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Ölrentenwirtschaft und mangelnde politische Partizipation in den arabischen Golfstaaten

Title: Ölrentenwirtschaft und mangelnde politische Partizipation in den arabischen Golfstaaten

Term Paper , 2006 , 19 Pages

Autor:in: Stefan Esselborn (Author)

Politics - Region: Near East, Near Orient
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Über „Demokratiefeindlichkeit“ und „vormoderne“ autokratische Strukturen und Regierungsformen in der arabisch-islamischen Welt ist schon viel und intensiv nachgedacht und geschrieben worden. Speziell die Gruppe der so genannten „arabischen Golfstaaten“ – d.h. Saudi-Arabien, Kuwait, Katar, Bahrain, Oman und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) – scheint resistent gegen jede Art von Regimewechsel zu sein: In allen sechs Staaten reicht die Macht der herrschenden Dynastien mindestens 200 Jahre zurück. Der gesellschaftliche Rahmen ist in der Region durchwegs sehr traditionell geprägt, ein konservativ ausgelegter Islam spielt eine große Rolle. Entsprechend eingeschränkt sind die politischen Partizipationsmöglichkeiten der Bevölkerung.
Anderseits verfügen die Anrainerstaaten des Persischen Golfes mit den weltweit größten Reserven des wichtigsten strategischen Rohstoffs Erdöl sowie bedeutenden Reserven an Erdgas über einen unvergleichlichen natürlichen Ressourcenreichtum. Nirgendwo sonst findet sich zudem soviel Öl auf so wenige Köpfe verteilt Die sechs behandelten Staaten sind „das Beispiel par excellence“ für sogenannte „rentier states“: Sie beziehen den überwiegenden Teil ihrer Staatseinkünfte aus der Ausbeutung ihrer natürlichen Ressourcen.
Anscheinend kommt hier eine Variante der „Ressourcenfluch“-Theorie zum tragen, nach der sich überdurchschnittlicher Reichtum an natürlichen Ressourcen in der Praxis für die Entwicklung eines Landes oft eher als hinderlich erweist. Empirische Untersuchungen belegen, dass gerade der Rohstoff Öl nicht nur im Mittleren Osten statistisch gesehen zu einer tendenziell undemokratischeren Regierungsform führt. Die vorliegende Arbeit zeigt die grundlegenden Mechanismen auf, die hierbei wirksam sind. Wie sich Ölrenten in der Geschichte auf die politische Partizipationsmöglichkeiten in den Golfstaaten ausgewirkt haben, wird an den Fallbeispielen Saudi-Arabien und Kuwait genauer untersucht.

Excerpt


Gliederung

I. Einleitung

II. Wirkungszusammenhänge: Ölrenten und politische Partizipation am Golf

1. Der „autoritäre Gesellschaftsvertrag“ („rentier effect“)

a. Fiskale Autonomie und „politische Autonomie“ von der Gesellschaft („taxation effect“)

b. Der „Verteilungsstaat“ als Mittel zur Befestigung von Herrschaft („spending effect“)

2. Begünstigung der Repression in Krisenzeiten („repression effect“)

3. Sozioökonomische Effekte der Ölrente als Erklärung für mangelnde Partizipation

a. Der „Modernisierungseffekt“

b. Die Folgen der Arbeitsimmigration

III. Die Verwendung der Ölrente und ihre Wirkung am Beispiel Kuwaits und Saudi-Arabiens

1. Kuwait

a. Ein demokratisches Vorbild für die arabische Welt?

b. Der kuwaitische Wohlfahrtsstaat: Eliten, Bürger und benachteiligte Gruppen

2. Saudi-Arabien

a. Königshaus und wahhabitischer Islam: Die Allianz von „Buch und Schwert“

b. Distributionspolitik, Repression und zaghafte Reform „von Oben“

IV. Resumée und Perspektive

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der massiven Abhängigkeit von Ölrenten und der Ausprägung autoritärer Herrschaftsformen in den arabischen Golfstaaten. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie diese Staaten durch ökonomische Distributionspolitik und gezielte Repression politische Partizipation erfolgreich eindämmen und ihre Macht legitimieren.

  • Analyse des Rentenstaatskonzepts und des autoritären Gesellschaftsvertrags.
  • Untersuchung der fiskalischen Autonomie und des Verteilungsstaats als Stabilitätsfaktoren.
  • Diskussion der Auswirkungen von Arbeitsimmigration auf die gesellschaftliche Partizipation.
  • Vergleichende Fallstudie zu den politischen Systemen in Kuwait und Saudi-Arabien.
  • Evaluation der Effektivität von Reformen „von oben“ zur Dämpfung oppositioneller Bestrebungen.

