Viele Unternehmen sind heute auf die Hilfe von Beratungs- bzw. Coachingfirmen angewiesen da sie Probleme, die während Projektarbeiten, Umstellungsprozessen oder auch nur während des Arbeitsalltages nicht alleine bewältigen können. Woran liegt das und wie kann man diese Probleme beseitigen? Um diese Frage zu beantworten muss man sich zuerst Gedanken über eine grundlegende Tatsache mache. Da Kommunikation die Grundlage jeglicher Zusammenarbeit in Betrieben und Unternehmen ist, wird deutlich, wie wichtig es ist das diese Kommunikation problemlos verläuft. Meist sind fehlende oder mangelhafte Kommunikation und unzureichende Informationsweitergabe Auslöser für schwerwiegende Probleme innerhalb verschiedenster sozialer Systeme, gemeint sind hier auch die oben genannten Probleme. Um diese Probleme effektiv zu beheben sollten die Ursachen beseitigt werden. Um erfolgreich die Kommunikation innerhalb verschiedener Systeme zu beheben ist es notwendig sich mit Theorien zur Kommunikation zu befassen.
Paul Watzlawick schuf mit seinem Kommunikationsmodell eine äußerst interessante Theorie, deren mögliche Bedeutung für die systemische Beratung und ihre Ähnlichkeit zur Systemtheorie dieser Arbeit dargestellt werden sollen. Watzlawick und seine Mitarbeiter erkannten bei ihrer Arbeit, dass schizophrene Personen bestimmte Formen der Alltagskommunikation, welche normale Menschen davor bewahren, in eine Situation zu geraten aus der es keinen Ausweg mehr gibt, nicht leisten können.
Nimmt man nun diese Erkenntnis und überträgt sie auf Firmen, Abteilungen oder, systemtheoretisch gesprochen, soziale Systeme gelangt man zu dem Gedanken das auch hier das „kurieren“ der Kommunikationsprobleme die Lösung sein könnte.
Das erste Kapitel dieser Arbeit wird sich zunächst mit einigen theoretischen Grundannahmen, auf die die Theorie aufbaut, befassen und näher erläutern. Das zweite Kapitel befasst sich dann mit einer Darstellung der 5 Axiome nach Watzlawick. Im dritten Kapitel geht es dann um die Frage nach dem systemischen Aspekt in Watzlawicks Theorie. Das vierte Kapitel soll sich letztlich mit der Frage auseinandersetzen inwiefern Ähnlichkeiten oder Verbindungen zur Systemtheorie nach Luhmann bestehen. Im Fazit wird dann abschließend festgestellt wo Gemeinsamkeiten oder aber Unterschiede im Bezug auf die systemischen Aspekte bestehen und ob Watzlawicks Vorstellung von Kommunikation einen Nutzen für die Beratung bringt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Watzlawicks Kommunikationsmodell in der Theorie
2. Fünf Axiome nach Watzlawick
2.1 Erstes Axiom: „Die Unmöglichkeit nicht zu kommunizieren.”
2.2 Zweites Axiom: „Die Inhalts- und Beziehungsaspekte der Kommunikation“
2.3 Drittes Axiom: „Die Interpunktion von Ereignisfolgen“
2.4 Viertes Axiom: „Digitale und analoge Kommunikation“
2.5 Fünftes Axiom: „Symmetrische und komplementäre Kommunikation“
2.6 Zusammenfassung der Axiome
3. Der systemische Aspekt in Watzlawicks Kommunikationsmodell
4. Systemische Aspekte bei Watzlawick in Abgrenzung zur Systemtheorie Luhmanns
Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht das Kommunikationsmodell nach Paul Watzlawick auf seine systemischen Aspekte hin und prüft dessen praktischen Nutzen für die systemische Beratung in Unternehmen und Organisationen.
- Grundlagen der Kommunikationstheorie nach Watzlawick
- Detaillierte Analyse der fünf Axiome der Kommunikation
- Einordnung des Kommunikationsmodells in die Systemtheorie
- Vergleichende Analyse der Watzlawick-Systemtheorie zu Niklas Luhmann
- Evaluation des Nutzens systemischer Ansätze für professionelle Beratungsprozesse
Auszug aus dem Buch
Zweites Axiom: „Die Inhalts- und Beziehungsaspekte der Kommunikation“
Kommunikation die nur einmal stattfindet heißt bei Watzlawick Mitteilung. So kann sicherlich auch jeder Schritt innerhalb des Kommunikationskreislaufs genannt werden der schon im ersten Kapitel gezeigt wurde. Watzlawick hat jede Mitteilung auf ihren Inhalt hin untersucht und festgestellt, dass jede Kommunikation außer der reinen Sachinformation, die übermittelt werden soll, einen Hinweis darauf enthält, wie der Kommunikator seine Botschaft verstanden haben möchte und wie er die Beziehung zum Kommunikator sieht. Demnach enthält jede Kommunikation einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt (vgl. Watzlawick, et al., 2003). Vergleichbar ist dies mit der Programmierung von Maschinen, komplexen Systemen also, da diese sowohl Daten als auch Instruktionen benötigen um arbeiten zu können. Zu beachten ist, dass der Beziehungsaspekt den Inhaltsaspekt dominiert. Der Beziehungsaspekt bestimmt (instruiert) wie der Empfänger der Mitteilung die Sachinformation (Daten), also den Inhaltsaspekt zu verstehen hat. Dies kann dazu führen, dass ein und dieselbe sachliche Information aufgrund unterschiedlich definierter Beziehungsaspekte, verschieden aufgefasst wird. Dies birgt reichlich Raum für mögliche Störungen. Hauptsächlich entstehen Probleme hier wegen Uneinigkeit auf der Beziehungsebene. Dies führt zu Missverständnissen auf der Inhaltsebene, da der Empfänger die „Daten“ die er bekommt nicht so verarbeitet wie es eigentlich gedacht war. Aber auch Uneinigkeit auf der Inhaltsebene kann Probleme hervorrufen, da sich dies negativ auf die Beziehungsebene auswirkt.
