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Erotik im Mittelalter

Title: Erotik im Mittelalter

Term Paper , 2005 , 14 Pages

Autor:in: Demir Cesar (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Bei den Wörtern Erotik und Mittelalter handelt es sich laut Arnaud de la Croix, dem Verfasser der Schrift „Liebeskunst und Lebenslust im Mittelalter“, um einen sprachlichen Anachronismus . Das Lustempfinden und die damit zugehörige sexuelle Komponente innerhalb des Wortes “Erotik“ tritt erstmals Ende des 18. Jahrhunderts in Europa auf. Das Wort “Erotik“ stammt von dem griechischen Liebesgott Eros ab, Sohn der Aphrodite und des Ares. Trotzdem muss sich die Begriffsdefinition auf eine Entwicklung hinstützen, woraus unser Verständnis des Wortes “Erotik“ sich entwickelt hat und diese fand im Mittelalter und teilweise auch schon in der Antike statt. Mittelalterliche Erotik ist in seinen Facetten und seinen unterschiedlichen Auffassungen sehr komplex und ich werde mit Sicherheit auch nur einen kleinen Teil von den verschiedenen Ausprägungen, die sich unter Anderem in den kulturellen Ausdrucksformen Lyrik und Volkserzählungen widerspiegeln, erfassen.
Es treten eine Vielzahl von verschiedenen Meinungen und Quellen aufeinander, die es schwer machen die Erotik als einen einheitlichen Begriff zu verstehen. Die höfische Liebe trifft auf bäuerliche Liebesauffassungen, die sich zum Teil als sehr derbe beschreiben lassen. Schriften wie „De Amore“ von Andreas Capellanus oder der zweite Teil des „Rosenromans“ von Jean de Meun, die eine Art Liebesratgeber des Mittelalters darstellen, stoßen auf moralische Empörung von Seiten der Kirche, aber auch gegen eine sich entwickelnde emanzipatorische Meinung wie zum Beispiel von Christine de Pizan , die sich gegen eine verteufelnde Darstellung der Frau in der Dichtkunst ausspricht. Das Profane in der Verbildlichung von sexuellen Handlungen stößt auf das Heilige. Somit scheint als erstes die Vorstellung gebrochen zu sein, das Mittelalter und die erotische Liebe seien zwei sich ausschließende Begriffe. Vielmehr wird sich diese Auffassung zum Ende meiner Arbeit insoweit in Luft auflösen, da die mittelalterlichen Ansichten über Liebe, Erotik und Sexualität eine auf die heutige Zeit einflußnehmende Stellung einnehmen können.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Liebe

1.2 Erotik

1.3 Sexualität

2. Liebe und Erotik in der Dichtkunst

2.1 Trobador

2.2 Minnesang

2.3 Fabliaux oder Märendichtung

3. Abschluss

Zielsetzung und Themenfelder

Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexen und vielfältigen Auffassungen von Liebe, Erotik und Sexualität im Mittelalter. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse literarischer Ausdrucksformen wie dem Trobador-Gesang, dem Minnesang sowie der Märendichtung, um ein differenziertes Bild jenseits gängiger Klischees über das mittelalterliche Liebesleben zu zeichnen und deren Einfluss auf unser heutiges Verständnis zu beleuchten.

  • Differenzierung der Begriffe Liebe, Erotik und Sexualität im mittelalterlichen Kontext
  • Die Rolle der Dichtkunst als Medium für emotionale und erotische Ausdrucksformen
  • Kontrast zwischen höfischer Minne und bäuerlich-derber Märendichtung
  • Einfluss kirchlicher Moralvorstellungen auf die gelebte Sexualität
  • Historische Kontinuität und Wandel von Liebeskonzepten

Auszug aus dem Buch

1.1 Liebe

Platon schrieb schon 300 v. Chr. eine Schrift zum Thema Liebe nieder: „ Das Gastmahl“, oder wie die antiken Kritiker sie auch nannten „Über die Liebe“. Dieser philosophische Text, der als Rahmenhandlung ein Essen „bei dem Kämpfer Agathon“ beinhaltet, lässt auch einige philosophische Erläuterungen zum Thema Liebe zu.

