Die Städte Deutschlands unterliegen derzeit einer starken Fluktuation und eine Neuorientierung ist unumgänglich. Insbesondere in den neuen Bundesländern zeichnen sich gravierende Tendenzen ab. Einerseits vollzieht sich der Weg einer Dezimierung – durch Abwanderung, Leerstand, Rückbau, Arbeitslosigkeit, andererseits vollzieht sich eine Expansion durch die Ausweitung der Wohngebiete an die Stadtränder und dem Bau von Einkaufsmeilen ‚auf der grünen Wiese’. Im Osten Deutschlands wird diese in ganz Deutschland vorherrschende Bewegung durch die DDR-Vergangenheit, deren Wirtschaftssystem und Struktur beschleunigt. Daraus ergeben sich starke Spannungen im sozialen Bereich, welche in einen Teufelskreis führen. Grund, für den Forschungsverbund „Stadt 2030“ die Situation zu analysieren und Richtungen für ein Entgegensteuern aufzuzeigen. Dabei können aber nur ein kleiner Teil der Tendenzen in ihren Auswirkungen sicher eingeschätzt werden. Vieles ist in seiner Entwicklung unklar und erschwert die Entscheidungsfindung der Politiker.
Dennoch lassen sich verschiedenartige Lösungsansätze formulieren und zeigen sich sogar in ersten Erprobungen erfolgreich. Deutlich werden dabei die sozialen Komponenten der Stadtentwicklung und die Abkehr vom Inbegriff der riesigen, unüberschaubaren grauen Betonstadt. Gepaart wird diese Erkenntnis mit frischen Ideen zur Belebung der Innenstädte und neuen Arten der Mobilität.
In der konzeptionellen Überarbeitung der Stadtentwicklung befindet sich Deutschland noch in der Anfangsphase und ein allgemeingültiges, innovatives Rezept für ein attraktives und nachhaltiges Stadtbild in Zeiten der Schrumpfung gibt es schon gar nicht. Doch auch der Weg der kleinen Schritte führt ans Ziel.
Inhaltsverzeichnis
1. Ursachenforschung schrumpfender Städte
1.1 Das Erbe der DDR-Geschichte
1.1.1 Rolle der Landwirtschaft und VEBs
1.1.2 Abbau administrativer DDR-Strukturen
1.1.3 Bedeutungsverlust des Militärs
1.2 Demographischer Wandel
1.3 Die anhaltende Welle der De-Wörter
1.4 Der soziale Kreislauf bergab
2. Prognosen des Forschungsverbunds „Stadt 2030“
2.1 Aufgaben des Forschungsverbunds
2.2 Sichere Prognosen
2.2.1 Bevölkerungsentwicklung
2.2.2 ökonomischer Wandel
2.3 Unsichere Prognosen
2.3.1 Entwicklung des Sozialstaates
2.3.2 Zeitknappheit
2.4 Widersprüchliche Prognosen
2.4.1 Institutionen der Kommunalpolitik
2.4.2 Formen der Bürgerbeteiligung
3. Attraktivitätskonzepte zur Neubelebung und Aufwertung
3.1 Die soziale Stadt
3.2 Die mobile Stadt
3.3 Die zentrale Stadt
3.4 Die grüne Stadt
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das primäre Ziel der Arbeit ist es, die Ursachen der Stadtentwicklungsprobleme in Ostdeutschland zu analysieren und innovative Attraktivitätskonzepte aufzuzeigen, um dem Prozess der städtischen Schrumpfung entgegenzuwirken. Die Forschungsfrage untersucht dabei, wie trotz wirtschaftlicher Erosion und demographischem Wandel eine Neuorientierung für ein nachhaltiges Stadtbild möglich ist.
- Historische Erblasten der DDR und deren Auswirkungen auf die heutige Stadtstruktur
- Die Auswirkungen des demographischen Wandels und die soziale Erosion
- Die Arbeit und Rolle des Forschungsverbunds „Stadt 2030“
- Methoden und Strategien zur sozialen, mobilen, zentralen und grünen Aufwertung
- Herausforderungen der politischen Entscheidungsfindung in Zeiten der Schrumpfung
Auszug aus dem Buch
1.4 Der soziale Kreislauf bergab
Die Entwicklung der Städte in Ostedeutschland ist von Funktionsverlust und wirtschaftlichen Strukturabbau gekennzeichnet. Zentrales Problem ist nicht die Transformation der wirtschaftlichen Basis, sondern vielmehr ihre weitestgehende Erosion.
