Zu: Giambattista Basile – Der Rahmen des Pentamerone


Seminararbeit, 2006

18 Seiten, Note: Sehr Gut


Leseprobe

Inhalt

0. Einleitung

1. Leben und Werk von Giambattista Basile

2. Il Pentamerone
2.1. Die Erzählstruktur – Aufbau von Basiles Werk
2.2. Der Rahmen (Der Cunto)
2.2.0. Inhalt des Rahmens
2.2.1. Die Erzählerrunde – Anlass der Erzählung
2.3. Volksmärchen od. Novellenzyklus? – Überlegungen zum literarischen Genre
2.3.0 Allgemeine Charakteristika
2.3.1 Die Verwendung des neapolitanischen Dialekts in den Cunti
2.3.2. Basiles Darlegung einer Hofkritik am Beispiel der Rahmenerzählung

3. Schluss

0. Einleitung

Die vorliegende Arbeit konzentriert sich in erster Linie auf die Rahmenerzählung von Giambattista Basiles Pentamerone. Im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen hierbei die Erzählerrunde, sowie deren Beweggründe, sich zu diesem Anlass an fünf Tagen zu formieren.

Eine Konzentration auf den Rahmen, den man – in Hinblick auf den italienischen Originaltitel – auch als cunto bezeichnen kann, erscheint deshalb gerechtfertigt, da in der Sammlung jede Erzählung für sich alleine stehen kann. Mit anderen Worten; es ergeben sich keine Verständnisschwierigkeiten inhaltlicher Art, wenn der Rezipient eine Geschichte herausgreift aus den Cunti, da selbige keine Vorkenntnisse aus vorangegangenen Erzählungen – einschließlich des Rahmens – voraussetzen. In diesem Sinne können die Binnenerzählungen beim vorliegenden Erkenntnisinteresse vorwiegend aus den Betrachtungen ausgeschlossen werden, lediglich die Einleitungen und Kommentare, welche den Erzählungen vorangestellt werden bzw. diesen folgen, finden Berücksichtigung, da sie insbesondere Rückschlüsse auf Eigenschaften der Figuren im Rahmen ermöglichen. In diesem Sinne werden weiters wiederholt auftretende Themen und inhaltliche Charakteristika der Erzählungen als Anlass genommen, den Erzählerinnen bestimmte Präferenzen und Interessen zuzuordnen.

Ein weiterer thematischer Schwerpunkt, welcher freilich nur als Exkurs verstanden werden will ob der Komplexität der Thematik, gilt einer Genrebestimmung des Werkes. In dieser Hinsicht gilt das Interesse verschiedenen literarischen Verfahren, die Basiles Kunstprosa konstituieren. Nicht zuletzt sei auch auf die sozialpolitische Relevanz des Pentamerone verwiesen. Um diesen Sachverhalt zu illustrieren, wird wiederum der Rahmen als Exempel herangezogen. Freilich bildet die Biographie des Autors den Beginn der vorliegenden Arbeit. Diese soll auch die historisch-gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, welche den Kontext des literarischen Schaffens zu Lebzeiten Basiles bildeten, darlegen. Denn schließlich nimmt die sozialpolitische und gesellschaftlich-kulturelle Umwelt Basiles nicht nur implizit Einfluss auf sein Schaffen, sondern stellt vielmehr eine Inspirationsquelle für den Autor dar, da sich jener in satirischer Weise im Pentamerone von Phämomenen seiner Lebenswelt distanziert.

1. Leben und Werk von Giambattista Basile

Giambattista Basile wurde um 1576 in Neapel geboren. Als Sohn der Cornelia Daniele Basile dürfte er in nicht allzu schlechten sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen aufgewachsen sein, zumal er gemeinsam mit seinen Geschwistern – 6 Namen sind bekannt, vermutlich war es derer sieben an der Zahl – eine qualifizierte Ausbildung genoss. Was Basile betrifft, verfügte er augenscheinlich über juristische Kenntnisse, andernfalls hätte er nicht das Amt eines Gouverneurs verschiedener italienischer Städte bekleiden können, was selbige voraussetzt.

Um 1600 verlässt Basile Neapel, um nach Venedig zu reisen. Dort lässt er sich als Soldat der Republik anwerben. Seine militärische Dienstzeit führt ihn sogleich ins Exil. In der Kolonie Candia – so benannten die Venezianer die Hauptstadt von Kreta, die sie damals beherrschten – verschafft er sich Sympathien und somit Zugang in die Gesellschaft dort ansässiger italienischer Adelsfamilien. Die Elegie „Il pianto della Vergine“ als erstes Zeugnis seiner literarischen Tätigkeit entstammt dieser Zeit. Bevor Basile nach Neapel zurückkehrt, bereist der Poet Griechenland als Privatperson.