Um Probleme, die aus diesem Bereich der Kommunikation resultieren zu beheben sollte man folgendes Axiom beachten: „Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, derart, dass letzterer den ersteren bestimmt und daher eine Metakommunikation ist.“ (Watzlawick, et al., 2003, S. 56)
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung reibungsloser Kommunikation in Unternehmen und führt in das Kommunikationsmodell von Paul Watzlawick als potenzielles Werkzeug für die systemische Beratung ein.
1. Watzlawicks Kommunikationsmodell in der Theorie: Dieses Kapitel erläutert die Entstehungsgeschichte des Modells sowie dessen radikale Abkehr vom klassischen Sender-Empfänger-Schema hin zu einer Fokusverschiebung auf die Sender-Empfänger-Beziehung.
2. Fünf Axiome nach Watzlawick: Die fünf Grundregeln der Kommunikation werden detailliert vorgestellt, wobei aufgezeigt wird, an welchen Stellen durch Fehlinterpretationen oder Störungen in der Interaktion Schwierigkeiten entstehen können.
3. Der systemische Aspekt in Watzlawicks Kommunikationsmodell: Hier wird analysiert, inwieweit Watzlawicks Theorie systemtheoretische Grundannahmen enthält, insbesondere hinsichtlich der Definition von Systemen und ihrer Umwelt.
4. Systemische Aspekte bei Watzlawick in Abgrenzung zur Systemtheorie Luhmanns: Dieses Kapitel vergleicht Watzlawicks systemtheoretische Ansätze mit denen von Niklas Luhmann und arbeitet Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in Bezug auf soziale Systeme heraus.
Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Watzlawicks Modell trotz theoretischer Differenzen zu Luhmann einen wertvollen, praxisorientierten Beitrag für die systemische Beratung leisten kann.
Schlüsselwörter
Paul Watzlawick, Kommunikationsmodell, fünf Axiome, systemische Beratung, soziale Systeme, Niklas Luhmann, Beziehungsebene, Inhaltsebene, Interpunktion, Kommunikation, Systemtheorie, Coaching, Unternehmensberatung, Interaktion, Feedbackschleife
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Kommunikationstheorie nach Paul Watzlawick und untersucht deren systemtheoretische Fundierung sowie die praktische Anwendbarkeit in der professionellen Beratung.
Welches ist das zentrale Themenfeld der Untersuchung?
Das zentrale Themenfeld liegt an der Schnittstelle von zwischenmenschlicher Kommunikation und systemtheoretischen Ansätzen, angewandt auf den Beratungskontext.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Nutzen des Watzlawick’schen Modells für die Beratungspraxis aufzuzeigen und durch einen Vergleich mit der Systemtheorie Luhmanns wissenschaftlich einzuordnen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Literaturanalyse basiert und die Kerntheorien von Watzlawick mit systemtheoretischen Konzepten, insbesondere denen von Luhmann, vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der fünf Axiome, eine systematische Untersuchung der systemischen Merkmale bei Watzlawick und einen Vergleich mit Luhmanns Systemtheorie.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Kommunikation, Watzlawick, systemische Beratung, Systemtheorie, Axiome, soziale Systeme und Interpunktion.
Inwiefern unterscheidet sich Watzlawicks Verständnis von sozialen Systemen von dem Luhmanns?
Ein wesentlicher Unterschied liegt darin, dass bei Watzlawick der Mensch als Teil des Systems betrachtet wird, während für Luhmann das psychische System außerhalb des sozialen Systems steht, das ausschließlich aus Kommunikation besteht.
Welchen konkreten Nutzen zieht die Beratungspraxis aus dem fünften Axiom?
Das fünfte Axiom ermöglicht Beratern, symmetrische Eskalationen oder starre komplementäre Machtgefüge in Teams zu identifizieren, um durch gezielte Interventionen Kommunikationsstörungen nachhaltig zu beheben.
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- Dipl.-Päd. Markus Reinschmidt (Author), 2007, Kommunikation nach Watzlawick. Der systemische Aspekt und der Nutzen für die Beratung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76486