Am Horizont eine untergehende Sonne, die sich rot- orange- leuchtend im Wasser spiegelt; ein kleines Boot auf dem Meer, Stille,…….
Diese Begriffe stehen für Romantik, Ruhe, Idylle und Paradies. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg dominierte die Sehnsucht der Menschen nach einem Paradies - ob real oder irreal -, welches sie aus dem Alltag lockte und das Grauen des Krieges vergessen lassen konnte.
Genau dieses Paradies wurde zu besagter Zeit von verschiedenen Interpreten des deutschen Schlagers besungen.
Rudi Schurickes „Capri-Fischer“ gilt heute noch als der erste Schlagererfolg nach dem Zweiten Weltkrieg. In dem Lied wurde Italien besungen, welches damit ein idealer Sehnsuchtsort der Deutschen wurde. Und genau dieser Titel ist es auch heute noch, der vielen Menschen ein Lächeln in das Gesicht zaubert und sie an vergangene Tage erinnern lässt. Es gibt wohl kaum einen Menschen, dem die Melodie und der Text dieses Titels nicht zumindest ansatzweise bekannt sind.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Italienmythos des deutschen Schlagers.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsdefinition
3. Die Italienwelle
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Italienmythos des deutschen Schlagers am Beispiel des Liedes "Capri-Fischer" und analysiert, wie dieses Werk als Sehnsuchtsbild den Alltag in der deutschen Nachkriegszeit prägte und im zeitgeschichtlichen Kontext zu verstehen ist.
- Der gesellschaftliche Stellenwert des deutschen Schlagers nach 1945
- Die Funktion von Musik als Fluchtweg aus der Realität der Kriegstrümmer
- Die Analyse des Italienbildes und der Sehnsucht nach Ferne und Idylle
- Der Wandel der Bedeutung des Ortes Capri vom Sehnsuchtsort zum Tourismusziel
- Die Entstehungsgeschichte und textliche Analyse von "Capri-Fischer"
Auszug aus dem Buch
3. Die Italienwelle
Der Titel „Capri-Fischer“ war eigentlich ein Produkt der Kriegszeit. 1943 hatten Gerhard Winckler und Ralph Maria Siegel den Titel bereits geschrieben und komponiert sowie mit der Stimme von Rudi Schuricke produziert. Der Text stammt von Ralph Maria Siegel, dem Vater des bekannten Komponisten Ralph Siegel, die Musik schrieb Gerhard Winkler. Da die Produktion von Schallplatten technisch während und in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland nicht möglich war, war der erste Titel der Nachkriegszeit eine ältere Aufnahme. So wurde der Titel „Capri-Fischer“ zu dem ersten Erfolg der Nachkriegsjahre und setzte die Italienwelle in Bewegung, die ihren Höhepunkt in den 50er Jahren hatte. Laut Werner Mezger war der Titel „Capri-Fischer“ der Anfang einer Serie von Titeln, deren Ziel es war, den Zuhörer aus dem tristen Nachkriegsalltag in ferne Traumwelten zu entführen. Mit dem Titel „Capri-Fischer“ machte Rudi Schuricke die Insel Capri, die für die Deutschen zu der Zeit so fern erschien, zu einem Inbegriff von Romantik.
Dieser Italienmythos trat nach „Capri-Fischer“ in mehreren Variationen auf und wurde oft als schnulzige Italienschlager bezeichnet. Der Begriff „Capri-Fischer“ wurde zum Synonym der Nachkriegszeit und des Aufstiegs. Rudi Schuricke war der erste Interpret der Nachkriegszeit, der eine goldene Schallplatte erhielt. Während des Krieges waren von Gerhard Winckler andere Italienschlager komponiert worden, wie beispielsweise „Neapolitanisches Ständchen“ (1936), „O mia bella Napoli“ (1938), „Frühling in Sorrent“ (1940) sowie das „Chiantilied“ (1942). Da Italien während des Krieges zur so genannten Achsenmacht gehörte und damit ein Verbündeter Deutschlands war, wurden diese Texte nicht verboten; die Sehnsucht nach Ferne durfte auf Italien projiziert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle des Schlagers als Sehnsuchtsmedium in der Nachkriegszeit und führt in die zentrale Bedeutung des Liedes "Capri-Fischer" ein.
2. Begriffsdefinition: Dieses Kapitel definiert den Schlager als massenmediales Produkt und analysiert dessen strukturelle Merkmale sowie seine historische Entwicklung als Wirtschaftsgut.
3. Die Italienwelle: Hier wird der Erfolg des Titels "Capri-Fischer" als Startpunkt der Italienwelle untersucht, wobei der Kontrast zwischen der besungenen Idylle und dem harten Nachkriegsalltag im Vordergrund steht.
Schlüsselwörter
Schlager, Italienwelle, Capri-Fischer, Nachkriegszeit, Sehnsucht, Italienmythos, Rudi Schuricke, Populärkultur, Unterhaltungsmusik, Idylle, Tourismus, Massenwirksamkeit, Fernweh, Kriegstrümmer
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem deutschen Schlager der Nachkriegszeit und untersucht anhand des Liedes "Capri-Fischer", wie populäre Musik dazu diente, Sehnsüchte in einer von Trümmern und Mangel geprägten Gesellschaft zu bedienen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Entwicklung des Schlager-Begriffs, der soziokulturelle Kontext der Nachkriegsjahre, die Funktion von Fernweh und die Veränderung der Wahrnehmung touristischer Sehnsuchtsorte im Zeitverlauf.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt danach, welche Bedeutung das Lied "Capri-Fischer" für die Menschen damals hatte und welchen Stellenwert es unter Berücksichtigung der Entstehungsbedingungen heute noch einnimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine kulturwissenschaftliche Analyse, die Begriffsdefinitionen mit historischer Kontextualisierung und einer inhaltlichen Untersuchung des Liedtextes sowie dessen Rezeption verbindet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung des Begriffs "Schlager" und eine detaillierte Analyse der "Italienwelle", inklusive der Rolle des Tourismus und der soziologischen Funktion des Fernwehs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie "Italienwelle", "Sehnsucht", "Capri-Fischer", "Nachkriegszeit" und "Populärkultur" beschreiben.
Wie unterscheidet sich die Bedeutung von Capri heute von der damaligen Wahrnehmung?
Während Capri damals als unerreichbares Paradies und reiner Sehnsuchtsort fungierte, ist der Ort heute durch den Massentourismus und die leichte Erreichbarkeit zu einem simplen Ziel der Erholung geworden.
Warum war "Capri-Fischer" trotz seiner Entstehung im Krieg so erfolgreich?
Da der Titel bereits 1943 produziert wurde, aber erst nach dem Krieg veröffentlicht werden konnte, traf er genau die Bedürfnisse einer Bevölkerung, die sich nach einer Flucht aus dem tristen Alltag in eine heile Welt sehnte.
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- Kim-Christin Janßen (Author), 2005, Die Italienwelle - Capri-Fischer im zeitgeschichtlichen Kontext, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76169