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Das Opferedikt des Kaisers Decius und die Verfolgung der christlichen Kirche

Title: Das Opferedikt des Kaisers Decius und die Verfolgung der christlichen Kirche

Seminar Paper , 2005 , 22 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Dominik Jesse (Author)

World History - Early and Ancient History
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Die spärliche Quellenlage erschwert es im Falle des Decius (249-251) sehr, diesen Kaiser differenziert zu betrachten, dessen Name in jedem Buch zur römischen oder zur Kirchengeschichte vornehmlich mit den ersten reichsweiten sowie zentral organisierten Verfolgungen der christlichen Kirche in Verbindung gebracht wird, die er mit seinem Opferedikt im Jahre 249 ausgelöst habe. Dieses Edikt stellte eine bemerkenswerte Neuerung im römischen Sakralrecht dar, denn darin wurde zum ersten Mal in der Geschichte des Reiches von einem römischen Staatsbürger die Abgabe einer Bekenntnisformel zur herrschenden Religion verlangt. Der genaue Inhalt des Ediktes aber muss rekonstruiert werden, denn es ist verschollen. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts konnten die darin festgelegten Bestimmungen nur mit Hilfe der christlichen Quellen erschlossen werden. Doch im Jahre 1893 fand man den ersten ägyptischen libellus (= Opferbescheinigung). Seither hat sich das Bild dieses Kaisers merklich relativiert, obgleich es weiterhin problematisch blieb, wenn nicht unmöglich, über dessen religionspolitische Motivation verlässliche Aussagen zu gewinnen.
Es soll dennoch innerhalb der folgenden Arbeit der Versuch unternommen werden darzustellen, dass Decius mit dem Erlass und der Durchsetzung seines Opferedikts aus dem Jahre 249 keine (gezielten) „Christenverfolgungen“ intendiert hatte. Um dieses Thema angemessen bearbeiten zu können, sind verschiedene Blickwinkel und Fragestellungen zu berücksichtigen, die zur Charakterisierung des Edikts und zur Hinterfragung der Verfolgungen beitragen. Zunächst sollen die formalen Aspekte des decischen Edikts erläutert werden. Es wird aufgezeigt, dass dieses sakralpolitische Novum einerseits nicht nur an die Christen, sondern an alle cives imperii Romani gerichtet war. Andererseits ist es mit einer supplicatio gleichzusetzen, einer auch schon vor Decius durchaus üblichen Handlung im römischen Reich. Auch wird auf die Vermutung eingegangen, das Opferedikt sei nur eine von mehreren gegen die Christen gerichteten Maßnahmen des Kaisers gewesen. Im zweiten Teil der Arbeit sollen direkt die „Christenverfolgungen“ thematisiert werden, indem die Durchsetzung des kaiserlichen Edikts erläutert und dargestellt wird, dass eine gezielte Verfolgung auf dessen Basis nicht stattfand, ja gar nicht stattfinden konnte

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Quellen

Die nicht-christlichen Quellen – Die libelli

Die christlichen Quellen

I. Der formale Charakter des Opferedikts

I.1. Das Opferedikt als allgemeines Gebot

I.2 Das Opferedikt als erstes von mehreren Edikten?

I.3 Das Opferedikt als supplicatio

I.4 Das Opferedikt als Wechsel im Verhältnis des Staates zu den Christen

II. Die „Christenverfolgungen“ unter Decius

II.1 Die Kommissionen

II.2 Die Opferbescheinigungen

II.3 Die Praxis der „Christenverfolgungen“

Zusammenfassung

Bibliographie

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Opferedikt des Kaisers Decius aus dem Jahr 249 mit dem Ziel zu belegen, dass dieses Edikt keine gezielte Christenverfolgung intendierte, sondern eine allgemeine, sakralpolitische Maßnahme zur Sicherung der Loyalität der gesamten Bevölkerung gegenüber den römischen Staatsgöttern darstellte.

  • Kritische Analyse der Quellenlage (libelli vs. christliche Zeugnisse)
  • Formale Einordnung des Opferedikts als allgemeines Gebot und supplicatio
  • Untersuchung der Chronologie und Widerlegung der Theorie multipler Edikte
  • Analyse der administrativen Durchsetzung durch Opferkommissionen
  • Neubewertung des Verhältnisses zwischen römischem Staat und Christen

Auszug aus dem Buch

I.4 Das Opferedikt als Wechsel im Verhältnis des Staates zu den Christen

Mit dem Opferedikt hielten drei Neuheiten im römischen Staat Einzug. Erstens stellte sich der augenmerklich sehr konservative Decius damit in offenen Gegensatz zur alten Anschauung des römischen Sakralrechts, niemals in den Bereichen der Kultbeteiligung einen Zwang auf den Einzelnen auszuüben. Warum Decius mit dieser Gewohnheit brach, wurde im Kapitel I.3 zur Genüge erörtert und soll hier nicht weiter beachtet werden. Zweitens wurde die „Christenverfolgung“ nicht durch lokale Ressentiments ausgelöst wie bei früheren „Persekutionen“, sondern durch eine explizit kaiserliche, also staatliche Initiative. Auch diese Besonderheit wurde bereits hinreichend erhellt. Drittens schuf Decius mit seinem Edikt eine Veränderung im Verhältnis zwischen dem römischen Staat auf der einen und den Christen auf der anderen Seite. Jener Aspekt ist für das Thema dieser Abhandlung von entscheidender Wichtigkeit und soll im Folgenden eingeschätzt werden.

