Gravierende Änderungen vollzogen sich in den letzen zwei Jahrzehnten am Markt für Übertragungsrechte an Sportver-anstaltungen. Nicht zuletzt die Dreiecksbeziehung zwischen Sport, Medien und Wirtschaft, die sich zu einem komplexen und kommerziellen System entwickelt hat, führte in der Vergangenheit zu exponentiellen Preissteigerungen der Übertragungsrechte an publikumswirksame Sportveranstaltungen. So stiegen z.B. die Übertragungsrechte der Olympischen Sommerspiele von 1980 bis zur Austragung in Peking 2008 um nahezu 2.000%. Insbesondere ist ein solcher Anstieg der Preise auch bei den medialen Rechten der Verwertung für die heimische Fußball-Bundesliga zu verzeichnen. In der Ausschreibung des Jahres 2005 wurde die Rekordsumme von EUR 440 Mio. für die nächsten drei Spielzeiten erzielt, was mehr als das Tausendfache der zu Beginn der Bundesliga bezahlten Summe darstellt.
Die Übertragungsrechte an der Fußball-Bundesliga dienten nicht zuletzt aufgrund ihrer Eigenschaft als Zuschauer-magnet dazu, die mittel- bis langfristigen strategischen Zielsetzungen des erwerbenden Unternehmens zu erreichen. Für die verwertenden Medienunternehmen stellen sie zudem einen nicht unerheblichen Teil ihres Gesamtvermögens dar und haben somit durch ihre bilanzielle Behandlung maßgeblichen Einfluss auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslagen des bilanzierenden Unternehmens, was demnach die Möglichkeit zu bilanzpolitischen Maßnahmen eröffnen würde. Des Weiteren stehen diese Unternehmen nicht zuletzt durch ihr Agieren auf den Kapitalmärkten im Blickpunkt des öffentlichen Interesses. Das fordert von ihnen eines den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild ihrer Vermögenswerte sowie der daraus resultierenden Chancen und Risken. Verdeutlicht wurde dies mit den Übertragungsrechten einhergehende Risikopotential bereits durch die Insolvenz des KirchPay-Tv im Jahre 2002. Welch hohem Stellenwert die Übertragungsrechte für das besitzende Unternehmen zukommt, veranschaulichte die Verlautbarung der Rechtevergabe durch die DFL am 21.12.2005. Zum einen verunsicherte die Entscheidung zu Ungunsten des bisherigen Erstverwerters Premiere die Öffentlichkeit darin, visuell an „des Deutschen liebsten Kindes“; der Bundesliga teilnehmen zu können. Zum anderen spiegelte die Aktienkursreaktion der Premiere AG mit einem Minus von 42% die enorme strategische Bedeutung der Übertragungsrechte für das Unternehmen wider.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung, Zielsetzung und Gang der Arbeit
2. Begriffliche und konzeptionelle Grundlagen
2.1. Entstehung und Entwicklung des Marktes der Bundesliga Übertragungsrechte
2.1.1. Definition und Abgrenzung
2.1.2. Historie der Verwertung der Fußball- bzw. Bundesliga-Übertragungsrechte
2.1.3. Ökonomischer Wert für die DFL
2.1.4. Verwertungsmöglichkeiten von Übertragungsrechten
2.2. Rechtsnatur und Rechtsgrundlage der Übertragungsrechte
2.3. Der Übertragungsrechtevertrag
2.3.1. Rechtliche Einordnung
2.3.2. Interne Vereinbarungen der Berechtigten(DFL)
2.3.3. Pflichten aus dem Übertragungsrechtevertrag
3. Bilanzielle Erfassung von Live-Übertragungsrechten nach HGB
3.1. Rechtsrahmen und Zielsetzung der handelsrechtlichen Rechnungsnormen
3.2. Bilanzielle Behandlung des Übertragungsrechts
3.3. Bilanzielle Behandlung des Kaufpreises
3.4. Bilanzielle Behandlung von Risiken
4. Bilanzielle Erfassung von Live-Übertragungsrechten nach IFRS
4.1. Rechtsrahmen und Zielsetzung der internationalen Rechnungsnormen
4.2. Bilanzielle Behandlung des Übertragungsrechts
4.3. Bilanzielle Behandlung des Kaufpreises
4.4. Bilanzielle Behandlung von Risiken
5. Bilanzielle Erfassung von zeitversetzten Ausstrahlungen und Zusammenfassungen
6. Abweichende bilanzielle Behandlung von Film- und Fernsehlizenzen
6.1. Ansatz, Bewertung und Folgebewertung nach HGB
6.2. Ansatz, Bewertung und Folgebewertung nach IFRS
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die bilanzielle Erfassung von Übertragungsrechten an der Fußball-Bundesliga gemäß handelsrechtlichen Normen (HGB) sowie internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS), unter besonderer Berücksichtigung der Pay-TV-Situation des Senders Arena.