Befindet sich eine Stadt erst einmal an dem Punkt, dass die Wirtschaftsstruktur schwach ist und Arbeits- und Ausbildungsplätze fehlen, sind sehr große Anstrengungen nötig um nicht in den Teufelskreislauf des sozialen Abstiegs zu gelangen. Eine schlechte Arbeitsmarktsituation animiert qualifizierte und junge Kräfte sich in den strukturstärkeren Regionen des Westens anzusiedeln, wo ihre Arbeit finanziell besser ‚gewürdigt’ wird. Es kommt zu einem Leerstand an Wohnungen und fehlenden Mieteinnahmen bei den Vermietern. Es bleibt die Finanzierung an Gebäuderenovierungen und Instandhaltungen offen und muss somit aufgeschoben werden. Durch die Abwanderung junger Menschen und deren Neuausrichtung auf eine Familiengründung im ‚sicheren’ Westen stehen Kindergärten und Schulen dauerhaft leer. Betreuer, Lehrer und artverwandte Folgebetriebe unterliegen dem Stellenabbau. Die daheimgebliebene ehemals arbeitende Bevölkerung rutscht zunehmend in Armut. Die Kaufkraft, welche noch bestehenden Handel und Gewerbe am Leben erhalten könnte, sinkt. Durch die niedrige Geburtenrate in sozial schwachen Regionen kommt es zu einer Überalterung. Die Steuereinnahmen sinken, die Ausgaben für Sozialhilfe steigen aber stetig. Die Region bekommt ein schlechtes Image und Einkommensstärkere wenden sich von der Region ab, weil diese nicht mehr das gewünschte soziale und kulturelle Umfeld bietet. Dieser Imageverlust mindert auch die Bereitschaft wirtschaftlicher Neuinvestitionen, denn Städte werden über die Betriebsgrenzen hinaus als Vorzeigeobjekte präsentiert. Ohne Investitionen aber wird die wirtschaftliche Strukturschwäche verstärkt und die Abwanderung ist nicht zu bremsen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Ursachenforschung schrumpfender Städte: Dieses Kapitel beleuchtet das historische Erbe der DDR, den demographischen Wandel sowie die sozioökonomischen Faktoren, die den Teufelskreis der städtischen Erosion in Ostdeutschland befeuern.
2. Prognosen des Forschungsverbunds „Stadt 2030“: Hier werden die Aufgaben, Methoden und die verschiedenen Prognosekategorien des Forschungsverbunds vorgestellt, um aufzuzeigen, wie kommunale Planung auf Herausforderungen der Zukunft reagieren kann.
3. Attraktivitätskonzepte zur Neubelebung und Aufwertung: Dieser Abschnitt diskutiert praxisorientierte Ansätze wie das Programm „Soziale Stadt“ sowie neue Mobilitäts-, Zentralitäts- und Begrünungskonzepte zur nachhaltigen Stadtentwicklung.
Schlüsselwörter
Schrumpfende Städte, Ostdeutschland, Stadtentwicklung, Demographischer Wandel, Forschungsverbund Stadt 2030, Deindustrialisierung, Soziale Stadt, Infrastruktur, Leerstand, Stadtplanung, Mobilität, Bürgerbeteiligung, Strukturwandel, Nachhaltigkeit, Wohnraum
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die spezifischen Herausforderungen ostdeutscher Städte, die durch wirtschaftlichen Funktionsverlust und demographische Schrumpfung geprägt sind.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Kernbereichen zählen die historische Ursachenforschung, demographische Prognosen, soziale Strukturen sowie verschiedene Konzepte zur städtischen Aufwertung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das Problem der städtischen Schrumpfung zu verstehen und auf Basis der Arbeit des Forschungsverbunds „Stadt 2030“ Lösungsansätze für eine zukunftsfähige Stadtplanung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Literatur- und Projektanalyse, welche aktuelle Erkenntnisse aus der Stadtforschung und von Förderprogrammen synthetisiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Ursachenanalyse, eine kritische Betrachtung der Zukunftsprognosen und die Vorstellung konkreter Instrumente wie der „Sozialen Stadt“ oder innovativer Mobilitätskonzepte.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Konzepte umfassen Deindustrialisierung, soziale Erosion, nachhaltige Stadtentwicklung und den demographischen Strukturwandel.
Wie wirkt sich das DDR-Erbe konkret auf schrumpfende Städte aus?
Laut Arbeit führen der Wegfall von industriellen Arbeitsplätzen, der Abbau administrativer Strukturen und der Bedeutungsverlust militärischer Liegenschaften direkt zu einer wirtschaftlichen Schwächung der Regionen.
Warum ist das Konzept der „Sozialen Stadt“ so bedeutend?
Es dient als praxisnaher Ansatz, um durch Quartiersmanagement und Bürgerbeteiligung soziale Spaltungen in Städten zu überwinden und die Identifikation der Bewohner mit ihrem Umfeld zu stärken.
Was sind die „Unsicheren Prognosen“ im Kontext des Forschungsverbunds?
Diese beziehen sich auf schwer kalkulierbare Faktoren wie die Entwicklung des Sozialstaates, zunehmende Zeitknappheit und die komplexe soziale Dynamik, die oft als Tabuthemen behandelt werden.
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- Anne Kaiser (Author), 2005, Das Glas ist halb leer - Die Neuorientierung schrumpfender Städte in Ostdeutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76346