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Tempuswandel - Zur Entstehung, Bedeutung und Funktion doppelter Perfektbildungen im Deutschen

Title: Tempuswandel - Zur Entstehung, Bedeutung und Funktion doppelter Perfektbildungen im Deutschen

Seminar Paper , 2007 , 32 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Christine Porath (Author)

German Studies - Linguistics
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Sprechen, und somit Sprache, ist für den Menschen eines der wichtigsten Mittel, um seine Grundbedürfnisse befriedigen zu können; es hilft ihm, die innere und äußere Welt greifbar und verständlich zu machen. Deshalb stirbt Sprache an sich nicht aus, sondern wird immer wieder an die kommunikativen Anforderungen der Sprachbenutzer ange-passt, was unweigerlich zum Wandel unterschiedlicher Teilsysteme der Sprache führt .

Die Beschaffenheit des Menschen und der Welt bedingen im Zusammenhang damit, dass jede Sprache über die Möglichkeit verfügt, zeitliche Verhältnisse und Beziehungen auszudrücken, sei es morphologisch am Verb (d.h. durch Tempora) oder/und durch Ad-verbiale .

Der Mensch bewegt sich fortwährend und unweigerlich in Raum und Zeit; Zeit ist, um mit Kant zu sprechen, „[...] eine Bedingung a priori von aller Erscheinung überhaupt, und zwar die unmittelbare Bedingung der inneren (unserer Seelen) und eben dadurch mittelbar auch der äußeren Erscheinungen.“ Dies macht natürlich erwartbar, dass auch die sprachlichen Mittel zum Ausdruck von Raum und Zeit einem Wandel unterliegen.

Aus den vielfältigen Möglichkeiten zum Ausdruck von temporalen Verhältnissen und zeitlicher Situierung im Deutschen soll hier hauptsächlich das Phänomen der doppelten Perfektbildungen herausgegriffen und in Hinblick auf deren Bedeutung und Funktion sowie deren Entstehung untersucht werden. Dabei soll jedoch keineswegs prädisponiert werden, ob bzw. dass diese Konstruktionen einen berechtigten Platz im Tempussystem des Deutschen haben .

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Zur Entstehung, Bedeutung und Funktion doppelter Perfektbildungen (DPF)

2.1 Die Funktion(en) der DPF in der Gegenwartsprache

2.1.1 DPF in der geschriebenen Sprache

2.1.2 DPF in der gesprochenen Sprache

2.2 Die Entstehung der DPF

2.2.1 Die Vorbedingungen – Tempuswandel vom Ahd. zum Frnhd.

2.2.2 Entstehung der DPF analog zur Perfektentwicklung im Ahd./Mhd.?

2.2.3 Der Einfluss formähnlicher und -gleicher Konstruktionen

2.3 Zusammenfassung

3 Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Phänomen der doppelten Perfektbildungen (DPF) im Deutschen im Hinblick auf deren Bedeutung, Funktion und diachrone Entstehung. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern diese Konstruktionen eine Berechtigung im Tempussystem des Deutschen haben und welche grammatikalischen Faktoren ihren Gebrauch – insbesondere in der geschriebenen versus der gesprochenen Sprache – steuern.

  • Synchroner Vergleich von DPF in geschriebener und gesprochener Sprache
  • Analyse der funktionalen Rolle der DPF zur Ausdrucksweise von Vor-Vorzeitigkeit und "abgebrochener Vollendung"
  • Rekonstruktion der Entstehung der DPF vor dem Hintergrund des Tempuswandels vom Althochdeutschen zum Frühneuhochdeutschen
  • Untersuchung der Wechselwirkung zwischen Perfektentwicklung und DPF-Bildung
  • Rolle von formähnlichen oder formgleichen grammatischen Konstruktionen

Auszug aus dem Buch

2.1.1 DPF in der geschriebenen Sprache

Im Allgemeinen lässt sich feststellen, dass die DPF in der geschriebenen Sprache differenzierter verwendet werden als in der gesprochenen Sprache. Demnach kann gesagt werden, dass sie in diesem Kode eine größere Anzahl an Funktionen aufweisen.

Für das Geschriebene (insb. in Erzählpassagen bzw. -texten) wird i.d.R. eine kontextuelle Interpretation der DPF vorgeschlagen. Dabei werden folgende Funktionen angenommen.

a) DPF werden in Texten bevorzugt dann verwendet, wenn die zeitliche Strukturierung der erzählten Ereignisse einen Referenzpunkt impliziert, der nicht lexikalisch erwähnt wird und an dem sich die Vorvergangenheit orientiert.

„Die PDF ist ein Gebilde, das einen zusätzlichen, meist intermediären Zeitpunkt einführt, ohne ihn lexikalisch, d.h. durch Nennung einer Handlung sicherzustellen.“

Dazu folgendes Beispiel von Litvinov:

„Gleichzeitig tauchte Jadassohn wieder auf, der verschwunden gewesen war, man wußte nicht wohin.“ (H. Mann)

Die implizit gemeinte Handlungsfolge in diesem Beispiel ist laut Litvinov: verschwinden – verschwunden sein – auftauchen. Die ersten beiden Schritte sind jedoch im Text in einem Lexem zusammengefasst, so dass der Sachverhalt, dass der Akt des Verschwindens dem Verschwundensein vorausgeht und letzteres demnach der Referenzpunkt für die Verbalhandlung ist; dies soll es laut Litvinov notwendig machen, dass diese Gegebenheit durch ein DPF ausgedrückt wird. M.E. wirkt diese Interpretation sehr konstruiert, außerdem ließe sich die Verwendung des DPF hier auch anders erklären.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit des Sprachwandels und führt in das Thema der doppelten Perfektbildungen (DPF) als zu untersuchendes Phänomen ein.