Als erstes stellen die Anwesenden fest, daß eine Ungleichheit besteht in der Intensität der Gefühle unter den Liebenden und das der eine Liebende den Geliebten für sich erwählt haben muss. Dieses Modell findet sich auch in der so genannten höfischen Liebe des Mittelalters wieder, auf die ich später kommen werde. Zudem unterscheidet der platonische Dialog den Körper und die Seele der Liebe. Die Liebe, die alleine auf der “Fleischeslust“ einer anderen Person beruht, ist die Liebe des Volkes und nur die „edle Liebe“ geht von der „Schönheit der Seele“ aus. Interessanterweise besitzt das Gespräch auf der Grundlage des Geschlechts, der sich liebenden Personen, einen homosexuellen Charakter, da der „Liebende ein Mann reiferen Alters ist und sein Favorit jung und bartlos“.

Dieses hängt auch damit zusammen, das die tiefe Männerfreundschaft (amicitia) das ursprüngliche Gefühl der Liebe darstellt, während de la Croix die heterosexuelle Liebe erst im 12. Jahrhundert, aus der “amicitia“ herausentwickelt, als existent betrachtet. Frank Meier geht jedoch davon aus, das „die Liebe nicht erst im 12. Jahrhundert im Zusammenhang mit dem Minnegesang “entdeckt“ wurde, da Liebe sich nicht zwangsläufig an Quellen und Schriftlichkeiten binden lässt, sondern sie hat es immer gegeben“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einführung klärt die Begriffsdefinitionen von Liebe, Erotik und Sexualität im historischen Kontext und thematisiert den Anachronismus dieser Begriffe in Bezug auf das Mittelalter.

2. Liebe und Erotik in der Dichtkunst: Dieser Abschnitt analysiert die verschiedenen literarischen Gattungen wie den Trobador-Gesang, den Minnesang und die Fabliaux, um die unterschiedlichen Facetten der Liebesdarstellung im Mittelalter aufzuzeigen.

3. Abschluss: Das Kapitel resümiert die Schwierigkeiten einer rationalen Ergründung historischer Emotionalität und betont die Bedeutung der Quelleninterpretation für das Verständnis heutiger Problemstellungen.

Schlüsselwörter

Mittelalter, Liebe, Erotik, Sexualität, Minnesang, Trobador, Fabliaux, Märendichtung, höfische Liebe, Gender, Diskurs, Emotionalität, Historische Analyse, Literaturgeschichte, Geschlechterrollen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der kulturellen und literarischen Darstellung von Liebe, Erotik und Sexualität im Mittelalter und hinterfragt dabei moderne, oft prüde Vorstellungen dieser Epoche.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die höfische Minne, die erotische Dichtkunst des Volkes sowie den Konflikt zwischen kirchlichen Moralvorstellungen und den menschlichen Bedürfnissen nach Lust und Zuneigung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie komplex und vielfältig mittelalterliche Ansichten über Liebe und Sexualität waren und dass diese keinesfalls als statisch oder ausschließlich religiös geprägt betrachtet werden können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse, bei der zeitgenössische Texte und moderne mediävistische Sekundärliteratur vergleichend herangezogen werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Trobador-Dichtung, Minnesang und der derberen Fabliaux-Dichtung, um die Spannweite von idealisierter höfischer Liebe bis hin zu realistischen Alltagsgeschichten abzubilden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind unter anderem Minnesang, Erotik, Mittelalter, höfische Liebe, Fabliaux und die historische Entwicklung des Liebesverständnisses.

Wie unterscheiden sich Fabliaux von der höfischen Lyrik?

Während die höfische Lyrik oft idealisiert, ästhetisiert und ritualisiert ist, zeichnen sich die Fabliaux durch eine ungeschminkte, teilweise derbe und realistische Darstellung menschlicher Sexualität und alltäglicher zwischenmenschlicher Konflikte aus.

Welche Bedeutung kommt der Kirche in diesem Zusammenhang zu?

Die Kirche fungierte als moralische Instanz, die Sexualität primär zur Fortpflanzung innerhalb der Ehe legitimierte und jede Form von Lustgewinn außerhalb dieser Norm als Sünde brandmarkte.

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Details

Title
Erotik im Mittelalter
College
University of Hannover  (Historisches Seminar)
Course
Emotionen und Erfahrungswelten im Mittelalter
Author
Demir Cesar (Author)
Publication Year
2005
Pages
14
Catalog Number
V76153
ISBN (eBook)
9783638885027
Language
German
Tags
Erotik Mittelalter Emotionen Erfahrungswelten Mittelalter
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Demir Cesar (Author), 2005, Erotik im Mittelalter , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76153
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