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Traumtexte in der deutschsprachigen Literatur um die Jahrhundertwende

Title: Traumtexte in der deutschsprachigen Literatur um die Jahrhundertwende

Bachelor Thesis , 2006 , 43 Pages , Grade: 2

Autor:in: Sophie Oláh (Author)

German Studies - Modern German Literature
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In jeder Epoche beschäftiget sich die Literatur mit dem Phänomen Traum und jedes Zeitalter hatte es im Geflecht seiner kulturellen Deutungsentwürfe eingefügt und entsprechend bewertet.
In der Antike verstand man den Traum als ein Medium, durch das göttliche Botschaften zu empfangen seien. So gehörte der Traum zunächst dem metaphysischen Bereich an und diese Auffassung reichte bis in die Neuzeit hinein. Eine Änderung tritt in der Zeit der Aufklärung ein, da sich um diese Zeit auch eine radikal andere erkenntnistheoretische Sichtweise durchsetzt. „Der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“ bedeutet auch, dass der Mensch nicht mehr unter den Einfluss höherer Mächte steht. So muss sich auch, der frühere bis in diese Zeit andauernde, Haltung gegenüber dem Traum ändern. Für die Auffassung der Aufklärung, das die Vernunft als höchstes Gut des Menschen ansieht und nur rein rational gestützte wissenschaftliche Systeme zulässt, bleibt für den Traum vorerst nichts anderes übrig als Ausgrenzung und Abwertung. Die Überzeugung der Antike, dass Träume als ein Vermittler zwischen Göttern und Menschen fungieren, wird einfach als ein Aberglaube abgetan. Doch an die Stelle der früheren von der Antike vertretenen Anschauung tritt vorerst keine neue Sichtweise, so bricht wie Stefan Niessen bemerkt hat, „über die Träume endgültig die Nacht herein.“ . Kant, einer der größten Philosophen der Spätaufklärung, erklärt den Traum ebenfalls als ein Gebiet dass wissenschaftlich nicht beobachtbar sei. Erst in der Romantik findet man neue Ansätze zum Traum. Bis der Traum während der gesamten Epoche der Aufklärung verdrängt wurde, erfährt er in der Zeit der Romantik seine erste Blütezeit. Traumerzählungen entstehen in denen der Traum nicht mehr als ein reines Stimmungselement im Werk fungiert. Schon in der Romantik wird die Frage der Narration mit Fragen der Traumlogik verbunden. Diese Auffassung wird dann um die Jahrhundertwende unter anderem durch Siegmund Freud wieder aufgeworfen und weitergeführt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickeln sich dann mehrere Traumtheorien (unter anderem die von Karl Albert Scherner und Johannes Volkelt), doch erst Freud gelingt es den Traum durch die Psychoanalyse in ein wissenschaftliches System einzubringen, und ihn methodisch zu untersuchen .
Dieser Arbeit liegt als zentraler Text das Werk Der Tod Georgs von Richard Beer-Hofmann zugrunde, das genau 1900 veröffentlicht wurde und in dem eine ausgedehnte Traumbeschreibung zu finden ist.
Der Diplomarbeit ging die Fragestellung voraus, was für eine Rolle im genannten Werk der Traumtext haben kann. Die später formulierte These ist auf diese Fragestellung zurückzuführen, und auch alle anderen Fragen die an den Text gestellt werden wuchsen aus dieser ersten Frage heraus. So zum Beispiel, zu welchem Stilbegriff das Werk am ehesten einzureihen ist. Auch der strukturelle Aspekte wird hinterfragt; aus welchem Grund gibt es im Werk Textteile die wiederholt werden, wer ist überhaupt der Erzähler, und womit ist der Titel des Werkes zu erklären. Bei der Frage um den Aufbau und um die Struktur des Werkes drängt sich die Frage auf, warum das Werk gerade als ein Prosatext verfasst wurde.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Neuerungen um die Jahrhundertwende

1.1 Aufbruch in eine subjektive Wahrheit

1.2 Die Psychologie des Inneren Lebens

2 Interpretationsversuche zum Werk Der Tod Georgs von Richard Beer-Hofmann

2.1 Die Handlung

2.2 Die subjektive Welt von Paul

2.3 Pauls Traum

2.3.1 Paul und die Frau

2.3.2 Der Tempel der Astarte

2.4 Das Erwachen und der Weg ins Freie

2.4.1 Der Tod Georgs

2.4.2 Der Traum rüttelt am Schlaf des Protagonisten

2.5 Form und Sprache des Werkes

3 „Und kein Traum ist völlig Traum“ zu Arthur Schnitzlers Traumnovelle

3.1 Fridolins traumhafte Abenteuer

3.2 Albertines Traum

4 Schlusswort

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des Traumtextes in Richard Beer-Hofmanns Werk „Der Tod Georgs“ und Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“, um nachzuweisen, wie diese Traumbeschreibungen eine entscheidende Wende in der Weltsicht und Lebenshaltung der jeweiligen Protagonisten herbeiführen.

