Nach der großen Zeit der meist erfolgreichen Unabhängigkeitsbewegungen auf dem afrikanischen Kontinent hatten viele Menschen in und außerhalb Afrikas die Hoffnung, dass sich mittelfristig der Lebensstandard der Menschen dem der westlichen Welt annähert. In den 1960er und 1970er Jahren schien es auch so, als ob dieses Ziel binnen weniger Jahre erreicht werden könnte. In den 80er und 90er Jahren zerfielen diese Hoffnungen jedoch wieder. Das Pro-Kopf-Einkommen1 (PKE) vieler Länder fiel vor allem in der letzten Dekade des 20. Jh. teilweise unter das Niveau der 60er Jahre. Mittlerweile ist Afrika ein Synonym geworden für Kriege, Seuchen, Völkermorde, Armut und Hungersnöte. In Anlehnung an den großen Roman von Joseph Conrad wird es heutzutage vielfach auch als „Herz der Finsternis“ bezeichnet. Dabei übersehen viele, dass in den letzten Jahrzehnten durchaus auch positive Entwicklungen stattgefunden haben. Einen großen Anteil an dieser Tendenz tragen jedoch die internationalen Medien. Eifrig transportieren sie schlechte Nachrichten aus Afrika, während sie gleichzeitig positive Beispiele weitestgehend ignorieren. So entsteht in der Bevölkerung der westlichen Welt das Bild eines hoffnungslosen Kontinents, der ewig in der Armutsfalle gefangen bleiben wird. Diese Arbeit unternimmt den Versuch, einen objektiveren Blick auf das Wirtschaftswachstum der afrikanischen Staaten in den letzten Jahrzehnten zu werfen. Es sollen diejenigen makroökonomischen Faktoren identifiziert werden, die für das Wachstum des subsaharischen Afrika maßgeblich sind. Zwangsläufig wird diese Untersuchung vor dem Hintergrund zweier Ausprägungen stattfinden:
Einerseits wird der Fokus auf bekannten und allgemein übertragbaren makroökonomische Funktionsweisen liegen, welche das Wachstum beeinflussen und
Andererseits müssen spezifisch afrikanische Rahmenbedingungen und Verhältnisse und deren Auswirkungen auf das Wachstum der Volkswirtschaften in die Untersuchung mit einbezogen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
1.1 METHODIK
1.2 BEGRIFFSABGRENZUNGEN
1.2.1 Makroökonomik
1.2.2 Wachstum oder Entwicklung
1.2.3 Subsaharisches Afrika
2. WACHSTUMSPOLITIK
2.1 WACHSTUMSPROZESS
2.1.1 Wachstum und Wohlfahrt
2.1.2 BNE als Messinstrument
2.1.3 Eigenschaften des Wachstumsprozesses
2.2 WACHSTUMSTHEORIEN
2.2.1 Das neoklassische Modell
2.2.2 Fazit
2.3 INSTRUMENTE DER WACHSTUMSPOLITIK
2.3.1 Investitionspolitik
2.3.2 Arbeitsmarktpolitik
2.3.3 Bildungs- und Forschungspolitik
2.3.4 Außenhandelspolitik
2.3.5 Wettbewerbspolitik und marktsubsidiäre Instrumente
2.4 ZUSAMMENFASSUNG
3. UNGLEICHHEITSBERECHNUNG
3.1 DEFINITION VON UNGLEICHHEIT UND UNGLEICHHEITSBERECHNUNG
3.2 MESSINSTRUMENTE
3.3 DATENGRUNDLAGEN
3.4 ERGEBNISSE UND SCHLUSSFOLGERUNGEN
4. ANALYSE DES WIRTSCHAFTSWACHSTUMS
4.1 BOTSUANA
4.1.1 Wirtschaftsgeschichte
4.1.2 Wachstumspolitik
4.1.2.1 Investitionspolitik
4.1.2.2 Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik
4.1.2.3 Außenhandelspolitik
4.1.2.4 Wettbewerbspolitik
4.1.3 Zusammenfassung
4.2 NIGERIA
4.2.1 Wirtschaftsgeschichte
4.2.2 Wachstumspolitik
4.2.2.1 Investitionspolitik
4.2.2.2 Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik
4.2.2.3 Außenhandelspolitik
4.2.2.4 Wettbewerbspolitik
4.2.3 Zusammenfassung
4.3 SIMBABWE
4.3.1 Wirtschaftsgeschichte
