Zur Zeit der Industriellen Revolution stellte sich die Frage, wer die Geschicke der Nation lenken soll: die aufstrebenden Industriellen ('entrepreneur') oder die Aristokratie. In seinem Buch 'The philosophy of manufactures' aus dem Jahre 1835 singt der weitgehend in Vergessenheit geratene Andrew Ure das Hohelied der Industrialisierung und preist die Segnungen der Fabrikarbeit. Viele Thesen von Ure betrachtet Karl Marx in seinem Werk "Das Kapital Bd. 1" aus dem Jahre 1890 zu einem fortgeschrittenen Zeitpunkt der Industrialisierung kritisch - ohne sie jedoch alle zu verwerfen.
Freihandel oder Protektionismus, Kontrolle der Fabrikarbeit durch entsprechende Gesetzgebung, Kinderarbeit, die Auswirkungen von Fabrikarbeit auf die menschliche Gesundheit, die Rolle der Arbeiterschaft in der Gesellschaft sind einige der Aspekte, die in diesem Buch aufgegriffen werden. Der wirtschaftsliberale Diskurs entbehrt auch hinsichtlich der Industrialisierung einiger sogenannter Dritte-Welt-Länder nicht einer gewissen Aktualität.
Der Kontext dieser Veröffentlichung ist die Industrielle Revolution in Großbritannien im neunzehnten Jahrhundert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Positionen von Ure
2.1 Einleitendes
2.2 Die Fabrik
2.2.1 Der Automat
2.2.2 Die Fabrik – ein Organismus
2.2.3 Arbeitsdisziplin
2.2.4 Das Prinzip der Arbeitsteilung
2.3 Kinderarbeit
2.3.1 Gewalt
2.3.2 Bildung
2.4 Gesundheit des Fabrikpersonals
2.5 Fabrikgesetzgebung
2.6 Gewerkschaften
2.7 Freihandel und Wettbewerb
3 Positionen von Karl Marx
3.1 Einleitendes
3.2 Die Fabrik
3.3 Kinderarbeit
3.3.1 Bildung
3.4 Fabrikgesetzgebung
3.5 Gewerkschaften
3.6 Konkurrenz
4 Fazit
4.1 Pindar
4.2 Vergleich der beiden Autoren
4.3 Ist Ure der Pindar?
4.4 Ausblick
Nachtrag
Gesellschaftliche Hintergründe
Bedeutung der Baumwollindustrie
Entrepreneurial ideal
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit untersucht die gegensätzlichen Sichtweisen von Andrew Ure und Karl Marx auf die Auswirkungen der Fabrikarbeit im England des 19. Jahrhunderts. Ziel ist es, Ures pro-industrielle Haltung mit Marx' kritischer Analyse der kapitalistischen Produktion zu vergleichen und zu prüfen, inwieweit Marx' Einschätzung Ures als "Pindar der automatischen Fabrik" gerechtfertigt ist.
- Vergleich der Positionen zur Fabrikarbeit und Mechanisierung
- Analyse der Sichtweisen auf Kinderarbeit und Bildung
- Kontrastierung der Haltungen zu Fabrikgesetzgebung und Gewerkschaften
- Bewertung der ökonomischen Konzepte wie Freihandel und Konkurrenz
- Untersuchung des gesellschaftlichen "Entrepreneurial ideal"
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Der Automat
Um sich Ures Vorstellung einer Fabrik anzunähern, ist die Funktionsweise eines Automaten hilfreich. Unter Automaten versteht Ure mechanische Imitationen natürlicher Lebewesen (S. 10), also Gerätschaften, die wie natürliche Lebewesen funktionieren. Er gibt verschiedene zeitgenössische Beispiele erstaunlicher technischer Spielereien. Beispielsweise den Flötenspieler Vaucansons: eine menschliche Gestalt normaler Größe, die auf einem Stein sitzt und durch Bewegungen der Lippen, Finger und Zunge die Töne der Flöte beeinflußte und zwölf verschiedene Melodien spielen kann. Oder eine Ente vom selben Künstler, die nicht nur die natürlichen Bewegungen einer Ente imitiert, sondern auch deren Ernährung: sie kann dem Anschein nach sowohl trinken als auch Körner fressen, die im Magen verkleinert und danach ausgeschieden wurden. Der ganze Körper wurde Knochen für Knochen nachgebildet.