Ein Blick in die kirchlichen Quellen zeigt, dass diese (beinahe sämtlichst) die kaiserlichen Schritte als Verfolgungen gegen die Christen deuteten. Sie sahen darin also Maßnahmen, die gegen sie als eine bestimmte praktizierende Religionspartei gerichtet waren. Wie Molthagen bemerkt, deutet auch tatsächlich nichts darauf hin, dass das alte Christenverbot unter Decius aufgehoben worden wäre; vielmehr existierte es weiterhin, nur dass es ab dem Jahre 249 neben dem Edikt bestand. Das Opferedikt nun stellte einen Neuansatz zur Regelung des Verhältnisses zwischen dem römischen Staat und den Christen dar und darf nicht einfach als Fortführung der alten Christenpolitik des Reiches verstanden werden, das nun von der Bedrängung einzelner zur Verfolgung der ganzen Gruppe überging.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Vorstellung des Themas und der Forschungsfrage, ob Decius gezielte Christenverfolgungen intendierte, sowie Darlegung des methodischen Vorgehens.

Die Quellen: Kurze Vorstellung und kritische Gewichtung der für die Untersuchung herangezogenen nicht-christlichen libelli und der christlichen Zeugnisse.

I. Der formale Charakter des Opferedikts: Untersuchung der formalen Aspekte des Edikts, einschließlich der Einordnung als allgemeines Gebot, der Auseinandersetzung mit der Theorie mehrerer Edikte und der Interpretation als supplicatio.

II. Die „Christenverfolgungen“ unter Decius: Analyse der praktischen Umsetzung des Edikts durch Kommissionen und Opferbescheinigungen sowie Untersuchung der tatsächlichen Verfolgungspraxis unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Behandlung von Christen.

Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse, die bestätigt, dass das Opferedikt primär eine allgemeine Loyalitätsbekundung forderte und nur begrenzt als Verfolgungsedikt betrachtet werden kann.

Bibliographie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.

Schlüsselwörter

Opferedikt, Kaiser Decius, Christenverfolgung, libelli, supplicatio, Religionspolitik, römische Staatsgötter, Opferkommissionen, Sakralrecht, antike Geschichte, Loyalität, Opferbescheinigung, Cyprianus, Molthagen, Staatskult.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit dem Opferedikt des Kaisers Decius aus dem Jahr 249 und der Frage, ob dieses Edikt eine gezielte Verfolgung der christlichen Kirche beabsichtigte.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Untersuchung konzentriert sich auf die formale Charakterisierung des Edikts, die Analyse der zeitgenössischen Quellen (insbesondere libelli und christliche Schriften) sowie die Untersuchung der tatsächlichen Durchsetzungspraxis im römischen Reich.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es nachzuweisen, dass Decius mit seinem Opferedikt keine spezifisch christenfeindliche Verfolgung intendierte, sondern eine allgemeine Maßnahme zur Stärkung der Loyalität gegenüber den Göttern des Reiches anstrebte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine historisch-kritische Quellenanalyse durchgeführt, bei der sowohl christliche als auch nicht-christliche Zeugnisse gewichtet, chronologisch eingeordnet und im Hinblick auf ihre Aussagekraft über die Absichten der römischen Regierung geprüft werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der formalen Aspekte des Edikts (als allgemeines Gebot und supplicatio) und eine Analyse der administrativen Durchsetzung, unter anderem durch die Opferkommissionen und das Ausstellen der libelli.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind das Opferedikt, Kaiser Decius, libelli, supplicatio, Christenverfolgung, römischer Staatskult und Sakralrecht.

Wie bewertet der Autor die Rolle der libelli?

Die libelli werden als zentrale, nicht-christliche Primärquellen gewertet, die eindeutig belegen, dass das Opfergebot ein allgemeines Gebot an alle Staatsbürger war und keine spezifische Richtung gegen Christen aufwies.

Warum wird die Theorie von mehreren Edikten zurückgewiesen?

Der Autor weist diese Theorie zurück, da eine Untersuchung der Chronologie in den christlichen Quellen zeigt, dass die administrativen Maßnahmen regional und zeitlich unterschiedlich verliefen, was oft zu Fehlinterpretationen durch antike Autoren führte.

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Details

Title
Das Opferedikt des Kaisers Decius und die Verfolgung der christlichen Kirche
College
University of Potsdam
Grade
1,7
Author
Dominik Jesse (Author)
Publication Year
2005
Pages
22
Catalog Number
V76495
ISBN (eBook)
9783638800990
ISBN (Book)
9783638833028
Language
German
Tags
Opferedikt Kaisers Decius Verfolgung Kirche Christentum Soldatenkaiser Römisches Reich Libellus Christen Libelli Katholische Kirche opfern kaiser Decius Soldat Senat Römisch Römer Quellen Christliche Quelle Opfer Edikt
Product Safety
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Quote paper
Dominik Jesse (Author), 2005, Das Opferedikt des Kaisers Decius und die Verfolgung der christlichen Kirche, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76495
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