Alkoholkonsum Jugendlicher. Warum?


Studienarbeit, 2005
25 Seiten, Note: 1,4

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Grundlagen
2.1 Was verstehen wir unter Jugend und was sind die Aufgaben
der Jugendphase?
2.2 Wirkungen und Effekte von Alkohol
2.3 Was sagt das Jugendschutzgesetz zum Alkoholkonsum Jugendlicher?

3. Jugendlicher Alkoholkonsum
3.1 Bestandsaufnahme
3.2 Erstkonsum
3.3 Risikofaktoren für jugendlichen Alkoholkonsum
3.3.1 Individuelle Faktoren
3.3.2 Soziale Faktoren
3.3.2.1 Einfluss des Elternhauses
3.3.2.2 Einfluss der Peergroup
3.3.2.3 Einfluss der Schule
3.3.2.4 Einfluss der Werbung
3.3.2.5 Sonstige Faktoren
3.4 Jugendliche Trinkmotive und Trinkgelegenheiten

4. Resümee und Ausblick

5. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Ich arbeite auf einer stationären Wohngruppe, in der 9 jugendliche Mädchen im Alter von 13 – 17 Jahren leben. Sie und auch die Mädchen anderer Gruppen haben häufigen und teilweise auch sehr intensiven Kontakt mit Alkohol, selbst die Toleranz für illegale Drogen ist gering. Die Gründe, die von den Mädchen für dieses auffällige Verhalten genannt werden, sind meist die gleichen: „Ich habe Probleme“, „es ist cool“, „ich wollte nicht als einzige nichts trinken.“ Nach einem Rausch, nach einer Alkoholvergiftung oder ähnlichem, bereuen sie dieses Vorkommnis. Es ist ihnen peinlich, es tut ihnen Leid, sie fühlen sich schlecht … bis zum nächsten Mal.

Viele der Mädels weisen Verhaltensauffälligkeiten auf, sie kommen oft aus gestörten familiären Verhältnissen. Sie lebten vor der stationären Unterbringung in Trennungs- und Scheidungsfamilien oder gar nur bei einem Elternteil. Schwierigkeiten oder gar Fernbleiben von der Schule, Drogenkonsum der Eltern oder Freunde, ein krimineller Freundeskreis, Missbrauch und vor allem mangelnde Zuwendung und Geborgenheit, sowie meist eine gestörte Kommunikation sind Erlebnisse, von denen unsere Mädels geprägt sind.

Sind das mögliche Gründe, dass unsere Mädels, aber auch andere Jugendliche zum Alkohol greifen? Ist die Familie allein daran schuld, dass ein Jugendlicher auffällig viel Alkohol konsumiert? Oder spielt die Schule, die Freunde, die soziale Lage oder gar die Gesellschaft auch eine Rolle?! Wo liegen die Gründe für den jugendlichen Alkoholkonsum?

Da es die Aufgabe der Jugendhilfe ist - und somit auch meine - Jugendliche vor den Gefahren für ihr Wohl zu schützen, ist es notwendig zu verstehen, was einen Jugendlichen dazu veranlasst, zum Alkohol zu greifen.

Zwar sind den Mädels die Gefahren bekannt, doch trotzdem passiert etwas in ihnen, dass sie dazu bringt, immer und immer wieder zu trinken.

Das folgende Kapitel unterteilt sich in drei wesentliche Bereiche. Zunächst werden die für das Verständnis der Arbeit relevanten Grundlagen erklärt. Im darauf folgenden Kapitel werde ich versuchen, Faktoren zu nennen und zu erläutern, die den Konsum beeinflussen und mögliche Gründe sein können. Das Kapitel endet mit einer Auseinandersetzung von Motiven, die Jugendliche als Gründe für Alkoholtrinken nennen. Ein Ausblick beendet diese Ausarbeitung.

Um Unklarheiten zu vermeiden, möchte ich nun nachfolgend noch einige Hinweise zum Verständnis geben.

Ich werde versuchen in dieser Arbeit aufzuzeigen, was Gründe bzw. Faktoren für jugendlichen Alkoholkonsum sind. Mir geht es nicht darum, zu unterscheiden, was Sucht, Abhängigkeit, Missbrauch oder riskanter Konsum ist. Ich werde deshalb diese Begriffe weder definieren, noch spezieller darauf eingehen.

Ebenfalls wird in der Arbeit öfter der Begriff Drogen verwendet. Da Alkohol zu den legalen Drogen zählt, ist in dieser Arbeit stets ein Transfer zu leisten. Wenn also die Rede von Drogen und Drogenkonsum etc. ist, so ist der Alkoholkonsum eingeschlossen.