1608 kehrt er in seine Heimatstadt zurück. Dort findet er günstigere kulturelle Bedingungen als Voraussetzung seiner poetischen Tätigkeit vor als zuletzt. Dies ist nicht zuletzt dem Interesse des Vizekönigs Lemos an Belletristik und damit befasster Literaten zurechenbar. Selbiger tritt somit als Gönner der Literatur auf. Es erfolgt die Aufnahme Basiles in die Dichterakademie der „Oziosi“ („Müßiggänger“). Zeit seines Lebens sollte Basile noch weiteren Akademien angehören: den „Stravaganti“ („Übergeschnappten“), „Incauti“ („Unvorsichtigen“), „Incogniti“ („Unbekannten“). Diesen Dichterakademien waren Persönlichkeiten von Rang zuzurechnen. So war Lemos etwa Mitglied der „Oziosi“.

Vor dem Hintergrund dieser höfisch-akademischen Kultur vollzieht sich eine recht rege literarische Schaffensperiode Basiles’. Er produziert Epigramme, Madrigale (= „aus der ital. Schäferdichtung entwickeltes Gedicht in zunächst freier, dann festerer Form[…]“1), Oden und Eklogen (Eklogendichtung wird die „Hirten- [bzw.] Schäferdichtung“2 bezeichnet; lit. Gattung rekurriert auf Vergil3). Diese von Basile aufgegriffenen Gattungen weisen ihn als Vertreter der marinistischen Schule aus.4 Der Marinismus stellt einen „nach dem ital.

Dichter G. Marino (1569-1625) […]schwülstige[n] Dichtungsstil des ital. Barocks, der

in ganz Europa nachgeahmt wurde“ 5, dar.

Seinen eigentlichen gesellschaftlichen Aufstieg hatte der Dichter allerdings seiner Schwester, der Hofsängerin Adriana B., zu verdanken.

So zieht er im Jahre 1612 nach Mantua, die Provinzstadt der gleichnamigen Provinz in der Lombordei, zu dieser seiner Schwester an den Hof des Herzogs; an selbigem Orte wirkt er von da an als Hofdichter, um schließlich in den Adelsstand erhoben zu werden. Nun darf er sich Graf Palatinum nennen. Nach dem Adelsdiplom kehrt er nach Neapel zurück; bis zu seinem Tod sollte er seinen literarischen Wirkungskreis an Höfen im Umkreis des Vizekönigreiches finden.

1621 wurde er – wie schon zuvor erwähnt – vom spanischen Vizekönig von Neapel zum Gouverneur von Lagonegro ernannt.

Seine übrige Lebenszeit verbrachte der Italiener zwischen Dichtung und Amtsdienst. Was sein literarisches Werk betrifft, sind neben seinen zahlreichen Oden, Anagrammen etc. der Heldenepos Il Teagene (1635 von Adriana B. in Rom veröffentlicht) und seine zwischen 1620 und 1630 entstandene und im neapolitanischen Dialekt verfasste Sammlung Lo cunto de li cunti, trattenemiento de li peccerille (Die Erzählung der [oder: von den] Erzählungen, Unterhaltung für die Kleinen). Diese erschien postum unter dem Anagramm Gi(ov)an Alesio Abbattutis zwischen 1634 und 1636 in Neapel. Der spätere Haupttitel „ Il Pentamerone“ findet sich erstmals 1674 (unter Herausgabe des neapolit. Märchendichters Sarnelli).6

Ehe es letztgenanntes Werk zu eruieren gilt, sei in Bezug auf Basiles Rezipientenkreis noch darauf verwiesen, das dieser zeit seines Lebens die gesellschaftlich höheren Stände umfasste; aus diesem Grunde war ihm auch eine Karriere als Nationalautor versagt.

Zuletzt sei noch in Hinblick auf das Leben des Autors auf sein Lebensende verwiesen, dieses ist auf den 23.2.1632 - infolge einer Epidemie - zu datieren. Die biographischen Details zum Leben des Autors sind im wesentlichen Broggini7 entnommen.

2. Il Pentamerone

2.1. Die Erzählstruktur – Aufbau von Basiles Werk

Der spätere Untertitel Pentameron entspricht der Struktur der Sammlung:

5 x 10 Geschichten sind nach Art einer Rahmenerzählung kompositorisch zusammengestellt;

zusätzlich zum Rahmen umfasst das Werk somit 49 weitere Erzählungen.