4.3.2 Wachstumspolitik
4.3.2.1 Investitionspolitik
4.3.2.2 Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik
4.3.2.3 Außenhandelspolitik
4.3.2.4 Wettbewerbspolitik
4.3.3 Zusammenfassung
4.4 SÜDAFRIKA
4.4.1 Wirtschaftsgeschichte
4.4.2 Wachstumspolitik
4.4.2.1 Investitionspolitik
4.4.2.2 Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik
4.4.2.3 Außenhandels- und Wettbewerbspolitik
4.4.3 Zusammenfassung
5. ZUSAMMENFASSUNG
5.1 INVESTITIONSPOLITIK
5.2 ARBEITSMARKT- UND BILDUNGSPOLITIK
5.3 AUßENHANDELSPOLITIK
5.4 WETTBEWERBSPOLITIK
5.5 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Wirtschaftswachstum in Staaten des subsaharischen Afrikas zwischen 1975 und 2000, um makroökonomische Wachstumsfaktoren zu identifizieren, die über allgemeine ökonomische Gesetzmäßigkeiten hinausgehen. Dabei wird analysiert, wie wachstumspolitische Entscheidungen und spezifische Rahmenbedingungen die wirtschaftliche Entwicklung beeinflussen und inwiefern konvergente oder divergente Tendenzen vorliegen.
- Analyse makroökonomischer Wachstumsfaktoren in ausgewählten afrikanischen Staaten.
- Berechnung der Ungleichheit des Bruttonationaleinkommens (BNE) als Indikator für divergente Entwicklungen.
- Vergleich der Auswirkungen unterschiedlicher wachstumspolitischer Strategien (z.B. Importsubstitution vs. Exportdiversifizierung).
- Untersuchung der Rolle politischer Stabilität, Korruption und institutioneller Rahmenbedingungen.
- Entwicklung eines Modells zur Übertragbarkeit wachstumspolitischer Ansätze auf andere Staaten der Region.
Auszug aus dem Buch
1.2.1 Makroökonomik
Makroökonomik ist die Untersuchung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung einer Volkswirtschaft (Sachs [1995, 1ff.)]. Sie baut auf den Erkenntnissen der Mikroökonomik auf. Letztere befasst sich mit den individuellen Entscheidungen von Unternehmen und Haushalten und ihrer Interaktion auf den Märkten. Diese fällen täglich millionenfach Entscheidungen, welche die gesamte Volkswirtschaft beeinflussen. Die Makroökonomik versucht, mittels repräsentativer Unternehmen oder Haushalte solche Entscheidungen oder Aktivitäten zu verallgemeinern. In einem ersten Schritt wird untersucht, wie sich ein solches typisches Unternehmen oder solch ein typischer Haushalt im Kontext der Gesamtwirtschaft verhält und welche Auswirkungen sein Verhalten hat. In einem zweiten Schritt werden diese Daten zu volkswirtschaftlichen Schlüsselvariablen, wie Inflationsrate, Arbeitslosenquote oder Konsumquote aggregiert. Durch die Untersuchung der Interdependenzen zwischen den Schlüsselvariablen und ihrer Funktionsweisen versucht die Makroökonomik, die gesamtwirtschaftliche Entwicklung vorherzusagen.
Im Fokus dieser Arbeit stehen die aggregierten, volkswirtschaftlichen Schlüsselvariablen und die Auswirkungen ihrer Funktions- und Verhaltensweisen auf das Wirtschaftswachstum. Diese Betrachtung erfolgt sowohl unter Beachtung der allgemeinen makroökonomischen Regeln als auch unter Berücksichtigung der spezifisch afrikanischen Verhältnisse.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die wirtschaftliche Situation Afrikas seit der Unabhängigkeitsphase und definiert das Ziel, objektivere Wachstumsfaktoren unter Berücksichtigung spezifisch afrikanischer Rahmenbedingungen zu identifizieren.