Auszug aus dem Buch

Der „Verteilungsstaat“ als Mittel zur Befestigung von Herrschaft („spending effect“)

Die arabischen Golfstaaten sind nicht nur Rentenstaaten, sondern auch „Rentenverteilungsstaaten“. Auf diese Weise werden die Renteneinnahmen, die direkt an den Staat fließen und an deren Generierung nur ein sehr geringer Teil der Bevölkerung beteiligt ist, an die restliche Bevölkerung weitergegeben. Dies kann direkt geschehen, in Form von Subventionen, Zuschüssen, sozialen Leistungen; oder indirekt durch kostenlose Infrastruktur, zinslosen Kredite und extrem günstiges Bauland, öffentliche Aufträge oder Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst. Mit diesen Leistungen „kauft“ sich der Staat gewissermaßen Legitimität oder zumindest Neutralität von Seiten seiner Bürger. Zwar wurden die Renteneinkommen zu keiner Zeit annähernd gleich unter den Staatsbürgern aufgeteilt und führende Mitglieder der Regierungen und der staatlichen Ölkonzerne konnten sich vor allem zu Boomzeiten ungeheuer bereichern. Da aber die arabischen Golfstaaten mit ihrem günstigen Verhältnis von Renteneinkommen zu Bevölkerung auch den schlechter gestellten Schichten ganz erhebliche Leistungen anbieten konnten, kam es nicht zu Unmut.

Dieser „spending effect“ wurde umso wirkungsvoller dadurch, dass die Verteilung der Geldströme anhand eines traditionellen Herrschaftssystems ausgerichtet werden konnten, in welchem schon zuvor Gefolgschaft und Loyalität oft gegen wirtschaftliche und persönliche Vorteile eingetauscht wurden. Für ihren Verzicht auf politische Mitbestimmung wurden die traditionellen Eliten reichlich entschädigt: „A trade of power for wealth“. Klientelistische und neopatrimonialistische Arrangements mit der Oberschicht wirkten so im Zusammenspiel mit einer garantierten Grundversorgung für die „Massen“ auf eine umfassende Entpolitisierung der Bevölkerung hin – bzw. auf deren Aufrechterhaltung.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung führt in die autokratische Stabilität der arabischen Golfstaaten ein und stellt das Konzept des „Rentier State“ als zentralen Erklärungsansatz vor.

II. Wirkungszusammenhänge: Ölrenten und politische Partizipation am Golf: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Mechanismen wie den „taxation effect“, „spending effect“ und „repression effect“, durch die Ölreichtum politische Partizipation unterdrückt.

III. Die Verwendung der Ölrente und ihre Wirkung am Beispiel Kuwaits und Saudi-Arabiens: Hier wird die Anwendung der Rentenpolitik in den spezifischen Kontexten von Kuwait (liberalisierte Autokratie) und Saudi-Arabien (starkes repressives System) analysiert.

IV. Resumée und Perspektive: Das Fazit fasst zusammen, dass Ölrenten die autokratische Stabilität fördern, stellt jedoch in Frage, wie nachhaltig dieses Modell angesichts künftiger ökonomischer Herausforderungen bleibt.

Schlüsselwörter

Ölrente, Rentier State, autoritärer Gesellschaftsvertrag, politische Partizipation, Golfstaaten, Kuwait, Saudi-Arabien, Distributionspolitik, Repression, Modernisierungseffekt, Arbeitsimmigration, Legitimität, Autokratie, Ressourcenfluch, Herrschaftsstabilität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, warum die arabischen Golfstaaten trotz enormem wirtschaftlichem Reichtum und sozioökonomischer Modernisierung weitgehend resistent gegenüber Demokratisierungsprozessen bleiben.

Welche zentralen Themenfelder werden in der Untersuchung beleuchtet?

Im Zentrum stehen die Konzepte des „Rentier State“, der Einfluss von Öleinnahmen auf staatliche Herrschaftsinstrumente sowie die Dynamiken zwischen herrschenden Eliten und der Bevölkerung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu ergründen, wie die Verwendung von Ölrenten – etwa durch den Aufbau von Wohlfahrtsstaaten oder Repressionsapparaten – zur gezielten Entpolitisierung der Gesellschaft beiträgt.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?

Die Arbeit nutzt einen politikwissenschaftlichen Ansatz, der theoretische Modelle zur autokratischen Stabilität mit empirischen Fallstudien kombiniert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erörterung der „Rentier-Effekte“ und einen vertiefenden Vergleich der Golfstaaten Kuwait und Saudi-Arabien.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Inhalt?

Wesentliche Begriffe sind Ölrente, Rentier State, autoritärer Gesellschaftsvertrag, politische Partizipation und die spezifischen Kontrollmechanismen der herrschenden Dynastien.

Welchen Unterschied in der Regierungsführung zeigt das Beispiel Kuwait im Vergleich zur Theorie?

Kuwait zeigt eine liberalere Form der Autokratie mit einem Parlament, nutzt jedoch die Ölrente, um durch Kooptation und Koalitionsbildung den Einfluss des Herrscherhauses zu sichern.

Wie legitimiert Saudi-Arabien seine Herrschaft im Vergleich zu Kuwait?

Saudi-Arabien setzt stärker auf die Allianz von „Buch und Schwert“ (Königshaus und religiöse Elite), kombiniert mit einer Distributionspolitik zur Loyalitätssicherung.

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Details

Title
Ölrentenwirtschaft und mangelnde politische Partizipation in den arabischen Golfstaaten
College
LMU Munich  (Geschwister-Scholl-Institut für Politische Wissenschaften)
Author
Stefan Esselborn (Author)
Publication Year
2006
Pages
19
Catalog Number
V76285
ISBN (eBook)
9783638798518
ISBN (Book)
9783638797627
Language
German
Tags
Partizipation Golfstaaten
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stefan Esselborn (Author), 2006, Ölrentenwirtschaft und mangelnde politische Partizipation in den arabischen Golfstaaten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76285
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