- Marktentwicklung und Ökonomie von Fußball-Übertragungsrechten
- Rechtliche Grundlagen und Einordnung von Sende- und Verwertungsrechten
- Bilanzielle Abbildung nach HGB: Aktivierungsfähigkeit und Bewertung
- Bilanzielle Abbildung nach IFRS: Standards und Ansatzkriterien
- Umgang mit Risiken und Drohverlustrückstellungen bei langfristigen Verträgen
Auszug aus dem Buch
2.1.2. Historie der Verwertung der Fußball- bzw. Bundesliga-Übertragungsrechte
Der Ausgangspunkt für audiovisuelle Übertragungsrechte an Fußballveranstaltungen war die in der Schweiz stattfindende Fußball-Weltmeisterschaft im Jahre 1954. Vereine und Verbände äußerten Kritik an einer zeitgleichen Fernsehübertragung, da sie befürchteten, dass ihre bis dahin einzige Einnahmenquelle, der Verkauf von Eintrittskarten zu den Sportveranstaltungen, unter der Live-Übertragung der Spiele leiden würde und so zum Substitut des Stadionbesuches führen könnte. Die EBU sicherte sich die Übertragungsrechte für ein Entgelt, im Sinne der Deckung der „Einnahmeschäden“ i.H.v. lediglich CHF 10.000. Dieser Sinneswandel seitens der Veranstalter fand im gleichen Jahr auch in Deutschland statt. Noch vor Gründung der Fußball-Bundesliga am 18. Juli 1962 zog der 1. FC Köln die Konsequenzen aus der geringen Zuschauerresonanz als Resultat der Live-Übertragung des Spiels gegen den FC Schalke 04. Die Vereine forderten vom damals übertragenden NWDR für das Rückspiel eine Verzehnfachung des ursprünglich vereinbarten Übertragungsentgelts i.H.v. DM 2.500. Zu diesem Zeitpunkt stand fest, dass für die audiovisuelle Verwertung von sportlichen Großveranstaltungen für das Übertragungsrecht ein entsprechendes Entgelt geleistet werden muss.
Mit der Erfindung der MAZ werden Mitte der sechziger Jahre die zeitversetzte Ausstrahlung von Sportveranstaltungen sowie die individuelle Produktion von Kurzberichten ermöglicht; die Geburt des Aktuellen Sportstudios sowie der Sportschau. Diese Entwicklung führte zu ersten Steigerungen der Übertragungsrechteentgelte und Sport wurde, für die sich in einer Monopolstellung befindenen öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten, zu einem immer kostenintensiveren Programmbestandteil.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung, Zielsetzung und Gang der Arbeit: Diese Einleitung skizziert die ökonomische Relevanz der Bundesliga-Übertragungsrechte und definiert das Ziel, deren Bilanzierung nach HGB und IFRS unter Bezugnahme auf den Pay-TV-Markt zu untersuchen.