2. WACHSTUMSPOLITIK: Dieses Kapitel stellt den theoretischen Hintergrund bereit, erläutert den Wachstumsprozess und Wachstumstheorien und untersucht die zentralen wirtschaftspolitischen Instrumente wie Investitions-, Arbeitsmarkt- und Außenhandelspolitik.
3. UNGLEICHHEITSBERECHNUNG: Hier wird der methodische Rahmen für die Berechnung der Ungleichheit des BNE dargelegt und für zwei Untersuchungsräume angewendet, um divergente ökonomische Trends zwischen 1975 und 2000 zu ermitteln.
4. ANALYSE DES WIRTSCHAFTSWACHSTUMS: In diesem Hauptteil wird das Wirtschaftswachstum von Botsuana, Nigeria, Simbabwe und Südafrika anhand ihrer spezifischen Wirtschaftsgeschichte und wachstumspolitischen Maßnahmen detailliert analysiert.
5. ZUSAMMENFASSUNG: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, in der die Rolle von politischer Stabilität, Haushaltsdisziplin und der Wahl der Außenhandelsstrategie für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum hervorgehoben wird.
Schlüsselwörter
Subsaharisches Afrika, Wirtschaftswachstum, BNE, Ungleichheitsberechnung, Wachstumspolitik, Investitionspolitik, Arbeitsmarktpolitik, Außenhandelspolitik, Wettbewerbspolitik, Neoklassisches Modell, Diversifizierung, Importsubstitution, Exportdiversifizierung, Korruption, Strukturwandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit analysiert die makroökonomischen Faktoren, die das Wirtschaftswachstum in Staaten des subsaharischen Afrikas im Zeitraum von 1975 bis 2000 maßgeblich beeinflusst haben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit behandelt Themen wie Wachstumstheorien, Ungleichheitsberechnungen zwischen Volkswirtschaften sowie Instrumente der Wirtschafts- und Wachstumspolitik wie Investitions-, Arbeitsmarkt- und Außenhandelspolitik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch die Analyse ausgewählter Länder ein Modell zu entwickeln, das erklärt, welche wachstumspolitischen Entscheidungen und wirtschaftlichen Hintergründe zu divergierendem Wachstum führen und wie diese Erkenntnisse für das subsaharische Afrika nutzbar gemacht werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen zweistufigen Ansatz: Zuerst wird die Ungleichheit zwischen den Ländern anhand kardinaler Messinstrumente (Gini, Theil, MLA) berechnet, um representative Länder auszuwählen. Anschließend erfolgt eine fallstudienbasierte Analyse dieser Länder.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Analyse der wirtschaftlichen Entwicklung und Wachstumspolitik von vier Fallbeispielen: Botsuana, Nigeria, Simbabwe und Südafrika.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen subsaharisches Afrika, Wirtschaftswachstum, Ungleichheitsberechnung, Wachstumspolitik, Importsubstitution, Exportdiversifizierung und Korruption.
Warum wurde Botsuana als positives Beispiel gewählt?
Botsuana wird als positives Beispiel angeführt, da es trotz seiner Rohstoffabhängigkeit durch politische Stabilität, eine nachhaltige intertemporale Nutzung von Diamantenerlösen und eine restriktive Haushaltspolitik hohe Wachstumsraten über drei Jahrzehnte erzielen konnte.
Welche Gründe führen zum wirtschaftlichen Scheitern von Nigeria und Simbabwe?
Laut der Arbeit sind das Scheitern dieser Länder auf eine Kombination aus interner Korruption, dem sogenannten Neopatrimonialismus, mangelnder Haushaltsdisziplin, politischer Instabilität und einer zu langen Festhaltung an ineffizienten importsubstituierenden Strategien zurückzuführen.
- Arbeit zitieren
- Friedemann Jäger (Autor:in), 2006, Analyse makroökonomischer Wachstumsfaktoren im subsaharischen Afrika auf Basis einer Ungleichheitsberechnung des Bruttonationaleinkommens von 1975-2000, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76245