Solche selbsttätigen Erfindungen sind zwar bewundernswerte Beispiele der Anwendung mechanischer Wissenschaften, doch sind sie wenig geeignet, menschliche Bedürfnisse nach Kleidung, Nahrung, Brennstoffe und Unterkunft zu befriedigen. Die zugrundeliegenden Prinzipien sind aber diejenigen der automatischen Fabrik. Aus Vaucansons mechanischen Erfindungen, der in Frankreich mit der Einführung eines Fabriksystems gescheitert ist, zieht Ure die Lehre, daß technische Entwicklung nicht gleichbedeutend mit der Schaffung eines erfolgreichen Fabriksystems ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die gegensätzlichen Positionen von Andrew Ure und Karl Marx zum Thema Fabrikarbeit im 19. Jahrhundert vor.
2 Positionen von Ure: Dieses Kapitel erläutert Ures glühende Befürwortung der Industrialisierung, die er als technologisch überlegen und gesellschaftlich wohltuend beschreibt.
3 Positionen von Karl Marx: Dieses Kapitel analysiert Marx' kritische Sicht auf die "Despotie des Kapitals" und seine Gegenvorschläge zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen.
4 Fazit: Das Fazit führt die Argumente beider Autoren zusammen, vergleicht ihre Standpunkte und hinterfragt die Bezeichnung Ures als "Pindar der automatischen Fabrik".
Nachtrag: Der Nachtrag beleuchtet die sozioökonomischen Rahmenbedingungen, insbesondere die Bedeutung der Baumwollindustrie und das "Entrepreneurial ideal".
Schlüsselwörter
Industrielle Revolution, Andrew Ure, Karl Marx, Fabrikarbeit, Mechanisierung, Kapitalismus, Arbeitsteilung, Fabrikgesetzgebung, Gewerkschaften, Freihandel, Konkurrenz, Klassengesellschaft, Entrepreneurial ideal, Ausbeutung, Automatisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die diametral entgegengesetzten Sichtweisen von Andrew Ure und Karl Marx auf die Auswirkungen und die moralische Bewertung der Fabrikarbeit während der Industriellen Revolution in England.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Rolle der Mechanisierung, Kinderarbeit, Arbeitsdisziplin, Fabrikgesetzgebung, die Macht der Gewerkschaften sowie die Konzepte von Freihandel und Konkurrenz.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist ein detaillierter Vergleich der Argumentationen beider Autoren und die Überprüfung, ob Marx' Einordnung von Ure als "Pindar der automatischen Fabrik" zutreffend ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven und vergleichenden Analyse der primärliterarischen Positionen beider Autoren im historischen Kontext der industriellen Entwicklung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden systematisch die jeweiligen Ansichten von Ure und Marx zu den Themen Fabrikwesen, Arbeitsdisziplin, Kinderarbeit, Gesetzgebung und Gewerkschaften gegenübergestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Industrielle Revolution, Kapitalismus, Fabrikarbeit, Gewerkschaften und den Wettbewerb zwischen den Autoren charakterisiert.
Warum hält Ure die Fabrikarbeit für gesund?
Ure argumentiert, dass moderne Fabriken durch technische Belüftungssysteme oft gesünder seien als die feuchten und kalten Wohnungen der Arbeiter; er sieht in der leichten Maschinenarbeit zudem einen Fortschritt gegenüber harter manueller Tätigkeit.
Was ist das "Entrepreneurial ideal" bei Perkin?
Es beschreibt das Idealbild des Unternehmers als aktive, kreative Kraft und Initiator des ökonomischen Fortschritts, der durch Kapital und individuellen Wettbewerb zum Wohle der gesamten Gesellschaft handelt.
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- M.A. Thorsten Witting (Author), 2003, Karl Marx und Andrew Ure: Die menschlichen Kosten der Fabrikarbeit auf die Arbeiterschaft zur Zeit der Industriellen Revolution - Ist Ure der Pindar der automatischen Fabrik? , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76183