Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › History of Germany - National Socialism, World War II

Die Funktion von Häftlingsbordellen im nationalsozialistischen Regime

Title: Die Funktion von Häftlingsbordellen im nationalsozialistischen Regime

Term Paper , 2006 , 36 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Demir Cesar (Author)

History of Germany - National Socialism, World War II
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Diese Arbeit beschränkt sich zwar auf die Häftlingsbordelle in den Konzentrationslagern, ich werde jedoch vorhandene Wehrmachts- und SS-Bordelle kurz abhandeln, ohne jedoch den Anspruch auf eine vollständige Ausarbeitung zu erheben.
Wie im zweiten Kapitel ersichtlich wird, waren nicht alle Häftlinge berechtigt die lagerinternen Bordelle zu besuchen. Somit wird auch der Punkt der “Akquisition“ der Zwangsarbeiterinnen ein Kapitel in dieser Arbeit bilden.
Die strafrechtliche Verfolgung sexuell „auffälliger“ Frauen konnte als Quelle potentieller Zwangsprostituierter genauso für das NS-Regime dienlich sein, wie diejenigen Frauen, die gegen das Rassenschandegesetz verstießen. Diese genannten Punkte konnten zu einer Verhaftung und Internierung in ein KZ und zur Zwangsrekrutierung in eines der Lagerbordelle führen. Die eigentliche Strategie hinter der Errichtung von Lagerbordellen wird in diesem Kapitel etwas konkreter als in der Einleitung thematisiert und stellt auch die Janusköpfigkeit des NS-Regimes zwischen strafrechtlicher Verfolgung von Prostitution einerseits und der „Notwendigkeit“ staatlich errichteter Bordelle andererseits dar.
Im dritten und vierten Kapitel werde ich die Struktur des Bordellsystems, die Arbeits- bzw. Lebensbedingungen und die Überlebenschancen der Frauen untersuchen. Hieraus entsteht auch eine meiner zu untersuchenden Hypothesen, ob die in den Häftlingsbordellen „arbeitenden“ Frauen eine höhere Überlebenschance hatten, als die Frauen, die im Lager Ravensbrück oder Auschwitz zurückblieben. Auch der Mythos der “freiwilligen Meldung“ zum Bordelldienst soll hierbei untersucht und auf Grundlage der genannten Hypothese geklärt werden. Letztendlich soll die Arbeit auch einen Überblick über die Thematik bieten und neue Fragen aufwerfen, die bei der weiteren Bearbeitung des Themas vielleicht hilfreich sein könnten. Letztendlich handelt es sich um ein sehr schwieriges und sensibles Thema, daß aufgrund seiner vernachlässigten Nachbehandlung äußerst gegenwärtig und aktuell ist, wenn man zum Beispiel die zum Teil anhaltende „Ausklammerung“ dieser Thematik bei der Gedenkstättenpädagogik betrachtet.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entstehungsphase der „Sonderbauten“

2.1 Die Verfolgung sexuell „auffälliger“ Frauen

2.2 Die Errichtung von „Sonderbauten“ in Konzentrationslagern

2.3 Häftlingsgesellschaft und Hierarchie

2.4 Die „Akquisition“ der Sexzwangsarbeiterinnen

2.4.1 Mythos „freiwillige“ Meldung

3. Der Bordellbetrieb in den Konzentrationslagern

3.1 Das Häftlingsbordell

3.2 „Bezahlung“ und „Entlohnung“ in den Häftlingsbordellen

3.3 Der „Häftlingsfreier“

4. Lebensbedingungen der Frauen

4.1 Die Lebensbedingungen in den „Sonderbauten“

4.2 Überlebenschance „Bordelldienst“?

4.3 Anhaltende Stigmatisierung nach 1945

5. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Funktion, den Betrieb und die Auswirkungen der Häftlingsbordelle im nationalsozialistischen Lagersystem. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, unter welchen Bedingungen Frauen für diese Zwangsarbeit rekrutiert wurden und inwieweit der sogenannte „Bordelldienst“ tatsächlich eine Überlebenschance darstellte oder vielmehr ein Instrument der totalen Kontrolle und Entmenschlichung war.

  • Die Entstehungsgeschichte und Strategie hinter der Errichtung von Lagerbordellen.
  • Die Mechanismen der Akquisition und die Problematik der vermeintlichen „Freiwilligkeit“.
  • Strukturelle Abläufe, Selektionskriterien und der Alltag in den „Sonderbauten“.
  • Die moralische und psychologische Perspektive der männlichen Häftlingsgesellschaft auf Bordellbesuche.
  • Langzeitfolgen und die anhaltende Stigmatisierung der betroffenen Frauen nach 1945.

Auszug aus dem Buch

2.4.1 Mythos „freiwillige“ Meldung

In der geschichtswissenschaftlichen Literatur die sich mit den Häftlingsbordellen auseinandersetzt wird oft von einer „Freiwilligkeit“ der Frauen gesprochen, die sich bei der Akquisition der SS bereitwillig zur Verfügung gestellt haben sollen. Richtig ist hierbei, daß Frauen diesen Dienst oft als einzige Möglichkeit des Überlebens ansahen. Das der Begriff der „Freiwilligkeit“ auch diese einschränkenden objektiven Notwendigkeiten mit einbezieht, ist jedoch gegenüber der absoluten Herrschaftsstruktur der SS im KZ irrelevant. Als „Freiwilligkeit“ kann lediglich das damit zusammenhängende Wissen über den drohenden Arbeitseinsatz der Frauen gewertet werden, nicht aber der Versuch sich von den rigiden Machtstrukturen und ihren lebensgefährlichen Bedingungen zu befreien.