Diese Geschichten legt der Autor 10 Erzählerinnen in den Mund, welche an 5 Erzähltagen Tag für Tag die gleiche Anzahl von Geschichten (je eine pro Erzählerin) ihrem Publikum – und den LeserInnen darlegen. Die Erzählerinnen - dies sei einer detaillierten Besprechung des Rahmens vorangestellt – alte, welke, gebrechliche Frauen aus den Plebs (mit Ausnahme von Zoza, die „Heldin“ des Rahmens, welche ihre Geschichte als letzte erzählt) stellen zweifelsohne eine Parodie der hübschen jungen Erzählerinnen, welche allesamt aus den höheren gesellschaftlichen Schichten entstammen, von Boccaccios Decamerone dar. Sie werden zur Unterhaltung des Fürsten Taddeo und seiner schwangeren Gattin, der ehemaligen maurischen Sklavin Lucia, zu Hofe bestellt.

An jedem Erzähltage findet sich selbige Gesellschaft in der abgeschiedenen Gartenlaube zu Hofe ein; nach dem gemeinsamen Mittagsmahl beginnt der Vortrag. Abgesehen vom ersten Tag, an welchem man lediglich gemeinsam speist im Vorfeld zur nachmittäglichen Erzählphase, vertreibt man sich an den übrigen Tagen die Zeit bis zum „Nachtisch“ in Form 10 Erzählungen die Zeit mit volkstümlichen Tänzen, Gesängen und Gesellschaftsspielen.

Am Ende der ersten 4 Tage, sobald die Erzählerinnen ihre Schuld in Form eines Berichts beglichen haben, stellt eine „Ekloge“ od. - anders ausgedrückt – ein „zeitsatirische[r] Dialog“8 vom Dienstpersonal Taddeos inszeniert, einen unterhaltsamen Schlussakt dar.

Das Schema des Pentamerone lässt in seiner Konzeption klare Parallelen zu einer Theateraufführung erkennen, wobei die „Eklogen“ als Intermezzi fungieren. 9

Die Erzählungen selbst weisen auch eine Regelhaftigkeit in ihrem Aufbau auf; so endet jede mit einem Kommentar seitens der Zuhörer im Erzählkreis (mit Ausnahme der letzten als Teil des Rahmens). Jeder Cunto wird eingeleitet durch einen moralischen Lehrsatz, in welchem die erzählende Alte den Sinn der folgenden Geschichte vorausschickt. Das Ende jeder Erzählung stellt stets ein Sprichwort dar. Dieses lässt keine Abhängigkeit vom Thema der Einleitung und vom Zuhörerkommentar erkennen.10

[...]


1 Duden. Das große Fremdwörterbuch: Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter. Hrsg. vom Wissenschaftlichen Rat der Dudenredaktion. 2. Aufl. Mannheim: 2000. S. 825.

2 Ebd. S. 375.

3 http://de.wikipedia.org/wiki/Ekloge (3.7.2006).

4 Lexikon der Weltliteratur – Fremdsprachige Autoren. Biographisch-bibliographisches Handwörterbuch nach Autoren A-Z. Hrsg. v. Gero von Wilpert. 4., vollst. neu bearb. Aufl. Stuttgart 2004. S. 1296.

5 Wissenschaftlichen Rat der Dudenredaktion: Duden. Das große Fremdwörterbuch, S. 841.

6 Wilpert: Lexikon der Weltliteratur, S. 1297.

7 Broggini, Barbara: „Lo cunto de li cunti“ von Giambattista Basile. Ein Ständepoet in Streit mit der Plebs, Fortuna und der höfischen Korruption. Frankfurt am Main: Lang 1990 (=Europäische Hochschulschriften 9, Italienische Sprache und Literatur; Bd. 17). S. 45-53.

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Details

Titel
Zu: Giambattista Basile – Der Rahmen des Pentamerone
Hochschule
Universität Wien
Veranstaltung
PS Neuere deutsche Literatur: Rahmenerzählungen und Novellenzyklen
Note
Sehr Gut
Autor
Jahr
2006
Seiten
18
Katalognummer
V76465
ISBN (eBook)
9783656615279
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Giambattista, Basile, Rahmen, Pentamerone, Neuere, Literatur, Rahmenerzählungen, Novellenzyklen
Arbeit zitieren
Natalie Raffetzeder (Autor), 2006, Zu: Giambattista Basile – Der Rahmen des Pentamerone , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76465

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