Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, dem Zusammenhang zwischen dem christlichen Sakrament der Eucharistie und dem „Totenmahl“ in Kleists „Penthesilea“ nachzugehen.
Zu diesem Zwecke wird zunächst das Prinzip der Eucharistie näher erläutert und ihre Verwandtschaft zur Anthropophagie kurz dargestellt.
Im Anschluss prüfe ich, inwieweit sich in Kleists Beschreibung der Tötung Achills durch Penthesilea Anlehnungen an die Eucharistie finden; ferner wird zu untersuchen sein, wie diese beschaffen sind.
Entscheidend ist dabei für mich die Frage, ob es Sinn ergibt, bei der Kleistschen Adaption der Eucharistie-Symbolik von einer spöttischen Inversion des christlichen Sakraments zu sprechen. Um dies zu ermitteln, werden auch biographische Fakten Kleists miteinbezogen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DIE EUCHARISTIE
2.1 Das Wesen der Eucharistie
2.2 Die Eucharistie und ihre „bedenkliche Nähe zur Anthropophagie”
3. PENTHESILEA
3.1 Die Vergötterung Achills
3.2 Die Anspielungen auf die Eucharistie
3.3 Zwischen Inversion und Parodie
4. „IRRELIGIÖS BIS ZUR FEINDSELIGKEIT“?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen dem christlichen Sakrament der Eucharistie und dem „Totenmahl“ in Heinrich von Kleists Drama „Penthesilea“. Dabei soll geklärt werden, ob Kleists Adaption der Eucharistie-Symbolik als spöttische Inversion des christlichen Sakraments verstanden werden kann, wobei auch biographische Hintergründe des Autors einbezogen werden.
- Struktur und Prinzipien der christlichen Eucharistie
- Die symbolische und strukturelle Nähe zur Anthropophagie
- Die Vergötterung Achills als Voraussetzung für das Totenmahl
- Eucharistie-Anspielungen in der Dramenhandlung von Penthesilea
- Kritische Bewertung einer intendierten religiösen Inversion
Auszug aus dem Buch
2.2 Die Eucharistie und ihre „bedenkliche Nähe zur Anthropophagie”
Daniel Fulda bescheinigt der Eucharistie eine „bedenkliche Nähe zur Anthropohagie“ und auch Justus Fetscher sieht eine „Strukturverwandtschaft [...] mit kannibalischen Riten“
So aufsehenerregend wie diese Ähnlichkeit auf den ersten Blick wirken mag, ist sie nicht: Die Verknüpfung des Essens und Tötens ist keineswegs eine Seltenheit in der Zeichenlehre verschiedener Kulturen. Das Essen ist Bestandteil zahlreicher religiöser Riten. Ist es in einer Religion verboten, sich in einer bestimmten Form zu ernähren, so beinhaltet dieses Verbot eine Aussage über das Verhältnis des Menschen zu Gott:
Schließlich ist das Essen Teil der den Menschen durch Gott auferlegten kulturellen Ordnung. Überdies finden sich in traditionellen Bräuchen häufig Gewaltmotive - deswegen, weil diese Riten aus Zeiten stammen, in welchen rohe Gewalt als legitimes und übliches Mittel galt.
Dass Kleist diesen Aspekt in seiner 1807 vollendeten Penthesilea aufgreift, mag vor dem zeitgeschichtlichen, insbesondere philosophisch-medizinschen Hintergrund verstanden werden. Noch im 17. Jahrhundert berufen sich Mediziner und Apotheker auf die paracelsische Annahme, die Parallele zwischen Mikro- und Makrokosmos bedeute, jede von uns verzehrte Speise enthalte etwas Menschliches.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Arbeit erläutert das Ziel, den Zusammenhang zwischen dem christlichen Sakrament der Eucharistie und dem Totenmahl in Kleists Penthesilea zu erforschen.
2. DIE EUCHARISTIE: Dieses Kapitel definiert das Wesen der Eucharistie, beleuchtet deren biblische Grundlagen und diskutiert die theoretische Nähe zu anthropophagen Riten.
3. PENTHESILEA: Der Hauptteil analysiert die Vergötterung Achills durch die Protagonistin sowie die spezifischen Anspielungen auf eucharistische Motive und deren Parodie innerhalb des Dramas.
4. „IRRELIGIÖS BIS ZUR FEINDSELIGKEIT“?: Der abschließende Teil hinterfragt die Intention einer blasphemischen Umkehrung der Eucharistie unter Einbeziehung von Kleists biographischem Hintergrund und seiner Haltung zur Religion.
Schlüsselwörter
Penthesilea, Heinrich von Kleist, Eucharistie, Anthropophagie, Totenmahl, Theophagie, Abendmahl, Symbolik, Inversion, Parodie, Achill, christliches Sakrament, Religionskritik, Kommunikation, Dramenanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die inhaltlichen und symbolischen Parallelen zwischen dem christlichen Abendmahl (Eucharistie) und dem gewaltsamen Ende von Achill im Drama „Penthesilea“.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themenfelder umfassen die Theologie des Abendmahls, die kulturwissenschaftliche Deutung von Anthropophagie sowie die literarische Analyse von Kleists Dramatik.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage lautet, ob die Darstellung der Tötung Achills als eine bewusste spöttische Inversion der eucharistischen Symbolik durch den Autor zu interpretieren ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewendet?
Die Untersuchung basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Analyse unter Einbeziehung theologischer Begriffsbestimmungen und biographischer Kontexte des Autors.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie Penthesilea Achill durch eine sprachliche Vergötterung in eine göttliche Rolle erhebt, um anschließend eine verstörende Analogie zum eucharistischen Verzehr zu vollziehen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse?
Besonders prägend sind die Begriffe Anthropophagie (Menschenfresserei), Theophagie (Gott-Essen), Realpräsenz sowie die Unterscheidung zwischen metaphorischer und wörtlicher Bedeutung.
Wie bewertet der Autor den Vorwurf der Blasphemie?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass es zu kurz greift, Kleist eine gotteslästerliche Intention zu unterstellen, da das Drama eher eine fiktionale Demontage von Symbolen vornimmt als eine konkrete politische Diffamierung.
Welche Rolle spielt die Konfession des Autors für die Interpretation?
Kleists protestantische Erziehung und sein späterer Respekt vor religiösen Praktiken, wie sie in Briefen an seine Verlobte belegt sind, machen eine rein feindselige Haltung gegenüber dem Christentum unwahrscheinlicher.
- Quote paper
- Lukas Haberland (Author), 2007, Die Eucharistie und das Totenmahl der Penthesilea, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76374