, da die Nachkommen der innerhalb der strukturellen Armut lebenden Menschen meistens ebenfalls von der Mittellosigkeit betroffen sind.

Die Gründe hierfür sind z.B. schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt oder innerhalb der Gesellschaft wegen der Diskriminierung aufgrund der schlechten Wohnsituation oder frühe Schwangerschaften aufgrund mangelnder sexueller Aufklärung.

Menschen, welche aufgrund ihrer Mittellosigkeit jeden Tag ums Überleben kämpfen müssen, etwa Obdachlose, Drogenabhängige oder Menschen, welche aus verschiedenen Gründen nicht vom Netz der sozialen Sicherungssysteme (z.B. Sozialhilfe) aufgefangen werden.

3. Armut in der Bundesrepublik Deutschland, 1950-2007

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die junge Bundesrepublik Deutschland weitgehend von Kriegszerstörungen, Hunger und Kälte geprägt. Aus dem totalen wirtschaftlichen Zusammenbruch im Nachkriegsdeutschland entstanden neue Armutsbilder: die Öffentlichkeit und die Politik beschäftigten sich vor allem mit Kriegsopfern (Witwen, Waisen) und Kriegsgeschädigten (Vertriebene, Ruinierte) wogegen andere Arme wie Arbeitslose oder Obdachlose in den Hintergrund traten. Statt auf Betreuung von Hilfebedürftigen wurde auf eine Wirtschaftspolitik gesetzt, die in erster Linie auf Wiederaufbau und Wachstum zielte.

Mit der beabsichtigten "Linderung der Not" ging es vor allem um die Bekämpfung absoluter Armut, also um die Bereitstellung des Existenzminimums für alle Menschen. Die Armutspolitik richtete sich daher vor allem an Kriegsopfer. Die Sozialhilfedebatte 1953 beschränkte sich dementsprechend darauf, die Sozialleistungsempfänger zu versorgen, hilfebedürftige Gruppen als solche, wie z.B. Kinderreiche oder ältre Menschen wurden hingegen vernachlässigt. Die Arbeitslosigkeit wurde als ein vorübergehendes Problem angesehen, welches sich mit steigendem Wirtschafts­wachstum von selbst lösen sollte. Auf diesem Hintergrund ergab sich, dass vor allem der arbeitende Teil der Bevölkerung von den Sozialleistungen profitierte. Die größte Gruppe unter den Armen bildeten die Rentner. Um dieses Problem zu lösen, folgte 1957 die ‚Große Rentenreform’, ihre armutspolitische Zielsetzung sollte bedeutend werden für die Geschichte der Armutsbekämpfung; durch die Reform wurden die Bezüge der damals circa 6 Mio. Sozialrentner um etwa 60% erhöht, die Rentenleistungen wurden auf Lohnersatzniveau gehoben.

1961 etablierte sich die Sozialhilfe (BSHG: Bundessozialhilfegesetz): ein menschen­würdiges Leben sollte mit einem Rechtsanspruch auf Hilfe gesichert werden, die Hilfe wollte sich an den persönlichen Lebenslagen der Betroffenen orientieren, eine Versorgung mit materiellen Leistungen sollte garantiert werden.

In den 60er und Anfang der 70er Jahre wurde das gesellschaftliche Selbstverständnis aufgrund des Wirtschaftswunders und des Erfolges der sozialen Marktwirtschaft durch die Vorstellung einer nivellierten Mittelstandsgesellschaft geprägt. Die Politik (vor allem die SPD) konzentrierte sich fast ausschließlich auf die Bedürfnisse der Arbeiterklasse und übersah, dass eine Arbeiterpolitik nicht gleichzusetzen ist mit einer Armenpolitik. Alte und behinderte Menschen, Gastarbeiter und Lehrlinge, Obdachlose und Geisteskranke – Menschen, deren Situation sich nicht bloß mit einer Arbeitsstelle aufwerten ließ, wurden als gesellschaftliche Randgruppen betrachtet und bekamen innerhalb der Politik kaum Beachtung.

An Bedeutung gewannen diese ‚Randgruppen’ erst wieder im Zusammenhang mit der ‚Neuen Sozialen Frage’ in der zweiten Hälfte der 70er Jahre, als es zu einer öffentlichen Kritik an der Regierung kam. Kritisiert wurde vor allem die etwas einseitige Orientierung der Politik an der erwerbstätigen Bevölkerung und die Vernachlässigung älterer Menschen, kinderreichen Familien, Frauen, Kinder, Obdachlosen und anderen benachteiligten gesellschaftlichen Gruppen.

In den 80er Jahren rückte ein neues Phänomen in den Vordergrund: aufgrund von zahlreichen Einschnitten in das Arbeitsförderungsgesetz und steigender Arbeitslosigkeit wandte sich das öffentliche Interesse einer neuen Gruppe von Armen zu: den Arbeitslosen. Die Veränderungen am Arbeitsmarkt führten zu einer Änderung der Armutsursachen und des Sozialhilfeklientels: die Arbeitslosigkeit sollte stetig steigen und mit ihr die Zahl der sozial benachteiligten. Betroffen waren nicht nur die einzelnen Arbeitslosen sondern mit ihnen auch ihre Familien, welche nun um die Sicherung ihrer Existenz kämpfen mussten. Die Zahl der Armen sollte stetig steigen und mit ihnen die Zahl der Sozialhilfeempfänger; ihre Höhe erlaubt es nicht mehr, Armut als Rand- oder Minderheitenphänomen anzusehen. Die ‚Neue Armut’ entstand, begleitet von vielen negativen Faktoren:

Ein großer Teil der Bevölkerung musste sich nun erneut an das Leben in Armut gewöhnen; Der politische Wille, die Armut zu bekämpfen, nahm angesichts wachsender Zwangslage ab; Die Bedrohung durch die Armut drang bis in soziale Gruppen, welche früher nicht nur kaum gefährdet sondern eher durch Wohlstand gekennzeichnet waren, wie Personen mit höherer Bildung; Es kam zur Gefahr eines Generationskonfliktes zwischen alten und jungen Arbeitnehmern aufgrund von schlechter Situation auf dem Arbeitsmarkt; Bestimmte soziale Gruppen wie Alleinerziehende, Frauen oder Kinder entwickelten sich zu von der Armut besonders gefährdeten Bevölkerungsteilen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Kinderarmut, Frauenarmut, Jugendarbeitslosigkeit - Soziale Lagen in Deutschland
Untertitel
Zukunft Sozialstaat – Perspektiven einer geschlechtergerechten Sozial- und Bildungspolitik
Hochschule
Universität Konstanz
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
27
Katalognummer
V76144
ISBN (eBook)
9783638805711
Dateigröße
599 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kinderarmut, Frauenarmut, Jugendarbeitslosigkeit, Soziale, Lagen, Deutschland
Arbeit zitieren
Maciek Reichert (Autor), 2007, Kinderarmut, Frauenarmut, Jugendarbeitslosigkeit - Soziale Lagen in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76144

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