  • Literarische und psychologische Strömungen der Jahrhundertwende (Wiener Moderne)
  • Die Funktion des Traums als Mittel zur Selbstkonfrontation und Erkenntnis
  • Intertextuelle Analyse und die Bedeutung des Narzissmus in der Moderne
  • Erzähltechnische Mittel wie Psycho-Narration und Symbolik

Auszug aus dem Buch

2.3.2 Der Tempel der Astarte

Der Traum Pauls lässt sich, wie oben schon beschrieben, in drei Teile gliedern. Denn er beginnt mit dem Traum über die Frau, doch nach einer Zeit bricht diese Erzählstränge ab und ganz andere Bilder folgen. Später träumt aber Paul wieder über die Frau, danach wacht er auf.

Wie es keine Überleitung zwischen der „Wirklichkeit“ des Werkes und der Vision Pauls gab und auch keine zwischen dem Wachzustand und dem Traum, gibt es auch keine Überleitung zwischen den zwei verschiednen Erzählabschnitten im Traum selbst.

In diesen Traumbildern geht es um einen Tempel in Syrien, in Hierapolis. Der Tempel steht auf einem hohen Felsen und wurde durch schwere Arbeit einer Gemeinschaft errichtet.

„Viele Menschen hatten sie viele Jahre lang aus der Ebene den Hang des Felsens emporgeschleppt; ein jeder nur einen Schritt weit, dann nahm der nächste den Stein und wälzte ihn keuchend dem nächsten zu.“ (S. 21)

Diese Arbeit am Tempel vereint die Menschen, ist gemeinschaftsbildend. In der Tempelszene wird wieder von Glück gesprochen. Doch es ist ganz anders gemeint, als es Paul im Wachen verstanden hatte. Nicht das persönliche Glück ist hier beschrieben, sondern eins das über das persönliche Leben hinaus währt.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Entwicklung des Traumbegriffs von der Antike über die Aufklärung bis hin zur Romantik und Freud, um den Kontext der Jahrhundertwende zu setzen.

1 Neuerungen um die Jahrhundertwende: Dieses Kapitel erläutert den Übergang vom Naturalismus zur Moderne, geprägt durch die Subjektivierung der Weltanschauung und neue psychologische Erkenntnisse.

2 Interpretationsversuche zum Werk Der Tod Georgs von Richard Beer-Hofmann: Hier erfolgt eine detaillierte Analyse der Rolle des Traums für die Entwicklung des Protagonisten Paul, vom narzisstischen Ästheten hin zur Lebensbejahung.

3 „Und kein Traum ist völlig Traum“ zu Arthur Schnitzlers Traumnovelle: Dieser Teil vergleicht die Traumthematik in Schnitzlers Werk, wobei die Gleichwertigkeit von Traum und Realität als zentrales Element für die Versöhnung der Eheleute herausgearbeitet wird.

4 Schlusswort: Das Fazit bestätigt die These, dass Träume in den untersuchten Werken als Katalysator für eine tiefgreifende Veränderung im Bewusstsein der Hauptfiguren fungieren.

Schlüsselwörter

Jahrhundertwende, Wiener Moderne, Traum, Der Tod Georgs, Traumnovelle, Richard Beer-Hofmann, Arthur Schnitzler, Narzissmus, Psychoanalyse, Subjektivität, Lebenshaltung, Identitätskrise, Symbolik, Psycho-Narration, Selbstkonfrontation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Funktion von Traumbeschreibungen in literarischen Werken der Wiener Moderne und deren Einfluss auf die psychologische Entwicklung der Protagonisten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Traum und Wirklichkeit, die narzisstische Welthaltung der Jahrhundertwende und die Überwindung des Ich-bezogenen Lebens durch Erkenntnis.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist der Nachweis, dass der Traum in „Der Tod Georgs“ und der „Traumnovelle“ nicht bloßes Stimmungselement ist, sondern eine Wende in der Weltanschauung der Hauptfiguren erzwingt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die intertextuelle Ansätze sowie die psychoanalytische Literaturtheorie einbezieht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Werkinterpretation von Beer-Hofmanns „Der Tod Georgs“ und eine vergleichende Analyse von Schnitzlers „Traumnovelle“.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind Wiener Moderne, Narzissmus, Identitätskrise, Traumdeutung und der Wandel der Lebenshaltung.

Warum spielt der „Park“ eine so zentrale Rolle in Beer-Hofmanns Werk?

Der Park dient als Sinnbild für die künstliche Welt des Ästheten, aus der sich der Protagonist Paul im Laufe der Erzählung lösen muss, um ins „Freie“ und damit in die Gemeinschaft zu gelangen.

Inwieweit lässt sich das Ende von „Der Tod Georgs“ als Bekehrung interpretieren?

Das Ende zeigt Paul, wie er den Park verlässt und sich dem Rhythmus einfacher Arbeiter anpasst, was seine Abkehr vom narzisstischen Ästhetizismus und seine Hinwendung zu einer allverbundenen, gerechten Lebenshaltung symbolisiert.

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Details

Title
Traumtexte in der deutschsprachigen Literatur um die Jahrhundertwende
College
Eötvös Loránd Tudományegytem
Grade
2
Author
Sophie Oláh (Author)
Publication Year
2006
Pages
43
Catalog Number
V76271
ISBN (eBook)
9783638733601
Language
German
Tags
Traumtexte Literatur Jahrhundertwende
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sophie Oláh (Author), 2006, Traumtexte in der deutschsprachigen Literatur um die Jahrhundertwende, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76271
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