Ein weiterer Hinweis bezieht sich auf die Personenbezeichnung. Ich beziehe mich vor allem auf die Jugendlichen, die sich auf dem Weg befinden, die vielfältigen Entwicklungsaufgaben zu bewältigen. Da dieser Zeitraum immer früher beginnt und aufgrund der individuellen Entwicklung nicht genau eingrenzbar ist, verwende ich sowohl den Begriff der Jugendlichen, als auch den der Heranwachsenden u. ä.

2. Grundlagen

Um diese Arbeit tiefgründiger und im Einzelnen zu verstehen, ist es notwendig folgende Grundlagen zur Jugendphase und zum Alkohol zu kennen und ebenso zu verstehen.

2.1. Was verstehen wir unter Jugend und was sind die Aufgaben der Jugendphase?

Die Jugend ist eine Altersphase im Lebenszyklus eines Menschen, die die Kindheit ablöst und im Erwachsenenalter mündet.[1] Der Beginn ist durch biologische Veränderungen und das Ende durch Vorbereitungen auf die Erfüllung von gesellschaftlichen Normen gekennzeichnet.

Die BROCKHAUS Enzyklopädie unterteilt diesen Lebensabschnitt in eine medizinische und biologische, psychologische, soziologische und letztendlich auch in eine rechtliche Perspektive.

Die medizinische und biologische Perspektive versteht unter der Jugend eine Phase zwischen Geburt und Erwachsensein oder zwischen Pubertät und Erwachsensein.

Die Psychologie definiert das Jugendalter zwischen 14 und 18, individuell auch bis 25, das mit der Ausbildung einer persönlichen Identität endet.

Soziologisch wird Jugend als Lebensperiode betrachtet, in der der Mensch nicht mehr als Kind gesehen wird, ihm aber der Status, die Rollen und Funktionen eines Erwachsenen noch nicht vollständig zuerkannt werden.[2]

Es wird bereits sehr deutlich, dass es viele unterschiedliche und vor allem unklare Definitionen gibt, da verschiedene Aspekte (Altersphase, Biologie, Psychologie, Werte) die Richtlinie vorgeben.

Interessant ist nun, was das Gesetz als Jugendlichen versteht und wie der Staat demnach den Jugendlichen sieht. Laut dem Jugendschutzgesetz sind „Jugendliche Personen, die 14, aber noch nicht 18 Jahre alt sind.“[3]

Übereinstimmend sind alle Definitionen hinsichtlich der Einordnung der Phase, die sich zwischen der Kindheit und dem Erwachsensein befindet.

So auch Lothar Böhnisch, der jedoch die Entwicklungsphasen noch genauer eingrenzt in:

- das jüngere Jugendalter: 9 - 11 bis 13 - 14 Jahre
- das mittlere Jugendalter: 14 - 15 bis 18 - 19 Jahre
- die jungen Erwachsenen: 18 - 25 Jahre

Er ist der Ansicht, dass die Übergänge der einzelnen Phasen fließend und somit nicht klar abgrenzbar sind, sie entsprechen einem individuellen Prozess.

Böhnisch unterteilt noch einmal das mittlere Jugendalter in eine innere Veränderung, die eindeutig durch die Pubertät von statten geht und in eine äußere Veränderung, die einerseits durch die Ablösung vom Elternhaus, der Distanz zu Erwachsenen und andererseits stark durch den Kontakt zu Gleichaltrigen geprägt wird.[4]

Die Jugendphase gehört somit sicherlich zu den schwierigsten Abschnitten im menschlichen Leben. Man ist kein Kind mehr, aber auch noch lange kein Erwachsener. Jugendliche befinden sich in einem Übergang, der eine Vielzahl von Entwicklungsaufgaben umfasst, die zu erledigen sind: Sie sollen sich von den Eltern ablösen, erste intime Erfahrungen sammeln und ebenso verarbeiten. Der Körper verändert sich, sie lernen, die Geschlechterrolle zu definieren, bauen sich einen Freundeskreis auf. Jugendliche müssen berufliche Perspektiven ebenso wie eigene Normen und Werte entwickeln. Sie sollen eine psychische, soziale und materielle Unabhängigkeit erlangen und eine eigene Persönlichkeit entwickeln. Die Jugendlichen versuchen also ihr Leben individuell zu gestalten, wofür sie experimentieren und auch Grenzen testen, um letztendlich in die Welt der Erwachsenen hineinzuwachsen.[5]

Was in dem Jugendlichen passiert beschreibt folgender Auszug sehr anschaulich:

„Die Schaltzentrale im Kopf der Heranwachsenden erfährt eine komplette Umstrukturierung. Das Gehirn ist für einige Jahre eine einzige Großbaustelle mit unübersehbarem >>Kabelsalat<<“.[6]

„Es ist wie ein Puzzle, welches auseinander fällt und dessen Teile mit neuen Motiven versehen werden, nach welchen es dann in Glänze neu geordnet und zusammengefügt wird.“ (…) „Mit welcher Programmierung Jugendliche letztendlich ins Erwachsenendasein eintreten, hängt von allen verbuchten Lebenserfahrungen sowie der individuellen Lebensführung der Heranwachsenden ab.“[7]

2.2 Wirkungen und Effekte von Alkohol

Die Wirkung des Alkohols hängt von verschiedenen Faktoren ab, so spielen z.B. die aufgenommene Menge, die Alkoholkonzentration des Getränks, die individuelle körperliche und seelische Verfassung, das Gewicht, der Mageninhalt und auch die Trinkgewöhnung des Einzelnen eine entscheidende Rolle.[8]

Über die Schleimhäute des Verdauungstraktes wird Alkohol ins Blut aufgenommen und im ganzen Körper verteilt. So gelangt es auch ins Gehirn, wo Alkohol die Informationsübertragung der Nervenzellen beeinflusst, in dem er je nach Dosierung stimulierend oder hemmend wirkt.

In geringen Mengen bewirkt Alkohol eine anregende und steigernde Stimmung. Man fühlt sich zwangloser und gelöst. Alkohol hilft somit Hemmungen und Ängste abzubauen und fördert die Kontakt- und Kommunikationsbereitschaft. Dieser Zustand wird meist sehr angenehm empfunden.

Schon ab mittleren Dosierungen kann die lockere Stimmung jedoch in Gereiztheit, emotionale Unzugänglichkeit sowie in Aggression und Gewalt umschlagen.

Bei ansteigendem Blutalkoholspiegel kommt es je nach körperlichen Vorraussetzungen zu Wahrnehmungs-, Aufmerksamkeits- und Koordinationsstörungen, zur Beeinträchtigung der Sprache und zu einer Ermüdung bzw. Benommenheit. Auch treten Störungen des Gedächtnisses und der Orientierung auf.[9]

2.3 Was sagt das Jugendschutzgesetz zum Alkoholkonsum Jugendlicher?

Das Jugendschutzgesetz regelt in Deutschland die Abgabe von Alkohol an Kinder und Jugendliche. Jugendliche sind demnach, wie bereits erwähnt – Personen, die 14, aber noch nicht 18 Jahre alt sind. Das Gesetz verbietet die Abgabe und auch den Verzehr in Gaststätten, Verkaufsstellen und sonst in der Öffentlichkeit

- von so genannten anderen alkoholischen Getränken, wozu Bier, Wein und Sekt zählen, an Jugendliche unter 16 Jahren, und
- von Spirituosen, sowie auch Alkopops an Jugendliche unter 18 Jahren.

Werden Jugendliche allerdings von einer personensorgeberechtigten Person begleitet, ist sowohl die Abgabe als auch der Verzehr von anderen alkoholischen Getränken nicht ordnungswidrig.[10]

[...]


[1] Vgl. GIESEN: Jugendalter 2002, S. 507.

[2] Vgl. BROCKHAUS Enzyklopädie 1990, S. 253.

[3] BMFSFJ: www.bmfsfj.de, 12.08.2005.

[4] Vgl. BÖHNISCH: Drogengebrauch in den Jugendphasen 2002, Seite 107 ff.

[5] Vgl. BZgA: Ich will mein Kind vor Drogen schützen o.J., S.5.

[6] KUNTZ 2005, S. 192.

[7] KUNTZ 2005, S. 202 f.

[8] Vgl. DHS Alkohol o.J., S. 3 f.

[9] Vgl. BARMER Alkohol o.J., S. 12 f.

[10] Vgl. BMFSFJ: www.bmfsfj.de, 12.08.2005.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Alkoholkonsum Jugendlicher. Warum?
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Stuttgart, früher: Berufsakademie Stuttgart
Veranstaltung
Soziologie der Lebensalter
Note
1,4
Autor
Jahr
2005
Seiten
25
Katalognummer
V76313
ISBN (eBook)
9783638800785
ISBN (Buch)
9783638803373
Dateigröße
678 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Was sind mögliche Gründe, dass Jugendliche zum Alkohol greifen? Ist die Familie daran schuld, dass ein Jugendlicher auffällig viel Alkohol konsumiert? Oder spielt die Schule, die Freunde, die soziale Lage oder gar die Gesellschaft auch eine Rolle?! Wo liegen die Gründe für den jugendlichen Alkoholkonsum?
Schlagworte
Jugendlicher, Alkoholkonsum, Warum, Soziologie, Lebensalter
Arbeit zitieren
Daniela Friedrich (Autor), 2005, Alkoholkonsum Jugendlicher. Warum?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76313

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