2. Begriffliche und konzeptionelle Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung des Marktes für Übertragungsrechte, die Rechtsnatur dieser Rechte sowie die Strukturen von Übertragungsrechteverträgen.
3. Bilanzielle Erfassung von Live-Übertragungsrechten nach HGB: Es wird die Aktivierbarkeit der Übertragungsrechte unter Berücksichtigung der GoB untersucht und die bilanziellen Auswirkungen von Kaufpreiszahlungen sowie das Risiko von Drohverlusten analysiert.
4. Bilanzielle Erfassung von Live-Übertragungsrechten nach IFRS: Dieses Kapitel betrachtet die Anwendung internationaler Standards auf die Übertragungsrechte, wobei insbesondere auf die Kriterien zur Identifizierung als Vermögenswert und die Behandlung von Leasingverhältnissen eingegangen wird.
5. Bilanzielle Erfassung von zeitversetzten Ausstrahlungen und Zusammenfassungen: Hier wird die Abgrenzung der Bilanzierung für Highlights und Zweitverwertungen zur Live-Berichterstattung erläutert.
6. Abweichende bilanzielle Behandlung von Film- und Fernsehlizenzen: Es wird analysiert, wie sich die Bilanzierung klassischer Film- und Fernsehlizenzen aufgrund ihres urheberrechtlich geschützten Status von Sportübertragungsrechten unterscheidet.
7. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Übertragungsrechte an der Bundesliga nach derzeitigem Rechtsverständnis weder als immaterieller Vermögensgegenstand noch als Vermögenswert aktiviert werden können.
Schlüsselwörter
Bundesliga-Übertragungsrechte, Bilanzierung, HGB, IFRS, immaterielle Vermögensgegenstände, Live-Übertragung, Pay-TV, Sportrechte, Drohverlustrückstellung, Periodenabgrenzung, Lizenzverträge, Rechnungslegung, DFL, Vermarktung, Aktivierungsverbot
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit analysiert die handels- und bilanzrechtlichen Rahmenbedingungen für die Aktivierung und Bewertung von Übertragungsrechten an der deutschen Fußball-Bundesliga.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die ökonomische Entwicklung des Sportrechtemarktes, die rechtliche Einordnung von Sportveranstaltungen sowie die detaillierte Bilanzierung von Live-Rechten und Filmlizenzen nach HGB und IFRS.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu klären, ob Bundesliga-Übertragungsrechte als immaterielle Vermögenswerte in der Bilanz angesetzt werden dürfen und wie damit verbundene Zahlungen und Risiken buchhalterisch korrekt abzubilden sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine betriebswirtschaftliche Analyse durchgeführt, die primär auf der Auswertung der relevanten Rechnungslegungsnormen (HGB, IFRS), aktueller Rechtssprechung und Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Aktivierungsfähigkeit nach HGB, die entsprechende Prüfung nach IFRS-Standards sowie die Differenzierung zu klassischen Filmlizenzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Bundesliga-Übertragungsrechte, HGB, IFRS, Drohverlustrückstellung, immaterielle Vermögenswerte, Pay-TV und Periodenabgrenzung.
Warum ist die Bilanzierung bei einem neuen Unternehmen wie Arena schwierig?
Da Arena als reiner Rechteverwerter gegründet wurde, fehlen historische Daten, zudem führt die hohe strategische Bedeutung der Rechte zu Herausforderungen bei der Identifizierung eines "wirtschaftlichen Nutzens" gegenüber den hohen Kosten.
Ist die Bilanzierung nach HGB und IFRS identisch?
Nein, während beide Systeme die Aktivierung von Übertragungsrechten tendenziell kritisch sehen, unterscheiden sie sich in der Definition von Vermögenswerten (Asset-Begriffe) und den spezifischen Regelungen zur Rückstellungsbildung bei belastenden Verträgen.
- Quote paper
- Heiko Holstein (Author), 2007, Bilanzierung der Bundesligaübertragungsrechte nach HGB und IFRS, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76469