Die SS selber führte den Begriff vor allem dort ein wo anzunehmen war, daß moralische Bedenken der Häftlinge den „laufenden Betrieb“ unnötig hemmen würden. So konnten die Häftlinge „unbesorgt“ die Bordellmädchen empfangen und die SS konnte in ihrer schon vorher angesetzten Stigmatisierung der „sexuell auffälligen“ Frauen (Vgl. Kapitel 2.1) auf die männliche Lagergesellschaft ausweiten. Eine Entsolidarisierung unter den Inhaftierten wurde so indirekt von der SS vorangetrieben, dabei spielte es auch keine Rolle ob die Frauen sich wirklich freiwillig meldeten oder nicht. Nicht ohne Grund gibt es viele Zeugenberichte, die aus diesem Grund heraus bis in die Neuzeit hinein herabwürdigend über diese Frauen urteilen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die späte wissenschaftliche Aufarbeitung staatlich kontrollierter Bordelle im Nationalsozialismus und ordnet die Forschungsarbeit in den Kontext der NS-Opfergeschichte ein.

2. Die Entstehungsphase der „Sonderbauten“: Dieses Kapitel analysiert die rechtlichen Grundlagen und die NS-Politik der Verfolgung „sexuell auffälliger“ Frauen sowie die strategische Errichtung der Bordelle in verschiedenen Konzentrationslagern.

3. Der Bordellbetrieb in den Konzentrationslagern: Hier wird der alltägliche, bürokratisierte Ablauf der Bordellnutzung sowie die sozio-ökonomische Struktur der „Entlohnung“ und das Verhalten der Häftlingsfreier detailliert dargestellt.

4. Lebensbedingungen der Frauen: Das Kapitel untersucht die physischen und psychischen Lebensumstände der Zwangsarbeiterinnen, bewertet die „Überlebenschance Bordelldienst“ kritisch und beleuchtet die gesellschaftliche Ausgrenzung der Überlebenden nach Kriegsende.

5. Resümee: Die Zusammenfassung bilanziert das Scheitern der NS-Strategie, Bordelle als produktivitätssteigerndes Mittel zu nutzen, und betont die Bedeutung der Anerkennung der Frauen als doppelte Opfer.

Schlüsselwörter

Häftlingsbordelle, Nationalsozialismus, Zwangsprostitution, Konzentrationslager, Sexzwangsarbeit, Prämienverordnung, NS-Biopolitik, Überlebensstrategien, Stigmatisierung, Zwangsarbeit, Mauthausen, Auschwitz, Ravensbrück, Entmenschlichung, Opferfürsorge.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Funktion und dem Betrieb von staatlich kontrollierten Häftlingsbordellen in nationalsozialistischen Konzentrationslagern zwischen 1942 und 1945.

Welche zentralen Themenfelder deckt die Studie ab?

Zentral sind die Entstehungsgeschichte der Bordelle, die Rekrutierungsmethoden der SS, der Alltag der zwangsarbeitenden Frauen sowie die moralischen Konflikte und Stigmatisierungen, denen die Frauen in der Lagergesellschaft und nach 1945 ausgesetzt waren.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Autorin untersucht, ob der „Bordelldienst“ eine reelle Überlebenschance bot oder lediglich als Instrument der NS-Herrschaft zur Entmenschlichung und Leistungssteuerung diente.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung zeitgenössischer Dokumente (z. B. Prämienverordnungen), Zeugenberichten und der existierenden Forschungsliteratur basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Entstehungsphasen, die Darstellung des Bordellalltags, eine Untersuchung der Lebensbedingungen der betroffenen Frauen sowie eine kritische Auseinandersetzung mit den Überlebenschancen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Zwangsprostitution, Sonderbauten, Prämienverordnung, Stigmatisierung, NS-Opfer und Lagerhierarchie.

Was besagt die Arbeit über das Auswahlverfahren der Bordellfrauen?

Die Auswahl erfolgte oft unter dem Deckmantel der „Freiwilligkeit“, wobei die Frauen meist aus der Kategorie der als „asozial“ eingestuften Häftlinge rekrutiert wurden, häufig unter Ausnutzung ihrer katastrophalen Lebensbedingungen.

Wie bewertet der Text die angebliche „Freiwilligkeit“ der Bordellfrauen?

Die Arbeit widerlegt die „Freiwilligkeit“ als Mythos; sie betrachtet den Dienst als Überlebensstrategie unter absolutem Zwang und massiver psychischer Belastung.

Wie war die Reaktion der Nachkriegsgesellschaft auf diese Frauen?

Die Frauen erfuhren nach 1945 anhaltende Stigmatisierung, ihre Leidensgeschichte wurde lange Zeit tabuisiert und sie wurden im Rahmen des Opferfürsorgegesetzes in der BRD oft nicht als Verfolgte anerkannt.

Excerpt out of 36 pages  - scroll top

Details

Title
Die Funktion von Häftlingsbordellen im nationalsozialistischen Regime
College
University of Hannover  (Historisches Seminar)
Course
Frauen in NS-Konzentrationslagern
Grade
1,0
Author
Demir Cesar (Author)
Publication Year
2006
Pages
36
Catalog Number
V76151
ISBN (eBook)
9783638867382
ISBN (Book)
9783638867474
Language
German
Tags
Funktion Häftlingsbordellen Regime Frauen NS-Konzentrationslagern
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Demir Cesar (Author), 2006, Die Funktion von Häftlingsbordellen im nationalsozialistischen Regime, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76151
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  36  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint