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Thukydides und die Jagd nach der Schuld

Der Ausbruch des Peloponnesischen Krieges im Spiegel der historischen Forschung

Title: Thukydides und die Jagd nach der Schuld

Seminar Paper , 2007 , 26 Pages , Grade: 2

Autor:in: Christian R. Schwab (Author)

World History - Early and Ancient History
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Allein die Dimension des Peloponnesischen Krieges, der die griechische Welt des 5. Jahrhunderts vor Christus über Jahrzehnte hinweg in das Grauen und Verderben eines „antike[n] Weltkrieg[s]“1 stürzte, lässt erahnen, wie wichtig die Aufgabe ist, die Verantwortlichkeit für diesen Konflikt genau festzuschreiben und nachvollziehen zu können, wie und vor allem warum er ausgebrochen ist.
Doch so essentiell eine gültige Lösung für diese Frage wäre, so heftig divergieren auch die Meinungen der historischen Forschung zu diesem Thema – sowohl diachron durch die Jahrhunderte als auch synchron in der neuesten Forschung. Ob diese Debatte nun durch die Zweifel ausgelöst wird, die Teile der Historikerschaft an der Glaubwürdigkeit Thukydides’ hegen oder dadurch nur verschlimmert wird, gleicht dem Paradoxon von Henne und Ei. – Fest steht, dass Thukydides die Quelle ist, auf die man sich vordringlich stützen muss, wenn man die Ereignisse um den Kriegsausbruch betrachten will. Plutarch und Diodor streifen zwar diese Thematik kurz an, liefern aber bei weitem nicht so umfangreiche Erkenntnisse ab wie Thukydides. Fest steht auch, dass durch die singuläre Stellung des thukydideischen Geschichtswerkes der Textkritik eine entscheidende Aufgabe im Konzert der historischen Meinungsbildung zukommt.
Diese Arbeit wird die historischen Ereignisse vor Kriegsausbruch aufzählen und anschließend einen Überblick über die historische und methodologische Forschungsdebatte geben, die um den Kriegsausbruch entstanden ist.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Die lange Jagd nach der Schuld

2. Die Lunte, das Pulverfass und die Explosion

2.1 Die vier oberflächlichen Kriegsursachen nach Thukydides

2.1.1 Kerkyra

2.1.2 Das megarische Psephisma

2.1.3 Potidaia

2.1.4 Autonomie Aiginas

2.2 Volksversammlung in Sparta oder der laute Ruf nach Krieg

2.3 Die Lunte brennt

2.4 Explosion

3. Kriegsschuld und Kriegsursache(n) – „kein unnützes Gelehrtengezank“

3.1 Zwang die Furcht zum Krieg?

3.2 Zwischen Positivismus und Postmoderne

3.3 Krieg und Mensch

3.3.1 Der Krieg und die Natur des Menschen

3.3.2 Kagan und die menschliche Selbstbestimmung

4. Der anklagende Zeigefinger der Nachwelt

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die komplexen Ursachen für den Ausbruch des Peloponnesischen Krieges durch eine kritische Auseinandersetzung mit der Darstellung des antiken Historikers Thukydides und der modernen Forschungsdebatte, mit dem Ziel, die Verantwortlichkeit für den Konflikt differenziert zu bewerten.

  • Analyse der von Thukydides genannten vier oberflächlichen Kriegsursachen
  • Untersuchung der politischen Entscheidungsprozesse in Sparta und Athen
  • Quellenkritische Bewertung der Glaubwürdigkeit und Objektivität des thukydideischen Geschichtswerkes
  • Diskussion von Forschungspositionen zur Kriegsschuld (u.a. De St. Croix, Kagan, Fliess)
  • Herausarbeitung der Rolle Korinths als kriegstreibende Kraft

Auszug aus dem Buch

3.1 Zwang die Furcht zum Krieg? – Überlegungen zur tatsächlichen Machstellung Athens und der Kriegspolitik Athen und Spartas anhand Thukydides I, 23, 6

„Den letzten und wahren Grund, von dem man freilich am wenigsten sprach, sehe ich im Machtzuwachs der Athener, der den Lakedaimoniern Furcht einflößte und sie zum Krieg zwang [...].“ So urteilt Thukydides und in der Tat gibt es Forschungsrichtungen, die sich sehr einseitig auf diese Aussage als „most reliable source“ stützen. Bedeutendster Exponent dieser Gattung ist De St. Croix, der die Spartaner als „immediately responsible“ darstellt und auch Quellenbelege für eine Art Schuldbekenntnis anzuführen weiß. Weiterhin führt er an, dass das streng konservative Sparta, das den Peloponnes gegen fremdländische Einflüsse abschirmen musste, um die Gefahr eines Helotenaufstandes im Zaume zu halten, es nicht zulassen konnte, dass eine andere Stadt eine Machtstellung erreichte, von dem aus es die spartanischen Bundesgenossen bedrohen konnte. In diesem Zusammenhang erachtet er auch die korinthischen Drohungen eines Bündnisaustritts als durchaus glaubwürdig. Die Spartaner hätten „no excuse for breaking the peace“ und es träfe sie die „ultimate responsibility”, da sie im entscheidenden Moment nicht die vernünftigen Zugeständnisse gemacht hätten, unter denen Athen bereit gewesen wäre, das megarische Psephisma aufzuheben, und damit den Krieg provoziert hätten. Ob natürlich in diesem Fall vielleicht eine der drei anderen Episoden den Ausschlag zum Beginn der Feindseligkeiten gegeben hätte, lässt er dahingestellt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Die lange Jagd nach der Schuld: Einleitung in die Problematik der Verantwortung für den Peloponnesischen Krieg und die zentrale Stellung des Historikers Thukydides als primäre Quelle.

2. Die Lunte, das Pulverfass und die Explosion: Detaillierte Darstellung der Ereignisse vor dem Kriegsausbruch, unterteilt in die vier Ursachen nach Thukydides, den Entscheidungsprozess in Sparta und den eigentlichen Beginn der Feindseligkeiten.

3. Kriegsschuld und Kriegsursache(n) – „kein unnützes Gelehrtengezank“: Umfangreiche Analyse und Gegenüberstellung verschiedener wissenschaftlicher Forschungspositionen zur Kriegsschuld, die von thukydideischer Unvermeidbarkeit bis zu bewusster politischer Entscheidung reichen.

4. Der anklagende Zeigefinger der Nachwelt: Synthese der Forschungsergebnisse, die den Wunsch nach einer eindeutigen Schuldzuweisung relativiert und Korinths Rolle als treibende Kraft hervorhebt.

Schlüsselwörter

Peloponnesischer Krieg, Thukydides, Kriegsschuld, Athen, Sparta, Korinth, Megarisches Psephisma, Perikles, Hegemonie, Historische Forschung, Quellenkritik, Archidamos, Sthenelaidas, Donald Kagan, De St. Croix

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit befasst sich mit der historischen Kontroverse um die Ursachen und die Schuldfrage beim Ausbruch des Peloponnesischen Krieges (431–404 v. Chr.).

Welche zentralen Themenfelder werden analysiert?

Zentral sind die Darstellung bei Thukydides, der Weg zum Krieg durch Randkonflikte, die politischen Entscheidungsprozesse in den griechischen Poleis sowie die neuere Forschungsdebatte.

Was ist die zentrale Forschungsfrage der Untersuchung?

Die Arbeit untersucht, wer die Verantwortung für den Kriegsausbruch trägt und inwiefern Thukydides' eigene Darstellung als verlässliche oder subjektive Quelle bewertet werden muss.

Welche methodischen Ansätze finden Anwendung?

Es wird eine quellenkritische Analyse vorgenommen, bei der die antiken Texte des Thukydides gegen verschiedene moderne Forschungsmeinungen, wie etwa die von Kagan oder De St. Croix, abgewogen werden.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte bilden den Hauptteil?

Im Hauptteil werden die vier „oberflächlichen“ Ursachen (Kerkyra, Megara, Potidaia, Aigina), die spartanische Volksversammlung und verschiedene Interpretationsmodelle zur Kriegsschuld behandelt.

Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?

Wichtige Begriffe sind Machtzuwachs, Hegemonialstreben, Furcht, Vertragsbruch, diplomatische Ultimaten und das Handeln der Mittelmächte wie Korinth.

Welche Rolle weist die Arbeit der Stadt Korinth zu?

Die Arbeit arbeitet Korinth als eine wesentliche, oft unterschätzte treibende Kraft heraus, die durch ihre Außenpolitik die beiden Großmächte Athen und Sparta in den Konflikt drängte.

Wie bewertet der Autor den Wahrheitsanspruch des Thukydides?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Thukydides kein Lügner war, seine Darstellung jedoch im Kontext einer politischen Debatte in Athen verstanden werden muss und daher eine kritische Distanz zur Quelle geboten ist.

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Details

Title
Thukydides und die Jagd nach der Schuld
Subtitle
Der Ausbruch des Peloponnesischen Krieges im Spiegel der historischen Forschung
College
Catholic University Eichstätt-Ingolstadt
Course
HS Thukydides und der Peloponnesische Krieg
Grade
2
Author
Christian R. Schwab (Author)
Publication Year
2007
Pages
26
Catalog Number
V76331
ISBN (eBook)
9783638805087
ISBN (Book)
9783638807524
Language
German
Tags
Thukydides Jagd Schuld Thukydides Peloponnesische Krieg
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christian R. Schwab (Author), 2007, Thukydides und die Jagd nach der Schuld, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76331
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