2 Zur Entstehung, Bedeutung und Funktion doppelter Perfektbildungen (DPF): Dieses Hauptkapitel analysiert die Funktionen der DPF in verschiedenen Sprachregistern und untersucht deren historische Herleitung aus der Entwicklung des Tempussystems.

2.1 Die Funktion(en) der DPF in der Gegenwartsprache: Dieser Abschnitt differenziert zwischen dem Gebrauch der DPF in schriftlichen Texten und der gesprochenen Umgangssprache.

2.1.1 DPF in der geschriebenen Sprache: Fokus liegt auf kontextuellen Interpretationen, wie der Markierung von Referenzpunkten in Erzählstrukturen.

2.1.2 DPF in der gesprochenen Sprache: Hier wird die Tendenz zur Tempusnivellierung und die Verwendung als einfaches Vergangenheitstempus diskutiert.

2.2 Die Entstehung der DPF: Untersuchung des Tempuswandels als strukturelle Voraussetzung für das Aufkommen doppelter Formen.

2.2.1 Die Vorbedingungen – Tempuswandel vom Ahd. zum Frnhd.: Analyse der Perfektentwicklung aus resultativen Konstruktionen in frühen Sprachstufen.

2.2.2 Entstehung der DPF analog zur Perfektentwicklung im Ahd./Mhd.?: Kritische Überprüfung, ob die DPF funktional analog zum ursprünglichen Perfekt entstanden sind.

2.2.3 Der Einfluss formähnlicher und -gleicher Konstruktionen: Betrachtung anderer grammatikalischer Phänomene, die die Formbildung der DPF beeinflusst haben könnten.

2.3 Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse, wonach DPF häufig zur Perfektivierung imperfektiver Perfekta oder zur Kompensation im Konjunktiv dienen.

3 Ausblick: Diskussion über den Bedarf an weiterführenden, diachronen Korpusanalysen zur Bestätigung der aufgestellten Thesen.

Schlüsselwörter

Doppelte Perfektbildung, DPF, Tempuswandel, Althochdeutsch, Sprachwandel, Konjunktiv, Vorzeitigkeit, Resultativkonstruktion, Grammatikalisierung, Perfekt, Plusquamperfekt, Vorvergangenheit, Tempusnivellierung, Erzähltempus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit dem grammatikalischen Phänomen der doppelten Perfektbildungen (DPF) im Deutschen, also Konstruktionen wie "habe ... vergessen gehabt".

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die funktionale Beschreibung der DPF in der Gegenwartsprache sowie die historische Rekonstruktion ihrer Entstehung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, die Bedeutung und Funktion der DPF zu untersuchen und zu klären, ob diese Konstruktionen einen berechtigten Platz im Tempussystem des Deutschen einnehmen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin kombiniert eine synchrone Analyse (Untersuchung heutiger Funktionen) mit einem diachronen Ansatz (Rekonstruktion der Entstehung durch Sprachwandel).

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Gebrauchs in Schrift- und gesprochener Sprache sowie die Rekonstruktion der historischen Vorbedingungen aus dem Althochdeutschen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere: Doppelte Perfektbildung, Tempuswandel, Vorzeitigkeit, Grammatikalisierung und Resultativkonstruktion.

Wie unterscheidet sich der Gebrauch der DPF in der geschriebenen von der gesprochenen Sprache?

Während DPF in der Schriftsprache oft spezifische Funktionen wie die Markierung von Referenzpunkten oder den Ersatz im Konjunktiv erfüllen, dienen sie in der gesprochenen Sprache häufig als Synonym für einfache Vergangenheitstempora.

Welche Rolle spielt der Konjunktiv für die DPF?

Im Konjunktiv dienen DPF oft als notwendiges Mittel, um zeitliche Abstufungen oder Vorzeitigkeit auszudrücken, die mit einfachen Konjunktivformen sonst nicht oder nur unzureichend darstellbar wären.

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Details

Title
Tempuswandel - Zur Entstehung, Bedeutung und Funktion doppelter Perfektbildungen im Deutschen
College
University of Potsdam  (Institut für Germanistik)
Course
Grammatischer Wandel
Grade
1,0
Author
Christine Porath (Author)
Publication Year
2007
Pages
32
Catalog Number
V76201
ISBN (eBook)
9783638815444
ISBN (Book)
9783638816632
Language
German
Tags
Tempuswandel Entstehung Bedeutung Funktion Perfektbildungen Deutschen Grammatischer Wandel Sprachgeschichte Germanistik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christine Porath (Author), 2007, Tempuswandel - Zur Entstehung, Bedeutung und Funktion doppelter Perfektbildungen im Deutschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76201
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